Wer nimmt die BGA ab?

Rabenzahn

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Hallo,

wie ist es auf anderen Intensivstationen geregelt ? Wer nimmt die arterielle BGA aus der liegenden arteriellen Kanüle ab ?
Ich habe immer wieder FWB - Personal die zwar schon 3 Jahre Intensiverfahrung haben, aber noch nie eine BGA abgenommen haben.
Wie kommt so etwas ?
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

bei uns macht das Pflegepersonal die BGA aus arteriellen, retrograden oder zentralvenösen Kathetern. Ebenso machen wir fallweise kapilläre Blutgaskontrollen. (wenn z. B. noch kein Katheter vorhanden ist - bei Aufnahmen). Die BGA während einer laufenden ECMO (präoxy., postoxy.) nimmt bei uns auch das Pflegepersonal ab.

Generell wird bei uns jede Blutabnahme vom Pflegepersonal durchgeführt.

Bei uns auf der Station ist es im Augenblick so üblich das das Pflegepersonal die Blutabnahme macht und die Ärzte dann die Blutgase in das Blutgasanalysegerät eingeben. (allerdings nur wenn mehrere Ärzte auf der Station sind. Im Nachtdienst oder wenn nur ein Arzt an der Station ist erledigt das immer das Pflegepersonal, ebenso bei retrograden Blutgasen). Dadurch muß man z. B. bei einer Aufnahme nicht immer von seinem Patienten weglaufen und kann in Ruhe weiterarbeiten.

Auch auf der Intensivstation wo ich früher gearbeitet habe hat das Pflegepersonal immer die BGA abgenommen.

Während eines Praktikums auf der Anästhesie habe ich gesehen daß dort die Ärtze die BGA abgenommen haben. Das Pflegepersonal war dafür nicht zuständig. Dies ist mittlerweile 8 Jahre her, wie es zurzeit dort üblich ist weiß ich leider nicht.


Liebe Grüße

Gaby
 

Suse

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Hi !
Wir nehmen kapilläre und arteríelle BGA´s selber ab und geben sie ins Gerät ein. Wir haben ein eigenes Gerät auf Station( Intensiv).
Die anderen Stationen im Haus müssen Anforderungen fürs Labor schreiben, das dann kommt und kapilläre BGA ´s abnimmt.
Gruß Suse
 

Schöhler

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Hallo allerseits,

darf ich mal fragen, was bei einer liegenden Kanüle das Problem ist? Oder wird es "einfach so" nicht gemacht, oder ist unerwünscht??

Würde mich nur interessieren...

Wir nehmen (auch ohne A+I WB) Blut asu liegenden art. Kanülen ab und interpretieren die BGAs selbständig. Allerdings nehmen wir, weil es sich meist nur um Nachbeatmungen handelt, stündlich Blut ab (u.a. auch wegen der E´lytsituation).

Grus

Christian
 

Gerry Raßmann

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Stündlich?
warum denn das? Um welche Patienten handelt es sich denn? Kommt ihr denn noch dazu zu pflegen?
 

Schöhler

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Hallo Gerry,

gute Frage..;o)
Es handelt sich um kardiochirurgische Patienten direkt postoperativ. Aus zwei Gründen sind die stündlichen BGAs bei uns stünldich indiziert..

a.) Weaning in der Nachbeatmungsphase PLUS Hypothermie
Wenn wir erst warten würden mit dem Weaning bis der atient bereits warm ist würde sich der Vorgang nochnal nach hinten verschieben. Da aber WÄHREND der Aufwärmphase der Sauerstoffbedarf um ein vielfaches des normalen zunimmt, wir aber trotzdem die FiO2 reduzieren wollen.....

b.) massive Elektrolytverschiebung
Das Serum-Kalium soll bei uns zwischen 4.5 - 5.5 mmol/l sein. Durch polyurische Phasen, Diuretikagabe, die HLM an sich und postaggressions- Stoffwechsel in Verb. mit Perfusoren, die Kalium 7.45% infundieren, ebenfalls zwingende Kontrolle stündlich.

Bei Langliegern, also Patienten die nicht in der kurzen Phase nach der OP bei us sind, sieht das ganz anders aus...(ist aber nur ein geringerer Teil unserer Patienten).

