Wieso keine vernünftige Bezahlung im Krankenhaus nach der Ausbildung?

chris.b

Senior-Mitglied
Registriert
12.09.2019
Beiträge
142
Verhandeln? Was bietest du und für was willst du einen Bonus?
Das solltest du schon detailliert Begründen können anhand von Möglichkeiten die der Tarifvertrag hergibt.

Tarifgebunden heißt eben Gebunden - beidseitig - nicht weniger aber auch nicht mehr Gehalt. Wie begründest du, dass du eine Gehaltsgruppe mehr Wert bist als der Rest deiner Kollegen?

Ich würde doch nochmal genau Nachrechnen der Abstand zwischen 3700€ und 3100€ scheint mir doch relativ groß und nicht wirklich realistisch.

Mach dir eine Tabelle und schreibe dir alles auf was darin enthalten ist und welcher Tarifvertrag was bietet.
TVÖD: Bei den 3100€ kommen noch die Zulagen hinzu für Wechselschicht, Wochenende, Nachtdienst, Feiertage evtl. Bereitschaft
Außerdem hast du im öffentlichen Dienst eine Zusatzversorgung für lau, die dein AG bezahlt, Gegenwert ca. 200-250€ pro Monat nach heutigem Stand nach 40-45Jahren und 20Jahren Bezug. Du bekommst nach heutigem Stand etwa 500€-550€ Zusatzrente.
Prüfen - Sozialleistungen wie ÖPNV-Ticket, bezuschusstes Essen in der eigenen Kantine etc.

Besonders zu Berücksichtigen und von immensem Vorteil im TVÖD:
Stufenaufstieg automatisch
plus
regelmäßige Lohnerhöhungen nicht vergessen.

Gibt es das bei deinen anderen Angeboten auch?
Sind da die Zulagen schon eingerechnet, Pauschal abgegolten, vielleicht mit einem prozentualen Anteil an verpflichtender Mehrarbeit?
Zusatzversorgung und regelmäßiger Lohnerhöhung?
Sozialleistungen?
Wie viel Arbeitsstunden pro Woche?
Wie viel Urlaub?

Hört sich zuerst mal gut an aber schau mal ins "Kleingedruckte" die kochen auch nur mit Wasser und haben das Geld nicht im Überfluss.

Genau vergleichen und rechnen und sich nicht von evtl. vermeintlich guten Angeboten blenden lassen.

Zu guter Letzt - ich habe meine Arbeitsstellen immer nach meinen Interessen ausgewählt und nicht primär wo ich evtl. mehr Verdiene. Die Fachgebiete die du beschreibst sind seeeehr unterschiedlich, dort siehst du dich in allen evtl. auch längerfristig?

Klar du kannst jederzeit wieder Kündigen. Macht aber keinen Spaß gleich wieder wo anders neu anzufangen und wenn ich mir eine solide Basis für weitere "Karriereschritte" aufbauen möchte.
Ich kann ja über Sonderzahlungen, Vorteile, Studiengebühren etc. verhandeln. Das wäre ja schon was. Es muss aber mittlerweile mehr sein als die Zusage für eine Fachweiterbildung, bei der der Arbeitgeber in diesen Zeiten letztlich deutlich mehr hat, gemessen an den Gehältern.
Der Abstand zwischen 3100€ im Krankenhaus und 3700€ in der psychiatrischen Pflege ist verdammt groß. Und für die zugesagte Station auch entsprechend weniger Arbeit.
Deswegen ärgere ich mich ja so. Man ist letztlich gezwungen in die Langzeitpflege zu gehen, weil Krankenhäuser auf die Pflegekräfte spucken. Das kann euch doch nicht recht sein, wenn ihr weniger Kollegen im Krankenhaus habt, weil die alle weglaufen?
Ich würde mich definitiv für ein höheres Gehalt neuer Kollegen einsetzen.
Und auch die Tariferhöhungen nach einem Jahr oder Tarifanpassungen bringen mir nichts, da ich in der Langzeitpflege ohnehin nur bis zum Abschluss eines Studiums unterkommen würde... zumindest in der direkten Pflege.
Im Heim bekomme ich tatsächlich zu den 3700 nur noch Schichtzulagen, sonst nichts. Tarifanpassungen gibt noch. Urlaub liebt nur bei 30 Tagen, was tatsächlich auch schlecht, aber verkraftbar ist. Und die Arbeitszeit sind die üblichen 38,5h.
Jedoch habe ich bei den 3100€ auch die Zuschläge noch draufgerechnet und dann fehlen am Ende wieder mindestens 4500€ im Jahr zum anderen Job.
Klar kann ich nach 5 Jahren Arbeit oder so + Fachweiterbildung dann auf ähnlichen Lohn kommen, aber dann kann ich im Heim für die Zeit auch besser verdienen und im Anschluss ins Management gehen.
Und traurig ist auch, dass man nebenher ein Studium finanzieren kann und dennoch mehr Geld hat als im Krankenhaus. Wieder ein Grund, der das Krankenhaus unattraktiv macht.

