Wünschenswerte Eigeninitiative oder verantwortungslos? Maschinenbedinung durch Patienten

Dieses Thema im Forum "Dialyse" wurde erstellt von Bablo, 18.01.2014.

  1. Bablo

    Bablo Newbie

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    Hallo,
    ich bin Maschinenführer aber nicht in der Dialyse sodern im Sägewerk. Seit über 2 Jahren Dialysepflichtig. Punktiere meinen Shunt selber, und habe in der Vergangenheit an unseren Nikisu Maschinen mein Regime selber eingegeben. Jetzt haben wir die Fresenius 5008S bekommen und hier bietet sich der Bilschirm durch seine Beweglichkeit an, vom Patientenbett zu bedienen. Ich verstelle meinen Blutfluß wenn die Drücke zu hoch oder zu niedrig sind, stelle meine Temperatur höher wenn mir kalt ist usw.
    Gerne würde ich auch einfache Alarme wie "untere Venöse Druckgrenze erreicht" quitieren und entweder das Fenster neu setzen oder den Fluss erhöhen. Aber hier gehen einige Schwestern auf die Barikaden.
    Sie fühlen sich in Ihrer Verantwortung gefärdet.
    Ich möchte aber auch nicht wegen jedem Pups die Schwestern belästigen und Ihnen sagen: bitte stellen Sie den Blutfluß so und so ein.

    Wie handhabt Ihr das in Euren Praxen, und wie ist Eure persönliche Meinung.
    Danke
     
  2. Laphroaig1815

    Laphroaig1815 Junior-Mitglied

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    Moin Bablo,

    du hängst an der Maschine und nicht die Schwestern!

    Ich mache hier alles selber. Hat zwar lange gedauert und kommen noch lange nicht alle mit zurecht aber die müssen damit leben.

    Einzig im Wochen Rytmus ein neuer Maschinen Typ könnte mich einschränken.


    @Blutfluss
    Diesen quatsch mit Blutfluss reduzieren kann ich nicht verstehen. Seit ich alles selber mache war es nie wieder nötig. Eine Nadelkorrektur schafft immer abhilfe.
    Das grenzt bei mir immer an Unfähigkeit.
    Sollte bei eine Gastdialyse jemand wegen hohem druck nur den Blutfluss um 50ml/min Reduzieren wollen will ich die Dialysezeit um 30min verlängert haben.

    So mal meine Gedanken dazu.
     
  3. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Ich finde es grundsätzlich gut wenn Patienten sich für ihre Dialyse interessieren. Wenn ich das Gefühl hätte, dass du weißt was du tust und auch denn Sinn der Sachen verstehst, würde ich dich machen lassen. Allerdings würde ich das dementsprechend in deiner Akte notieren um mich selbst abzusichern.
    Hast du schon einmal über Heimdialyse nachgedacht ? Da hättest du alle Freiheiten die du dir vorstellen kannst und musst niemanden "belästigen".
     
  4. Bablo

    Bablo Newbie

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    @Laphroaig1815
    Ich nehme es mit dem Blutfluß nicht so ernst, mir reicht ein Fluß von 320ml/min da meine Werte nicht so schlecht sind. Ich habe noch volle Urinausscheidung. Lieber schone ich die roten Blutkörperchen. Ich benutze auch nur 16er Nadeln um den Shunt zu schonen. Das sind aber meine persönlichen Einschätzungen, ob das alles richtig ist weis ich auch nicht.

    @Bluestar
    Nachgedacht habe ich schon über Heimdialyse, aber ich habe nicht den Platz Zuhause und möchte mich auch nicht noch mehr mit der Dialyse befassen. So fahre ich 3x die Woche ins KFH, da ist die Maschine vorbereitet, nach der Behandlung wird sie desinfiziert und um das Material brauch ich mich auch nicht zu kümmern. Ich bin auch noch voll berufstätig. Und wenn alles super läuft bekomme ich dieses Jahr eine Niere von meiner Mutter. Danke Mama.

    Die Idee mit der Notitz in der Akte finde ich nicht schlecht, ich würde auch Unterschreiben das ich für mein Eingreifen selber Verantwortlich bin.

    Danke Euch
     
  5. Bablo

    Bablo Newbie

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    Ich würde mich freuen über weitere Antworten und vorallem Interessiert mich wie es in anderen Dialysen gehandhabt wird.
     
