News Zwei Drittel der Pflegenden in Niedersachsen befürworten Einrichtung einer Pflegekammer

narde2003

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(HANNOVER) Die Ergebnisse der in Niedersachsen durchgeführten Befragung unter Pflegenden zu deren Einstellung zur Pflegekammer sind nun veröffentlicht worden: nach einer Meldung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration stimmten Zwei Drittel der Befragten für die Errichtung einer Pflegekammer in Niedersachsen. Immerhin 42% befürworten demnach auch die gesetzliche Mitgliedschaft. Die Ergebnisse der Befragung können auf der Internetseite des Ministeriums heruntergeladen werden. Das Ministerium kündigt auf der eigenen Homepage nun Gespräch mit allen an der Diskussion Beteiligten an.

Hier die Ergebnisse als PDF:Befragungsergebnissen (als PDF)
 
Dankeschön dafür!

:daumen: <- der da geht extra (für Beitrag eingestellt heut früh schon um 7).
 
Es lohnt sich, nicht nur die zwei, drei Prozentwerte zu lesen, die in den Medien überall zitiert werden. Vor allem steht da drin, dass der Fragebogen in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber (also damalige Regierung aus CDU und FDP, letztere bekennende Pflegekammergegnerin) erstellt wurde. Eine Untersuchung oder Umfrage beauftragen ist eine Sache, explizit den Fragebogen mit dem Auftraggeber abzustimmen hat eine besondere Qualität. Folgende Darstellung im Ergebnisbericht, der noch dazu keiner ist, sondern allenfalls als PPP genutzt werden kann, wirft große Zweifel an dem Informationswillen des Erstellers auf:

"Bei Errichtung einer Pflegekammer in Niedersachsen würde die relative Mehrheit (35 Prozent) der befragten Pflegerinnen und Pfleger eine monatliche Beitragshöhe von maximal 5 bis 9 Euro akzeptieren. Nur Minderheiten halten auch Beiträge zwischen 10 bis 14 Euro (19 Prozent) oderdarüber (9 Prozent) für angemessen. Bei der Akzeptanzfrage zur Beitragshöhe lehnt jeder vierte Befragte (24 Prozent) spontan jegliche Beitragszahlung ab."
Das ist eine irreführende Darstellung der Ergebnisse. Richtig ist, dass 64% der Befragten einen monatlichen Beitrag von 5 bis 9 Euro oder mehr akzeptieren. Das ist keine "relative" Mehrheit. Das ist eine 2/3 Mehrheit für den Beitrag von 5 bis 9 Euro. Es wäre Quatsch zu behaupten, dass die Befragten, die 10 bis 14 Euro befürworten würden, nicht auch mit einem geringeren Beitrag einverstanden wären.

Es stecken noch mehr Merkwürdigkeiten in dem Bericht. :deal:

Immerhin unterschlägt der Bericht nicht, dass die Zustimmung zur Pflegekammer mit 83% deutlich höher ausfällt, wenn die Befragten zu dem Thema bereits Vorkenntnisse hatten und somit davon auszugehen ist, dass es keine gefühlte, sondern eine informierte Zustimmung war.
 
Da brodelts in der Indianerfrau...
 
Die Studie ist doch verlinkt, es steht jedem frei diese zu lesen. Ich darf die Studie hier nicht Seite für Seite einstellen.
 
Da brodelts in der Indianerfrau...
Und wie- ich habe mir den Bericht natürlich auch zur Brust genommen und hätte große Lust, das eine oder andere Detail zu zerpflücken! Wie white horseman schreibt: es stecken noch mehr Merkwürdigkeiten in dem Bericht.
 
Hatte was die Zahlen aus dem o.g. Zitat anbelangt keine Fragen fürs Verständnis. Die höchste Zustimmung (relative Mehrheit mit 35%) fand sich für 5-9€ monatlich. Zustimmung für (egal welche Höhe des Betrages) - 63%, bzw. die absolute Mehrheit.

Zugegeben, man hätte es deutlich positiver und damit andersrum formulieren können - diese 63% in den Vordergrund zu stellen und nicht die 35%, aber gut - z'amzählen dürften das alle können.

Vielleicht - macht man das halt so? Hat's jemand von den Gelb-/ Schwarzfüßlern formuliert, korrigiert? Keine Ahnung.

Was ist noch merkwürdig?
 
Und wie- ich habe mir den Bericht natürlich auch zur Brust genommen und hätte große Lust, das eine oder andere Detail zu zerpflücken! Wie white horseman schreibt: es stecken noch mehr Merkwürdigkeiten in dem Bericht.
Ich hoffe, du hast auf der verlinkten Seite dann deine Meinung dazu hinterlassen.
 
