Infusionslaufzeit

Bloomburt

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Hey! Ich mach zurzeit die Ausbildung und habe bis jetzt noch nie erlebt, das der arzt in der anordnung geschrieben hat wie lange eine infusion laufen soll. Wie schnell lasse ich also eine z.b. 500ml Ringer laufen wenn in der anordnung nur 1-1-1 steht? oder 1-0-1? Jeder erzählt mir da einfach "ja so ungefähr", aber wir haben ja eigentlich eine formel dafür gelernt.
Und wie schaut das mit Antibiosen aus? wir haben das in der Schule leider nie gesagt bekommen wie man die laufen lassen soll, jeder sagt mir nur "ja halt langsam"
 
Die Antibiosenlaufzeit steht im "Waschzettel" - ist sehr unterschiedlich
 
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Wenn du keine AO hast, dass die Infusion mit einer bestimmten Geschwindigkeit oder in einer bestimmten Zeit einlaufen soll, und keine Kontraindikationen bestehen, und du alles korrekt machen willst, könntest du dir die Mühe machen und die Tropfgeschwindigkeit ausrechnen. Angenommen, je eine 500er Ringer soll 7, 13 und 19 Uhr angehangen werden, hast du für 500ml je 6h Zeit. Nun die Formel zur Hand nehmen, ausrechnen und die Geschwindigkeit per Exadrop oder Infusomat einstellen.

Für die 0815-Infusion ohne gesonderte AO peile ich eine Geschwindigkeit von +/- 1 Tropfen/Sekunde an.

Anders in Situationen, die eine besondere Art der Infusion erfordern. Bei Pankreatitis bspw. bewässern wir kontinuierlich, die Rate gibt der anordnende Arzt vor, entweder per Tagesmenge oder Geschwindigkeit. In Notfällen wie zB hypotoner Krise darf eine Infusion aber auch schon mal im Strahl einlaufen.
 
Schwerkraftinfusionen sind generell ziemlich ungenau, was die Geschwindigkeit angeht. Bei einer reinen NaCl 0,9%, Ringer, Sterofundin, Jonosteril o.ä. ist das auch bei den meisten Patienten nicht so schlimm. Selbst wenn du einen Tropfenzähler wie Exadrop, Dial-a-Flow o.ä. benutzt, ist die Geschwindigkeit ganz schnell nicht mehr korrekt, wenn der Patient sich bewegt, den Arm anders lagert etc.
Deswegen gibt es das bei uns auf Station so gut wie gar nicht. Wir haben immer Perfusoren für Mengen bis 50ml, z.B. Antibiosen o.ä., was als KI laufen soll und Infusomaten für alles, was mehr als 50ml Volumen hat. Aber ich kenne es auch ehrlich gesagt gar nicht, dass nichts angeordnet ist, was die Geschwindigkeit angeht. Bei uns wird eigentlich immer dazu geschrieben "als DTI auf xx ml/h" oder "als KI über xx min".
OK, aber weil ich das so kenne, würde ich wahrscheinlich, wenn keine Anordnung dabeisteht, auch ungefähr die Werte verwenden, die wir häufig haben. DTI, die hauptsächlich zur Flüssigkeitssubstitution dienen, z.B. bei hohem Fieber, Gastroenteritis o.ä. haben wir je nach Alter, Größe und Gewicht des Kindes meistens auf 40, 60 oder 80ml/h. Medikamente als KI, z.B. Antibiosen laufen meistens über 30min, es gibt aber auch so einige mit 60 oder 120min. Da kann ich nur auf @Resigniert verweisen, dass man das in der Packungsbeilage nachlesen kann, sofern es nicht auf der Station eine Tabelle gibt, wo sich jemand mal die Mühe gemacht hat, von den gängigen Medis die Lösungsmittel, Verdünnungen und Laufzeiten aufzulisten (gibt es auf vielen Stationen).
 
Für die 0815-Infusion ohne gesonderte AO peile ich eine Geschwindigkeit von +/- 1 Tropfen/Sekunde an.
Oh, okay, wenn ich das so lese, sind die Geschwindigkeiten bei Erwachsenen offensichtlich doch deutlich höher. Mehr als 100 oder max. 120ml/h bekommen eigentlich auch unsere Großen, die schon fast erwachsen sind, bei DTI nicht. 1 Tropfen pro Sekunde wären aber schon 180ml/h. Also dann orientier dich doch besser daran. Da bist du wahrscheinlich besser bedient.
 
Also muss ich mich theoretisch gar nicht an die Formel halten und kann es selber entscheiden wenn ich keine weitere angaben habe vom Arzt? Danke für die Erklärungen, das wurde uns in der Schule leider nicht so ausführlich erklärt wie man mit Infusionen umgeht
 
Nimm dir die Frage mit und stelle sie im Unterricht und im Praxiseinsatz bei deinen Mentoren und Praxisanleitern. :)
 
Also muss ich mich theoretisch gar nicht an die Formel halten und kann es selber entscheiden wenn ich keine weitere angaben habe vom Arzt?
Im Gegenteil, gerade theoretisch musst du dich an die in der Schule gelernte Formel bzw. an die Arztangabe halten. Das Ganze (die Infusionstherapie in diesem Fall) fällt rein rechtlich unter eine Delegation einer ärztlichen Tätigkeit. Darum darfst du selbst als ausgelernte Fachkraft, nur bedingt selbst entscheiden, wie das was zu laufen hat. Ausnahmen im Rahmen einer Notfallsituation gehören in einen anderen rechtlichen Rahmen.

