Wer würde gerne unter welchen Voraussetzungen "Selbstständig" sein?

Windelschwinger

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Hallo !

Wir führen einen ambulanten Pflegedienst und aufgrund des schlechten Rufes der Branche und harten Arbeitsbedingungen, sind Profis kaum noch bereit in diesen Bereich zu wechseln.

Nun meine Fragen:
Welche Voraussetzungen wären für eine Tätigkeit, die im übrigen auch positive Seiten hat, für euch wichtig ?
Selbstständigkeit, also selbst eine Einrichtung zu führen ?
Oder eine Gemeinschaft, zum Beispiel: der Laden gehört allen Mitarbeitern ?
Oder sind es generell nur klare Spielregeln die vorhanden sein müßten ?

Was meint ihr dazu ?
Welche Ärgernisse quälen euch in der ambulanten Pflege ?

mfg Hotte
 

Trisha

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Hallo Hotte,

selbständig wollte/könnte ich nicht sein, weil ich die Voraussetzungen dazu nicht hätte - wahrscheinlich wie die meisten nicht.
Auch wenn "allen" der "Laden" gehören würde, das wäre ein Risiko.

Warum hat diese Branche ein schlechtes Image?
Zum einen, weil viele PD´s wie Phoenix aus der Asche steigen und ebenso schnell aufgrund nicht erfüllter Auflagen wieder schließen müssen.
Zum anderen, weil viele den ambulanten Bereich von der negativen Seite kennen gelernt haben, bspw. während eines Einsatzes in der Ausbildung.

Was mich persönlich stört, ist die Tatsache, dass exam. Kräfte nicht selten gerade in privaten PD´s
  • für einen Hungerlohn arbeiten.
  • Dokumentation und andere schriftliche Arbeiten nicht zur Dienstzeit angerechnet wird
  • ebenfalls säubern des Dienstautos
  • ein solches noch nicht mal immer vorhanden ist
  • Angestellte die Fahrzeit zwischen den Patienten nicht mehr bezahlt bekommen
  • dass PDL/GF Druck machen, in Form von "große Morgentoilette muß in 27 min erledigt sein" usw.
Außerdem die oftmals sehr schlechte Zusammenarbeit mit Hausärzten, die schlechten Wohnverhältnisse vieler Klienten und Doppeldienste.

Es gibt einiges, was verbesserungswürdig ist - wäre da nicht die Habgier der AG´s.
Ich möchte nicht pauschalisieren - aber in vielen anderen Threads werden diese Tatsachen sehr deutlich.

LG
Trisha
 

Windelschwinger

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Hallo Trisha ,

danke für dein Beitrag, das ist ich auch so.......und mir scheint die größe
des Pflegedienstes ist oft das Drama.
  • für einen Hungerlohn arbeiten.
was ist agemessen ?
  • Dokumentation und andere schriftliche Arbeiten nicht zur Dienstzeit angerechnet wird
ist bei uns immer Arbeitszeit
  • ebenfalls säubern des Dienstautos
nur den Dreck, den ich verurache sollte weg oder ?
  • ein solches noch nicht mal immer vorhanden ist
ohne Dienstwagen gehts nicht
  • Angestellte die Fahrzeit zwischen den Patienten nicht mehr bezahlt bekommen
das ist Nepp
  • dass PDL/GF Druck machen, in Form von "große Morgentoilette muß in 27 min erledigt sein" usw.
das sollte kein Thema sein, hier kenne unsere Regelung :
In der Tat benötigt eine Fachkraft nicht 45 min für eine große KP und
daher werden im Tourenplan Erfahrungswerte eingesetzt zum Beispiel 30 Min. Sollte jemand in Verzug kommen weil die Zeit nicht reicht, darf bzw. muss Meldung ans Büro und Ausputzer muss ran.


Außerdem die oftmals sehr schlechte Zusammenarbeit mit Hausärzten, die schlechten Wohnverhältnisse vieler Klienten und Doppeldienste.
Naja die Wohnverhältnisse sind oft eine Sorge die wir nur mit viel Geduld auf die Reihe bekommen.
Von 30 Hausärzten sind etwa 20 nicht zu gebrauchen....leider

Die Gier ist ein Problem, aber wer langfristig arbeiten will, kann sich das nicht leisten........
Warum glaubst du, nicht die Vorraussetzungen zu haben ?
Was macht dir Angst oder Probleme ?

mfg Hotte
 

Trisha

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Hallo,

Hauptproblem ist meines Erachtens der von Dir zitierte "Nepp".
Manche Betriebe haben unnötig viel "Wasserköpfe":
Geschäftsführer - PDL - mehrere Bürokräfte.

