Wenn der Tod zum Alltag wird

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von Pflegeschock, 07.02.2011.

  1. Pflegeschock

    Pflegeschock Newbie

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    Ich möchte an dieser Stelle über eine persönliche Erfahrung während meines "Freiwilligen sozialen Jahres" berichten.
    Ich war gerade mal zwei Wochen im Einsatz auf einer internistischen Station.
    Der sogenannte "Praxisschock", hatte mich vollkommen erwischt und es ging mir tatsächlich nicht besonders gut.
    Langsam kam aber schon die Routine. Man handelte einfach, dachte nicht mehr über die unmenschliche Situation beim Accord-waschen, bemitleidenswerter alter Menschen nach.
    Ich gab mir immer Mühe und stresste mich extrem um Alles zu tun, damit jeder einzelne Patient glücklich war.
    Meine Kolleginnen mochten mich nicht besonders, da ich wohl trotzdem zu langsam war.
    Ein Patient war mir besonders ans Herz gewachsen.
    Er war bettlägerig anfangs und meine Pflege schien bei ihm zu wirken.
    "Ich sei ein Lichtblick",sagte er immer. Es ging ihm jeden Tag besser, er aß wieder richtig und wir starteten erste Versuche zurück in die Selbstständigkeit.

    Eines Tages konnte er wieder selbstständig zum Waschbecken laufen und begann sich schonmal selbst zu waschen.
    Ich kümmerte mich dementsprechend zunächst um die schwereren Fälle, um später dort zu helfen, was er selbst nicht konnte.

    Hat mal einer ne Tavo?

    Als ich in das Zimmer reinging sah ich ihn auf dem Bett liegend.
    Er krampfte.
    Sein Nachbar schaute in Ruhe Fernsehen.
    Ich hätte ihn umbringen können, dass er keine Hilfe geholt hatte.
    Ich drückte auf die Notschelle, versuchte mich zu beruhigen und hielt dabei seine Hand und fühlte den Puls.
    Er raste.
    Auf einmal hörte er auf zu krampfen.. Ich fühlte keinen Puls mehr.
    Ich zog am PCR Knopf des Bettes (macht das Bett sofort hart und flach) und begann mit meiner ersten Reanimation.
    Es kamen 2 Kolleginnen in den Raum und riefen einen Arzt.
    Der Puls war wieder da, doch er begann wieder zu krampfen.
    Ich war schon völlig fertig, als der junge Assistenzarzt gelangweilt in den Raum schlenderte und meinen Lieblingspatienten am Arm packte und rüttelte.
    NATÜRLICH war er nicht ansprechbar!
    So ein Vollidiot dachte ich.
    Dann sagte er : "Hat mal einer Handschuhe?"
    Ich rannte los und besorgte sie ihm.
    "Hat mal einer ne Tavo?"
    Ich rannte los und holte sie aus dem Schwesternzimmer.
    Nachdem die Spritze gewirkt hatte, ließ das Krampfen etwas nach.
    Der Arzt sagte : "Intensivstation Und wie hast du ihn vorgefunden ?"
    Ich schilderte die Situation, worauf alle im Raum lachten!

    Ich wusste nicht was da grade passiert war und ging erstmal raus um mit meiner Mutter zu sprechen, um ihr zu sagen, dass dieser Job nichts für mich ist.
    Sie ging nicht ran.
    Ich schlenderte bedrückt in Schwesternzimmer und setzte mich.
    Die Schwester sah mich grinsend an und meinte nur:


    Der ist schon alt, nicht so schlimm wenn er stirbt.


    [​IMG] Somewhere over the Rainbow.. (ralf zehner / pixelio.de)





















    Er starb tatsächlich 2 Tage später. Ich brachte ihn in die Kühlkammer und schwor mir in diesem Augenblick niemals so zu werden, wie diese grausamen Schwestern auf dieser Station.
    Diesen Tag werde ich nie vergessen und auch ihn werde ich immer in meinem Herzen bei mir trage.


