DNR im Real Life

Jillian

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Ich habe heute eine Frage, die mir eine Freundin stellte.
Meine Freundin ist passionierte Zweiradfahrerin. Nicht nur ihre geliebte Vespa, sondern auch die richtig PS-starken Rennmaschinen. Ihr Lebensgefährte ist ebenfalls Motorradfahrer und hat schon einige brenzlige Unfälle gehabt. Nun beginnt wieder die Saison, und meine Freundin fragte mich Folgendes: Angenommen, sie ist mit ihrer Maschine unterwegs, kommt von der Straße ab und wickelt sich um einen Baum. Sie erleidet ein Polytrauma inkl. Kreislaufstillstand. Ersthelfer treffen ein, später dann die professionellen Helfer. Meine Freundin möchte unter keinen Umständen reanimiert werden.

Wie kann sie das rechtsgültig anzeigen, sodass es jeder Helfer erkennen kann?

Ich habe mich dazu schon mit einem befreundeten Oberarzt unterhalten, der auch Notarzteinsätze fährt. Wir haben verschiedene Möglichkeiten durchdiskutiert: Tattoo? Kettenanhänger? Tshirt mit Aufdruck? Verweis auf die Patientenverfügung, die mit sich geführt wird? Brustbeutel? Und noch einige Möglichkeiten mehr. Aber bei allen fanden wir irgendeinen Haken, meist den, dass der normale Ideal-Ersthelfer nicht erst nach eventuellen Dokumenten sucht, sondern mit der Reanimation beginnt. Auch könnten Hinweise auf DNR als Scherz aufgefasst werden, nicht als verbindliche und rechtskräftige Festlegung.
Meine Freundin hat nun eine Email an die nächstgelegene Feuerwache geschrieben und ihre Fragestellung dort formuliert, in der Hoffnung, dass professionelle Helfer am ehesten Aussagen dazu treffen können, unter welchen Umständen sie am Einsatzort von einer Rea absehen, weil sie rechtskräftig mitgeteilt wurde. Noch wartet sie auf Antwort. Das Thema beschäftigt sie sehr.

Hättet ihr Ideen, Hinweise, rechtliche Aspekte, die es zu beachten gäbe? Wie könnte meine Freundin das Problem lösen?
 

renje

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Ich Fahre seit 25 Jahren Rettungsdienst in München.
Das Problem ist nicht lösbar - generell nicht lösbar - ob jetzt Unfall oder häuslicher Kreislaufstillstand etc.

Tattoo - kein Mensch weiß wie alt das ist und unter welchen Situationen möchte man keine REA? - das steht da sicher nicht.
T-shirt - von wem, verwechselt, Fakeaufschrift?
Kettenanhänger, Brustbeutel - in so einer Situation habe ich keine Zeit da mal zu suchen und zu lesen was da evtl. aufgeschrieben wurde, dann brauche ich nicht mehr zum Reanimieren anfangen.

Generell - ist die Zeit viiiiiiiiel zu kurz bei einer REA - irgendwelche Unterlagen zu prüfen, ob das jetzt genau auf diese Situation zutrifft oder nicht und ob der Verfasser genau diese Situation gemeint haben könnte oder doch nicht.
Das könnte dann ein NA, wenn die REA länger läuft und dann entscheiden, dass man beendet. Im Altenheim öfters erlebt - nie auf der Strasse bei Verkehrsunfällen - da das outcome NIE einschätzbar ist.

Generell wird beklagt, dass die Pat.verfügungen oft sehr ungenau abgefasst werden und daher oft keine Anwendung findet.

Bei Jüngern ist besonders genau zu Prüfen und das kann nur in Ruhe in der Klinik geschehen.

Deshalb in Notfällen, bei denen es um Leben und Tod geht nicht anwendbar.
 

Kalimera

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Deine Freundin kann das Problem gar nicht lösen.
Sie erwartet, dass andere ihr Problem lösen. Vielleicht sollte sie ihre Idee mal von der Perspektive der Rettungsdienstler und Ersthelfer betrachten. Dann wird ihr vielleicht klar was sie von anderen Menschen verlangt.
Mein Ansatz wäre zu hinterfragen wie diese Idee entstanden ist. Ich habe zu viele gesehen, die nach einer Reanimation wieder ein normales Leben führen, als dass ich einer solchen Aufforderung Folge leisten würde, auch wenn sie direkt sichtbar wäre.
 
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Reaktionen: einer und renje

-Claudia-

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Generell wird beklagt, dass die Pat.verfügungen oft sehr ungenau abgefasst werden und daher oft keine Anwendung findet.
Das lässt sich durch entsprechend vorformulierte Verfügungen, in Verbindung mit einer fachlichen Beratung, umgehen. Aber es würde im beschriebenen Fall nichts bringen. Im Notfall wird versucht zu helfen.
 

-Claudia-

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Mein Ansatz wäre zu hinterfragen wie diese Idee entstanden ist. Ich habe zu viele gesehen, die nach einer Reanimation wieder ein normales Leben führen, als dass ich einer solchen Aufforderung Folge leisten würde, auch wenn sie direkt sichtbar wäre.
@Kalimera: Rein interessehalber: Wie reagierst Du bei einem Notfall bei einem Patienten, bei dem Du die Patientenverfügung, in der die Reanimation untersagt wird, vorliegen hast?
 

Kalimera

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@Kalimera: Rein interessehalber: Wie reagierst Du bei einem Notfall bei einem Patienten, bei dem Du die Patientenverfügung, in der die Reanimation untersagt wird, vorliegen hast?
@ Claudia: Meine Aussage bezog sich jetzt auf einen Notfall wie hier im Eingangsthread beschrieben.
Bei unseren Patienten ist in der Regel abgeklärt ob eine Patientenverfügung vorliegt und wir handeln entsprechend.
Bei schwer erkrankten und austherapierten Patienten klären die Ärzte das Vorgehen mit Patienten und/oder den Angehörigen ab. Dabei wird auch abgeklärt ob die Patienten eine intensivmedizinische Behandlung wünschen.
 

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