Wo kommen wir her - wo gehen wir hin?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Elisabeth Dinse, 26.03.2013.

  1. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Welche Wurzeln hat Pflege in Deutschland überhaupt?

    Warum liegt der Schwerpunkt des Interesses der Pflegekräfte auf Lohn und Arbeistbedingungen?

    Woher rührt es, dass Pflege ín Deutschland immer nach jemandem Ausschau hält, der die Verantwortung übernimmt?

    Wieso haben so viele das Gefühl, dass ihnen amerikanische Pflegeideen übergestülpt werden?

    Ich hab keine Historie der Pflege in der Schule gehabt. Mich würde interessieren, was lernt man aktuell dazu. Wird da überhaupt ein Kontext hergestellt zur aktuellen Entwicklung.

    Elisabeth
     
    #1 Elisabeth Dinse, 26.03.2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 03.04.2013
  2. Miffy

    Miffy Junior-Mitglied

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    Hallo Elisabeth,

    nur ein paar schnelle Gedanken, bevor ich gleich zum Spätdienst muss:

    Ich würde das mit der Bedürfnispyramide von Maslow vergleichen wollen. Die Grundbedürfnisse müssen erst befriedigt sein, bevor man sich der nächst höheren Stufe zuwendet. Und der Lohn ist wichtig, um meine elementarsten Bedürfnisse befriedigen zu können, denn obwohl alles immer teurer wird, muss ich trotzdem weiter essen und trinken, sonst werde ich nicht mehr lange arbeiten können, weil mir einfach die Kraft dazu fehlt. Und bessere (oder andere) Arbeitsbedingungen müssen her, weil es wenig Sinn macht, z.B. immer mehr und immer tollere theoretische Pflegekonzepte auszutüfteln (oder aus anderen Ländern zu übernehmen), wenn hier bei uns beispielsweise der Personalschlüssel und damit die zur Verfügung stehende Arbeitszeit so gar nicht dazu passt.

    Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, müssen es gar nicht immer neue Konzepte sein, die man einführen will, denn es klappt ja schon nicht mit der "ganz normalen" aktivierenden Pflege, wie sie im theoretischen Teil der Ausbildung gelehrt wird und auch vom Gesetzgeber gefordert wird. Das strahlende Gesicht von Frau Müller, die noch einen Teil der Körperpflege selbst übernehmen kann, wenn man sie nur immer wieder geduldig anleitet, zählt leider nicht. Denn die anleitende Pflegekraft macht ja nach Meinung vieler Kollegen nichts, sondern steht nur stundenlang dumm in der Gegend (oder im Bewohnerbadezimmer) rum. Wenn sie eine gute Pflegekraft sein will, muss sie nur wahnsinnig schnell und am Besten eiskalt sein (sonst hält ihr Gewissen den Akkord nicht lange aus). Da können sie uns in der Schule noch so oft sagen, dass man den Bewohnern nicht alles abnehmen soll, nur weil es dann schneller geht, und dass die beste Pflege die Pflege mit den Händen in der Kitteltasche ist, das klingt zwar toll, klappt aber in der Praxis leider nicht. Und so lange das so ist, denke ich, können die Arbeitsbedingungen nicht annähernd gut sein und müssen verbessert werden.

    Wie immer will ich nicht verallgemeinern und kann nur sagen, wie ich es hier erlebe und was meine Mitschüler so berichten. Und keinesfalls möchte ich mit dem vorigen Absatz irgendjemanden angreifen.