  6. Bonnie&Clyde

    Bonnie&Clyde Newbie

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    Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn Patienten ihre Dialyse selbst durchführen. Wir haben bei uns Heimpatienten die ihre Dialyse zu Hause durchführen. Wer das aus Platzmangel nicht kann, hat bei uns im Zentrum die Möglichkeit, die Dialyse selbstständig durchzuführen. Diese Patienten werden vorher trainiert, d.h. eine Schwester lernt mit ihnen Schritt für Schritt die Dialyse durchzuführen. Maschine, Punktion, Alarme, eben alles, was dazugehört.

    Wir haben dafür ein Zimmer mit zwei Plätzen. Die Patienten können dann auch ihre Anschlusszeiten frei gestalten, je nach dem, wie es auch beruflich geht. Allerdings gehört dazu auch, den Platz selbst herzurichten, also Betten beziehen, Material zusammentragen, Geschirr aufzuräumen usw.
     
  7. Dragstar

    Dragstar Newbie

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    Sehe das genauso wie Bluestar, ich sehe direkt, ob jemand weiß, was er da tut. Weiß er es nicht, bitte ich ihn jegliche Aktivitäten an der Maschine zu unterlassen. Bei Dir merkt man gleich, das Du weißt worum es bei der Sache geht, ich würde Dich, nach Absprache mit dem Doc, gewähren lassen, aber auch mit der Notiz im Protokoll.
     
  8. Manita

    Manita Newbie

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    Hallo Bablo,

    ich fühle mich in einer ähnlichen Situation. Ich habe 8,5 Jahre Bauchfelldialyse zu Hause gemacht, musste leider mit Übergang zur HD das Zentrum wechseln. Ich habe vorher mal eins ausprobiert, da wurden die ganzen Dialysefachkräfte durch Arztehelferinnen ersetzt. Die waren sehr jung und sicher motiviert, aber einige davon auch sehr dumm. In meinem jetzigen KfH-Zentrum kann ich dass so absolut nicht sagen. Es ist sehr groß und beim Personal gibt es alles mögliche, aber insgesamt auch viel Kompetenz.

    Ich würde auch gern mich weitgehend selbst bedienen, aber das stößt auf Grenzen. Einige Schwestern auch von den älteren tun sich sehr schwer mit der neueren Technik, z.B. der Fresenius. Ich finde die mal gar nicht kompliziert und blicke da auch durch. Aber prinzipiell dürfen wir Patienten nicht die Maschinen bedienen. Sie gehören dem Zentrum, wir sind da nicht angestellt und sozusagen kann man uns nix anweisen...Allerdings finde ich es schon grenzwertig an einer Maschine zu liegen, deren Funktionsweise ich besser durchschaue, als einige der bedienenden Pflegekräfte...

    Liegt vielleicht auch daran, dass einige ein Problem damit haben, dass nicht alle Patenten dumm sind und die Helfersyndrome mancher Pflegekräfte bedienen wollen.

    Laß Dich nicht unterkriegen
     
  9. Boris_G

    Boris_G Newbie

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    Heimdialysepatient
    Moin,

    ich bin es aus meinem Zentrum gewohnt diese Standard Alarme selbst zu regulieren,
    das habe ich schon immer so gemacht. Inzwischen bin ich eh Heimpatient und mache
    dementsprechend alles selbst. Bisher hat sich jedoch auch im Urlaub nie jemand
    beschwert, wenn es genauso gehandhabt habe. Wenn die Kanüle nicht optimal liegt
    passe ich allerdings meistens auch eher den Fluss an, so gravierend ist der Unterschied
    zwischen effektiv 350 und 400 ml/min nicht. Die Clearance steigt nicht linear mit dem
    Blutfluss an.

    Schöne Grüße,

    Boris
     
  10. Swega

    Swega Newbie

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    Wenn der Patient weiß, was er tut ist das sicherlich kein Problem, aber ich würde mir definitiv vom Patienten und vom Doc unterschreiben lassen, dass er die Maschine alleine bedienen darf.

    Boris hat übrigens Recht. Wir haben an unserer Adimea mal Vergleichsmessungen gemacht. Blutflüsse über 350 ml/min sind nicht wesentlich effektiver.
     