    Pflegenotstand

    :cry1:
     
  2. Fearn

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    Du hättest vielleicht mit der Schwester noch einmal über Deine Empfindungen reden sollen, damit das Ereignis reflektiert werden kann.
    Evtl. hat sie es mit der Bemerkung nicht böse gemeint und sie hat damit nicht den richtigen Ton getroffen um mit Dir und Deinem ersten Todesfall umzugehen.

    Es ist leider so, daß Menschen sterben müssen und wir sind nicht der Herr über Leben und Tod.
    Im Laufe dieses Berufes sieht man leider viele Menschen sterben und es ist tatsächlich einfacher einen alten Menschen sterben zu sehen, als einen jungen oder ein Kind.
    Das bringt man Dir mit so einem Satz natürlich nicht nahe, daß es evtl. um Relationen geht, die diese Schwester in ihrem eigenen Berufsleben gesammelt hat und sie hat diese Reaktion für sich als Weg gefunden mit der Sitution " Tod und Sterben" für sich umgehen zu können.

    Das ist natürlich für Dich sehr schockierend und es tut mir sehr leid, daß Du diesen Eindruck mitgenommen hast.
    Wenn es Dir hilft, dann kann ich Dir Unterlagen zusenden, wie man einen Schüler an das Thema " Sterben" und " Tod" besser heranführen kann um mit dieser Sitution, die für Dich schockierend war etwas besser umgehen zu können.
    Du siehst, daß das nicht leicht zu verarbeiten ist, und bei der Schwester, die Dich etwas schockiert hat, könnte das einfach nur ein Schutzmechanismus gewesen sein, der etwas verunglückt ist.

    Die ist sicherlich nicht so grausam wie Du denkst, sondern sie versucht vielleicht nur mit dieser Situation zu leben und einen Weg zu finden
    das auszuhalten. Das ist natürlich für jeden individuell, wie er das umsetzen und verarbeiten kann.
    Wenn wir Dir ein wenig dabei helfen können, dann würde ich mich sehr darüber freuen.

    Ein Krampfanfall kann auch eine sehr traumatisierende Erfahrung sein, wenn man diesen unvorbereitet das erste mal sieht.
    Ich erinnere mich an den ersten Dienst eines jungen Arztes, der dann erstmalig einen Grandmal Anfall sah.
    Ich reichte ihm die erste Luminalspritze. Er nahm diese und verabreichte diese. Er bekam die nächste Spritze und erst langsam trat eine Besserung ein.

    An der Tür, fragte mich dieser junge Mann damals sehr schockiert:" Was war das?"-
    Für ihn hatte diese große Krampfanfall ausgesehen, wie eine Szene aus dem Exorzisten und das Entsetzen, stand ihm damals in den Augen geschrieben.
    Das tat mir sehr leid.
    Der hatte sicherlich schon über diese Krampfanfälle gelesen und wußte das auch, aber wenn man das das erste mal live sieht, dann ist das durchaus ein einschneidendes Ereignis, daß man niemals vergißt.

    Herzlichst Fearn
     
  3. Pflegeschock

    Pflegeschock Newbie

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    Vielen Dank für die lieben Worte =)
    Ich habe mich seit diesem Ereignis auch diesbezüglich "weiterentwickelt".
    Es ging auch weniger darum, dass er gestorben ist.
    Wir müssen alle mal diesen Weg antreten, es ist schlichtweg natürlich.
    Aber die Art und Weise wie diese Personen damit umgegangen sind fand ich katastrophal.
    Mittlerweile habe ich auch schon ganz andere Pflegende erlebt, das hat mich beruhigt, da es sich da scheinbar nicht um einen "natürlichen Prozess" des abstumpfens handelte.
    Jeder sucht seinen eigenen Schutzmechanismus, aber es war eine Situation, die ich mit Worten nicht richtig beschreiben kann.
    Auch wenn ich mir größte Mühe gegeben habe.