    LG Miffy
     
  3. Chris8421

    Chris8421 Stammgast

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    Ist eine Pflegekraft ein anderer Arbeitnehmer, als z.B. ein Bürokaufmann?
    In erster Linie arbeitet man schließlich, um Geld zu verdienen und sich so das Leben zu finanzieren und vorallem um zu überleben.
    Da demnach in meinen Augen die Arbeit den Großteil des Lebens ausmacht, finde ich, sollte diese Spaß machen.
    Sind die Arbeitsbedingungen so katastrophal, dass sie einen Mitarbeiter krank machen, hat das nichts mehr mit Spaß zu tun und der sowieso schon bestehende "Zwang" zu arbeiten, wird zur Qual.
    Die aufopfernde Schwester, die alles für die Hilfsbedürftigen tut, ihre eigenen Bedürfnisse in den Schatten stellt, sehe ich heute nicht mehr im Berufsbild eines Gesundheits- und Krankenpflegers.
    Das ist meine Beruf, mehr als 100% geben kann ich nicht. Wenn ich Durst habe, muss ich etwas trinken - ich bin keine Maschine, man erwartet, dass ich voll einsatzfähig bin, wenn ich im Dienst bin. Das kann ich aber nur gewährleisten, wenn ich körperlich dazu in der Lage bin. Meine Pause ist gesetzlich vorgeschrieben, in der Zeit kann ich tun und lassen was ich will. Da muss man eben den Stationsablauf so organisieren, dass nicht alle gleichzeitig in Pause sind und keiner mehr da ist. In der Pflege sind das heute noch Selbstverständlichkeiten, dass man in der Pause trotzdem für jeden zur Verfügung steht. In keinem anderen Berufsfeld ist mir das bisher begegnet.
    Durch diese "Selbstverständlichkeiten" verschlechtert man sich meiner Meinung nach sogar zum Teil seine Arbeitsbedingungen. Ändern "kann man das ja nicht", man kann nur schimpfen ...
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Mir ging es mehr um historisch gewachsene Interessen und Ansichten. Wo liegen die Ursachen dafür, dass wir denken, wie wir denken? Was prägt uns als Berufsgruppe?

    Elisabeth
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich scheine einen wunden Punkt berührt zu haben mit meiner Frage, warum man in Deutschland so gerne nach der Obrigkeit ruft, wenn es um die eigenen Belange geht und warum solche Sachen wie der Pflegeprozess in Deutschland net funzen. *g*

    Elisabeth
     
    #5 Elisabeth Dinse, 27.03.2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 03.04.2013
  6. BettyBoo

    BettyBoo Poweruser

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    Mal sehen, wohin dieser Thread geht, ich fände es interessant, zu erfahren, was andere dazu beizutragen haben.
     
  7. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Wurzeln der Krankenpflege? Keine Ahnung, hatten wir Geschichte der Krankenpflege in der Schule? Das weiß ich gar nicht mehr. Das, was ich weiß, habe ich mir selber angelesen. Als ich noch Kraft, Zeit und Lust hatte, mich nach der Arbeit noch mit der Arbeit zu beschäftigen.

    Warum die Arbeitsbedingungen und der Lohn im Vordergrund stehen? Weil ich arbeite um Leben zu können. Ich verdiene heutzutage weniger , als als Berufsanfänger vor einigen Jahren, weil Zulagen wegfielen, Arbeitszeiten angepasst wurden und Pauschalen reduziert oder kleingerechnet wurden und die Lebenshaltungskosten immer höher werden.
    Immer billiger, immer mehr, immer schneller. Das ist der Trend der letzten Jahre und, um auf die Arbeitbedingungen zu kommen, bei zunehmend schlechter werdenden Arbeitsbedingungen.

    Natürlich möchte man gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne haben. Wir leisten ja auch verantwortungsvolle und wichtige Arbeit. Und wenn ich sehe, dass ungelernte Chemiearbeiter deutlich mehr verdienen als erfahrene Krankenschwestern mit oder ohne Fachweiterbildungen, dann muss ich mich doch sehr wundern.

    Ich gehe ausschliesslich arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, ich habe das Glück in meinem Bereich eine Nische gefunden zu haben, die mir noch dazu sehr viel Spaß macht. Trotzdem bekomme ich an jedem Arbeitstag schlechte Laune, wenn wieder mal versucht wird, an mein Gewissen zu appellieren, weil zu viele Patienten geplant worden sind und von mir selbstverständlich verlangt wird, dass ich bleibe, bis alle versorgt bin.

    Mal ein Gegenbeispiel aus unserer Verwaltung:" Sie können jederzeit Ihre neue Parkkarte (die übrigens einen Haufen Geld kostet) bei mir abholen. Allerdings nicht vor halb neun, denn ich fange erst um acht Uhr an. Und nicht zwischen halb zwölf und eins, denn da habe ich Mittagspause. Sie müssten bis sechzehn Uhr dagewesen sein, denn um halb fünf habe ich Feierabend." So etwas würde ich auch gerne mal sagen. Ich muss darum kämpfen, mal auf die Toilette zu können oder nach zwei Stunden Mehrarbeit eine Ablösung zu bekommen.

