Wie viel Fortbildung braucht professionelle Pflege?

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von ebel, 23.08.2006.

  1. ebel

    ebel Junior-Mitglied

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    Hallo Pflegeprofis, ich weiß, dass hier schon verschiedentlich über professionelle Pflege diskutiert wurde. Aber wie seht ihr das? .... Um eine echte belebende Waschung machen zu können, brauche ich eine Fortbildung in BasStim, um professionell mobilisieren zu können reicht mein Grundkurs in Kinästhetik nicht mehr aus, für Aromatherapeuten ist mein Dufttuch mit Lavendel zur Einschlafhilfe reiner und gefährlicher Dilettantismus, - ich bin ja kein weitergebildeter Aromatherapeut. Auch meine Entlassungsberatung ist unprofessionell, wenn ich keine Fortbildung in Casemanagement besucht habe. Ach ja, einen Verband zu machen ohne die Weiterbildung zum Wundmanager oder einen Stomabeutel anpassen ohne Stomatherapeut zu sein ist unprofessionell? .... Gilt denn die Grundausbildung nur noch als als Laienpflege? ... Ich freue mich auf eine professionelle Diskussion! Gruß ebel
     
  2. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo ebel,

    ein sehr interessanter Gesichtspunkt. Ich denke, dass sich das Wissen und Know-how in der Pflege sehr schnell weiter entwickeln. Was Du heute lernst, kann übermorgen schon völlig überholt sein...
    Dieses ist ja - by the way- auch ein GRund, warum die neuen Ausbildungen umstrukturiert wurden....warum eben auf die Vermittlung von SChlüsselkompetenzen deutlich mehr WErt gelegt wird (damit die Auszubildenden eben nicht nur gerad aktuelles Fachwissen lernen sondern auch Methoden, um sich dieses ein Leben lang selber aneignen zu können).

    Aber bleiben wir bei den Fortbildungen.....tja wieviel braucht es ?

    Ich glaube, dass man sich diese Frage nur selber vor dem HINtergrund seiner Station benatworten kann.

    Natürlich ist eine umfassende Ausbildung im WUndmanagement auf CHirurgischen Stationen sehr sinnvoll......einer Fachkraft auf einer Neurolog. Station reicht da eventuell schon die "Wochenden-Kurz-Version".

    Fachkräfte auf ITS profitieren bestimmt von einer umfassenden Ausbildung in BasSTim....während dem anderen Kollegen ( vielleicht in der amb. Pflege....) der Grund- und Aufbaukurs reicht.

    Fakt ist, dass man -leider- nicht auf allen Gebieten zum "Experten" werden kann.
    Aber einen breiten "Rundumschlag" kann man sehr wohl mitnehmen (was ich z.B. gerade für Lehrer an den Krankenpflegeschulen für sehr wichtig erachte).....und als Ansprechpartner dann eben jemanden fragen, der sich gerade in dem Thema umfassender qualifiziert hat.

    In meinen Augen ist ÜBERQUALIFIZIERT übrigens auch ein echtes Un-Wort....(bekomme ich leider manchmal auch von ehemalige KOllegen zu hören....wenn ich mal wieder auf eine FB fahre....)


    Bin gespannt aufa ndere Statements....

    LG
    Lillebrit
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was ist denn professionelle Pflege? Wodurch unterscheidet sich diese von der Laienpflege?

    Beispiel: "echte belebende GKW" Der Laie bemerkt die "Antriebsarmut". Er weiß das Kälte und das Arbeiten gegen den Haarstrich anregend wirkt und nutzt dieses Wissen.
    ABER: Du möchtest, dass die Tätigkeit eine Aufwertung bekommt. Also gibst du deiner "echten belebenden GKW" einen Zusatz und nennst es dann: "basal belebende GKW". Du versuchst dich damit von der Laienpflege abzugrenzen- machst aber eigentlich dasselbe. Der Laie erkennt übrigens sehr wohl diese Mogelpackung.
    Problem nur: BasStim will eigentlich gar niemanden "aufwecken". Das Konzept ist ein körperorientiertes Konzept, dass sich an Menschen richtet deren eingeschränkte Körperwahrnehmung eine Auseinandersetzung mit der Umwelt und damit eine Entwicklung unmöglich macht. Von "belebend" in Richtung "aufweckend" ist in der Urform BasStim eigentlich nie die Rede.

