News Altenheime betrügen Bewohner und Pflegekassen

narde2003

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Nichts, was mich wundert. Und nur mal als Anmerkung: Um eine Stelle rund um die Uhr zu besetzen, braucht man als Minimum fünf Menschen. Durch die (Un-)Sitte, auf fünfzig Bewohner nur eine Nachtwache zu besetzen, lässt sich diese Zahl vielleicht auf 4,5 drücken, aber bei einem Stellenschlüssel von 1:3 bedeutet das immer noch 13,5 Bewohner auf eine Pflegekraft. Bei den vorgeschriebenen 50 % Fachkraftbesetzung bedeutet das auf 27 Bewohner eine Fachkraft und eine Hilfskraft. Wenn dann jemand Urlaub hat oder krank wird... Schon mit dem normalen Stellenschlüssel ist die Pflege in Heimen äußerst knapp besetzt, Einspringen und Überstunden lassen sich gar nicht vermeiden. Dann noch zu wenig Leute eingestellt und die Kollegen werden reihenweise aus Überlastung krank, was die Probleme noch verschärft, Burn out kommt dazu ... Hauptsache, der Heimbetreiber bzw. der vermietende Immobilienfond macht Gewinn.
 
Hallo Katshke,

das ist ja ein super Artikel und das Bild eine wahre Augenweide:knockin:!

Wieder ein Artikel in der Art, wie Pflege in Heimen allgemein schlecht geredet wird und oberflächlich betrachtet wird. Es wird suggeriert, dass man den vorgegebenen vertraglich vereinbarten Personalschlüssel unterschreiten könnte und dabei noch viel Geld sparen könnte.

Das ist doch absoluter Schwachsinn!

Wir müssen uns viel mehr Mühe geben mit dem vereinbarten Personalschlüssel eine Besetzung der Schichten zu realisieren, die es ermöglicht zu den normalen Essens- und Pflegezeiten genügend Köpfe vorzuhalten. Das führt dazu, dass meine Mitarbeiter eine Vielzahl von Schichtzeiten akzeptieren, nur um mit dem vereinbarten Personalschlüssel auszukommen. Eine Unterschreitung ist da absolut nicht mehr drin und wenn, wird damit kein Geld verdient, weil die Belastung auf die arbeitenden MA so hoch steigen würde, dass das eingesparte Geld wieder in die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall fliesen würde.


Gruß KGK
 
Da haben wir es wieder einmal Schwarz auf Weiß:

"Nur in besonders drastischen Fällen, bei denen der Personalmangel bereits zu spürbaren Gefährdungen der Bewohner wie Unterernährung oder Misshandlungen geführt hat, verhängen die Behörden Belegungsstopps oder verfügen in wenigen Einzelfällen Schließungen."

Im Umkehrschluss heißt das doch, dass das Kind erst in den Brunnen fallen muss, bevor reagiert wird.

Würden die gleichen Regeln für den TÜV gelten, wäre das Geschrei über entgangene Einnahmen und Steuern wieder groß. Und letztere ist auch nur organisierter Diebstahl. :x
 
Mich interessiert, um welche Einrichtungen es sich konkret handelt? Wie hoch ist der Prozentsatz dieser Übeltäter an allen Pflegeeinrichtungen?

Ich werd den Eindruck net los, dass man einen neuen Sündebock braucht um die Blätter der diversen Zeitungen voll zu bekommen.

Otto Normalo und Lieschen Müller werden nun davon ausgehen, dass sie schon immer wussten, dass die Pflegeheime überteuert sind.
Ich durfte während meiner Seminartätigkeit sehr gute Pflegeeinrichtungen kennen lernen. Und ich würde behaupten für deren Engagement haben die viel zu wenig Geld erhalten denn net wenige Angebote haben dei Kollegen in ihrer Freizeit erbracht.
Ich will net bestreiten, dass es auch andere Heime gibt. Auch die durfte ich kennen lernen. Es war eins in 10 Jahren.

Elisabeth
 
Die grosse Enthüllungsstory geht ja weiter:

Pflegeeinrichtungen: Korruption und Betrug - der große Altenheim-Report - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE

Hier schiesst man sich gezielt auf einen Träger ein, ob zu Recht oder Unrecht weiss ich leider nicht.