    Wenn ich um drei sage, ich hätte noch keine Pause gehabt, dann werden die Achseln gezuckt und gesagt, es wäre niemand da, der ablösen könnte. Immerhin wird nicht diskutiert, wenn ich meine Mehrarbeit eintrage (Überstunden machen Teilzeitkräfte ja nicht). Da habe ich noch Glück, wenn ich hier so querlese.

    Ja, Arbeitsbedingungen und Lohn sind mir sehr, sehr wichtig, denn für ein dankbares Lächeln kann ich mir nichts kaufen. Zumal die Dankbarkeit von Patienten auch nicht mehr so verbreitet ist, weil der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund steht und die Leute was haben wollen, für ihr Geld. Wenn ich nach zehn Stunden Arbeit Feierabend mache, werde ich von den letzten Patienten noch angemotzt, weil sie so lange warten mussten.
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wir werden ja in einer bestimmten Art und Weise sozialisiert. Die Jungen übernehmen die Traditionen der Alten. Ich überlege, wo diese Obrigkeitshörigkeit herkommt? Kann es sein, dass ein großer Teil der Pflege sich nie aus der behüteten Position der Krankenpflegekraft aus Fliedners Zeiten verabschiedet hat? Alles war geregelt durch die übergeordnete Institution.

    Agnes Karls Kollegen hatten schlechtere Arbeitsbedingungen als die Pflegekräfte der Mutterhäuser. Hier war es existentiell wichtig, Lohn und Arbeitsbedingungen im Auge zu behalten und selber für eine Verbesserung zu kämpfen.

    Die aktuelle Generation jammert zwar über die Bedingungen- verhält sich aber wie die abhängige Pflegekraft vor Karl. Sie fügt sich.

    Warum ist das so und wie ändert man dies?

    Elisabeth
     
  9. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Nun, sie ändern es doch. Indem sie in Scharen der Pflege den Rücken kehren. Übrig bleiben die, die nicht weg können, aus welchen Gründen auch immer und ein paar, die zufrieden sind zu wissen, dass sie für eine Frau noch ganz gut verdienen.
     
  10. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Ich kann leider nicht sagen woran es liegt, aber ich kann berichten wie ich es empfunden habe.
    Meiner Schule war es immer sehr wichtig, dass wir unsere Handlungen stets begründen, selbstbewusst sind und auch mal alte Zöpfe hinterfragen.
    Es wurde beispielsweise sehr viel über Sinn und Unsinn der häufig praktizierten Dekubitusprophylaxe mittels Panthenol diskutiert.
    Ich kann mich noch gut erinnern, in was für ein entnervtes Gesicht ich blickte, als ich vorstichtig fragte welcher Faktor durch das Auftragen minimiert wird.
    Das ist bei Weitem nicht die einzige Situation gewesen in der ich mir vor kam wie der Klug******er aus der Schule, welcher der berufserfahrenen Kraft hier was erzählen will.

    Auch in meinem ersten Jahr im Beruf stieß ich oft an Grenzen und Hürden.
    Zu der Zeit war auch grad ein großer Streik wegen der 42h/Woche an dem ich natürlich fließig teilgenommen haben. Ich hatte damals nen befristeten Vertrag und musste bereits 42h arbeiten im Gegensatz zu den meisten anderen Kollegen. Was ich damals erlebt hab war für mich im Nachhinein auch etwas der Punkt an dem ich ernsthaft daran gezweifelt hab ob ich noch lange glücklich in dieser Branche bin.
    Kollegen haben mich angeblafft, dass sie hier wegen meinem Trillerpfeifengedudel doppelt schuften mussten. Die Leitungen haben mir durch die Blume mitgeteilt, dass das schon sehr gewagt ist mit nem befristeten Vertrag an nem Streik teilzunehmen.
    Ich durfte mir Dinge anhören wie, sie würde ja auf Gehalt verzichten, wenn nur endlich mehr Leute eingestellt würden und Menschen wie ich machen die Pflege kaputt, da das Klinikum so ja pleite gehe.....ach ja und die Patienten sind mir wohl auch nicht wichtig...
    Da dachte ich mit meinen 21 Jahren und voller Idealismus wirklich ich fall vom Glauben ab.

    In der Schule hatte wir schon ein paar Stunden zur Geschichte der Pflege. Themen drehten sich um die Anfänge, um die Krankenwärter, den Wandel zum bürgerlichen Frauenberuf, NS-Zeit.