    Ähnlich geht es übrigens mit vielen pseudoprofessionellen Tätigkeiten wie dem Essen verabreichen statt füttern, dem Bewegungsplan statt Lagerungsplan, der Inkontinenzhose statt Pamper/ Windel. Alles Versuche Pflege professionell zu beschreiben. Aber die Umwidmung eines Wortes ändert ja noch nicht den Inhalt der Tätigkeit.

    Um professionell arbeiten zu können, bedarf es Fachwissens. Und gerade dieses Fachwissen ist nur selten vorhanden. Beispiel hier aus dem Forum- die Anfrage zur Thromboseprophylaxe.

    Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo man fast sagen kann: Lieber Mitbürger, kannst du lesen und hast zwei gesunde Hände, dann kannst du "professionell" pflegen mit Hilfe von Checklisten und "Drehbuch"standards.

    Elisabeth
     
  4. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo Ebel,

    interessante Fragestellung. Ich komme aus dem neonatologischen Bereich und habe ziemlich viel Erfahrung sammeln können und bezeichne meine Arbeit schon als professionell, aber nicht zuletzt auch dadurch, dass ich immer wieder versucht habe dem Fachgebiet entsprechend Fort und Weiterbildungen zu besuchen. Ich für meinen Teil sehe das so:

    Du hast ein bestimmtes Grundwissen und gewinnst im Laufe der Zeit Erfahrungeswerte, die dich zum Profi machen. Aber es ist auch professionell, wenn du beispielsweise in der Regel ein Stoma problemlos versorgen kannst, wird es doch den ein oder anderen Patienten geben, bei dem Probleme auftreten, die du nicht mehr im Griff haben magst. Dann macht es eben die Professionalität aus, dass du das erkennst und dir den Stomatherapeuten zu Rate ziehst und nicht auf gut Glück experimentierst.

    Seine Fortbildungen sollte man zunächst auf den entsprechenden Arbeitsbereich abstimmen, aber auch daran denken mal über den Tellerrand zu blicken. Gerade weil sich in unseren Arbeitsgebieten soviel ändert muss man am Ball bleiben.

    Es gibt ja leider immer noch Kollegen, die seit ihrem Examen nie weider eine Fortbildung besucht haben :weissnix: und da bin ich doch lieber "überqualifiziert":aetsch:
     
  5. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

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    Dem muss ich ganz massiv widersprechen!
    Auch wenn ich als Laie natürlich eine ganze Menge "nachmachen" kann und mir gerade aus dem Internet viel Wissen ziehen kann, fehlt mir doch als Laie die Fähigkeit aufgrund eines professionellen Wissens Zusammenhänge zu sehen und zu ziehen. Dadurch enstehen nämlich erst gravierende Fehler in der Laienpflege und Missverständnisse von Tatsachen, die komplett aus dem Zusammenhang gerissen wurden.
    Checklisten und Standards ersetzen keine fundierte Ausbildung.
    Philipp
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Dein Wort in Gottes Gehörgang. Leider erlebe ich oft anderes. Der Satz: Das haben wir schon immer so gemacht ist einer der beliebtesten.

    Jedes Mal wenn es im Basisseminar um die ASE geht kommen wir zum schönen Thema Lotionen. *g* Die wenigsten kennen den Unterschied zwischen W/O und O/W- die meisten wissen noch nicht mal das es da zwei Sorten gibt. Und wenn wir schon bei den Lotionen sind ist der Weg nicht weit zur Pneumonieprophylaxe. Wie entsteht eine Pneumonie? Was kann man dementsprechend prophylaktisch machen und was bewirkt in diesem Zusammenhang die Einreibung mit franzbrantweinähnlichen Substanzen? Kann eine ASE als Pneumonieprophylaxe überhaupt wirksam werden? usw., usw., usw. ... aber die Atemskala liegt fein säuberlich ausgefüllt in den Akten. Und im Standard (lt. Azubi sogar in den aktuellen Pflegebüchern) steht die ASE als Pneumonieprophylaxe.

