News Alte Menschen werden früher aus Kliniken entlassen

narde2003

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Klasse Idee. Man entläßt die alten Menschen. Zuhause stehen sie wieder alleine da denn nicht jeder hat eine Familie, die sich um ihn kümmert.

Folge extrem hohe Rückfallrate und Sturzgefahr. Eher also kein Einspar- sondern ein Zuzahleffekt, aber das sehen die theoretischen Sesselpupser ja alle nicht.
 
Was mich sehr erstaunt, dass Pflegefachkräfte diese Entwicklung versuchen zu boykottieren. Müssten Pflegekräfte nicht eigentlich wissen, dass jeder Tag länger im KH die vollständige Rehabilitation erschwert und verlängert? Nicht zu vergessen das Infektionsrisiko.
Link entfernt, weil er nicht funktioniert
Die Aussage bezog sich nicht auf 2010. das Konzept besagt eindeutig, dass eine entsprechende ambulante Nachbehandlung gewährleistet werden muss.

Ich denke, es wird Zeit so langsam in die Puschen zu kommen und als Profession Pflege eigene Angebote zu entwickeln, die diesen Trend begeliten können- zum Wohle des Pat..

Axo- nur am Rande: alles muss bezahlbar bleiben. Die komplette Übernahme jeglicher pflegerischer Tätigkeiten von exam. Pflegepersonal dürfte da nicht das Ziel sein.

*grübel* Leisten die Pflegedienste nicht heute schon eine ambulante Nachsorge? Und scheitert es nicht selten auch an den Pat., die diese Nachbetreuung erst mal asuschlagen, weil Eigenkosten zu tragen sind? Und fehlt nicht oft die engagierte Schnittstelle zwischen KH und ambulant?

Ich bin gespannt auf die anderen Lösungsmöglichkeiten der Gegener dieses Konzeptes.

Elisabeth
 
Stormrider, bist du meinem Link gefolgt, oder hast du nur den Anriss gelesen?
 
Erkläre mir mal bitte verständlich wie das funktionieren soll?
Alte Menschen benötigen nach der frühzeitigen Entlassung nicht nur eine intensive ärztliche Betreuung sondern auch zuhause umfassende Hilfe. Viele meiner Patienten sind schon zuhause kurz nach dem Klinikaufenthalt gestürzt weil sie für zuhause noch nicht stabil genug waren. Da langt es nicht mal eben morgens und abends einen Pflegedienst zu schicken. Zudem steht da auch nirgendwo wie das finanziert werden soll.

Was passiert denn mit einem alten Menschen der gerade aus dem KH entlassen ist? Er kommt in seine Wohnung und wird dort alleine gelassen, obwohl sein körperlicher Zustand dies absolut noch nicht zuläßt. Es ist ein Unterschied ob man im KH versorgt wird oder zuhause alles alleine hinbekommen muß. Gerade alte Menschen haben nach dem KH Aufenthalt immer noch Phasen im Tagesverlauf in denen sie sich deutlich unwohl fühlen. Die Beine geben nach, Schwindel tritt auf. Was macht so ein Mensch wenn er dann dringend auf die Toilette muß? Er geht und stürzt. Ist schon oft genug in meiner langjährigen Arbeit in der ambulanten Pflege vorgekommen.

Wer hilft dem alten Menschen in seinen täglichen Verrichtungen? Niemand. Ok es gibt Pflegedienste aber was hilft ein Pflegedienst der morgens und abends mal eben kommt? Außerdem muß das finanziert werden. Wer regelt das mit der Finanzierung?

Bisher muß umständlich ein Antrag auf eine Pflegeeinstufung gemacht werden. Das dauert oft Wochen. Eine Verordnung von häuslicher Pflege auf Verordnungsschein wird von den Kassen immer abgelehnt. Abgesehen davon hilt das auch nicht wirklich, denn der Tag hat 24 Stunden und was hilft da ein Pflegeeinsatz der gerade mal 20 Minuten dauert?

Das was da vorgeschlagen wird ist nur üble Theorie. In der Praxis ist der alte Mensch schlichtweg hilflos der Situation zuhause ausgesetzt. Wir sind sowas von meilenweit von einer ganzheitlichen Versorgung weg wie wir noch niemals waren. Es wird doch immer schlimmer anstatt besser.
 
Kiel. In Schleswig-Holstein sollen alte Menschen mit Mehrfacherkrankungen schneller wieder auf die Beine kommen. Das bundesweit einzigartige Konzept sieht vor, dass Senioren-Kliniken ihre Patienten so früh wie möglich entlassen und sie in enger Abstimmung mit dem Hausarzt ambulant behandeln.
Das klingt als wenn man Kostenfaktoren entlassen will...

Wenn was passiert kommen die mit neuer Diagnoe/Abrechnung wieder ins Haus und werden mit demselben Konzept wieder früh entlassen.

Man sollte erst die Grundlagen schaffen und dann kann man auch frühzeitig entlassen...
 
Ich habe gerade einmal versucht die "aktuellen" Zahlen für ein Krankenhausbett am Tag zu erhalten. Aber im Netz nur Zahlen von 2001 gefunden mit rund 330 €
http://http://www.bpb.de/wissen/VCKSHL,0,Ausgaben_der_Krankenhaeuser_pro_Pflegetag.html
ich gehe bei der bestehenden Teuerung von mindestens 400 € derzeit eher mehr aus.
Dies vermute ich als Hauptgrund für die Überlegungen. Selbstverständlich begrüße ich wenn ein Patient möglichst bald entlassen wird, nur eben nicht wenn er 3 Tage später wieder kommt.
In Norddeutschland hatte ich ein Fall, dass ein Patient morgens entlassen und nachmittags mit NAH in eine andere Klinik eingeliefert wurde. Jetzt hatte die Klinik das Problem, dass die KK bei gleicher Diagnose nur einmal zahlt und sich die Kliniken das Geld teilen müssen. Vom Prinzip her hätte der NAH die Klinik anfliegen müssen, welche sie morgens entlassen hat. Aber dies wollte die Patientin nicht und somit hatte man wieder ein Problem mehr.
Die Kassen kalkulieren je Patienten mit 1.900 € als Globalbudget. Es wird aber nicht deutlich, ob dies erst ab Entlassung zählt, oder aber ab eintreten des Ereignisses.
Nehme ich mal einen recht alltäglichen Fall:Sturz infolge Exsikkose:
RD
Ambulanzuntersuchung
Flüssigkeitssubstitution
Röntgen
CT-Schädel
RD
ambulante Pflege
Hausarzt
usw.
das geht sich mit 1.900 € hinten und vorne nicht aus. Das erinnert mich an die 2,98 € die ein Arzt in AT für einen Wundverband bei Ulcus abrechnen kann.
Der Endeffekt ist, dass kein Hausarzt mehr einen Verband anlegt.