Wenn der Arzt keine weiteren Angaben macht, als nur "tägl. 1000ml Infusionslösung XY", gibt es vielleicht ein einrichtungsübliches Vorgehen oder einen Standard, welche u.A. Fragen zum Thema Laufrate klären sollte. Folglich gehört, wie Jillian das schon nannte, die Frage in die praktische Ausbildung (also an den Praxisanleiter gestellt). Alternativ (bzw. wenn es keinen Standard gibt) müssen, streng genommen, weitere Angaben zur Dosierung vom behandelnden Arzt eingeholt werden. Es ist nicht dein Job solche Entscheidungen zu treffen - denn es ist auch nicht dein Haftungsausschluss-Bereich bei möglichen Fehlern bzw. Fahrlässigkeiten.
 
Oh, okay, wenn ich das so lese, sind die Geschwindigkeiten bei Erwachsenen offensichtlich doch deutlich höher. Mehr als 100 oder max. 120ml/h bekommen eigentlich auch unsere Großen, die schon fast erwachsen sind, bei DTI nicht. 1 Tropfen pro Sekunde wären aber schon 180ml/h.
Es kommt ja zumindest bei Kurzinfusionen nicht auf die Flüssigkeitsmenge pro Stunde an, sondern auf das in der Infusion vorhandene Medikament. Pantoprazol z.B. darf schneller einlaufen als Metamizol, entsprechend kann ich auch mit der Flussrate arbeiten. Infusomaten bei Erwachsenen kenne ich (auf Normalstation) nur für Zytostatika oder parenterale Ernährung.
Im Gegenteil, gerade theoretisch musst du dich an die in der Schule gelernte Formel bzw. an die Arztangabe halten. Das Ganze (die Infusionstherapie in diesem Fall) fällt rein rechtlich unter eine Delegation einer ärztlichen Tätigkeit. Darum darfst du selbst als ausgelernte Fachkraft, nur bedingt selbst entscheiden, wie das was zu laufen hat. Ausnahmen im Rahmen einer Notfallsituation gehören in einen anderen rechtlichen Rahmen.
Wobei ich behaupten würde, dass sämtliche Gutachter Deutschlands zumindest bei einer ausgebildeten Fachkraft voraussetzen würden, dass die die korrekte Infusionsdauer von Medikamenten in der Packungsbeilage nachlesen kann und sollte. Das fällt in meinen Augen klar unter die Durchführungsverantwortung.
 
Wobei ich behaupten würde, dass sämtliche Gutachter Deutschlands zumindest bei einer ausgebildeten Fachkraft voraussetzen würden, dass die die korrekte Infusionsdauer von Medikamenten in der Packungsbeilage nachlesen kann und sollte. Das fällt in meinen Augen klar unter die Durchführungsverantwortung.
Ja, deswegen bedingt. Dosierungen von rezeptpflichtigen Medikamenten, zweitrangig wie es die Fachinformation beschreibt, ist Arztangabe. Der Arzt darf nicht erwarten, dass mittels der Durchführungsverantwortung die korrekte Dosierung zustande kommt - im Gegenzug kann aber eine offensichtliche Fehldosierung (entgegen einer "üblichen" Dosis), selbst wenn sie durch die Arzt angegeben wird, auch einer Pflegekraft zulasten gelegt werden - wg. der Durchführungsverantwortung. Das A & O ist hier ein Gabe (seitens der Ärzte) bzw. die Einforderung (seitens der Pflegekräfte) einer unmissverständlichen Anordnung. Ein guter, zum Teil auch weiterführender Artikel hierzu hier (Klick mich).
 
Es kommt ja zumindest bei Kurzinfusionen nicht auf die Flüssigkeitsmenge pro Stunde an
Das ist natürlich richtig. Da habe ich mich wohl blöd ausgedrückt. Bei den Geschwindigkeitsangaben ging es um DTI (wobei DTI strenggenommen gar nicht wirklich stimmt, es tropft ja nicht "richtig", wie es bei Schwerkraft der Fall wäre...:gruebel:, aber egal auf jeden Fall um Dauerinfusionen ;-) ), nicht um KI.
 
Jetzt musste ich doch tatsächlich erst googeln, was DTI eigentlich heißt. Den Begriff verwendet hier keiner. :gruebel: Sowas machen wir auf Peripherstation idR nur bei Pankreatitis und parenteraler Ernährung, sonst läuft hier nichts dauerhaft.
 
DTI (= Dauertropfinfusion, für alle, die es nicht gegoogelt haben ;)) sind bei uns Standard zur parenteralen Rehydrierung, auch in Kombination mit der Zufuhr von Elektrolyten und Glucose, häufig eingesetzt bei Gastroenteritis.

Für Erwachsene scheinen bei diesen Indikationen - wenn ich euch richtig verstanden habe - "Bolus"-Gaben mit ähnlichen Infusionslösungen verwendet zu werden. Das machen wir bei den Kindern nicht so gerne aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel ist altersentsprechend die Compliance anders als bei Erwachsenen, und die Venenverhältnisse sind auch anders, so dass es häufiger vorkommt, dass ein PVK para läuft. Wenn dann die Laufgeschwindigkeit so hoch ist wie man es für "Bolus"-Gaben bräuchte, gelangt natürlich sehr viel mehr Infusionslösung ins umliegende Gewebe. Wir kontrollieren bei unseren Infusionskindern in relativ engmaschigen (Zeitraum individuell) Abständen die Einstichstelle auf Anzeichen für Paravenös-Laufen, so dass bei unseren langsamen Flussraten keine allzu großen Volumina ins Gewebe gelangen können. Weitere Gründe sind z.B. die Nierenfunktion und das Ausscheidungsverhalten sowie die Größe der verwendeten Gefäßzugänge.

Daher ist es bei uns eben genau umgekehrt. Medikamente gibt es (meistens) als Kurzinfusion, (re-)hydriert wird so gut wie immer kontinuierlich.