Da hoffst Du leider vergebens. Ich bringe mich in zwei deutschen Ländern ein, das reicht. Vielleicht sehen wir uns mal in Bayern, wenn es bei uns losgeht! ;)
 
Was ist noch merkwürdig?

Eine Frage lautet: "Wenn jede Pflegekraft einer Pflichtmitgliedschaft unterworfen wird und Beitrag zahlen muss, lehne ich die Pflegekammer ab."

Mit "jede Pflegekraft" wären ja auch die angesprochen, die für eine Pflichtmitgliedschaft gar nicht in Frage kommen.

Bei nur 31% informierten Befragten dürfte eine erhebliche Unschärfe in dem Ergebnis von 42% stecken. Der Unterschied zwischen dem, was gemeint war und dem was verstanden wurde, dürfte recht groß sein. Darüber gibt der Bericht leider keine direkten Anhaltspunkte. Hier wäre es interessant, die Korrelation zwischen persönlicher Zustimmung zum Beitrag (64% - ja ich will zahlen) und allgemeiner Zustimmung zur Pflichtmitgliedschaft mit Beitragspflicht (42% - ja alle sollen Mitglied sein und zahlen) herstellen zu können.

Darüber hinaus wäre es interessant, diese Daten in dem Pool der Informierten zu betrachten, die insgesamt eine sehr hohe Zustimmung zur Pflegekammer generell äußerten (83%). Mich würde interessieren, wie diejenigen dazu stehen, die schon Gelegenheit hatten, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Die nicht Informierten könnten sich später, wenn sie informiert sind, sehr darüber ärgern, dass sie überrumpelt wurden. In welche Richtung die Tendenz dann gehen würde, ist nicht entnehmbar.

Es wäre schön, wenn die den Bericht veröffentlichen würden und nicht nur eine PowerPoint-Präsentation.

Immerhin kann man davon ausgehen, dass Rheinland-Pfalz einen sehr viel höheren Grad an Informierten befragen wird.
 
Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Jeden Sonntag gibt es das Ranking der Parteien. Es ist eine Abbildung der Stimmung und mehr nicht. In Deutschland ist es bekanntlich eher unüblich Volksabstimmungen zu machen. Da reichen scheinbar solche Befragungen um politische Entscheidungen zu treffen.

Und selbst mit Volksentscheid- in Deutschland wird selten gegen die politisch vorgegebene Richtung entschieden. Liegt eventuell an der Wahlmüdigkeit der Gegner.

Elisabeth
 
Mir persönlich wäre das Schweizer System einer direkten Demokratie sehr nahe und lieb:

Die direkte Demokratie ist in der Schweiz nicht nur eine Staatsform, sondern vor allem eine Volksgesinnung. Sie ermöglicht den Stimmbürgern, auf allen Staatsebenen (Gemeinde, Kanton, Bundesstaat) als oberste Gewalt (Souverän) mitzubestimmen und über ihre eigenen Angelegenheiten abschliessend zu entscheiden. In keinem anderen Staat der Welt gibt es auf nationaler Ebene auch nur annähernd so weitgehende direkte Volksrechte.

Quelle: Direkte Demokratie in der Schweiz
Aber das traut man uns Deutschen wohl nicht zu. Da gäbe es mit Sicherheit keine Kriegsbeteiligung mehr...
 
Ich versteh die ganze Aufregung nicht.

Ich finde es aufregend im positiven Sinne, wenn die Pflege kurz davor steht, substanziell Selbstbestimmungsrechte zu bekommen. Diese Befragung - wer auch immer die wollte - spielt dabei nun mal eine Rolle.

Die Hinhaltetaktik - erst das Rechtsgutachten, was die Pflegkammer bestätgite, dann aber doch nicht entscheidend sein sollte, nun die Befragung, die die Pflegekammer bestätigt - hat jetzt hoffentlich ein Ende. Wenn's klappt, finde ich das aufregend und wenn nicht, auch.
 
@white horseman:

Was die einzelnen wussten oder nicht, dazu gibt es Infos, S. 5:

...die befragte Pflegekräfte wurden...über mögliche Ziele und Aufgaben einer PK im Rahmen der Befragung ausführlich informiert...

Je höher der Informationsgrad vorab, desto höher die Zustimmung - ja o.k.
Für wen die Befragten wohl sprechen - hm, dazu lese ich im Studiensteckbrief, S. 3, dass examiniertes Pflegepersonal befragt wurde, welches zu diesem Zeitpunkt sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, ja o.k, wohl auch deswegen die Kooperationen?