Interessant ist aber, wie bestimmte Behauptungen abgemildert werden. So ist jetzt von leichten Unterschreitungen der Personalschlüssel die Rede, wobei nicht dokumentiert wird, bei wievielen Heimen die Schlüssel auch leicht überschritten werden. Bei der hohen Fluktuation der Bewohner in Heimen zu erwarten, dass der Schlüssel immer punktgenau passt, reicht offenichtlich schon zur Skandalisierung.
 
hallo
wenn ich richtig informiert bin, ist dieser Personalschlüssel z.B. NRW Schlüssel oder MDK Schlüssel nicht Gesetz, sondern Empfehlung ......
dann richtet sich der Personalschlüssel angeblich an den Pflegestufen, aber mal ehrlich ...... die Berechnung ist doch "peng"
ein richtiger Pflegefall braucht nur PEG und DK, dann werden die Zeiten drastisch gekürzt und du kommst nicht mal auf Pflegestufe 3, egal was dieser Mensch sonst noch hat
wieviel Zeit du brauchst um Dementen essen und trinken anzureichen interessiert niemanden, dabei ist es bekannt, das alte Menschen nun mal einfach nicht mehr soooo essen wollen und trinken und Demenzerkrankte erst recht
der Betrug ist schön schriftlich dokumentiert, denn wenn drei Leute maximal 7 Std arbeiten sind das 21 Std. Arbeitszeit bei einer Frühschicht, nur der Witz ist, mittags werden über 30 Std z.B. als Tagesmaßnahmen bestätigt ..........

meine Oma hatte vor ihrem Tod einen BMI unter 20 und sie hat auch nicht mehr passend getrunken, aber sie hatte Gott sei Dank nicht den Witzverein MDK im Nacken, sondern wurde nach ihrem Willen von der eigenen Familie begleitet .....

wir haben sie gelassen und fertig ........

diese Beurteilungen heutzutage sind eine so dermaßen Lug Betrug und Scheinwelt, es ist ein Traum ......... was nötig wäre passiert nicht
wo alte Menschen ihre Würde brauchen ........ ne egal der MDK kommt

wirkliche Arbeit ....... zählt nicht

lüg ich der Tante vom MDK gekonnt was vor ..... klappt es

da könnte ich platzen ........ wir leben hier auch nur in Lambarene

viele Grüsse
Bully
 
der Betrug ist schön schriftlich dokumentiert, denn wenn drei Leute maximal 7 Std arbeiten sind das 21 Std. Arbeitszeit bei einer Frühschicht, nur der Witz ist, mittags werden über 30 Std z.B. als Tagesmaßnahmen bestätigt ..........

Sieht zwar so aus wie Betrug, ist aber keiner. Der MDK definiert die hinterlegten Pflegeminuten als Laienpflege und lässt Rückschlüsse auf professionelle Pflege einfach nicht zu. Es kann ja jeder mal versuchen, bei dem verein nachzufragen, ob nun die Laienpflege länger dauert als die Professionelle oder umgekehrt und wie man das errechnet. Funkstille.

Nimmt man aber konkrete Berechnungen, wie von Bully vorgemacht, geht professionelle Pflege offensichtlich deutlich schneller, sonst könnte ja mit so wenig Personal nicht diese Leistungen erbracht werden.

Die Computersysteme hinterelegen natürlich die Minutenwerte für die Laienpflege, weil es diese Werte für die professionelle Pflege nicht gibt und auch nicht geben soll, ansonsten wäre der Personalmangel ja tatsächlich dokumentierbar.
 
Wollen mal net hoffen, dass die Profimethode zur Norm wird: wer wäscht am schnellsten. Da wird mir schlecht ob solcher Ideen, wenn man Profi und Laie vergleicht.

Elisabeth
 
Man darf einfach nicht vergessen, in wessen Auftrag der MDK arbeitet. Anders ist die Flut von sehr gut bewerteten Pflegeheimen auch nicht zu erklären. Wenn ein Kostenträger prüft, muss das Erebnis einfach gut ausfallen, ansonsten drohen Mehrkosten. Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht, aber das sollte wohl schon seit einigen Jahren klar geworden sein.
 
Der MDK ist aber kein Kostenträger.
 
