Zitat:
"Die Zukunft der Pflege steht und fällt mit den Arbeitsbedingungen" erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Veranstaltung. Gute Arbeitsbedingungen seien das A und O, damit Pflegekräfte gern in ihrem Beruf bleiben und sich mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. "Dazu gehören verlässliche Dienstpläne, ausreichend Kollegen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, betriebliche Gesundheitsförderung, mehr Wertschätzung und eine angemessene Bezahlung", so Spahn."
Das ist ja grundsätzlich richtig, aber leider alles nix Neues, Herr Spahn... Nur:
Woher sollen denn
"ausreichend Kollegen" kommen, wenn Sie den AG keinen Druck in Form eines Mindestpersonalschlüssels machen?? Sie hätten es in der Hand gehabt, sich aber durch die AG-Lobby weichkochen lassen... so wird es weiterhin einzig in den Händen des jeweiligen AG liegen, ob er für "ausreichend Kollegen" sorgt. Falls er das nicht tut, ist die Konsequenz leider weiterhin praktisch null.
Und von "ausreichend Kollegen" hängen leider die beiden anderen (von mir markierten) Punkte ab:
"Verläßliche Dienstpläne"? Wie soll das gehen, wenn die Personaldecke auch in Zukunft "auf Kante genäht" ist?
"Vereinbarkeit von Beruf und Familie"? Die Familien der Pflegekräfte dürfen leider weiterhin drunter leiden, wenn diese ständig weit über Soll arbeiten "dürfen".
Die nicht fett markierten Punkte erachte ich als nachrangig:
Auf
"betriebliche Gesundheitsförderung" können wir verzichten (das ist meinetwegen ein ganz netter Pluspunkt, der aber völlig unwichtig ist, wenn nicht die "Basics" (= ausreichend Personal) stimmen).
"Mehr Wertschätzung": Ein völlig abstrakter Begriff, den jeder anders auslegen kann. "Wertschätzung" meines Berufes durch die Gesellschaft wäre z. B. für mich, endlich mehr Selbstbestimmung als Profession zu bekommen, d. h. Pflegekammern, Vorbehaltstätigkeiten, generalistische Ausbildung, überhaupt die Orientierung pflegeberuflicher Gesetze/Entscheidungen seitens der Politik am Mehrheitswillen der Berufsgruppe - und nicht an den Einflüsterungen von Lobbyisten wie AG.
"Angemessene Bezahlung" ist natürlich nicht ganz unwichtig, insbesondere im Bereich der Altenpflege liegt hier noch ganz gewaltig was im Argen; aber das haben Sie ja in der Hand - man wird sehen, ob Sie sich hier gegen die privaten und kichlichen Arbeitgeberverbände durchsetzen können mit einem allgemeinverbindlichen Branchentarif...
Pflege: Spahn will Tarifvertrag für alle Pflegekräfte
Ich fürchte aber, daß Sie und Ihre Regierung hier erneut wieder einknicken werden und uns irgendeinen weichgespülten Kompromiß als Erfolg verkaufen werden.