News Mit Gurten ans Bett gefesselt

flexi

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Krankenpfleger
Mit Gurten ans Bett gefesselt

Besser als im Vorjahr, aber nicht gut genug: Der neue Qualitätsberichts zur Pflege in Deutschland zeigt erneut Rückstände in Deutschlands Pflegeheimen auf.
Die Krankenkassen untersuchen regelmäßig die Qualität von Pflegeheimen© Franziska Kraufmann/DPA
Hunderttausende Bewohner von Pflegeheimen in Deutschland werden nicht ausreichend gepflegt. Rund 140 000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. Bei 14 000 von ihnen fehlt die dafür vorgeschriebene richterliche Anordnung. mehr....
http://www.Stern.dehttp://www.stern.de/politik/deutsch...en-mit-gurten-ans-bett-gefesselt-1817695.html
 
Danke für diesen Artikel... einfach nur schlimm ist das :(

Lg und einen schönen Tag
 
Mir fällt auf, dass es immer dasselbe Geklage ist
über die Zustände in der Pflege. Aber wann und was passiert denn mal dagegen?
Nichts! Weder der dünne Personalschlüssel wird aufgebessert, noch sonstigen
Umständen entgegengewirkt, z.b. Vereinbarkeit von Familie und dem Pflegeberuf.
Ok, letzteres ist jetzt vielleicht ein anderes Kapitel... Aber kein Wunder,
dass da die Zeit fehlt für die Patienten und sobald mal einer
aus der Reihe tanzt wird er eben als einfachste Lösung ruhiggestellt.
Schließlich müssen ja die anderen 30 Bewohner auch noch irgendwann
versorgt werden: Essen abräumen, lagern, Inkontinenzmaterial wechseln,
saubermachen, Injektionen, usw. Am besten alles von einer Pflegerin
mit 10 Händen...
 
Woher kommen diese Zahlen. Nach der Verleumdungskampagne von Hartz IV-Empfängern durch Bild bin ich sehr vorsichtig geworden, was effektheischende Aussagen anbetrifft. Auch DPA ist net frei von Fehlmeldungen. http://www.basicthinking.de/blog/20...-urteil-dpa-verschickt-falsche-pressemeldung/

http://www.mds-ev.de/media/pdf/MDS_Dritter_Pflege_Qualitaetsbericht_Endfassung.pdf S.60 ff. - Woher kommt also die Zahl mit den 140.000 per Gitter oder Gurt fixierten Bewohnern?

Btw.- Ein Therapietisch ist z.B. nötig bei hemiplegischen Pat. zur optimalen Lagerung des Armes. Wenn ich mir überlege, dass ein Therapietisch am Rollstuhl schon freiheitsentziehend ist- muss ich dann auch hier, wo es ja ein Therapieziel ist (Verhinderung Schulter-Arm-Syndrom) einen richterlichen Beschluss einholen?
Btw.- durch eine Pat. hab ich gelernt, dass Bettgitter hilfreicher beim bewegen im Bett sind als der allseits beliebte Bettgalgen. Muss ich da jetzt zukünftig auch den Richter bemühen um ja nicht in den Ruch der Fixierung zu kommen?

Iwie erinnert mich das alles an Bild. Man will seine Printmedien verkaufen. Da ist jede Meldung richtig, die das Volk empört. Und wenn es keine Meldung gibt, dann frisiert man einfach eine. Man muss es ja net zu auffällig tun wie Bild mit den Hartz IV-Empfängern.

Elisabeth
 
Silvermoon, ich stimme Dir absolut zu! Ist soooo verlogen, das Ganze...
Es geht doch schon damit los, daß es heutzutage normal geworden ist, Alter und Krankheit aus dem eigenen Blickfeld abzuschieben. Und dann möchte man, bittesehr, auch nichts davon mitkriegen müssen... Und das eigene schlechte Gewissen wird auch gerne mal mit Schaukämpfen mit dem Pflegepersonal beschwichtigt, die sich ja nicht richtig kümmern.... Daß die oftmals die letzten Glieder in der Kette sind und mit dem körperlich und auch psychisch belastenden Beruf unter schwierigen Arbeitsbedingungen leben müssen, wird von außen selten gesehen.
Was die Fixierung anbetrifft: es geht hier ja wohl bei der Kritik in erster Linie darum, daß ohne richterlichen Beschluß fixiert wird. Und der muß natürlich sein!
Was 20% freiheitsentziehende Maßnahmen in den Heimen anbetrifft, das wäre natürlich viel...

@ elisabeth,
das einverständnis des bewohners würde auch schon genügen...
 