    Meiner Meinung spielt die Sozialisation eine nicht ganz unwichtige Rolle. Wenn man die Entwicklung in D betrachtet und wie damals der Frauenberuf Krankenpflege und wie der Männerberuf des Artes enstand kann das doch Aufschluss geben über das Verhalten.

    Puh, jetzt hab ich geschrieben und geschrieben und nun fällt mir auf, dass das wohl etwas am Thema vorbeigeht.
    Ich wollte damit nur eine mögliche Erklärung liefern warum lieber gejammert wird, als auch mal selbst was in die Hand zu nehmen. Es ist nicht leicht gegen den Strom zu schwimmen.
     
    #10 mary_jane, 27.03.2013
    Zuletzt bearbeitet: 27.03.2013
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es scheint, als wenn man sich scheut, die Zusammenhänge eindeutig aufzuzeigen. Es dürfte auch schwer fallen, dem Azubi zu erklären: wir bilden nach amerikanischem Muster aus- eigenverantwortlich halndeln- aber in D wird obrigkeitshörig gearbeitet. Da ist eigenes Denken oft hinderlich. Der Azubis erfährt diese Tatsache im Selbstversuch. Und entweder ist er flexibel und passt sich an oder er sucht nach einem Ausweg. Der mündet net selten in einem Studium. Wäre also Back to the Roots für ihn: hin zur angloamerikansichen Sichtweise.

    Ist es überhaupt möglich, die Sozailisierung zu verändern? In welchem Zeitraum? Und warum kommen wir nicht voran?

    Elisabeth
     
  12. white horseman

    white horseman Poweruser

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    @Elisabeth: Ich lese bei Dir immer wieder von dem "amerikanischen Muster". Was meinst du damit und wie kommst Du darauf?
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Frage verwundert mich nun aber doch. Du kennst nicht die Unterschiede zwischen der Pflege in Deutschland und der in den USA? Die unterschiedliche Entwicklung ist dir nicht bekannt? Der unterschiedliche Stand der Professionalisierung? Kann ich mir gar nicht vorstellen.

    Falls doch keine Kenntnisse: Google hilft weiter.

    Elisabeth
     
    #13 Elisabeth Dinse, 01.04.2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 03.04.2013
  14. white horseman

    white horseman Poweruser

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    @Elisabeht: So viel ich weiß, gibt es "das amerikanische Muster" nicht. Die haben durchaus unterschiedliche Ansatze vom Pflegeprozess bis zum primary nursing. Deshalb frage ich Dich, welches Muster Du meinst?
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Welches Pflegemodell wird noch mal flächendeckend in Deutschland umgesetzt? Umgesetzt im Sinne des Erfinders versteht sich und nicht die deutsche Verstümmelung des Konzeptes.

    Und warum werden diese Modelle von der beiten Basis als bürokratischer Quatsch begelhent?

    Elisabeth
     
    #15 Elisabeth Dinse, 02.04.2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 03.04.2013
  16. Baum

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    Wir hatten eine finnische Lehrerin, die war Klasse. Die hat uns die Agnes Karll beigebracht, und was die für die Frauen und die Professionalisierung des Berufs gemacht hat. Klasse Frau, Respekt (Agnes Karll und die Lehrerin :wink1:). Florence Nightingale haben wir durchhgenommen, und das waren so die prägnantesten, die wir hatten und an die ich mich erinnere.
    Ich fand das immer superspannend, und die Entwicklung von der Heiligen über die Hure zum heutigen Beruf finde ich cool. Wenn mich aber ein Patient mit einer der beiden erstgenannten verwechselt, muss ich den Irrtum freundlich aber bestimmt aufklären :freakjoint:.

    Ich verstehe jedoch die Argumentation nicht, dass man in einem schönen Beruf bzw. mehr Geld verdienen muss oder einen höheren Lohn. Das ist nett, ja, aber:
    Ich verstehe nicht, warum die Menschen, die den Beruf nicht gerne ausüben, sich nicht schon in jungen Jahren Alternativen überlegt haben. Ich denke auch nach wie vor nicht, dass irgendwer, der in die Krankenpflege geht, mit der fetten Kohle rechnet. Ich denke, Krankenpflege machen entweder die Leute, die`s gerne machen mit einer soliden bis guten Bildung oder aber solche, die aufgrund des niedrigen Schulabschlussen keine andere Möglichkeit haben.
    Und genau da liegt vermutlich der Hase im Pfeffer und der Unterschied zu sämtlichen anderen angloamerikanischen Ländern. Es gibt welche, die`s gerne machen, und solche, die angeblich keine Alternative haben. Da kommt dann gute Stimmung auf. Im Angloamerikanischen Raum müssen die Leute, die einen niedrigeren Bildungsstand haben, viel mehr leisten als in DE. In einigen Ländern muss man erst über ein Praktikum, dann eine dreijährige Ausbildung zur untergeordneten Ausführungskraft, dann über das Studium von drei Jahren zur Krankenschwester verfügen. Aber eins weiss ich: die Leute sind danach auch sowas von motiviert. Die haben geschuftet für das, was sie erreicht haben.:klatschspring:

