Wenn die Toten wüssten...

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von Suse, 02.04.2002.

  1. Suse

    Suse Senior-Mitglied

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    Habt ihr auch Erfahrungen mit Verwandten von verstorbenen Patienten gemacht, die euch total schockierten?
    Ich z.B. habe schon häufig erlebt, daß die Verwandten kurz nach eintreffen des Todes ihrer Verwandten keine anderen Sorgen haben, als daß sie die Uhr, den Ring oder das Portemanai schnell in die Hände bekommen. Auch Familienstreitereien am Bett des Toten sind auch nicht selten, oder das Gegenteil...vorher wird sich die Augen ausgehackt, und dann fallen sie sich um den Hals. Ich weiß, das klingt hart und manche Reaktionen sind warscheinlich einfach Selbstschutz .
    Was denkt ihr, was habt ihr erlebt?
    Gruß Suse
     
  2. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Hallo,

    ich denke es ist nicht immer eine Form von Selbstschutz sondern eine masslose Raffgier. Manche Menschen haben chronische Angst auch nur ein Stück zu wenig abzubekommen vom großen Kuchen.

    Manchen ist gar nicht bewusst, das sie da gerade einen Verwandten verlieren.
     
  3. Suse

    Suse Senior-Mitglied

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    Ich sagte ja auch manchmal Selbstschutz.
    Ich denke schon, daß wir, die wir fast täglich mit Sterbenden umgehen genau wissen, wie alles laufen sollte. Dem " Laien" aber wird wahrscheinlich vieles erst nachher klar. Natütlich gibt es auch Verwandte, die Arschlöcher (sorry) sind, aber das wissen wir ja alle. Tja, das Problem gab es damals noch nicht so, als die Leute noch zu Hause starben.
    Suse
     
  4. carmen

    carmen Poweruser

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    Hallo,
    es ist manchmal beschämend, abstoßend und traurig, wie schnell manch Angehörige nach dem Tod ihrer Lieben(wie die dann säuseln) erscheinen, obwohl sie in den manchmal monatelagen Aufenthaltszeiten ihrer Lieben auf Stat. nie Zeit für einen kurzen Besuch hatten. Letztens war eine Tochter einer verstorbenen Pat. bei uns auf Stat.und die Verstorbene lag noch im Zi. Die Tochter hatte nichts Eiligeres zu tun, als ihrer verstorbenen Mutter den gesamten Schmuck abzunehmen (obwohl wir den auf Wunsch des Ehemannes dran lassen sollten) und ohne einem Wort dafür unterschrieb und die Station verließ. Da kommt Einem doch wohl Alles hoch!!! Und sowas soll was mit Schutzreaktion zutun haben? Für mich stellt sich das ganz anders dar, nämlich als raffgieriges Erbschleichervolk!
    Moin Moin Carmen
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hallo Carmen

    Auch das Umgehen mit uns abartig erscheinenden Reaktionen von Angehörigen will gelernt sein. Ich glaube viele von uns hängen da Idealbildern nach: Sterben in der Familie oder mit familiären Beistand, etc.. Die Familie im klassischen Sinn zerbricht heutzutage lange Zeit bevor ein Familienmitglied stirbt. Das ist der Preis, den wir für die industrielle Entwicklung zahlen- Mobilität um Arbeit zu haben und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
    Wieviel Angst und Unsicherheit begenet uns gerade bei den Angehörigen. Was soll ich mit der Mutter/ dem Vater besprechen, wenn wir doch schon seit Jahren nicht mehr miteinander kommunizieren. Und vielleicht hat die Mutter irgendwann mal den Schmuck der Tochter versprochen oder die Tochter hat von "diebischem Pflegepersonal" in der Yellowpress gelesen. Wer weiß das schon. Sind wir nicht manchmal ganz schön schnell mit unseren Urteilen und Vorurteilen?