Klar, für eine Fixierung ohne therapeutischen Zweck (z.B. ein Therapietisch bei Hemiplegikern)
sollte auf jeden Fall ein richterlicher Beschluss vorliegen. Ansonsten kocht man sich
sein eigenes Süppchen... Aber die Behauptung, dass die Qualität der Pflege
leidet, rührt sicherlich nicht daher, dass die Heime überquellen vor
arbeitsfaulen, lieber kaffeetrinkenden Pflegern, sondern das kommt
schon von anderer Ebene und muss sagen, die meisten, die ich
kennengelernt habe, machen ihre Arbeit gerne und sie bemühen
sich auch, den Bedürfnissen der Patienten nachzukommen. Aber
man kann eben nicht als Einzelperson gleichzeitig Frau Meier Tee bringen, Frau Müller zur
Toilette schieben und mit Herr Müller-Meier ein Gespräch führen.
 
Aber die Behauptung, dass die Qualität der Pflege
leidet, rührt sicherlich nicht daher, dass die Heime überquellen vor
arbeitsfaulen, lieber kaffeetrinkenden Pflegern, sondern das kommt
schon von anderer Ebene und muss sagen, die meisten, die ich
kennengelernt habe, machen ihre Arbeit gerne und sie bemühen
sich auch, den Bedürfnissen der Patienten nachzukommen. Aber
man kann eben nicht als Einzelperson gleichzeitig Frau Meier Tee bringen, Frau Müller zur
Toilette schieben und mit Herr Müller-Meier ein Gespräch führen.
Wo im Artikel wird die "Schuld" den Pflegekräften in die Schuhe geschoben?
 
Interessant ist auch die Bemerkung vom Vorstand der Hospizstiftung Brysch: "...äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Daten...Wir kritisieren seit Jahren, daß das Fälschen und Frisieren von Pflege- Dokumentationen. die der MDK einsieht, nicht bestraft wird"...!
Ach so: und auch hier haben wir sie wieder, die Forderung nach einem angestellten Heimarzt...
 
Naja, da bin ich wohl etwas vom Thema
abgekommen. Im Text stehts vielleicht nicht direkt,
aber gibt dennoch... Gibt sicherlich so einige Außenstehende,
die das denken.
 
Wenn die Daten falsch sind, liegt die Dunkelziffer der ungerechtfertigten Fixierungen sicher noch höher - kaum jemand wird den Pflegebericht zu seinen Ungunsten fälschen.

Inwiefern könnte der angestellte Heimarzt hier helfen? Sorgt der für einen höheren Pflegeschlüssel? Oder könnte man dann nur schneller medikamentös fixieren und daher auf mechanische Fixierung verzichten?
 
Die Zeitung, die ich heute vorliegen habe, schreibt: "Im Vergleich [zu 2007] gab es zum Beispiel Verbesserungen bei der Unterstützung beim Essen und Trinken für Menschen mit Schluckbeschwerden. Doch immer noch halfen die Pflegekräfte in 97 000 Fällen dabei zu wenig."

"Die Pflegekräfte halfen zu wenig", steht da also. Richtig wäre: "Es werden immer noch zu wenig Pflegekräfte eingestellt, um dabei angemessen helfen zu können."

Letzter Satz des Artikels: "Nicht mal bei zwei von drei Demenzkranken achten die Pfleger ausreichend auf deren Wohlbefinden."

Das sind nichts als Ohrfeigen für die, die (noch) am Bett arbeiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
hier wird doch systematisch auf den Pflegenden rumgehackt und nicht die eigentliche Misere recherchiert. Da wird schnell ein reißerischer Artikel verfasst, um seinen Job im sicheren Hafen zu wissen.(ich meine Allgemein, nicht den Artikel , den im vorherigen Posting) Alte Menschen würden ruhig gestellt und mit Psychopharmaka abgefüllt, gefesselt....
Komme gerade selber a d Nachtdienst, wo mich eine ältere Dame 3/4 Stdl herbeiklingelte.Ihre Erkrankung, Angst vor dem Allein sein,teilweise verwirrt sein, häufiges Wasserlassen, klargibt es immer einen Grund. Und ich würde, wenn ich es verantworten könnte am Bettende sitzen.... Seit MONATEN hatte sie keine Nacht mehr als 2 h am Stück geschlafen, bekam nun endlich das entsprechende Medikament und begrüßte mich am Morgen, daß sie sich endlich besser fühle.
Stelle ich mir nun vor, in der Klinik halten mich von ca 30 Patienten im Schnitt 3 so auf Trapp, mögen es im Altenheim mindestens 10 sein-wie soll das pflegerisch zu verantworten sein? Solange nur in "Alles ist Möglich Medizin"und nicht in Qualität investiert wird, ändert sich nichts.
 
Nun ja, ein Artikel mit einer entsprechenden Überschrift "verkauft" sich halt besser.
Mit der Überschrift: Ernährungssituation von Heimbewohnern besser, kannst halt nicht soviele Clicks erzielen wie mit der vom Stern gewählten.