    Ich persönlich finde es immer wieder spannend, was man z.B. den Schülern positives über den Beruf mitgeben kann. Was sie draus lernen können und wieviel sie sich von uns abgucken. Ich hatte als Schülerin eine handvoll tolle Schwestern, von denen ich richtig was gelernt habe. Heute hoffe ich, dass ich ein solches positives Bild von der Pflege weitergebe. Denn der Nachwuchs wird gebraucht, besonders der Qualifiziert. Und der Schüler ist immer nur so gut, wie ich ihn anleite.
    :flowerpower:

    Man kann die Rahmenbedingungen nicht immer ändern, Fakt. Man kann aber ein positives Bild von Pflege vermitteln und dadurch indirekt was ändern. Dadurch kann man manchmal sogar mehr verändern, als die Politik :cheerlead:.

    Das Bild, das eine coole Krankenschwester ausmacht, ist in meinen Augen das der modernen jungen Frau/ Mannes, der den Beruf macht, weil es ihn i.d.R. gerne macht und damit sein eigenes Leben und die Unabhängigkeit von anderen finanzieren kann und damit zufrieden ist:nurse:.
     
  17. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Aber das mit dem eigenen Leben unabhängig zu finanzieren wird ja zunehmend unmöglich gemacht.

    Ich verdiene heute, durch Anpassung der Arbeitszeiten und dem Wegfallen der Zulagen, wie z.B. Überstundenzulagen, deutlich weniger, als ich als Berufsanfängerin verdient habe und arbeite sehr viel mehr. (Verdichtung wird das ja gerne genannt) Außerdem habe ich, durch die Anpassung der Zeiten deutlich höhere Kosten. Und die Lebenshaltungskosten steigen auch immer weiter.

    Und schön ist der Beruf schon lange nicht mehr. Er war es mal - keine Frage. Es sind längst nicht mehr die Bedingungen, die man gewählt hat, als man sich vor laaaaanger Zeit für diesen Beruf entschieden hat.


    Viele meiner Kollegen sehen das ähnlich, als sie noch jung und unabhängig waren, also in einem Alter, in dem man sein Leben noch mal hätte umkrempeln können, war alles ja noch prima. Irgendwann ist es eben durch die Rahmenbedingungen nicht mehr möglich, noch mal eine andere Ausbildung zu machen, z.B. weil man Familie hat und keinen reichen Partner, der einen unterstützen oder finanzieren würde.

    Es ist so einfach zu sagen : Du könntest ja... Warum machst Du nicht.... Wenn es Dir doch nicht mehr gefällt, warum suchst Du Dir nicht was anderes?
    Wer kann sich so was denn erlauben? Unterstützung für eine berufliche Neuorientierung gibt es ja nicht, jedenfall nicht, solange man noch kann.
    Erst wenn man total kaputt ist, bekommt man vielleicht eine Umschulung.
     
  18. JanaP

    JanaP Newbie

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    Ist halt echt eine Schande, der Berufszweig der in der Zukunft wohl am meisten Ausgebaut werden muss, wird am meisten der kapitalistischen Sparlogik zum Frass vorgeworfen.
     
  19. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Das ist von "oben" so gewollt. Aber das ist ein anderes Thema.
    @elisabeth: Auch ich hatte bisher noch niemals etwas von einem "amerikanischen Muster" gehört.

    Unsere Professorin in Pflegewissenschaft würde Dich dann fragen," wie definieren sie Muster" ?

    Da ich mich innerhalb meines Studiums natürlich mit Theoriebildung, Theorien- und Modelle der Pflege in den USA und Deutschland befasse, ist mir dieser Terminus noch niemals unter die Augen gekommen.

