News Ausbildung: Pflege im Wandel – Zukunftsmodell Hybridberuf?

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Wie sich Pflegeberufe künftig verändern, war Thema einer Diskussionsrunde bei der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft. Gefordert werden praktikable Lösungen.

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Meiner Meinung nach ist diese Diskussion um "Weiterentwicklungsmöglichkeiten", "neue Tätigkeistfelder" und generell Aufstiegsmöglichkeiten in der Pflege eine reine Scheindiskussion unter den aktuellen Bedingungen, vor allem, was die Finanzierung der Pflege angeht.

"Hybridberuf", dazu das Beispiel Chemiker mit MTA-Ausbildung. Bezogen auf die Pflege heisst das nichts anderes, als die Forderung nach Übernahme ärztlicher Vorbehaltsaufgaben durch speziell geschulte (akademisierte) Pflegekräfte. Das ist eine fromme Forderung, ohne dass es dafür allzugroße Hoffnung auf Unterstützung durch die Ärzteschaft geben könnte.

Was bedeutet also diese angestrebte Wandlung unter der aktuellen Tariflage/Gesetzeslage?

- Aus der persönlichen Sicht einer Pflegekraft: "Weg vom Bett", "Mehr Geld", "Mehr Anerkennung". Aber eben vor allem "Weg von der hohen Arbeitsbelastung"
- Aus der Sicht der Pflege allgemein: Verschiebung von Fachkräften hin zu patientenfernen Arbeitsfeldern, dabei aber weiter volle Anrechnung dieser Personen auf die Personalschlüssel eines Bereiches. Unterm Strich also Mehrbelastung für den Rest des Teams oder ungenügende Umsetzung im angestrebten patientenfernen Tätigkeitsfeld. Als konkretes Beispiel könnte ich unseren Atmungstherapeuten anführen, der diese Position mit einer 50%-Stelle besetzt, während seiner (absolut wichtigen und hilfreichen) Tätigkeit als Atmungstherapeut für diese spezielle Tätigkeit durchaus am Patienten direkt beschäftigt ist, allerdings für sämtliche anderen Aufgaben am Patienten solange nicht zur Verfügung steht. Im Stellenschlüssel wird er aber ganz normal mitgezählt. Da wir immer spitz-auf-Knopf besetzt sind, muss der Atmungstherapeut oft genug seine Arbeit liegen lassen, und doch Patienten komplett übernehmen.
- Aus Sicht der Krankenhausbetreiber: Fachkräfte mit Zusatzqualifikation übernehmen zusätzliche Verantwortung, die reguläre Arbeit am Patienten wird dabei auf mehr und mehr Pflegehilfskräfte übertragen, diese Entwicklung muss am Ende kostenneutral oder sogar Kosten einsparend wirken.

Die konkrete Arbeit am Patienten wird nicht weniger, wenn man diese Arbeit teilweise oder überwiegend auf Hilfskräfte überträgt: dann muss man zum Einen einen hohen Aufwand an Überwachung dieser Hilfskräfte betreiben, oder darauf hoffen, dass schon alles gut gehen wird ("Pflege kann jeder"). Man benötigt aber wegen der Pflegespezialkräfte nicht weniger Personal am Bett, diese Arbeit bleibt ja bestehen, also müssen am Ende eben doch wieder Leute gefunden werden, die diese Aufgaben übernehmen sollen. Wenn das dann überwiegend schlechter ausgebildete Hilfskräfte mit weniger Lohn sein sollen, dann frage ich mich ernsthaft, wo diese herkommen sollen? Schon beim aktuellen Lohnniveau und den aktuellen Bedingungen ist ja die Rekrutierung gewillter neuer Pflegekräfte schwer, wie soll also dieser Aufgabenbereich attraktiver werden, wenn die Bezahlung eher nach unten geht?

Aus meiner Sicht sind all diese Wünsche nach "Weiterentwicklung" uä eben nur aus dem Wunsch entstanden, der Arbeistbelastung am Bett irgendwie zu entkommen. Und diese Belastung wird nicht weniger, wenn wir die engagierten Pflegekräfte an patientenferne Arbeitsfelder verlieren, dann mögen einige vielleicht mit der Pflege verbunden bleiben, die jetzt lieber ganz aus der Pflege verschwinden, aber das Gros der Pflegekräfte bleibt weiter unter den schlechten Bedingungen gefangen und muss auch noch mit einer Abwertung ihrer Arbeit zurechtkommen.