    Ich finde man kann es schon vergleichen mit alten Menschen:

    Wenn der Mensch älter wird ändert sich in gewisser Hinsicht sein Verhalten, seine Persönlichkeit.Kleinigkeiten sind wichtiger.
    Aber es verstärken sich häufig auch die ursprünglichen Charaktereigenschaften.
    Sprich:
    Die Nörgler nörgeln mehr
    Die liebevollen werden herzlicher

    Von daher : Man muss ein wenig Abstumpfen zum Selbstschutz, aber der liebste Mensch wird durch 5 Jahre Pflegeerfahrung kein emotionsloses Stück Fleisch.
    Also waren diese Personen von Anfang an nicht für den Beruf geeignet.
    So sehe ich das :-)
     
  4. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ich glaube nicht, dass man Berufserfahrung und sicheres Auftreten in Krisensituationen als Abstumpfen bezeichnen sollte. Die erste Erfahrung mit einem Krampfanfall kann sehr dramatisch wirken. Du hattest gerade erst angefangen und warst entsprechend panisch. Das ist völlig verständlich, aber erfahrenes Personal sollte meiner Meinung nach nicht ähnlich aufgeregt reagieren. In solchen Situationen souverän handeln zu können dient ja der Sicherheit des Patienten. Davon abgesehen wirkt es auf Patienten und Angehörige beruhigend, wenn das Personal auch in Notfällen ruhig und sicher agiert.

    Den Ausspruch der Schwester hast Du wohl in den falschen Hals bekommen. Möglicherweise wollte sie Dir tatsächlich nur zu verstehen geben, dass der Tod ein Teil des Lebens ist, und das Sterben älterer Menschen nun mal der natürliche Weg.
     
  5. Tobi^

    Tobi^ Junior-Mitglied

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    Ich finde schon das man zum Teil sagen kann dass manche Leute in diesem Beruf abstumpfen.

    Wir reden hier nicht über den souveränen Umgang im säubern von Wunden wo man evtl. mal etwas beherzter sein muss und das ablegen des anfänglichen "Mitfühlens".

    Wir reden hier im Umgang mit Menschen.
    Dabei sind das nicht nur Schwerkranke, sondern auch die, die sich um diese Menschen bemühen.

    Was mir hierbei gleich ins Auge sticht ist das (sorry wenn ich es nun mal so ausdrücke) DÄMLICHE Verhalten beim schildern der Situation und der Satz danach von der Schwester.

    Es ist eine Sache souverän zu handeln, eine andere der einfühlsame Umgang mit jüngeren Kollegen, die unter Umständen gerade den ersten Kontakt mit Toten und dem Sterben an sich haben.

    Ich kann mich da an einen sehr speziellen Fall aus meiner Zeit als FSJ'ler erinnern, als ich mit einer Kollegin einen Patienten gewaschen habe, was nun letztendlich zu seinem Tod geführt hat kann ich nicht direkt sagen aber ich nenn es einfach mal ersticken, denn so hat es auf mich gewirkt.

    Ich ging mit der Kollegin ins Zimmer, wir haben angefangen ihn zu waschen und ich drehte ihn auf meine Seite.
    Da fiel mir nach ein paar Minuten auf dass er anfängt zyanotisch zu werden und die Augen verdreht.
    Ich sags der Kollegin und wir drehen ihn schnell wieder auf den Rücken.
    Arzt wurde gerufen und kam auch sofort.
    Dummerweise (oder glücklicherweise)hatte der Patient eine Patientenverfügung, was uns die Hände zusammenband und der Arzt hat auch entschieden nichts mehr zu tun.
    Also stand ich da, hab dem Patient in seiner letzten Minute die Hand gehalten und gehofft dass nun bald mal der letzte Atemzug kommt.
    Ich war wirklich fertig mit den Nerven und beim ausm Zimmer gehen schon den Tränen nahe.

    Da kam eine andere Krankenschwester zu mir, schlägt mir auf die Schulter und sagt "Na, jetzt hast du deinen ersten Patienten totgewaschen" und fing laut an zu lachen.
    Mir wars in der Situation aber absolut nicht zum lachen...

    Worunter fällt das bitte? Ist das auch so souverän wie der Ausspruch "Nicht so schlimm, der ist alt und wird sowiso bald sterben"?

    Ich find so ein Verhalten wirklich abscheulich,den Betreuenden Personen und den Patienten gegenüber.