    Um einer Deiner Fragen ein Stück weit zu beantworten:

    Gelehrt wird durchaus nach wie vor die Geschichte der Krankenpflege. Dies nicht nur in der regulären Ausbildung, sondern auch im Studium. Darüber hinaus natürlich im Pflegepädagogik- Studium.

    Die Theorien aus den USA werden häufiger verwendet, als wir oft ahnen. Hochinteressante Theorien, wenn man sich die mal zu Gemüte führt. Darüber hinaus wird auch die Bedeutung für z.B. Deutschland gelehrt.

    Es gibt durchaus Theorien der Pflege, die etwas spirituell angehaucht sind. Auch die Theorie von dem "Zeitalter der Raumfahrt" ist durchaus interessant zu lesen. Da allerdings die meisten Theorien zwischen den 1950er- 1980er Jahren gebildet wurden, kann man eigendlich nicht unbedingt immer behaupten, dass diese in ihrer Grundform auch noch up to date sind. Allerdings werden diese bestimmt auch stetig weiterentwickelt. Ob dies überall dann empirisch nachweisbar ist ? Dahingehend stellte ich mir schon so einige Male die Frage.

    Zudem die USA durchaus auch seine wirtschaftlichen Probleme in der Pflege hatte und auch hat. Um die Entwicklung der Profession zu verfolgen, sollte man durchaus mal einen Blick in die USA werfen und sich dann mit der Historie der Pflege in den USA zu befassen. Dies klingt durchaus ähnlich, wie in Deutschland. Vorallem scheint der Zeitfaktor sowie die Einsparungen dort keinerlei unerhebliche Rolle zu spielen. Allerdings sind sie eben in vielen Dingen weiterentwickelt, als wir. Nicht uninteressant ist auch, dass in den 1990er Jahren Deutsche in den USA ihren Master in Pflegewissenschaft absolvierten. Dies war keine Seltenheit und dies hat durchaus auch Auswirkungen auf die Lehre in Deutschland.
     
  20. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hat es nicht was mit unserer Außenpräsentation zu tun, dass man uns immer noch als eine Art Diakonisse sieht?

    Friederike Fliedner- Ehefaru von Theodor Fliedner- sagte mal: Selbstverleugnung ist das EINE was not tut. Wie weit haben wir uns davon entfernt?

    Krankenpflege in D bedeutet nach wie vor: alle machen alles. Es gilt als Nestbeschmutzung, wenn man sich dem in der Praxis verweigert. Es wird das Banner "Personalnotstand" hochgehalten und doch alles getan das dies kaum zu spüren ist. Viele sind durch die Obrigkeit moralisch erpressbar: der Pat. darf nicht unter den Umständen leiden.
    Man sucht den Splitter im Auge des Management, der Politik, der Gesellschaft und übersieht dabei den Balken im eigenen Auge.

    Warum erleben die Pflegekräfte außerhalb von D eine andere Anerkennung? Dort machen eben nicht mehr alle alles. Man distanziert sich nicht nur verbal von Servicetätigkeiten. Man erbringt sie einfach nicht routinemäßig. Die Fachkompetenz ist eine andere. Ich empfehle hier mal einen Blick in die Fachliteratur außerhalb von D.

    Was ist von Agnes Karll über geblieben? Manchmal habe ich den Eindruck, dass es nur die Forderung nach mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen ist. Das Agnes Karll dafür selber in eigener Person kämpfen musste, wird gerne ignoriert. Pflege in D erhofft sich die Veränderung von oben- obrigkeitshörig wie sie ist. Agnes dürfte im Grabe rotieren, wenn sie wüsste, was aus ihrer Idee gemacht wurde.

    Wo kommen wir her- wo gehen wir hin?

    Aus dem Projektmanagement kennt man die IST-Analyse, die Quickziele und das Fernziel. Pflege in D verweigert eine Bestandsaufnahme- wahrscheinlich auch, weil sie zu schmerzhaft wäre. Man hat das Fernziel. Und dort hin läuft man unter dem Spruch: Der Weg ist das Ziel. Und mittlerweile irren wir seit Jahren durch die Sprechblasen, die Visionen genannt werden.

    Ergo: Wo steht Pflege in der Realität tatsächlich? Und ist es denkbar, dass diese Einstellungen geändert werden können? Wenn ja- wie kann es jeder selber angehen?

    Elisabeth
     
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