Nein, der erste Schritt zu echten Veränderungen muss mit echten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einhergehen, also bedarfsgerechte Personalplanung, einzuhaltendes Konsequenzenmanagement, mehr Einfluß auf Dienstplanung und Urlaubsplanung, verlässliche Dienstplanung, Berücksichtigung familiärer Belastung bei der Planung, usw...., dazu tarifliche Verbesserung von Schichtarbeit, WE- und Feiertagsdiensten und die bezahlte Pause.

Erst wenn diese Veränderungen greifen, werden zusätzliche Tätigkeitsfelder neben der Pflegearbeit am Bett eine sinnvolle Ergänzung sein, die sowohl für das Pflegepersonal als auch die Patienten einen Mehrwert darstellt.

Gruß spflegerle
 
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Nö, seh ich eher nicht so wie Du. Denn bei der Akademisierung der Pflege geht es eben NICHT darum, in erster Linie ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen (auch wenn die das gerne so hätten, um "entlastet" zu werden), sondern tatsächlich um eine Weiterentwicklung der Profession Pflege selbst - weg von überliefertem Erfahrungswissen, hin zu evidenzbasiertem Wissen.

Allerdings kommt mir das Ganze schon sehr komisch vor (was ist die "Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft"?).
Kommt mir eher so vor, als würden da wieder hauptsächlich Leute mitgackern, die völlig pflegefremd sind. :roll:
Eine der offenbar ganz wenigen Ausnahmen scheint diese Dame gewesen zu sein:

"Derzeit findet eine zunehmende Akademisierung des Pflegeberufes statt, sagt auch Professor Dr. Adina Dreier-Wolfgramm vom Department Pflege und Management der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg: „In den nächsten fünf Jahren wird es mehr duale Pflegestudiengänge geben.“ Die große Herausforderung sei dann, für hochschulisch ausgebildete Pflegekräfte entsprechende Arbeits- und Tätigkeitsfelder zu schaffen."

Wobei ich mich dann allerdings frage, wenn ich das Fettmarkierte lese, ob da irgendwas an ihr vorbei gegangen sein muß...?
Denn ab 2020 tritt das neue Pflegeberufegesetz in Kraft.
Und dies sieht vor, daß es neben der Ausbildung auch erstmalig studierte (und nur studierte!) Pflegekräfte geben wird - nix mehr dual, so wie bisher!
Da natürlich Schüler/Studenten, die bereits 2018/19 ihre duale Ausbildung begonnen haben, noch über 2020 hinaus diese zu Ende führen werden, wird es noch eine Weile Pflege dual-Absolventen geben; aber wohl spätestens irgendwann 2024/25 nicht mehr. Dann ist Ende mit Pflege dual.
Also entweder hab ich da was verpennt oder sie?! :weissnix:
 
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Und dies sieht vor, daß es neben der Ausbildung auch erstmalig studierte (und nur studierte!) Pflegekräfte geben wird - nix mehr dual, so wie bisher!
Aber Studiengänge in dieser Form gibt es in Deutschland doch noch gar nicht (abgesehen von dem einen Modellprojekt in Bochum). Es gibt zwar drei grundständige Studiengänge an Hochschulen in Hessen, schon seit den 90ern, diese jedoch enthalten keinerlei praktische Studienanteile und waren nie für die Tätigkeit "am Bett" konzipiert. Es wird Zeit brauchen, grundständige Studiengänge nach dem neuen Pflegeberufegesetz zu konzipieren, und diese müssen dann auch wieder akkreditiert werden - das ist in den nächsten sechs Monaten nicht zu schaffen. Zumal (fast) alle, die an solchen Projekten mitwirken könnten, im Augenblick mit der entsprechenden Umstellung der Ausbildung gebunden sein dürften.

Abgesehen davon eröffnet in meinen Augen das Pflegeberufegesetz zwar die Möglichkeit grundständiger Pflegestudiengänge, aber es untersagt nicht den dualen Weg.
 
@-Claudia-
Daß es diese Studiengänge noch nicht gibt, ist klar - es ist momentan noch nicht zulässig, die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung anders als durch Berufsfachschulabschluß zu erlangen.

Und das neue Pflegeberufegesetz macht duale Studiengänge doch zumindest überflüssig...? Von daher für mich nicht nachvollziehbar die Aussage der Dame, duale Studiengänge würden zunehmen... im Gegenteil, ein Ende ist absehbar.
 