Hallo,

ungeachtet der rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte denke ich mir bei solchen Diskussionen meist: ein "Heim" respektive jede pflegerische Einrichtung kann stets nur so qualitativ bewertet werden anhand DER Qualität, die die Mitarbeiter erbringen, oder? (auf die Pflegeschlüssel mit Sicherheit grossen Einfluss hat, jedoch nicht als alleinige Ausrede für minderwertig erbrachte Pflege gelten kann....)

Es ist für mich in meinem Beruf immer wie ein Lichtstreifen am Horizont, Bully1959, wenn Angehörige sich intensiv um ihre Mütter/Väter/Tanten/Onkel etc. kümmern - dennoch würde jede Fachkraft im Altenheim nahezu strafrechtliche Verfolgung erwarten müssen, würde sie nicht tätig bei einem BMI unter 20 (bzw 18, 5) und unzureichender Trinkmenge - was zuhause normal und machbar ist, wäre in der Institution Heim schon wieder "unterlassene Hilfeleistung" und da würde dann keiner mehr von Menschenwürde sprechen sondern das Stereotyp "alle sind dehydriert und lassen ihre Leute verhungern" wieder voll erfüllt sehen...

Der Artikel - besagt doch - im Grunde nichts?
Vorurteile werden scheinbar bestätigt - aufgrund welcher Fakten?

Als Tatsache halte ich ebenfalls, das dem Pflegepersonal sehr viele Pflegeminuten "gestohlen" werden, wenn man so möchte, von all jenen, die sehr viel Zeit einfordern, die jedoch niemals - von einem Träger (Krankenkasse, Pflegekasse) bezahlt werden können zwecks mangelnder Einstufungsbereitschaft des MDK! So "betrügt" dann wohl eher Bewohner A (Pflegestufe 1) nach dem 7.ten Toilettengang am Vormittag Bewohner B (Pflegestufe 3 und optimal versorgt durch - eingehaltene Lagerungspläne, DK-Versorgung, optimales Wundmanagment, Ausreichende Ernährung durch PEG) um dem ihm zustehende Pflegeminuten..... und doch gebietet es die Menschlichkeit und Fachlichkeit, so zu handeln! Und das Tag für Tag für Tag....

Um eine vernünftige Einstufung (daraus resultierend Kostenübernahmen) zu erreichen, wären kompetente Pflegeplanungen und dementsprechende Eintragungen in den Berichten zwingend notwendig - auf meiner Station erlebe ich jedoch, das man genau da "Zeit sparen möchte", anders ausgedrückt "was soll dieser *******, muss ich den auch noch machen?".... da darf dann die Mitarbeiterin vom MDK rätseln, was "brauchte heute wieder mal sehr lange" oder "klingelte oft" in Pflegeminuten umgesetzt bedeuten könnte..falls sie im Pflegebericht etwas anderes findet als "Bew. geht es gut" ..... und das sind nur kleine Puzzleteile....

..natürlich muss sich noch vieles ändern....
Allerdings... könnten doch auch einige Mißständige bereits beseitigt werden durch das NUTZEN vorhandener Vorlagen und Kompetenzen?

Lg,
Samia
 
Hallo samia,

was wäre wenn deine Wahrnehmung falsch wäre, und die Personalschlüssel eine angemessene Pflege gar nicht zulassen?

Was wäre, wenn es nur (falls überhaupt) ganz wenige Häuser gäbe, die durch hochmotiviertes Personal und ein grosses ehrenamtlichen Engagement eine ausreichende Pflege darstellen können, diese Ausnahmen aber zur Regel erhoben werden?

Was wäre also, wenn die immer wieder beschriebenen Missstände den Normalzustand abbilden, sich aber die meisten Pflegekräfte an diesen Zustand gewöhnt haben bzw. gar nichts anderes kennen?

Was wäre wenn die überall anzutreffenden KollegInnen, die überfordert und resigniert wirken und auch offensichtlich nicht mehr die Leistung bringen, die man erwartet, nicht selber schuld sind, sondern Opfer dieser Rahmenbedingungen?

Selbstverständlich sollte jede Pflegekraft in ihrem Umfeld auf die bestmögliche Pflege hinwirken, aber das Problem unzureichender Pflege ist grundsätzlicherer Art und ein gesamtgesellschaftliches Problem. Nur trägt die Pflege zur Lösung dieses Problems all zu oft nichts bei, weil sie das Problem lieber bei sich selber sucht.

