Zweifel

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von #ww#, 20.01.2010.

  1. #ww#

    #ww# Newbie

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    Hallo an alle da draussen,
    ich habe im Oktober meine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester angefangen und wollte danach Pflegemanagement studieren. Momentan bin ich jedoch am zweifeln, ob meine Entscheidung richtig war. Ich hatte vorher leider keine Chance ein Praktikum zu machen und denke ich hatte andere Erwartungen, aber von vorne:
    Ich wohne im Wohnheim und kenne niemanden hier, ausser den Leuten in meiner Berufsschulklasse. Ich mag die Stadt nicht in der ich bin und bin damit seit Anfang an unzufrieden. Ich habe diese Sachen anfangs einfach ignoriert und habe mit gedacht, das ist alles nur Heimweh und wird sicherlich besser, aber Pustekuchen: Nach drei Monaten Theorie hat sich ncihts gebessert. Jetzt habe ich die ersten dreieinhalb Wochen Praxis hinter mit und koennte jeden Abend heulen. Natuerlich wusste ich, dass ich im Schichtdienst arbeiten werde. Aber ich hatte mir das bei weitem nciht so schlimm vorgestellt. Ich bin immer muede und kriege gar ncihts mehr auf die Reihe. Ich weiss jetzt schon, dass ich so nciht weiter arbeiten werde, wenn ich die Ausbildung abschliesse. Dann macht mir die Arbeit auch nicht den Spass, den ich erwartet haette: Ich bekomme keinen Draht zu den Kindern, kann keine Beziehung aufbauen oder ihr Vertrauen erwerben. Jeden Tag bin ich in einem anderen Zimmer und kriege keine Entwicklung/Verbesserung bei dem Patienten mit. Ausserdem habe ich Probleme mit allem, was ich taeglich in der Klinik sehe umzugehen, dass geht mir alles viel naeher als ich dachte. Ich ging teilweise schon mit Bauchschmerzen zur Arbeit und kam weinend nach Hause. Ausserdem werde ich kaum angeleitet und immer nur abgestellt, so kommt es mir vor. Natuerlich macht man anfangs immer die Deppenarbeiten, im ersten Lehrjahr. Aber ich sehe nicht, dass ich seit dem ersten Tag auch nur irgendwas gelernt habe.
    Geht es anderen auch noch so? Ist das normal, dass ich lieber einen Buerojob machen wuerde und dafuer ein geregeltes Privatleben fuehren wuerde?
    Das musste ich jetzt erstmal loswerden. Was meint ihr?
     
  2. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    Sich im Job so deplaziert und überfordert zu fühlen, und das schon zu Anfang ist ganz schlimm. Dass Du fernab von daheim bist, trägt natürlich noch zusätzlich zu Deinem Kummer bei. Ob Du tatsächlich den falschen Beruf gewählt hast, weiß ich nicht zu beurteilen, aber nachdem, was Du so schilderst, würde ich Dir raten, das Gespräch mit Deinem Kursleiter und Deinen Kollegen zu suchen. Vielleicht geht es vielen so wie Dir zu Anfang, vielleicht musst Du Dich aber auch letztendlich mit einer beruflichen Alternative auseinandersetzen. Vertraue Dich jemanden an, der Dich kennt. Ich wünsche Dir Gelassenheit und Zuversicht.
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Schwierige Situation. Es scheinen viele Punkte zum Tragen zu kommen, die sowohl die Ausbildung als auch das Privatleben betreffen.
    Es kann sein, dass die Umstellung: raus aus dem behüteten Zuhause- rein in eine Welt, in der man sich selbst behaupten muss- zu gravierend ist.
    Der aktuelle Zustand kann vorübergehen. Aber was und wie- dass kann dir hier niemand sagen. Es ist wie eine Ferndiagnose: wir kennen nur die Puzzelteile, die du selbst wahrnimmst und die du uns mitteilst.

    Kennst du jemanden in der realen Welt, den du ansprechen könntest?
    Welche Vertrauensperson fällt dir ein? Dein aktueller Klassenlehrer? Der Hausarzt? Ein ehemaliger Lehrer? ???
    Deine Eltern würde ich nicht empfehlen. Diese sind involoviert und nicht genug unvoreingenommen.

    Elisabeth
     
  4. Biestli89

    Biestli89 Junior-Mitglied

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    Deine Situation kenne ich sehr gut, man könnte sie sogar fast 1:1 auf mich übertragen... bin auch im Oktober in eine fremde stadt gezogen, in der ich niemanden gekannt habe, die Theorie fand ich größtenteils einfach nur öde und die Lehrer zwar engagiert aber auch total verplant und inkompetent.
    Und die liebe Praxis... die ersten zwei Wochen waren der Horror. Keine Zeit, man musste einfach nur funktionieren, obwohl man eigentlich null Peilung hatte.

    Jetzt nach den ersten drei Monaten hat sich schon vieles verbessert. Habe nette neue Leute kennengelernt, mit denen es echt Spass macht und auf Station komme ich jetzt nach dem ersten "Schock" ganz gut zurecht und erhalte auch Lob.

    Vielleicht musst du dir einfach noch etwas Zeit geben. Es ist wirklich nicht einfach in ein fremdes Umfeld geworfen zu werden und somit keinen Halt zu haben, der so wichtig in diesem Beruf ist.
    Aber ich finde, es muss irgendwas gegeben haben, was dich dazu gebracht hat in die Pflege und nicht ins Büro zu gehen... Irgendwelche Ideale, Vorstellungen, die sich jetzt so nicht bestätigt haben.
    An vieles kann man sich gewöhnen, das habe ich in der kurzen Zeit schon festgestellt... Du sagst ja, dass du danach ins Management gehen willst, aber ist dir das wert, dich drei Jahre durch diese Ausbildung zu quälen?

