News Pflegerat sieht den Tiefpunkt noch nicht erreicht

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Der Deutsche Pflegerat (DPR) sieht den Pflegenotstand noch nicht am Tiefpunkt angelangt. Der Arbeitsmarkt sei leer gefegt, es gebe Aufnahmestopps und Wartelisten in Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten, sagte DPR-Präsident Franz Wagner in Berlin zum Auftakt des 6. Deutschen Pflegetages.

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Das seh ich in der Tat genauso.
Im Moment bricht das System noch nicht zusammen, weil es immer noch genug Dumme in der Pflege gibt, die durch persönlichen Einsatz bis zur Belastungsgrenze und weit darüber hinaus den Kollaps vermeiden helfen. Das sind dann z. B. Kollegen von mir, die 24 h schieben, weil es ja angeblich nicht mehr anders geht. :roll: Nur werden diese Leute irgendwann auch nicht mehr können und wegfallen.
Und dann wird es so richtig knallen...
 
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gääähhhhnnnn... was ändert sich?? nix..
heiße luft von allen seiten. dienst nach vorschrift, und zwar alle, das wäre mal ne Maßnahme..
 
Das würde möglicherweise was bringen. Aber der allergrößte Teil von uns würde das nicht schaffen, weil wir es den Patienten gegenüber mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können. Ist halt situationsabhängig. Es gibt Situationen, wo ich mir vorstellen kann, es beim Mindestmaß an Bemühungen zu belassen, aber es gibt auch sehr viele Situationen, wo ich mir das nicht vorstellen kann. Immerhin arbeite ich immer noch mit Menschen, und zu einer professionellen und kompetenten Betreuung dieser Menschen gehört eben manchmal mehr als das Minimum.
 
und genau wegen dieser Einstellung ist es wie es ist. ich mach den job weil ich damit mein Geld verdiene und ende, ich bin nicht mutter Theresa.. der Pat. hat auch kein schlechtes gewissen wenn ich 150 überstunden klopf und körperlich am ende bin.. also hab ich es auch nicht..
 
ich bin nicht mutter Theresa.
Ich auch nicht, und ich kann auch durchaus mal nein sagen, wenn ich das für angebracht halte. Und ich bin auch nicht bereit, alles mitzutragen. Aber manche Dinge sind noch nichtmal eine Frage der persönlichen Einstellung, sondern der Professionalität.
Aber das ist ja jedem selbst überlassen.

Und das mit dem Gewissen... Es geht nicht darum, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man pünktlich nach Hause geht oder irgendwelche Wünsche nicht erfüllt hat. Das braucht keiner. Es geht darum, dass man es vor sich selbst nicht verantworten kann, bestimmte Dinge zu tun oder nicht zu tun, weil es schneller geht. Wenn ein Kind 20min vor meinem Feierabend von der Schwimmtherapie kommt, der Rest des Teams aber noch in der Übergabe ist, dann lasse ich dieses Kind nicht einfach so nass und kalt in den nassen, kalten Badeklamotten sitzen, bis die Übergabe beendet ist und der Spätdienst sich drum kümmert. Das kann ich nämlich nicht verantworten. Das Kind wird versorgt, auch auf die "Gefahr" hin, dass es vielleicht 25 oder 30min dauert, bis ich damit fertig bin. Aber da meine Kollegen auch verantwortungsbewusst sind, wird man sowieso nach der Übergabe i.d.R. abgelöst, so dass man dann eben trotzdem (relativ) pünktlich nach Hause kommt. So was meine ich mit "mit seinem Gewissen vereinbaren", nicht dass man ein schlechtes Gewissen hat, weil man sich nicht aufopfert. Es geht um Professionalität, und Aufopferung ist nicht professionell.
Soll nicht heißen, dass du unprofessionell arbeitest, auf gar keinen Fall!!! Es ging mir nur um die Interpretation des Begriffs "Gewissen", die bei dir anders war, als ich sie gemeint habe.
 
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Ich verstehe Neuromaus so: Dienst nach Vorschrift während der Arbeitszeit würde schnell zeigen, wieviel pflegefremde Tätigkeiten wir uns im Laufe der Zeit aufpropfen haben lassen. Hier einzulenken könnte durchaus was bringen. Allerdings sind wohl - und da sehe ich es ähnlich wie Neuromaus - die wenigsten Pflegekräfte bereit und in der Lage, nur das Mindestmaß an Arbeitsleistung zu bringen während der regulären Arbeitszeit. Man möchte eben doch, dass die Hygiene funktioniert und übernimmt Reinigungstätigkeiten, die eigentlich die outgesourcte Reinigungskraft leisten müsste, dies aber in ihrer Arbeitszeit gar nicht mehr schaffen kann. Man führt Angehörigengespräche, die eigentlich die Ärzteschaft übernehmen müsste, aber gerade wenn die Angehörigen vor Ort sind nicht übernehmen kann. Usw... usf... Am Ende einer Schicht möchte man schliesslich mit dem Gefühl nach Hause gehen, nichts falsch gemacht zu haben.

