News Pflegegewerkschaft: Zweiten Anlauf wagen?

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Ist eine Gewerkschaft sinnvoll, die ausschließlich die Interessen von Pflegenden vertritt? Vor mehr als 20 Jahren verfolgten engagierte Pflegende bereits einen solchen Ansatz – und scheiterten. Die...

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Klares Nein. Nach der "Segnung" des Tarifeinheitsgesetzes ist es noch unwahrscheinlicher, dass es zu einer wirklich schlagkräftigen Gewerkschaft kommen wird. Pflege und Gewerkschaft passt nicht zum traditionellen deutschen Pflegeverständnis. Dies beinhaltet bekanntlich die Selbstaufgabe und das Leiden. Beides Aspekte, sie eine Gewerkschaft angehen und reduzieren würde. Da diese Aspekte aber essentiell angesehen werden um die Daseinsberechtigung zu untermauern...

Engagement bei Verdi ist sinnvoller. Hier sind die Strukturen bereits vorhanden und es braucht "nur" genug aktive- Betonung liegt auf aktive- Mitglieder.

Elisabeth
 
Elisabeth, was meinst Du mit traditionellem deutschen Pflegeverständnis? In welchen Ländern ist dieses Phänomen noch beobachtet worden? Ich habe das Gefühl, dass sich die Teilnehmer dieses Forums noch nicht aufgegeben haben. Ich frage mich, wie die Gewerkschaft diese Aspekte angehen will, ohne eine Standesvertretung (Pflegekammer) zu unterstützen. Ich bin aktives ver.di-Mitglied. So, wie die Gewerkschaft sich im Kita-Tarifstreit verhalten hat, zweifle ich daran, dass wir in der Pflege in unserem Sinn vertreten werden.
 
@benjamin.franklin- das Problem, dass du hast- du bekommst nicht genug Mitglieder zusammen für eine Gewerkschaft. Pflegekräfte erwarten in der Regel, dass andere ihre Probleme lösen. Eine Mutter Oberin soll sich kümmern. Diese Einstellung dürfte über kurz oder lang auch die Hauptschwierigkeit der Kammern werden.

Und was den KiTa-Streik anbetrifft... da steht die Entscheidung der Basis noch aus. Es heißt also: abwarten. Die Toten werden nach der Schlacht gezählt.

Elisabeth
 
@Elisabeth Dinse, das Problem kenne ich. Leider ist die Pflege nicht überall so gut organisiert, wie in Stuttgart. Was tust Du dafür, dass sich Deine Probleme lösen? Ich bin aktives Mitglied im DBfK und ver.di. Warum der Vergleich mit der Mutter Oberin? Spielst Du auf die Geschichte der Pflege an oder arbeitest Du für einen kirchlichen Träger? Da die Pflegekammer keine berufliche Interessenvertretung der Pflege ist, habe ich damit kein Problem. Beim Kita-Streik meinte ich die Fehleinschätzung seitens der Gewerkschaft.
 
Schön zu lesen, dass man in denselben Organisationen ist.

Mutter Oberin = PDL, Politiker... und demnächst auch die Kammer.

Und zur Solidarität... in der Charite kämpft man für eine Personalmindestbesetzung und damit für mehr Personal. Im Nordosten geht es darum, zu verhindern, dass die Wochenarbeitszeit verringert wird um das Haushaltsdefizit auszugleichen. Jeder kämpft für sich alleine. Auch ein Problem in der deutschen Pflege.

Elisabeth
 
@Elisabeth Dinse ,

Liebe Elisabeth, ich habe am eigenen Leib erfahren, wie sich Verdi kümmert! Ich werde schon wieder sauer! 25 Jahre war ich aktives Mitglied und was hat es gebracht? Schaust Du vielleicht auch mal über den Tellerrand?

In den USA wirst Du gar nicht erst eingestellt,wenn Du nicht einer Krankenschwesterngewerkschaft angehörst! Was glaubst Du denn,warum dort eine Krankenschwester ein ganz anderes Standing hat als hier? Lasst Euch doch von einer Gewerkschaft vertreten, die in erster Linie für Müllmänner kämpft!

Solange die deutsche Krankenschwester Angst hat sich zu wehren und keine Unterstützung durch Kollegen oder der Müllgewerkschaft erhält,wird sich nichts ändern. Jeder sagt doch: "ach es geht schon..." Nein, tut es nicht! Wir gefährden das Leben unserer Patienten, das unserer Kollegen und das eigene!

Und ja, ich denke es ist längst an der Zeit eine Gewerkschaft zu gründen, die die größte Berufsgruppe in Deutschland vertritt! Und ich stimme @benjamin.franklin zu!

Sei nicht böse, doch bei diesem Thema krieg ich einen Hals, wie ein Winterreifen!

Bianca
 
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Reaktionen: WildeSchwester
Hallo Bibi Kling,

es gab wie Elisabeth schon schrieb eine Gewerkschaft Pflege, musste leider aufgeben weil sich dort zu wenige organisiert haben. Und da eine Minigewerkschaft kaum Einflussmöglichkeiten hat, bin ich in Verdi besser aufgehoben um überhaupt jemand zu haben, der sich für mich einsetzt. Ich habe übrigens sehr gute Erfahrung mit der Unterstützung von Verdi gemacht und kann mich nicht beschweren, fühlte mich gut beraten und unterstützt!

Ludmilla
 
Hallo Bianca... wir können froh sein, dass die Müllmänner bei Verdi sind. Denn wenn Verdi sich alleine auf die Mitglieder aus der Pflege verlassen müsste, würde es diese Gewerkschaft wohl nicht mehr geben.

Es gilt der Realität ins Auge zu blicken. Und die Realität ist nun mal mehr als bitter. Deutsche Pflegekräfte interessieren sich nicht für Gewerkschaftsarbeit. Sie erwarten, dass eine höher stehende Person alles in ihrem Interesse regelt und das gefälligst umsonst. Und Solidarität mit anderen Kollegen? Fehlanzeige.

Ganz nebenbei- dir ist schon bewusst, dass mit dem Tarifeinheitsgesetz die Möglichkeiten einer kleinen Gewerkschaft mehr als begrenzt sind. Aktuell sind die meisten bei Verdi. Damit hat Verdi in Verhandlungen das Sagen.

Ich würde mal sagen: vergesst eine neue Gewerkschaft sondern sorgt dafür, dass die Mitgliederzahlen bei Verdi steigen. Dann kann diese Gewerkschaft auch mehr erreichen. Und denn die 25-jährige Aktivität von Einzelpersonen genügt nicht um was zu bewegen.

Elisabeth