    Ich finde der Umgang mit Toten ist eine extrem sensible Sache, für die sicherlich jeder seinen Weg finden muss, damit umzugehen aber bitte nicht auf Kosten des Umfelds...
    Natürlich fällt der ein oder andere markabere Witz und oft hört man auch den ein oder anderen blöden Spruch, sicherlich nicht wirklich pietätvoll dem Toten gegenüber aber so ists halt.
    Nur sollte man achten in welchem Umfeld man solche Sprüche ablässt, nicht selten schleicht noch eine Reinigungskraft umher, ein Zivi liefert Sachen ab, schlimmstenfalls stehen auch noch Angehörige rum oder wie in diesem Fall einfach jemand der sich emotional an diesen Patienten gebunden hat.

    In meinen wenigen Jährchen hab ich auch schon die ein oder andere Krisensituation mitgemacht und einige Tote betreut.

    Manche Gesichter verschwinden hinter einem grauen Schleier andere sind auf ewig in einen eingebrannt...

    Tod wird zur Routine und auch der Umgang damit, drum sollte man, meiner Meinung nach, gleich schauen dass die "neuen" einen guten Umgang damit erlangen und nicht von vorneherein abgeschreckt werden.
     
  6. calypso

    calypso Stammgast

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    Bewahre Dir Deine Sensibilität, Tobi, denn das ist auf Dauer gesünder als die scheinbare Lässigkeit, die manche im Angesicht von Sterben und Tod zur Schau tragen (oder meinen, so auftreten zu müssen). Die meisten überspielen damit ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten, von daher ist auch solchen Kollegen gegenüber eine gewisse Nachsicht angebracht.

    Claudia hat recht mit ihrer Aussage, dass sicheres und ruhiges Auftreten in kritischen Situationen von großer Bedeutung ist, aber das ist zu unterscheiden von großspurigem "Machertum" u.ä., wie auch mir das im Klinikalltag begegnet ist.
    Mittlerweile haben meine Kollegen und ich insgesamt knapp 2000 Menschen im Hospiz beim Sterben begleitet - und noch immer können wir mitfühlen, trauern und auch weinen. Das ist also nicht die Frage von Jahren, sondern eine der Einstellung, Haltung und dem Menschenbild. Deswegen können wir ebenso im Team und mit den Hospizpatienten lachen und albern sein (... bis der Arzt kommt ...)
     
  7. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
    Mitarbeiter

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    Das bestreite ich nicht, und die Aussage der Kolleginnen (sowohl bei Dir als auch bei Pflegeschock) empfinde ich ebenfalls als unangemessen. Bei Pflegeschock mag sie vielleicht gut gemeint, aber schlecht ausgedrückt sein; bei Dir war die Bemerkung unter aller Kanone.

    Aber wenn ich mir die Schilderung von Pflegeschock durchlese, gerät da ein absoluter Neuling - verständlicherweise - in Panik, weil er seinen ersten Krampfanfall, noch dazu bei seinem Lieblingspatienten, mitansieht. Und gleich sind alle, deren Herzfrequenz nicht ansteigt, böse. Den Mitpatienten könnte er "umbringen", weil er nicht begriffen hat, was los war. Der Arzt ist "Vollidiot", weil er sich erstmal den Bewusstseinszustand überprüft und dann ruhig die Medikamente und Hilfsmittel anfordert, die der Patient nötig hat. Und die Kollegen sind "grausam" und "abgestumpft", weil sie den Tod einen alten, wahrscheinlich multimorbiden Herren als etwas Natürliches betrachten.

    Praktikanten oder Azubis müssen nach solchen Situationen betreut werden. Aber in einer Notfallsituation keine Panik zu bekommen, hat nichts mit Kaltblütigkeit und Abgestumpftsein zu tun, sondern mit Berufserfahrung und Souveränität. Die Patienten hätten nicht viel davon, wenn das Team im Notfall kopflos reagiert.
     
  8. definurse.bs

    definurse.bs Senior-Mitglied

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    Herzlichen Dank für die fachlich kompetente Antwort, der ich zu 100% zustimme!
    D.
     