Grüsse
 
Hallo Thorstein,

klar, möglich bis sogar wahrscheinlich.... aber ist es nicht genau DIE Art von Resignation, die unbrauchbare Pflege leistet? Wie genau definierst Du angemessene Pflege? Wo genau bist Du bereit, Abstriche zu machen?

Wer sich den MDK-Bewertungsschlüssel ansieht, muss als logisch denkender Mensch zu dem Schluss kommen, das diese Pflege nicht leistbar ist - ich arbeite - inzwischen - schnell und ich bilde mir an manchen Tagen ein, auch relativ gut ... dennoch gelingt es mir nicht, binnen 12 min eine komplette Grundpflege inklusive Bekleidung, Mobilisation, Aktivierung und natürlich Bett machen etc - durchzuführen, da ich am Faktor "alter Mensch" scheitere.....ich habe dann weder eine vernünftige Kontrakturenprophylaxe gemacht noch eine belebende Waschung noch sonstwas (objektiv ist dieser Mensch jedoch sauber und teilweise eingecremt). Dennoch ist das das, was letztendlich bezahlt wird (inhaltlich falsch, da die Grundpflege aufgedröselt wird in Einzelminuten, ich verallgemeinere nur gerade) - und jeden Tag begegnen mir alte Menschen, die eben nicht 3 min zum Toilettengang benötigen, sondern mehr.... DAS sind aber die Minuten, die bezahlt werden .... daher ist für mich nicht so sehr die Betrugfrage vorrangig sondern der Gedanke - welche Abstriche bin ich bereit zu machen? Und letztendlich.... der Gedanke - wie kann ich das Beste aus dieser Situation machen? Und wie kann ich sie - verbessern?

Natürlich habe ich auch jeden Arbeitstag zu kämpfen - man sieht diese ungeheure grosse menschliche Not, hat im Grunde für nichts Zeit und soll dann noch gute Arbeit leisten - an so manchen Tagen war mir dadurch schon zum Heulen. Doch rein über den Verstand - wenn man weiss, das die MDK-Vorgaben so sind, wie sie derzeit nunmal sind - warum verbringt man dann so unendlich viel Zeit in Stationszimmern damit, sich - absolut sinnlos - darüber aufzuregen anstatt endlich mal die einzigen Mittel, die der MDK derzeit anerkennt - Pflegeplanung, Berichte, Dokumentation - zu nutzen? Deswegen räume ich übrigens den Vorgaben KEINE Richtigkeit ein, das will ich klar feststellen, sondern nutze nur die vorhandenen Waffen!

Lässt die Motivation nach, stecken wir doch alle in einer Sackgasse oder? Ich sage nicht, das ich auch nur die geringste Ahnung hätte über das "grosse Ganze", finde es jedoch befremdlich, solche Zeitungsartikel zu nutzen und mal eben die Pflege in allen Heimen der Nation abzuwerten....
und, Thorstein, es geht hier nicht um eine "Schuldfrage" - die stellt sich mir gar nicht... bezugnehmend auf Deinem Satz, was wäre wenn die überforderten und resignierenden Kolleginnen gar nicht "schuld" wären sondern Opfer... nein. Weder noch, würde ich sagen? Wer hat denn etwas davon, wenn sich Angestellte als "Opfer" fühlen eines unnützen Systems? Sie hätten... da sie den Pflegeschlüssel vermutlich momentan nicht ändern können - dennoch die Verantwortung sich und anderen gegenüber, herauszufinden, was muss geschehen, um aus der Opferrolle herauszukommen und wieder tätig zu werden? Was von diesen Dingen kann umgesetzt werden, und was nicht?
Denn wenn MITARBEITER sich schon als Opfer fühlen, wie mag es denen ergehen, die letztendlich die am meisten Leidtragenden sind?