Auf S. 22 nochmals WER befragt wurde -mindestens dreijährig ausgebildete und examinierte Pflegefachkräfte (Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Altenpfleger) in Krankenhäusern, Altenheimen, ambulanten Pflegediensten, Rehaeinrichtungen, o.k.

Spekulation führen zu nix, aber wer eine zur Zeit arbeitende Pflegefachkraft befragt animiert diese wohl nicht dazu an sonst wen zu denken, sondern eher an die Interessen der eigenen Berufsgruppe. Andersrum - an wen hätte sie denn denken sollen bei der Frage?

Würde ich in Rheinland-Pfalz wohnen und arbeiten - hätt ich mich damit befasst. Da dies nicht der Fall ist, maße ich mir selbstverständlich auch kein Urteil darüber an, oder spekuliere darüber wie verständlich die Informationen in ihrer Gesamtheit waren.

Vielleicht meldet sich doch mal jemand der aus Rheinland-Pfalz kommt und teilgenommen hat.
 
... Für wen die Befragten wohl sprechen - hm, dazu lese ich im Studiensteckbrief, S. 3, dass examiniertes Pflegepersonal befragt wurde, welches zu diesem Zeitpunkt sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, ja o.k., wohl auch deswegen die Kooperationen?
@amezaliwa: Hier kann ich Dir nicht ganz folgen. Welche Kooperationen meinst Du?

... Spekulation führen zu nix, aber wer eine zur Zeit arbeitende Pflegefachkraft befragt animiert diese wohl nicht dazu an sonst wen zu denken, sondern eher an die Interessen der eigenen Berufsgruppe. Andersrum - an wen hätt sie denn denken sollen bei der Frage?

@amezaliwa: Spekulation - es ist wohl immer müßig, aus Daten Schlüsse zu ziehen. Sie geben die Wirklichkeit nie 1:1 wieder. Aber sie helfen uns doch, sich der Wahrheit anzunähern mit einiger Wahrscheinlichkeit. Deshalb hätte ich ja gerne einen vollständigen Bericht und nicht nur eine PowerPoint-Präsentation. Als Student dürfte ich einem Professor jedenfalls nicht nur mit Folien kommen ohne erläuternden Bericht mit begründeten Methodenteil.

Zu der Frage, an wen die denn hätten denken sollen. Ich meine fälschlicher Weise an Pflegekräfte, die für eine Pflegekammer gar nicht in Frage kommen. "Jede Pflegekraft" ist ein sehr offener Begriff, der auch alle Pflegehelfer und Hilfskräfte mit einschließen kann. Für die würde ich auch keine Pflichtmitgliedschaft wollen. Ich halte diese Frage einfach für sehr fehleranfällig und mich würde interessieren, ob ein Pretest durchgeführt wurde, ob es irgendwelche Tests zu der Reliabilität und Validität gegeben hat. Soetwas würde ich in einem ausführlichen Bericht erwarten. In der PPP finde ich eigentlich nur, dass der Fragebogen mit dem Auftraggeber abgestimmt wurde. Das weckt nicht gerade Vertrauen.
 
Kurz und knackig - Kooperation in Bezug auf Deinen 1. Abschnitt in Beitrag 3.
Da ich keine Studien erstelle - sind meine Kenntnisse entsprechend dürftig.
 
Ach du liebe Zeit, da hast mir ja ein schönes Ei reingelegt.

Dieses Rechtsgutachten ist leider sehr ernüchternd, da es da um potentielle Chancen, Ausrichtungen, Anfechtungsmöglichkeiten... geht, die möglichen Aufgaben einer Länderkammer (im deutlichen Kontrast zu den Wünschen der verschiedenen Antragsteller). Herr je.

Da Du das ja kennst - die Schlussforderungen dieses Anwalts was die freiwillige Registrierung anbelangt, S. 27 2. Abschnitt (kostenlos? hab ich da was verpasst?) sind schon irgendwie - such noch das passende Wort - ärgerlich? Fühl mich da nicht angesprochen und verstanden schon gar nicht, was die Gründe der Nicht-Registrierung anbelangt (bei regelmäßiger Fort- und Weiterbildung, das sowieso vorausgesetzt - aber o.k, das ist wieder ein anderes Thema, an sich).
 
Da scheint einer zu hoffen, dass es endlich eine echte Fachkraftquote geben könnte und damit ein sinnvoller Skillmix allerorten zu erreichen ist. Wenn er sich mal nicht irrt. Er scheint das Traditionsbewusstsein der deutschen Pflegekräfte bei weitem zu unterschätzen.

Elisabeth