    Elisabeth
     
  7. ebel

    ebel Junior-Mitglied

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    Wenn ich die Beschreibung der Kenntnisse der Pflegenden bei Elisabeth lese, könnte mir Angst und Bange werden. Gott sei Dank werden Menschen trotzdem noch gesund bei der Behandlung durch Pflegende. ... Aber ist dann diese Art der Fortbildung, breit gestreut für alle, wirklich sinnbringend? Wenn Lehrende in jedem Seminar an den Basics anfangen müssen? Klar, wie Tildchen schreibt, sollte das Fachwissen im eigenen Bereich vertieft werden und dann über den Tellerrand schauen ... Ich denke da an StomaFoBi in der Bauchchirurgie und so ... Aber was ist dann mit den übergreifenden Themen? Beratungskompetenz? Traditionelle Naturheilkunde wie 'Wickel und Auflagen'? ... Vielleicht findet sich ein Weg in den Schlüsselkompetenzen, wie Lillebrit schreibt. Hier geht es ja auch um die eigenen Grenzen. Wer seine Schlüsselkompetenzen stärkt, kann wohl besser mit Grenzen der erlernten Pflegetätigkeiten umgehen. ...und dann auch belebend waschen ohne dies als BS zu verkaufen... und sich über die Zusammensetzung einer Pflegelotion im Internet informieren. .... Sollte ich bei den Fortbildungsangeboten tatsächlich fragen, welche Schlüsselqualifikationen werden gestärkt um nachhaltigen Erfolg für die Tätigkeit haben? ... @Elisabeth: Auf welchen Schlüsselqualifikationen basieren deine Fortbildungen, wie die zur ASE ...??? ... Wer bietet Fortbildungen an, bei denen auf die Schlüsselqualifikationen hingewiesen werden? ... Gruß ebel
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Gute Frage ebel. Es gibt keine gültige Definition, was konkret die Schlüsselqualifikationen beinhalten sollen. Es gibt mannigfaltige Auslegungen aber nichts konkretes. Kann es auch nicht geben, weil Pflege sich nicht entscheiden kann einer einheitlichen Definition zu folgen. was Pflege ist, ist nicht definiert und was professionelle Pflege ist schon gleich gar nicht.

    Das Problem wird schön sichtbar bei der Freiwilligen Registrierung. Hauptsache Punkte... Inhalte sind zweitrangig.

    Das Problem wird aber auch immer drängender. Pflege ist teuer, teurer als der Staat es bezahlen kann und will. Der letzte Schrei: private Pflegezusatzversicherung. Und auch das wird nicht reichen. Bleibt m.E. nur die Wertigkeit der einzelnen Pflegeangebote zu bewerten: welche Ausbildung ist für welche Tätigkeit notwendig. Braucht es eine dreijährige Ausbildung um jemanden "persilrein" zu waschen? Welche Ausbildung braucht man um jemandem das Essen anzureichen, der keine Schluckstörungen hat? Wieviel Krankenbeobachtung kann delegiert werden? usw., usw., usw.

    Elisabeth
     
  9. ebel

    ebel Junior-Mitglied

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    Hallo Elisabeth,
    Professionalität in der Pflege ist nicht definiert. Und im Gegensatz zur Schweiz haben wir die Schlüsselqualitäten in der Pflege nicht definiert.
    Und Politik wünscht bezahlbare Pflege.
    Damit komme ich nicht wirklich weiter.
    Wenn ich als Pflegeprofi wirksame und patientenorientierte, reflektierte und evaluierte Pflege machen will, ... muss ich über meine Grundausbildung hinaus ständig meine Kompetenzen erweitern.
    Ich kann aber nicht ständig teuere und langjährige Fort- und Weiterbildungen besuchen. Also bin ich auf meine Kollegen, die die ein oder andere Fortbildung besucht haben, Lehrbücher und dieses Forum angewiesen. Und zu den Schlüsselkompetenzen gehört auch die Kompetenz der Teamfähigkeit und Wissensweitergabe.
    Worauf ich hinaus will? In Fortbildungen sollte immer mit vermittelt werden, wie das Wissen im Team auch an die weitergegeben werden kann, dass eine Kontinuität in der Pflege möglich wird. Dann ist es eine gute Fortbildung.
    Ich habe immer ein Problem mit den Fortbildungskonzepten, die einen elitären Charakter vermitteln (So in etwa: Das kann und darf nur der , der dieses Zertifikat erworben hat, alle anderen sind Laien und können das nicht).

    ebel
     
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