Ich komme aus dem Ambulanten Dienst - natürlich sind die Vorgaben dort freier, die Pflege mit Sicherheit individueller, dennoch auch nicht endlos..... und auch dort wird nur gearbeitet, was bezahlt wird.... und bin - teilweise noch sprachloser Frischling im Heim - ich sehe vieles, sehr vieles im Heimalltag, das mir unter anderem wirklich grosse Sorgen und Bauchschmerzen bereitet - legalisierte Unmenschlichkeit und letztendlich auch ein Wertesystem, das zum Grauen ist, abgesehen davon von dem teilweise wahnwitzigen "Betrug", den man Tag für Tag in der Dokumentation begeht.... doch ich überlege halt: wer ist dafür verantwortlich? Ab wann.... endet meine eigene Verantwortung? Ich kann nur versuchen, das beste für meine mir zugeteilten Bewohner rauszuholen - zu mehr bin ich ja doch am Ende gar nicht in der Lage - und das ist zufälligerweise dann wieder genau das, wofür ich bezahlt werde..... und dazu wäre ich nicht in der Lage, würde ich mich als Opfer eines Systems fühlen!
Und ich glaube noch immer... das man auch ganz unten eine Lawine lostreten kann....
 
Hallo samia,

eine angemessene Pflege ohne vernünftige Kontrakturenprophylaxe gibt es nicht. Ein anderer Bewohner wird dann nur jeden zweiten Tag mobilisiert oder nur nachmittags usw. usw. usw.

Und die Frage nach der Schuld. bzw Verantwortung stellt sich selbstverständlich spätestens dann, wenn man,wie du auch, von einer legalisierten Unmenschlichkeit spricht. Dem Widerspruch kann man sich nur entziehen, indem man eben nicht mehr in diesem System arbeitet, was aber gleichzeitig eine Verfestigung der Zustände bedeuten würde. Leider ziehen aber viel zu viele engagierte Pflegekräfte diese Konsequenz, weil sie dieses Dilemma unerträglich finden.

Ich arbeite in diesem Beruf nicht, weil ich es muss, sondern weil ich einen Wechsel als Flucht begreifen würde. Andererseits bin ich schon lange nicht mehr so naiv, zu glauben, weil ich mein Bestes gebe, kommt dabei auch etwas Gutes heraus. Nur weil ich einem Bewohner einen Waschlappen in die Hand drücke, und er sich das Gesicht wäscht, während ich das Bett mache, ist das noch keine aktivierende Pflege. Ich verarsche mich nicht selbst.

Als Pflegekraft arbeite ich nach bestem Wissen und Gewissen, da ich aber innerhalb des Systems bleibe,nehme ich mir auch das Recht, das System konsequent zu kritisieren und nicht so zu tun, als ob ich eine angemessene Pflege leisten könnte.

Warum kann die "Welt" behaupten, dass Bewohner schlecht versorgt werden, weil viele Häuser weniger Personal einstellen, als vorgeschrieben? Weil es der Pflege nicht gelingt, öffentlich deutlich zu machen, dass die vorhandenen Personalschlüssel völlig unzureichend und damit als Begründung für Pflegefehler auch völlig ausreichend sind. Erst dann gäbe es die notwendige Diskussion, wieviel Personal tatsächlich notwendig wäre und warum es in diesem Land nach 15 Jahren immer noch kein Personalbemessungssystem gibt.

Grüsse
 
hallo

ich gebe euch ziemlich recht in dem was ihr schreibt, denn auch ich befinde mich nach nun 2 Jahren im Altenheim in diesem luftleeren Raum zwischen dem was ich erlebe und dem wo mein Verstand sagt ........ das kann doch alles hier nicht wahr sein
in den über 20 Jahren Ambulanz habe ich immer versucht pro Patient zu handeln, notfalls gab es auch Widerworte beim Chefarzt, natürlich war ich nicht immer beliebt deshalb, aber im Laufe der Jahre hat jeder meine wirkliche Motivation geglaubt und haben mich damit angenommen, denn" für den Menschen" kann man ja wohl nicht verurteilen, selbst die Chefs grinsten, wenn ich mit meinem "ja aber" um die Ecke kam

nun sitz ich in einer Scheinwelt ......... es wird so wahnsinnig so getan als ob, aber es stimmt doch alles gar nicht

ganz makaber finde ich bei uns, mittags wird laut der Speiseplan vorgelesen, (was die wenigsten kapieren) danach wird laut ein Gebet gesprochen (was noch weniger kapieren) aber beim Anreichen unter 10 min. ist alles toll und danach lagern in nicht mal 5 Min. ist noch besser .......... was soll denn dieser Klamauk

wenn das grundsätzliche nicht stimmt, kann ich mir tütü auch sparen

aber ich arbeite dran, in dem ich es schlichtweg ausspreche und es dauert ....... ja, aber geringgradig sind Erfolge zu verzeichnen ..........

viele grüsse
Bully