    Ich habe zwei Praktika gemacht, Alten- und Krankenpflege, und wusste schon was in etwa was auf mich zukommt. Aber vielleicht hast du dir wirklich etwas anderes unter der Arbeit in einer Klinik (und mit den Kindern :-) ) vorgestellt.

    Ich finde, wenn man sich mit dem was man tut gar nicht identifizieren kann, sollte man sich Alternativen überlegen... wobei es bei dir auch dadurch schwierig ist, weil du dich in deiner Umgebung sehr unwohl fühlst.

    In meinem Fall, bin ich zu dem Schluss gekommen einen Schlussstrich zu ziehen und mich neu zu orientieren, weil ich mir ebenfalls nicht vorstellen kann, diese Arbeit weiterzumachen.
    Aber man sollte soetwas auf keinen Fall vorschnell entscheiden, vllt brauchst du wie gesagt einfach nur etwas Zeit, bevor du "aufblühen" kannst ;)
    Suche einfach das Gespräch, so wie schon gesagt wurde!

    Ich wünsche dir alles Gute!
     
  5. muggel

    muggel Senior-Mitglied

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    Oh ja, ich glaube, diese Zweifel gehören einfach zur Ausbildung in den Pflegeberufen dazu. Kenne ich gut! Habe meine Ausbildung damals auch weit weg von zu Hause angefangen und wollte so manches mal in den Sack hauen!!! Bin letztendlich dabei geblieben!!!

    Aber zu Dir: Gehe noch mal in Dich und überlege Dir, ob Du dem Beruf nicht doch etwas abgewinnen kannst? Sprich auf jeden Fall mit jemandem über Deine Zweifel, z.B. Kurskollegen, Praxisanleiter, Lehrer o.a.

    Wenn Du zu keinem positiven Ergebnis kommen kannst und die Zweifel bestehen bleiben, ist es wohl besser sich nach einer Alternative umzusehen! Es macht keinen Sinn in einem Beruf zu arbeiten, hinter dem man nicht 100%ig stehen kann. Ich wünsche Dir Stärke und Zuversicht.
     
  6. Feli

    Feli Poweruser

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    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Akt. Einsatzbereich:
    interdisziplinäre Intensivstation
    Hi,
    hab meine Ausbildung auch 300km von meinem Heimatort entfernt gemacht, verstehe Dich also gut. Ich hatte auch, nachdem die erste Euphorie verflogen war, Zweifel, ob das alles so für mich das richtige ist.

    Dann hab ich versucht, in der Stadt Fuß zu fassen, hab mir übers Internet Freizeitangebote herausgesucht und darüber auch nette Leute kennen gelernt. (z. B. Sportverein, Fußballstadion - da lernt man immer Leute kennen-, Konzerte, etc.). Dadurch konnte ich das Heimweh auch mal vergessen, und die Arbeit hat mir auch wieder Spaß gemacht.

    Ob der Job allerdings für Dich das richtige ist oder nicht, kannst nur Du allein wissen.

    Wünsch Dir alles Gute!
     
  7. #ww#

    #ww# Newbie

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    Um nochmal einen Abschluss des Themas zu schaffen: Ich bin dabei geblieben. :D
    Fuehle mich in der Schule immer noch manchmal deplaziert, da wirklich simple, logische Sachen einfach viel zu kompliziert aufgetischt werden. Aber mit selbst nachlesen und immer hinterher sein klappt das sehr gut. Schreibe nur 1er und 2er. Praktisch ist es auch um einiges besser geworden: Die letzte Kinderstation auf der ich war, Kinderhherzstation, war wirklich super. Die Examinierten waren grossteils wirklich nett, mit allen kann man nie klar kommen.
    Ich bin mir immer noch sicher, dass ich nicht bis zur Rente in diesem Beruf arbeiten werde. Ich werde nach der Ausbildung noch studieren. Ich bin mir sicher, dass ich nicht allzu lange im Schichtdienst und vor allem mit den anderen wirklich harten Bedingungen (oft das Team unter sich, die Aerzte, Eltern, etc.) nicht auf ewig zurecht kommen werde. Ich glaub dazu opfer ich mich zu sehr auf und haenge einfach auch noch viel zu lange an bestimmten Thematiken.
    Allgemein bin ich aber froh nicht abgebrochen zu haben, die Leute dich ich durch die Ausbildung kennen gelernt habe will ich nicht mehr missen und manchmal, wenn ich zu hause bin, wuensche ich mir sogar wieder in meine 'eigenen vier waende' zurueck zu kommen :trinken: ( @Feli: bei mir hats leider nicht mit Vereinen oder so geklappt: iwie find ich hier in dieser kleinen stadt nichts passendes :weissnix: )
     
  8. dieter70

    dieter70 Gast

    Ich hatte damals nicht nur Zweifel, sondern habe die Ausbildung in der großen, fremden Stadt nur mit dem Vorsatz begonnen, erst mal Fuß zu fassen und mir nach spätestens einem halben Jahr in Ruhe Wohnung und Studienplatz zu suchen...
    Mittlerweile bin ich 20 Jahre in der Pflege und ganz froh, dabei geblieben zu sein.
    Vielleicht wartest du einfach noch bis zum letzten Tag deiner Probezeit.
    Gib deinen Wunsch, Karriere in der Pflege zu machen nicht gleich nach 3 Monaten auf.
     
  9. #ww#

    #ww# Newbie

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    Hallo dieter,
    bin mittlerweile schon kurz vor der Zwischenpruefung und mir nun sicher nach der Ausbildung noch ein Studium dran zu haengen :wink:
     
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