  11. Strahlenschubse

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    LMU Institut f klinische Radiologie
    Als 16jähriger hab ich bereits meine Gambro AK10 allein aufgebaut und betreut. Heute würde ich dasselbe gern mit meiner
    Fresenius5008 tun, aber das Personal will mich nicht anlernen, keine Zeit. Dabei würde ich ja die investierte Zeit mehrfach zurückgeben, wenn ich meine Maschine selbst aufbauen, füllen, abbauen, putzen und desinfizieren würde...
    Ich finde es schade, dass man sich da so sträubt. Ich wäre ja sogar bereit, samstags ins Zentrum zu gehen, um dem Personal beim Auf- und Abbau über die Schulter zu gucken, d.h. kein aktives anlernen, sondern passives abschauen (ich wohne 5min zu Fuß entfernt)
    Wie wird es denn anderswo gehandhabt?
     
  12. Bablo

    Bablo Newbie

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    Hallo Strahlenschubse,
    in meinem Zentrum hatten wir vor einem Jahr nur Gambro und Nikisu Maschinen. Erst jetzt und nur in einem Zimmer sind eben neu die Fresenius5008 gekommen. Auf den Nikisu Maschinen war das Personal fit und sie hatten kein Problem damit wenn ich mein Regiem eingebe, sie hätten mich auch die Machine aufbauen lassen, das wollte ich aus Zeitgründen nicht, aber befüllt habe ich sie öfter. Jetzt an den Fresenius ist das Pfelegepersonal selber unsicher und teilweise auch überfordert, bzw. unwissend von der Bedienung. Ich denke das ist der Hauptgrund dafür das wir nicht selbst in die Bedienung eingreifen dürfen.
    Kann es sein das es bei Euch ähnlich ist? Zeit kann ja eigentlich kein Grund sein, hauptsächlich ist es ja Deine Zeit die Du opferst.
    Grüße Bablo, und Danke für alle Antworten
     
  13. Daniel1963

    Daniel1963 Newbie

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    Lieber SWEGA - da muss ich Dir aber soetwas von widersprechen!!!!! Höherer Fluss bringt auf alle Fälle etwas - Voraussetzung ist natürlich, dass Du auch die Filteroberfläche und die Nadeln anpasst......... LG Daniel
     
  14. PitterPotter

    PitterPotter Newbie

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    .......... und dass die eigene original vorhandene Pumpe seeehr gut funktioniert und diesen zusätzlichen Stress lange genug aushält. Sonst kann das ganze schnell nach hinten los gehen und kontraproduktiv wirkt. (Dauerhaft zu hoher Fluss ist wohl möglicherweise einer der Hauptgründe für die ziemlich hohe Sterblichkeitsrate amerikanischer Dialysepatienten. So jedenfalls haben es die Amis schon vor ein paar Jahren selber herausfinden können.

    Auch Dir alles Gute

    PitterPotter

     
  15. Daniel1963

    Daniel1963 Newbie

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    @PitterPotter
    Das darf man aber wirklich nicht so isoliert sehen.Die Amis haben max hohe Flüsse eingesetzt und dafür die Zeiten max reduziert.
    Einen Fluss von 400 verträgt fast jeder Shunt und wenn man dann die Zeit belässt, erhält man wunderbare Ergebnisse
    LG aus dem Land der hohen Flüsse (nicht USA)
    Daniel
     
  16. Sanibel

    Sanibel Newbie

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    Hallo,

    also ich weiß ja jetzt wirklich nicht.... ich arbeite seit nunmehr 16 Jahren in einer Dialyse (Uniklinik), aber die Shunts, die man guten Gewissens mit einem Fluss von 400 fahren kann, kann ich an einer Hand abzählen! Die Aussage, das fast jeder Shunt so einen Fluss verträgt, halte ich schlichtweg für falsch. Selbst bei Verwendung von 1,8er Nadeln (werden bei uns fast immer verwendet), müsste ich da Drücke die jenseits von gut und böse sind tolerieren.
    Was habt ihr den für einen arteriellen / venösen Druck bei einem BF von 400? Unsere Richtlinie ist, so lernen wir es auch neuen Mitarbeitern, +-150. Natürlich muss man in Ausnahmefällen auch mal schlechtere Drücke tolerieren, das wird aber bei uns sicher nicht die Regel sein. Der normale BF, bei einem gut laufenden Shunt ist bei uns ca 300-350.

    LG Sanibel
     

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