  9. Pflegeschock

    Pflegeschock Newbie

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    Deiner letzten Äußerung stimme ich absolut zu.
    Der Vorrausgegangenen überhaupt nicht.
    Aber ich verurteile das nicht, da du ja nicht dabei gewesen bist.
    Ich kritisiere nicht, dass die "Herzfrequenz" meiner Kollegen nicht in die Höhe schoss.
    Das hat etwas mit Professionalität zu tun.
    Es ging um die Art und weise, mit welcher sie mit belangloser Routine durch die Situation durchgegangen sind.
    So als würde ich grade als Gärtner einen Baum sägen.
    Der Arzt war ein arrogantes *********, der diesen Patienten wie ein Stück Fleisch behandelt hat.
    Wenn ich doch sehe, dass jemand krampft und ich sage: "Er ist nicht ansprechbar" dann muss jeder der Schwestern mir es nochmal gleich tun, und der Vollidiot Arzt rüttelt an seinem Arm.
    WARUM ? Man sieht, dass er nicht ansprechbar sein KANN.
    Damit verschwendet er wertvolle Sekunden.
    Der Bettnachbar war ein Idiot, der sich das Geschehen angeguckt hat, als wär es eine Billige Daily soap auf RTL.

    Natürlich ist es wichtig, den Tod als natürlich anzusehen.
    Aber wir haben einen Job, einen Auftrag, nämlich als Gesundheits-und Krankenpfleger, das Leben nach bestem Gewissen zu schützen.
    Wenn du die Geschichte aufmerksam verfolgt hast, wirst du gemerkt haben, dass der Patient sich vom Vollpflegefall fast wieder in einen selbständig agierenden Menschen ohne 200 Pillen morgens gewandelt hat.
    Wäre er schon präfinal gewesen, wäre das Verhalten des Personals nichtmal halb so schlimm gewesen.
    Denn daran erkennt man was wirklich falsch gelaufen ist, das dieses ganze "Team" keinerlei Bezug zu den ihnen anvertrauten Patienten aufgewiesen hat.

    Mit freundlichen Grüßen
     
  10. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ich kann keine Geschichte aufmerksam verfolgen, die mir nicht erzählt wird. Über den Zustand des Patienten vor seinem Krampfanfall kann ich mir kein Urteil erlauben; das ist hier aber auch nicht notwendig. Genauso wenig kann ich beurteilen, ob der Arzt arrogant auftrat oder nicht. Zweifelsohne gibt es in diesem Gewerbe sympathische und weniger sympathische Menschen - wie in jedem anderen Beruf auch.

    Ich glaub' Dir jetzt mal, dass Du da einen Unsympathen erwischt hast, aber ich kann an seiner fachlichen Reaktion nun nichts falsches erkennen. Der Arzt muss sich vom Zustand des Patienten selbst überzeugen. Wie professionell würde sich ein Arzt verhalten, der eine Behandlung aufgrund der Einschätzung eines Praktikanten, der seit gerade mal 14 Tagen Krankenhausluft schnuppert, in die Wege leitet?! Ich hab zehn Jahre Berufserfahrung, stelle aber keine Diagnosen, und Ferndiagnosen durchs Telefon lasse ich den Ärzten auch nicht durchgehen.

    Die Sekunden, die der Arzt in diesem Fall zur Diagnosestellung gebraucht hat, schaden auch nicht mehr. Und dass der Zimmergenosse guckt - meine Güte, das ist doch menschlich. Bei einem Unfall starren auch alle. (Hätte er überhaupt allein das Zimmer verlassen können?)

    Ich halte das Verhalten von Arzt und Kollegen dem Patienten gegenüber für angemessen. Was sie aber versäumt haben, ist, das Geschehene mit Dir aufzuarbeiten. Und das gehört meiner Ansicht nach mit zu unseren Aufgaben. In der Hinsicht haben sie geschlafen - und wenn Du in dieser Hinsicht nicht wie sie werden willst, kann ich Dich nur in Deinem Entschluss bekräftigen.
     