Je nach Größe des Betriebes sind mehrere Bürokräfte sicher angemessen. Dennoch, eine PDL, die zusätzlich noch im Büro sitzt und nichts besseres zu tun hat, als nach den Überzeiten der Pflegekräfte zu schauen (also die Daten aus den PDA´s) und diese zu streichen, und ein Geschäftsführer der im Büro sitzt und neueste Geschichten erzählt, dienen nicht der Wirtschaftlichkeit. Vor allem wenn der Arbeitnehmer durch die Tour gepeitscht wird.

Zufällig habe ich erfahren, was unsere Vorgesetzten meiner letzten Arbeitsstelle verdienen.
PDL und GF hatten jeden Monat ein sattes, unangemessen hohes Nettogehalt, während die Arbeitnehmer um jeden Cent kämpfen mußten.

Es muß einfach mehr Gerechtigkeit her, die Ausbeuterei der Arbeitnehmer, die aus Angst um ihren Job Ungerechtigkeiten über sich ergehen lassen, muß ein Ende haben.

LG
Trisha
 

Windelschwinger

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Hallo Trisha,

also wir haben ,als Familie, auch einen Wasserkopf, allerdings
mit der Hauptaufgabe den Pflegenden alles Unnötige aus dem Weg zu räumen.
Wir zahlen einer Pflegekraft in der Pflege SGB XI min. 10 €/ h plus
VL,Penka und Zuschläge Mehra. 25% Son 50% und 100 % Feiertag.
Fachpersonal geht ab 1900-2500 € je nach Quali.Wobei hier die Krux in der
bescheidenen Vergütung der Krankenkasse ein Hemmnis ist, und wer mehr
will ,immer eine Chance bekommt in den Overhead sprich PDL zu kommen.
Unsere PDLs habe klare Aufgabenteilungen, aber alle müssen sich primär um die Mitarbeiterberatung und Unterstützung kümmern.
Leider liegen mir keine Vergleichzahlen andere Unternehmen, gerade der
gemeinnützigen Einrichtungen vor.

Alle Mitlesern möchte ich bitten , fasst Mut und schreibt mal was ihr dazu denkt......

mfg Hotte
 
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Ying_Yang

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@Windelschwinger: Was ist mit Doppeldiensten, darauf bist Du noch nicht eingegangen. Das scheint schon seit langem Gang und Gäbe zu sein.
 

HolgerIPT

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@Windelschwinger
... aufgrund des schlechten Rufes der Branche und harten Arbeitsbedingungen, sind Profis kaum noch bereit in diesen Bereich zu wechseln.
Die Pflegefachkräfte fangen erst jetzt an, ihren wahren Wert selbst zu erkennen und damit sind Arbeitsbedingungen, wie sie hier teils kritisiert wurden auch nicht mehr durchsetzbar. Zum Untersrücken gehören immer zwei.

Eine Firma, egal in welcher Hirarchie und Struktur, ist eine Gemeinschaft, die in einer Symbiose lebt und arbeitet. Ohne Führung geht da gar nichts aber ohne Pflege(fach)kräfte geht auch nichts.

@Windelschwinger
Oder sind es generell nur klare Spielregeln die vorhanden sein müßten ?
Genau, Spielregeln müssen vorhanden sein und zwar welche, die allen bekannt sind und von allen befolgt werden. - Aber das Wichtigste ist meiner Ansicht nach ein gemeinsames Ziel. Dieses Ziel darf durchaus Geld verdienen mit einer erfüllenden Arbeit sein. Das währe dann für alle im Betrieb akzeptabel.

@Trisha
ebenfalls säubern des Dienstautos
Wenn sich Dein Ärger darauf bezieht, dass von Dir verlangt wird das Firmenauto in Deiner Freizeit zu reinigen hast Du recht, nur dann.

Wir haben selbst-reinigende Autos: Du machst schmutzig, Du machst sauber.
 

