Der Vergleich mit den Ärzten hinkt doch gewaltig: Ärzte, die aus dem Ausland kommend hier eine Stelle besetzen, waren auch schon in ihrem Herkunftsland Ärzte.
Bei den potentiellen Pflegekräften sieht das aber ganz anders aus: diese werden hier bewußt in die eher unbeliebte Altenpflege geschleust, unabhängig von ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Dass sich die Flüchtlinge darauf einlassen dürfte doch wesentlich daran liegen, dass damit zu allererst einmal der Aufenthaltsstatus gesichert wird, gleichzeitig effektive Sprachkurse angeboten werden und nebenbei auch noch Geld verdient werden kann und die Zeit bis zum ausreichenden Spracherwerb sinnvoll verbracht wird. Ist aber erst mal der Aufenthaltsstatus gesichert und die Sprache erworben, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass ehemalige Wirtschaftsstudenten oder ähnlich vorgebildete Flüchtlinge in der Altenpflege verbleiben. Ich bin überzeugt davon, dass der größte Teil der so rekrutierten Pflegekräfte schnell wieder aus dem Beruf verschwinden wird. Unser Pflegepersonalmangel wird damit sicher nicht behoben.
Den Flüchtlingen kann ich ein solch strategisches Vorgehen auch gar nicht übel nehmen. Ich würde es an ihrer Stelle ganz genauso machen.
Ich sehe diese Maßnahmen eher als gelungene Integrationsbemühungen und weniger als Lösung für den Pflegepersonalmangel. Wenn dann am Ende gut integrierte Flüchtlinge das Ergebnis sind, ist das natürlich auch gut, aber man sollte den Personalmangel endlich an seiner Wurzel anpacken:
Arbeitsbedingungen erheblich verbessern, Personalschlüssel nach tatsächlichem Bedarf etablieren und die Bezahlung auf ein attraktives Niveau erhöhen.
Gruß spflegerle