  11. Mairae

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    Vom Einfühlungsvermögen deinerseits ist auch nicht viel vorhanden.
    Der Bettnachbar ist "Kein Idiot". Er war in diesem Fall ein dir (und dem weiteren Pflegepersonal) anvertraute Person. Dieser Patient hat keine Ausbildung genossen hat und war wahrscheinlich genauso geschockt
    wie du selbst. Nicht jeder Patient hat schon mal einen Notfall im KH selbst miterlebt. Was hätte er deiner Meinung nach tun sollen. Aufspringen und dir die Hand halten, weil es so schrecklich war.

    Bist du einmal auf den Gedanken gekommen, danach mit dem Mitpatienten zu sprechen. Für ihn war es sicher auch nicht nur wie "eine Billige Daily soap auf RTL". Das wäre Einfühlungsvermögen gewesen.
     
    #11 Mairae, 10.02.2011
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10.02.2011
  12. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Danke für diesen Punkt. Wobei dies für mich ebenfalls die Aufgabe des examinierten Pflegepersonals gewesen wäre und nicht die des neuen Praktikantens. Noch etwas, was sich Pflegeschock für seine berufliche Zukunft merken sollte.
     
  13. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Vielleicht sollten wir Pflegeschock auch noch den Hinweis mit auf den Weg geben, dass es manchmal ein Zeichen einer Stressreaktion ist, wenn man in einer solchen flapsig wird.

    Da auch wir erfahrenen und langjährigen in Pflege und Medizin tätigen nur Menschen sind...

    Auch hier wieder - es muss nachbesprochen werden, warum hat wer so reagiert.
     
  14. teich1

    teich1 Newbie

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    Hallo,

    ich lese in diesem Forum, weil ich mich für solche Themen interessiere.
    Als "Außenstehende", aber trotzdem konkret Betroffene habe ich auch erlebt, wie Ärzte + Krankenschwestern Patienten behandeln. Ich weiß, dass dieses ein Forum für Krankenschwestern ist, aber gerade deswegen ist für Euch vielleicht die Meinung einer dritten Person interessant. Mein Vater hatte einen Gehirntumor Glioblastom IV- inoperabel und zwischen "Tür und Angel" wurde uns vom Arzt innerhalb von 5 Minuten mitgeteilt, dass er nur noch fünf bis acht Monate zu leben hat. Dann stand der Arzt auf und ging und ließ uns fassungslos zurück. Mit so einer Diagnose hatten wir nicht gerechnet. Weiterhin haben wir erlebt, das Krankenschwestern uns rieten,man sollte sich seine Pflege nicht antun, man sollte ihn lieber in Pflegeheim geben. Nicht in einer Art und Weise, dass man ein ordentliches Gespräch darüber führte, sondern schon so, dass man erfahren und gespürt hat, wie lästig mein Vater eigentlich war, da er wohl zum Teil auch herumirrte und durch die Krankheit keinen Orientierungssinn mehr hatte. Ob Zeitmangel oder nicht. Keiner kümmerte sich wirklich. Man stellte ihm z.B. lebenswichtige Tabletten hin, die er gegen die Krämpfe und Schmerzen nehmen musste, die er alleine gar nicht in der Lage war zu nehmen, da sie ihm immer wegfielen und er es aber geistig gar nicht mehr bemerkt hat. Nur hat niemand sich die Zeit genommen, zwei Minuten bei ihm zu bleiben, um eben zu schauen, dass er sie wirklich geschluckt hat. Er hatte immer Krampfanfälle, von denen keine Krankenschwester angeblich was mitbekommen hat. Als wir darauf aufmerksam gemacht haben, hat man uns sogar gesagt, dass mein Vater ja klingeln könnte, wenn was wäre oder der Bettnachbar nach jemanden rufen könnte. Ich möchte dazu nur sagen, mein Vater konnte eine Fernbedienung nicht mehr vom Telefon unterscheiden und somit -und wohl schon gar nicht bei einem Krampfanfall- klingeln und der Bettnachbar war weit über 80ig und schlief ständig. Oder noch ein Beispiel: es wurden ihm Windeln im Krankenhaus hingelegt, womit er so nichts anzufangen wusste. Selbst wenn man es ihm erklärt hat, brachte sein Gehirn die Dinge nicht mehr auf die Reihe. Er hat sie dann auf das Bett gelegt und darauf uriniert - irgendwie brachte sein Verstand nur noch zustande- Windeln - reinmachen.... All´diese Sachen mit ansehen zu müssen, dazu die schlimme Krankheit, dass läßt die Angehörigen verzweifeln.