    Elisabeth
     
  6. joleena84

    joleena84 Junior-Mitglied

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    hallo ihrs,

    also ich kann aus erster nähe berichten. mein opa hatte kehlkopfkrebs und starb am 8.8.2002. er lag 4 monate im kr.-h. und bekam chemo. ihm ging es schlecht und schlechter, er hatte luftröhrenschnitt ohne sprechkanüle. was das heißt wisst ihr ja sicher. ich war fast jeden 2. tag da. und dann als es abwärts ging und alle medikamente abgesetzt wurden (er lag dann im sterbehospiz) war aich auch für ihn da, obwohl er kaum bei bewußtsein war. aber egal. ich will damit nicht prahlen, denn es war für mich selbstverständlich. ich will nur sagen, das meine cousine nur 1x in den 4 monaten da war!!!!! sie ist 23 und hat ein auto!!!! sie hätte es so einfach gehabt. außerdem beginnt ihr studium erst am 1.10. das heißt bis dahin ist sie arbeitslos!!! sie hat sich auch nicht bei meiner oma gemeldet! nichts!!! nur weil sie vor nem 3/4 jahr einiges geerbt hat (von ihrer oma)!!! außerdem hatte sie mal einen streit und das war angeblich der grund ihn nicht zu besuchen. ich denke das man spätestens am sterbebett alles verzeiht und vergisst!! mein opa hatte noch nach ihr gefragt (mit mimik und gestik)!!! meine ganze familie ist sauer. mein opa hat soviel für sie getan!!!!!! ich war am 7.8. noch bei ihm, er sah mich ein letztes mal an und drückte meine hand :cry:
    das war mein abschied von ihm. ich bin froh das ich ihm beistand!!! er hatte genug gelitten. kann also nur bestätigen das es wirklich habgierige menschen gibt!!!! nichtmal bei der beerdigung hat sie mit meiner oma geredet-NICHTS
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    hi joleena

    Mach dein Herz frei wenn du kannst und frage deine Cousine, wie sie sich das Sterben ihres Opas vorgestellt hat. Werfe ihr nichst vor, sondern höre zu und sei tolerant. Vielleicht waren da Ängste, Ängste vor dem Anblick, Ängste vor nicht verstandenen Äußerungen, Ängste vor der eigenen Hilflosigkeit... . Es gibt soviele Gründe, die nahe Angehörige dazu bringt auf den letzten Abschied zu verzichten. Und nicht immer sind diese Gründe niederer Natur- eher im Gegenteil. Zur Sterbebegleitung gehört menschliche Stärke und über die verfügt nicht jeder. Trotzdem muß es kein schlechter Mensch sein.

    Elisabeth
     
  8. Nicci

    Nicci Stammgast

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    Also ich habe schon oft von diesen familiären Streits am Sterbebett gehört.Ich finde diese Menschen sollten sich schämen.
    Man muss sich mal vorstellen man liegt im sterben und die Kinder von einem z.B. stehen am Bett und sind nur damit beschäftigt um das Erbe zu streiten.Das ist doch echt abartig :evil:
    Oder nicht?
    also es wäre schön wenn alle Menschen so denken würden wie wir,aber die bekommen das halt nicht so mit wie wir da sie einen Beruf haben der mit soetwas nix zu tun hat.
     
  9. joleena84

    joleena84 Junior-Mitglied

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    hi elisabeth u.a.,

    sicher hast du recht mit diesen ängsten. das hab ich mir auch gedacht. aber das eine mal als meine cousine da war, war mein vater auch da. und meine cousine redete nur davon wie stressig alles sei und das sie ja soviel zu tun hat!!! sie saß nicht an seinem bett. sah ihn nicht an---nichts!!!! sie small talkte mit meinem vater als wären sie in nem cafe!!!!!! aber muss sie wissen!!! sie muss damit klarkommen! wahrscheinlich ist es ihr selbstschutz nur von sich zureden, damit sie nicht dran denkt wie sie ihren opa im stich gelassen hat!!!

    lg jo
     
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