Ich verstehe Neuromaus aber nicht so, dass wir uneingeschränkt Überstunden anhäufen sollen. Und dagegen wehren sich zB auf meiner Station immer mehr. Einspringen aus dem Frei geht praktisch nur noch via quit-pro-quo, dh, will die Station etwas von mir, muss sie mir entsprechend entgegenkommen.

Also: Dienst nach Vorschrift lässt sich erfahrungsgemäß selbst unter Streikbedingungen nicht wirklich umsetzen. Sich gegen ungeplante Überstunden zur Wehr setzen und das Einspringen aus dem Frei unterbinden ist aber auf jeden Fall sinnvoll und machbar.

Gruß spflegerle
 
@spflegerle:
:up:
So war es gemeint! Danke!

Einspringen aus dem Frei ist immer ein strittiges Thema. Meine persönliche Meinung ist, und so handhabe ich es auch, dass ich gerne einspringe, wenn ich nichts anderes vorhabe und genug freie Tage habe, beispielsweise fünf Tage frei nach dem Nachtdienstblock. Habe ich zwölf Tage Dienst, zwei Tage frei, sieben Tage Dienst, springe ich eben nicht ein. Und auch nicht, wenn ich Termine habe. Wenn Frei geplant war, sage ich keinen Termin ab, um arbeiten zu gehen. Aber wenn es bei mir passt, komme ich schon arbeiten. Das ist ja auch ein Ding der Gegenseitigkeit. Das eine Mal springe ich ein. Beim nächsten Mal bin ich vielleicht die, die davon profitiert, dass jemand anders einspringt, weil ich dann nicht so krass unterbesetzt arbeiten muss. In gut funktionierenden Teams sollte das möglich sein. Und das qui-pro-quo ist dann i.d.R. auch nicht das große Problem. Wenn ich viele Stunden angehäuft habe, bekomme ich im nächsten Dienstplan eben mehr frei, z.B. die o.g. fünf Tage nach vier Nächten.

Klar sind bei uns allen die Arbeitsbedingungen nicht perfekt. Aber bei manchen Dingen kommt es auch drauf an, was man daraus macht. Sowohl als Einzelperson als auch als Team.
 
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Im Prinzip gebe ich dir Recht, Neuromaus. Allerdings muss ich hier auch Flora.Bleibt Recht geben:
So lange man dem Arbeitgeber das Gefühl gibt, da ist immer eine stille Reserve verfügbar die - quasi - Bereitschaftsdienst leistet, so lange wird sich auch an der Spitz-auf-Knopf-Dienstplanung nichts ändern.
Quid-pro-quo ist da die Mindestanforderung, die man an das Einspringen aus dem Frei bzw. Ändern des bestehenden Dienstplanes stellen sollte.
Die Lücken im Dienstplan müssen durch den Arbeitgeber ausgefüllt werden, die Angestellten sind für die Sicherstellung einer adäquaten Besetzung nicht zuständig.

Gruß spflegerle

PS: in der Praxis ist das quid-pro-quo keine 1:1-Tauschaktion, die sofort umgesetzt werden muss, aber man hat dann eben manchmal "etwas gut", das man in Zukunft einfordern wird (und wofür die Leitung dann auch alle Hebel in Bewegung setzt, dass es auch klappt)
 
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in der Praxis ist das quid-pro-quo keine 1:1-Tauschaktion, die sofort umgesetzt werden muss, aber man hat dann eben manchmal "etwas gut", das man in Zukunft einfordern wird (und wofür die Leitung dann auch alle Hebel in Bewegung setzt, dass es auch klappt)
Ja, so ist es bei uns auch. Wenn man durch Einspringen Stunden ansammelt, bekommt man im nächsten Dienstplan mehr frei. Man wird jetzt nicht direkt gefragt, wann man das haben möchte... Aber man kann aktiv an die Dienstplanschreiber herantreten und Wünsche äußern, und meistens klappt das dann auch. 1:1-Tauschaktionen machen wir nur untereinander.

So lange man dem Arbeitgeber das Gefühl gibt, da ist immer eine stille Reserve verfügbar die - quasi - Bereitschaftsdienst leistet, so lange wird sich auch an der Spitz-auf-Knopf-Dienstplanung nichts ändern.
Da ist sicher was dran :-( . Aber erfahrungsgemäß ändert sich genau so viel oder wenig, nämlich gar nichts, wenn man unterbesetzt arbeitet, eine Überlastungsanzeige nach der anderen schreibt und sich beschwert. An dieser Situation können wir verhältnismäßig wenig ändern. Aber wir können das Beste daraus machen. Was "das Beste" ist, ist individuell. Für mich heißt es, eine gesunde Mischung zu finden zwischen der Bereitschaft, im Sinne meiner Kollegen und Patienten zusätzliche Dienste zu übernehmen einerseits und meiner Freizeit, Erholung und Gesundheit andererseits. Ich muss mich nicht aufopfern, aber ich muss auch keinen totalen "Ego-Trip" fahren.