    Ich will den harten Job von Krankenschwestern nicht kritisieren und habe
    vollstes Verständnis dafür, dass Krankenschwestern abstumpfen müssen, aber kann man nicht trotzdem Hilfe und Mitgefühl zeigen? Man wird überall mit dieser Situation allein gelassen und will man in einer Uni-Klinik mit einem Arzt sprechen, so wisst ihr wahrscheinlich selber, wie "gut" man jemanden zu Gesicht bekommt.

    Was ich sagen will, ist Folgendes:
    Wir als Familie hätten es wahnsinnig tröstend gefunden, hätte irgendeine Schwester in irgendeiner Art und Weise ihr Mitgefühl offenbart und nicht so reagiert, als erwarte sie nur den Zeitpunkt, wann dieser lästige, verwirrte, inkontinente Mann endlich das Krankenhaus verlässt und zum Sterben woanders hingeht.

    Ich versuche es mal so zu erklären. Ich vergleiche mal zwei Krankenschwestern oder zwei Ärzte mit zwei Rednern. Zwei Redner mit dem gleichen Thema. Der eine trägt es von A-Z emotionslos vor, jeder spürt es und findet es ermüdend, trotzdem der Inhalt alle Punkte erhält. Da nützt es auch nichts, wenn der Redner nachher sagt: "Aber ich habe alles gesagt, was von der Thematik verlangt wurde."
    Der andere Redner trägt das gleiche Thema mit eigener Inspiration und Gefühl vor, und genau dieser Redner ist meiner Meinung nach der Bessere von Beiden.

    Wie gesat, ich will nicht kritisieren, ich möchte nur ein Tipp geben.

    Bitte bitte bewahrt euch eure Sensibilität, denn das genau spürt auch der Patient.

    Petra
     
  15. Jasmin91

    Jasmin91 Newbie

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    Wenn ich so etwas lese, dann wird es mir richtig schlecht.
    Ich sehe es tagtäglich, in der Pflege wird einfach alles aber wirklich alles eingestellt.
    Wenn ich höre, dass eine Schwester lacht weil du dir sorgen gemacht hast..sry aber sowas gehört einfach nicht in ein Krankenhaus.
    In der Pflege können ja scheinbar alle arbeiten....es ist schrecklich...und das Erschreckende ist, dass ist gerade in Deutschland so extrem ist.
    Ich habe solche Bemerkungen auch schon häufiger mitbekommen, z.B. lag eine älter Frau im sterben und mein Praxisanleiter sagt so zu ner Kollegin: Gebt ihr heut Mittag ruhig viel Morphium, dann stirbt sie vllt. endlich, was soll das??
    Klar für manche ist es besser, anstatt dieses elendige Leiden.
    Aber es gibt soooo viel unkompetentes Personal und das gerade in so einem wichtigen Beruf, dass ist echt traurig.
     
  16. Mairae

    Mairae Junior-Mitglied

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    Wenn du es so schrecklich findest, dann mach es nach deinem Examen besser.

    Zum Thema Morphin geben, damit die Patienten "endlich" stirbt.
    Du wirst wahrscheinlich während deiner Ausbildung bereits mit sterbenden Patienten gearbeitet haben, die aber einfach nicht "gehen" könnten. Teilweise leiden diese Patienten sehr sehr lange und die Angehörigen leiden ebenfalls wenn sie diesen Prozess miterleben müssen/wollen.
    Warum kann man nicht diesen Satz deiner "Praxisanleiterin" (die noch mehr fachliche Kompetenz aufweisen müsste, da sie einer Weiterbildung absolviert hat) nich einfach als das erkennen was es "fast" immer ist. Ein Mitleiden des Pflegepersonal, dass sich wünscht, dass die Patienten von ihrem Leid erlöst werden.
    Und das mit dem Morphin wirst du nicht nur von pflegerischer Seite hören wenn du mal Examiniert bist, sondern auch von Ärzten und auch von Angehörigen (die sich mit dieser Materie befasst haben)
     
  17. olynthchen

    olynthchen Stammgast

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    Hallo,

    habe eben den Beitrag von Teich 1 gelesen und dabei fiel mir das Wort abstumpfen auf.