Natürlich wählt man seinen Arbeitsort auch danach aus, wo man gerne arbeitet aber auch das beste Geld bekommt. Und ich finde einige Bereiche sehr spannend, darunter eben die Physiatrie. Zwar kann ich mir dort auch eine Fachweiterbildung vorstellen, aber da würde ich ein Studium priorisieren.

Wo genau es mich dann letztlich hin verschlägt, werde ich dann am Ende der Ausbildung sehen ;)
 

chris.b

Senior-Mitglied
Registriert
12.09.2019
Beiträge
142
@Martin H. Danke für deinen Zuspruch.

An einigen Stellen war ich jetzt auch etwas verdutzt über die Antworten.
Die Arbeit auf einer Intensivstation wäre durchaus superspannend, auch an unserem Lehrkrankenhaus, was ich niemals gedacht hätte. Auf den Normalstationen hat das arbeiten mit den Teams kaum Spaß gemacht.
Mit den fehlenden Rahmenbedingungen ist es aber wirklich schwer. Die ITS bei uns ist auch ziemlich unterbesetzt und es wird sich viel (zurecht) beschwert, dass das so nicht weitergehen kann. Der Pflegeschlüssel wird kaum eingehalten. Wenn ich da jetzt anfange, dann muss mir der Arbeitgeber mMn doch entsprechend entgegenkommen, da ich weiß wie stressig und unqualifiziert (bzgl. Pflegeschlüssel) die Arbeit dort läuft. Da wäre eine Höherstufung - auch in Anbetracht der Leistungen im Rahmen der Ausbildung - durchaus angebracht. Und man hat immer tausend Argumente um das Angebot des Hauses schlecht zu reden, weil man weiß, dass das alles gelogen ist.

Ansonsten wäre mein Wunsch, dass sich an Kliniken tatsächlich was ändert. Es ist nur eine Zeitfrage wann das nicht mehr klappen kann.
Ich wäre ja für eine gesetzliche Pflichtversicherung aller in der Krankenkasse... aber mittlerweile bin ich von Lauterbach auch eher enttäuscht.
 

chris.b

Senior-Mitglied
Registriert
12.09.2019
Beiträge
142
P.S. Die Erwartung/Forderung von Chris.b ist zwar in Teilen nachvollziehbar, widerspricht dem gemeinschaftlichen Denken aber völlig.
An erster Stelle stehe erstmal ich. Das ist bei jedem so. Sonst würdet ihr alle umsonst arbeiten ;)

Aber natürlich muss die Pflege in allen Facetten besser bezahlt werden. Aber in der Situation der Bewerbung gehts ja nun gerade um mich und meine Vorstellungen. Und ich finde das nicht asozial, wenn ich sage, dass ich für 3100€ nicht in der Klinik anfange. Wie gesagt: Angebot und Nachfrage. Wenn ich für weniger Arbeit 600€ bekomme, wo soll da für einen Bewerber der Anreiz sein die Klinik vorzuziehen?
 

chris.b

Senior-Mitglied
Registriert
12.09.2019
Beiträge
142
Ich würde mich (u.a.) für ein höheres Gehalt für ALLE einsetzen.
Es ist ja jetzt schon so, dass die nachkommenden Azubis mehr bekommen als wir im ersten Lehrjahr. Und die werden im 3 Lehrjahr dann vermutlich 1600€ oder mehr bekommen. Wir haben halt nur 1500€. Aber deswegen bin ich nicht sauer oder neidisch auf die. Es ist gut, dass Nachkommende höher entlohnt werden. Die sollen doch auch Spaß an der Ausbildung haben.
Und wenn ich mehr Gehalt im neuen Job bekomme als andere, dann ist das eben auch gut so. Als Bewerber ist man eben nicht gebunden und kann besser verhandeln als wenn man schon im Job ist. Klar kann man dort auch mit der Kündigung drohen, aber zumeist hat man sich sein Leben oft um den Beruf aufgebaut. Damit sind das oftmals gewisse Erschwernisse.

Wir sollten einfach mehr auf die Straße gehen. Nur so wird sich was bessern. Und etwas muss sich bessern.... immerhin wird vieles in den kommenden Jahren noch viel schlechter.
 

einer

Poweruser
Registriert
07.09.2014
Beiträge
626
Beruf
Fachkrankenpfleger OP
Akt. Einsatzbereich
Zentral-OP mit 7 Abteilungen
Funktion
Mädchen für alles
Und ich finde das nicht asozial, wenn ich sage, dass ich für 3100€ nicht in der Klinik anfange. Wie gesagt: Angebot und Nachfrage. Wenn ich für weniger Arbeit 600€ bekomme, wo soll da für einen Bewerber der Anreiz sein die Klinik vorzuziehen?
Keiner hier hat dich als asozial bezeichnet. Also bleibe bitte auch du soweit wie möglich sachlich.