Gruss

Christian
 

Rabenzahn

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Hallo Christian,

das Problem liegt vielleicht bei einigen Kollegen darin, das es Arbeit ist. Auf der Intensivstation nehmen grundsätzlich die Ärzte BGA´s ab, weil sich das Pflegepersonal nicht zuständig fühlt.
In der Anästhesie machen wir das. Wir legen auch arterielle Kanülen.

Es fällt eben nur auf, dass Personal nach z.B. 3 Jahren Intensiv dann in der Weiterbildung nicht in der Lage sind eine BGA abzunehmen oder gar in die Maschine zu stecken.

Viele haben auch noch nie eine Braunüle gelegt. Somit denke ich, dass da irgendwie nicht so der Drang besteht mal etwas mehr zu tun.
 

Schöhler

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Hallo,

da gebe ich Dir uneingeschränkt recht. In der Tat würde ich sogar noch weiter gehen, und sagen, Pflegepersonal hat im allgemeinen eher den Drang, Dinge von sich wegzuschieben....
Ich will gar nicht kommentieren ob es sich dabei um Überlastung, Unlust, oder die Angst, Verantwortung zu übernehmen handelt - aber die Tendenz ist wohl leider ziemlich ersichtlich...
Ich frage mich dann immer, was solche leute im Notfall machen..

(Entschuldigung fürs "verlassn" des Original - Themas.......


Gruss,

Christian
 

carmen

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Hallo Schöhler,

das Phänomen, was Du da beschreibst ist auf vielen Stationen leider so eingebürgert und vertieft sich immer mehr.
In der Klinik, wo ich vorher tätig war, haben wir als Schwestern auch Alles selber gemacht. Vom Blut abnehmen bis zum Legen einer Viggo.
Ehrlich gesagt, fehlt mir das ein großes Bischen auf meiner jetzigen Station. Die Ärzte hätten da nichts dagegen aber unsere Öhse möchte das nicht. Sie hat da einen harten Standpunkt, nämlich, dass das totale Arztaufgabe wär.
Aber wenn sie nicht da ist, machen wir es doch. Schon allein, um nicht aus der Übung zu kommen. Gerade wegen Notfallsituationen und so.

Moin Moin
Carmen
 

McMillan

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Hallo erstmal alle, ist nun mal mein erster Text :D

Ich habe nun 11 Jahre ITS-Erfahrung ( oder Schicksal, wie man`s will), auf der ITS, wo ich jetzt bin, sollen eigentlich die "Ärzte" die BGA`s abnehmen. Extra Anführungszeichen, weil nicht als solche Ernstzunhemend, weil jung, unerfahren und hilflos, also fast JUH 8) .
Ich nehme bei meinen Pat. die BGA selber ab, wenn ich sie für nötig halte und adaptiere die Beatmung daran und teile es dem Arzt mit. Bisher habe ich auf ITs`s gearbeitet, wo die Beatmung in pflegerischer Hand war.

Ich denke, das die Fachausbildung uns Grundlage, Fähigkeit und auch eine intellektuelle Berechtigung gibt, um dieses in unser Handeln zu übernehmen, da sich immer wieder, jeden Tag es sich zeigt, das junge Ärzte, meistens noch AIP`s völlig überfordert sind mit der Thematik der Beatmung, die ja nun mal eine sehr große ist.

Bitte keine Mißverständnisse, ich mache den jungen Nachwuchsakademikern kein Vorwurf, den wie sollen sie es auch lernen.

Aber es geht hier nicht um berufliche Statuen, sondern um vitale Belange und da sollten die zu Worte kommen, die hier die Erfahrung und das Wissen haben.
Wie gesagt, bei uns ist offiziell es die Aufgabe des Arztes, die BGA abzunehmen und dementsprechend die Beatmung zu adaptieren, jedoch ist bei der heutigen Struktur der Ärzteausbildung und der für mich schon fast menschenverachtenden Hierrachie in diesem Beruftssatnd es kaum noch zu Verantworten, das diese, in den meisten Ländern der Welt pflegerische Aufgabe, diese an die Ärzte zu überlassen, zumal in der Fachweiterbildung wir eine tiefgründigere und umfassendere Ausbildung erfahren, als der gemeine Jungarzt.
 

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