Windelschwinger

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Hallo Pia ,

Doppeldienste sind illegal, da hier die 10 Stundengrenze mit Sicherheit nicht
eingehalten werden kann. Grundsätzlich sind wir durch die Betriebsgröße überhaupt nicht darauf angewiesen, also werden solche erst gar nicht geplant.
Es kann in Extremfällen (zb. 3 Krankmeldungen gleichzeitig) zwar mal einen
längeren Dienst geben, aber nur auf absolut freiwilliger Basis.
Es bringt wirtschaftlich nix, denn anhand von Auswertungen sieht man, bei
fast allen Mitarbeitern ,geht nach 4-5 Stunden die Puste aus und damit
die Konzentration flöten......
Klar in einem kleinem Betrieb ist es schwierig, wenn eine Tour nur 4 Stunden
dauert. Aber das müssen alle Beteiligten vorab klären und einen Interessenausgleich schaffen.
Kurz, das Problem ist nicht nur Gier nach Profit sondern oftmals Unwissenheit, Dummheit oder Respektlosigkeit !
Organisation ist alles, leicht gesagt aber wenn sich so manche PDL Freiraum
schaffen würde und Mitarbeiter selbstbewußter wären..........ja dann.

mfg Hotte
 

Lillebrit

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Hallo,
nochmal zu den Doppeldiensten:
Kenne es von Wochendtouren auch, das man Früh und Spät fährt.
Im FRühdiesnt ist mann von 6.00-13.00 beschäftigt...(7 Stunden); im Spätdiesnt dann nochmal von 17.00-22.00 (5 Stunden).

Macht also zusammen 12 Stunden Dienst.
Wie es sieht es Arbeitsrechtlich eigentlich aus, wenn einer Pflegekraft aufgrund der langen Dienste ein Fehler passiert? Oder sie einen Unfall mit dem Auto hat?
Trägt derjenige, welcher solche Dienste plant, dann die MItverantwortung?


Sorry, ist vielleicht offtopic und ein wenig naiv gefragt...aber es würde mich echt mal interssieren!
 

Windelschwinger

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Hallo 10 Stunden sind das Mass, aber zwölf mit Sicherheit nicht !
Hier wird die Berufsgenossenschaft einige Schwierigkeiten bereiten, wenn es
ihr zur Kenntnis kommt.....
Und Hand aufs Herz, der Spätdienst wird doch nur abgespult, Qualität oder
Sinnigkeit bleibt da auf der Strecke oder ?


mfg
Hotte
 

Lillebrit

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..naja...man steht halt um 4.00 Uhr zum FD auf...arbeitet ca. 6-7 Stunden...fährt nach Hause und schlägt die Zeit tot.......kehrt um ca. 16.30 Uhr zum Büro zurück...arbeitet wieder 5 Stunden....sitzt dann noch im Büro und stellt die Stundenzettel fertig.....

Zuhause ist man dann zwischen 22.30 und 23.00 Uhr.

Am nächsten Tag gehts dann um 4.00 raus....FD ca. 6 Stunden, danach im Anschluss noch die MIttagstour.
Ende ist dann 15.00 Uhr.


Man "funktioniert" halt....am Montag komme ich vor Mittag nicht aus dem Bett ....

Ich frage mich nur, wie das die Vollzeitkräfte machen :fidee: ????
 

Windelschwinger

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Hi, genau das ist der Punkt...man funktioniert halt !
Das reicht nicht....der Dumme ist der Patient.
Von wem bekommst du deine Gage, Privat oder gemeinützige Einrichtung ?
mfg
Hotte
 

Elisabeth Dinse

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Von wem bekommst du deine Gage, Privat oder gemeinützige Einrichtung ?

Ambulante Pflege bekommt hautnah zu spüren, wieviel die pflegerischen Verrichtungen dem Bürger wert sind- eigentlich nichts was man monitär vergüten müßte. *grummel* Die Diskussion setzt meiner Meinung nach am falschen Ende an. Die Einnahmen sind begrenzt- die Ausgaben mit einer begrenzten Einnahme zu erhöhen klingt wie die Quadratur des Kreises.

Elisabeth
 

Lillebrit

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Hallo,
im großen und ganzen wird das jetzt auch geändert....einfach durch Umstrukturierungen der Touren und Neueinstellungen von Fachkräften.
Ich bin auch schon WE gefahren, wo ich nur Früh resp. einmal FRüh und Mittag gefahren bin.

LG,
Lillebrit
 

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