Hallo Martin,
deine Aussage hat mich doch jetzt ziemlich überrascht, da gerade auch bei uns der duale Studiengang ausgebaut wird.

Zumal auch die BIK vor knapp 2 Wochen eine Fortbildung abgehalten hat über die Finanzierung ab nächstem Jahr.

Auch nach der neuen Berufsordnung wird ein reines Studium zur Arbeit am Bett nicht befähigen.
Damit auch nicht zu WBL oder SL o.ä.

Deshalb ist deine Aussage auf deinen Überlegungen gewachsen oder gibt es dazu irgendwelche offizielle Verlautbarungen o.ä.?
 
Auch nach der neuen Berufsordnung wird ein reines Studium zur Arbeit am Bett nicht befähigen.
Damit auch nicht zu WBL oder SL o.ä.
Praxiseinsätze sind natürlich auch im Studium vorgesehen.
Deshalb ist deine Aussage auf deinen Überlegungen gewachsen oder gibt es dazu irgendwelche offizielle Verlautbarungen o.ä.?

Die Berufsfachschule kommt darin nicht mehr vor.
Das ist ja das grundlegend Neue.
 
Praxiseinsätze sind natürlich auch im Studium vorgesehen.
Wollte ich auch gerade sagen.

In den meisten Ländern der Welt ist die Krankenpflege ein "reines Studium" und befähigt sehr wohl zur Arbeit am Patienten.
 
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Reaktionen: Martin H.
Ihr habt natürlich Recht. Im Eifer des Gefechts habe ich die derzeitigen Studiengänge mit dem nach Pflgberges. definierten Studium vermischt.
Ich meinte die Management und Pädagogikstudiengänge ohne vorherige 3j Ausb.

Allerdings scheint mir in §37Abs.3 die Definition der Befähigungen nicht unbedingt auf eine Arbeit am Bett abzuzielen - oder?
Dauer in Inhalt sind sehr offen Formuliert und ich denke es wird noch einige Zeit - Jahre - in Anspruch nehmen, bis die Voraussetzungen und Kapazitäten geschaffen sind, dass man diesen Studiengang als Regelstudiengang bezeichnen könnte.

In den meisten Ländern der Welt ist die Krankenpflege ein "reines Studium" und befähigt sehr wohl zur Arbeit am Patienten.
Liebe Claudia, das mag schon sein, nutzt uns aber für die Situation in der BRD überhaupt nix.
Deutschland geht seit Jahrzehnten schon einen eigenen Weg im Gesundheitswesen und in der Pflgausb. im Besonderen.

Ich habe mich nochmals mit Kollegen in Verbindung gesetzt, bisher will niemand die dualen Stud.gänge kürzen oder abschaffen, einige Träger erhöhen sogar die Ausb.plätze für dieses Angebot.
Ja irgendwann mal, wenn es genügend Studienplätze gäbe - ja dann - aber ich habe Zweifel ob wir das, ich zumindest ca. 15Jahre, in meiner aktiven Arbeitszeit noch erleben werde. :cry:

Die Berufsfachschule kommt darin nicht mehr vor.
Das ist ja das grundlegend Neue.
Entschuldige aber das ist ein alter Hut. Im derzeitigen Gesetz steht auch nix von BFS, kann auch nicht - Kulltushoheit der Länder - somit ist es den Ländern überlassen in welcher Schulform sie die Ausb. durchführen wollen.
Gibt zwar eine Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz, es wären aber auch andere Schulformen denkbar und möglich.
Der Gesetzgeber will das ausdrücklich nicht unmöglich machen.
 