Davon ab:
Alle deine Argumente deuten darauf hin, dass du deine Entscheidung getroffen hast.
Die Gründe ( auch die „geschichtlichen“) sind für dich nicht relevant. Das ist dein gutes Recht. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass Tarif-gebundene Arbeitgeber nicht so einfach einem neuen Mitarbeiter fast 20% mehr bezahlen können ( und dürfen) Geld allein ist nicht der der einzige und wichtigste Grund, warum wir zu wenig Pflegekräfte in Deutschland haben. Und es ist auch nicht die Lösung. Tarif-gebundene Bezahlung ist richtig !!! Auch wenn es für dich in deiner Situation und deinem perspektivischen Denken keinen Sinn ergibt.

Also wünsche ich dir alles Gute bei deinem neuen Arbeitgeber und hoffe für dich, dass dieser deine eigene Argumentation niemals gegen dich verwendet, falls du einmal nicht mehr zur „Elite“ des Personals gehörst.
Aber da du nach deinem Studium problemlos im AT- Bereich mit deinen zukünftigen Arbeitgebern verhandeln kannst wird das ja kein Problem darstellen.

Alles Gute für deine Zukunft
Einer
 
  • Like
Reaktionen: Maniac

Martin H.

Poweruser
Registriert
03.12.2016
Beiträge
4.869
Ort
Bayern
Beruf
Krankenpfleger, Berufspädagoge im Gesundheitswesen B. A.
Akt. Einsatzbereich
Suchthilfe
Der Abstand zwischen 3100€ im Krankenhaus und 3700€ in der psychiatrischen Pflege ist verdammt groß. Und für die zugesagte Station auch entsprechend weniger Arbeit.
Der Unterschied ist natürlich deutlich.

Aber, was hier von einigen angesprochen wurde und was man nicht aus den Augen verlieren darf:
Es müssen auch die anderen Bedingungen in der Arbeit passen. Es hilft Dir ja nicht, wenn Du zwar super verdienst, Dich aber entweder zu Tode buckeln darfst oder aber jeden Tag mit Magenschmerzen in die Arbeit gehst.

Und Du solltest nicht aus den Augen verlieren, Dir einen Grundstock an Wissen aufzubauen, von dem Du später Dein Berufsleben lang profitierst. Da eignen sich m. M. n. bestimmte Pflegebereiche deutlich besser als andere. Bedenke z. B.: Wenn Du jetzt in die Langzeitpflege gehst, dann evtl. Pflegemanagement studierst und PDL werden willst, könntest Du dadurch ggf. Probleme haben, an einer Klinik als PDL eingestellt zu werden.

Guck Dir einfach mal die Vita von Leuten an, die in der Pflege die Karriereleiter hochgeklettert sind bzw. akademische Abschlüsse erworben haben. Ganz viele haben die FWB A/I, die werden mit Handkuss genommen.

Die psychiatrische Pflege ist sicherlich auch ein interessantes Feld, und hier bietet sich auch ggf. die FWB Psychiatriepflege (analog zur FWB A/I) an. Nur: Das muss einem liegen. Wenn Du Dich für die technischen Aspekte der Intensivpflege (z. B. Apparatemedizin) interessierst, bist Du dort falsch. In der Psychiatriepflege gibt es ganz viel Bezugspflege, viele Gespräche... es ist ein langwieriger Prozess.
Und auch die Tariferhöhungen nach einem Jahr oder Tarifanpassungen bringen mir nichts, da ich in der Langzeitpflege ohnehin nur bis zum Abschluss eines Studiums unterkommen würde... zumindest in der direkten Pflege.
Wie meinst Du das? Planst Du in Kürze den Beginn eines Studiums? Das relativiert natürlich vieles.
Im Heim bekomme ich tatsächlich zu den 3700 nur noch Schichtzulagen, sonst nichts. Tarifanpassungen gibt noch. Urlaub liebt nur bei 30 Tagen, was tatsächlich auch schlecht, aber verkraftbar ist. Und die Arbeitszeit sind die üblichen 38,5h.
Hm, "nur" 30 Tage? Bezieht sich das auf eine 5- oder 6-Tage-Arbeitswoche? Ist je nach Bundesland verschieden!
Bei einer 5-Tagewoche wären das 6 Wochen Urlaub, so schlecht ist das nicht; kenne es aus meiner Klinikzeit, daß man noch "Sonderurlaub" dazu kriegt, wenn man z. B. viele Nachtdienste macht. Der Unterschied ist aber auch nicht soooo gigantisch, das waren dann vielleicht 2-4 Tage mehr. Lieber hätte ich keinen ND gemacht...
Und bedenke:
Pflegeheim (Altenpflege) ist ein harter Job. Klar, Klinikpflege zwar auch, aber man hat halt wenigstens noch interessante medizinische Aspekte dabei.
 

Ähnliche Threads

Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 15 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!