Ihr habt natürlich Recht. Im Eifer des Gefechts habe ich die derzeitigen Studiengänge mit dem nach Pflgberges. definierten Studium vermischt.
Ich meinte die Management und Pädagogikstudiengänge ohne vorherige 3j Ausb.
Ah, ok.
Ja, das sehe ich ganz genauso: Es ist ein Unding, das sowas überhaupt möglich ist.
Allerdings scheint mir in §37Abs.3 die Definition der Befähigungen nicht unbedingt auf eine Arbeit am Bett abzuzielen - oder?
Dauer in Inhalt sind sehr offen Formuliert und ich denke es wird noch einige Zeit - Jahre - in Anspruch nehmen, bis die Voraussetzungen und Kapazitäten geschaffen sind, dass man diesen Studiengang als Regelstudiengang bezeichnen könnte.
Ich habe eher den Eindruck, daß das Studium Pflege in D sehr praxisorientiert geplant ist; die Praxisanteile sind zwar etwas geringer als die in der Ausbildung, aber in anderen Ländern (Claudia erwähnte es bereits) scheint dieser Anteil eher gegen Null zu tendieren.
Liebe Claudia, das mag schon sein, nutzt uns aber für die Situation in der BRD überhaupt nix.
Deutschland geht seit Jahrzehnten schon einen eigenen Weg im Gesundheitswesen und in der Pflgausb. im Besonderen.
Hm, ich sehe es schon als sinnvoll an, sich ein gutes Stück weit am Ausland zu orientieren. Jetzt irgendwelche Studiengänge zu etablieren, die im Prinzip das Gleiche lehren wie die BFS nur mit einem Bachelor statt einem Examen am Schluß, erscheint mir wenig sinnvoll.
Ich habe mich nochmals mit Kollegen in Verbindung gesetzt, bisher will niemand die dualen Stud.gänge kürzen oder abschaffen, einige Träger erhöhen sogar die Ausb.plätze für dieses Angebot.
Ja irgendwann mal, wenn es genügend Studienplätze gäbe - ja dann - aber ich habe Zweifel ob wir das, ich zumindest ca. 15Jahre, in meiner aktiven Arbeitszeit noch erleben werde. :cry:
Da will ich Dir (und Claudia) gar nicht widersprechen, da habt ihr die besseren Infos, weil ihr näher dran seid.
Mir erscheint es nur widersinnig, ein so umständliches Konstrukt wie die duale Ausbildung weiterhin aufrecht zu erhalten, wenn jetzt doch die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung auch direkt per abgeschlossenem Hochschulstudium möglich ist.
Entschuldige aber das ist ein alter Hut. Im derzeitigen Gesetz steht auch nix von BFS, kann auch nicht - Kulltushoheit der Länder - somit ist es den Ländern überlassen in welcher Schulform sie die Ausb. durchführen wollen.
Gibt zwar eine Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz, es wären aber auch andere Schulformen denkbar und möglich.
Der Gesetzgeber will das ausdrücklich nicht unmöglich machen.
"§ 4 Dauer und Struktur der Ausbildung
(1) Die Ausbildung für Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger, für Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger schließt mit der staatlichen Prüfung ab; sie dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung in Vollzeitform drei Jahre, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. Bei Modellvorhaben nach Absatz 7 ist die Ausbildungsdauer nach Satz 1 entsprechend zu verlängern. Das Nähere regeln die Ausbildungspläne der Ausbildungsstätten.
(2) Der Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen an Krankenhäusern oder in staatlich anerkannten Schulen, die mit Krankenhäusern verbunden sind, vermittelt. In den Ländern, in denen die Ausbildungen in der Krankenpflege dem Schulrecht unterliegen, erfolgt die Genehmigung der Schulen nach dem Schulrecht der Länder und nach Maßgabe von Absatz 3. Die praktische Ausbildung wird an einem Krankenhaus oder mehreren Krankenhäusern und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie weiteren an der Ausbildung beteiligten, geeigneten Einrichtungen, insbesondere stationären Pflegeeinrichtungen oder Rehabilitationseinrichtungen, durchgeführt."


Quelle: KrPflG - Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege

Ob die Dinger nun BFS heißen oder auch anders - das Entscheidende ist:
Es sind ausschließlich Schulen und keine Hochschulen.
Und zum Führen der Berufserlaubnis ist bisher zwingend ein Examen (staatliche Prüfung) nötig. Kein Bachelor oder sonstiger Hochschulabschluß.
 
Ich habe mich nochmals mit Kollegen in Verbindung gesetzt, bisher will niemand die dualen Stud.gänge kürzen oder abschaffen, einige Träger erhöhen sogar die Ausb.plätze für dieses Angebot.
Ja irgendwann mal, wenn es genügend Studienplätze gäbe - ja dann - aber ich habe Zweifel ob wir das, ich zumindest ca. 15Jahre, in meiner aktiven Arbeitszeit noch erleben werde. :cry:
Ich glaube auch nicht, dass die dualen Studiengänge abgeschafft werden, schon gar nicht in naher Zukunft.