    Es gibt sicher Pflegekräfte und Ärzte die kein Gefühl mehr für ihre Pat. oder deren Angehörigen haben.
    Man könnte also abgestumpft sagen.
    Es scheint sie nichts mehr zu berühren. Sie hören nicht mehr zu.
    So lassen sie die Erlebnisse nicht an sich ran und nur so können sie ihren Beruf und die damit verbundenen Erlebnissen ertragen.
    Wenn man mal so weit gekommen ist und mit Pat. und Angehörigen nicht mehr umzugehen weis, dann kann man sich auch nicht um einen Schüler oder Praktikanten kümmern.
    Oft reagiert man dann auch paradox...man lacht obwohl es nicht zum lachen ist, man reagiert gleichgültig obwohl es in einem arbeitet.

    Vielleicht wäre das auch der Zeitpunkt sich über seinen Beruf und seiner eigenen Position klar zu werden.
    Dann sollte man vielleicht etwas anderes machen oder Bewältigungsstrategien erarbeiten.

    Und das ganze geht auch anderst rum.
    Wenn ich mir bei jedem harten Schicksal, daß ich miterlebe..und ich erlebe das jeden Tag.....jeder von uns.....so sehr ein Bein raus reise, dann habe ich irgendwann keine Kraft mehr.
    Nicht für andere Pat., die auch betreut werden wollen und nicht für mich.
    Also kann ich Mitgefühl zeigen und ich kann die Situation auch vertsehen.
    Ich darf also nicht entgleisen und im Ton blöd werden und auch nicht zu kühl reagiren.
    Ich muß mich auch kümmern...keine Frage.
    Aber in den nächsten Zimmern oder schon im Bett daneben, sieht es genauso aus und da muß ich auch hin.

    Wenn also so etwas passiert, wie wir es in der Eröffnung dieser Runde gelesen haben...dann kenne ich die Reaktion der Pflegekräfte, die der Ärzte und die des Schülers und alle habe sie vielleicht nicht mal gewußt/gemerkt wie sie aufeinander wirken.
    Pflegekräfte auf Schüler und umgekehrt.( die haben gelacht)
    Der Zimmernachbar auf den Schüler.(das ist ein Idiot)
    Das sind Ausnahmezustände...da reagiert keiner so wie man es von ihm gewohnt ist.
    Und wir wollen so auch nicht sein und sind es oft genug.

    Vielleicht können auch Angehörige, die hier lesen, sich in uns hinein fühlen.
    Damit möchte ich auch nicht sagen, daß sich in uns niemand hinein versetzten kann.
     
  18. Pflegeschock

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    Es freut mich soviel Antworten zu erhalten ! Allerdings ist dies kein Einzelfall gewesen. Diese Schwestern waren immer so. Über 4 Monate. Dann hab ich gekündigt. Ein Freund, der mittlerweile sein Examen hat, machte sein FSK auch auf dieser Station und berichtete mir ähnliche Vorfälle. Es ist einfach traurig. Und auch wenn man "Entschuldigungen" für diese Verhaltensweisen sucht, so finde ich keine befriedigende. Die Pflege in Deutschland ob in einem somatischen Haus oder in Pflegeheimen ist vor dem Ende. Danke Herr Rössler.
     
  19. calypso

    calypso Stammgast

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    Schon lange vor Hern Rösler wurden die Weichen für diese Situation gestellt, auch von den Pflegenden selbst. Seit ich in der Pflege arbeite, ist hohes Arbeitstempo das wichtigste interne Qualitätsmerkmal. Eine Unterrichtsschwester antwortete mir dereinst auf die Frage nach Zeit für Gesprächsführung, beim Sprechen könne man nebenbei ja auch aufräumen u.ä., sprich: richtig arbeiten.

    Das habe ich nicht mitgemacht, deshalb eckte ich auch auf den meisten (nicht auf allen!) Stationen an. Dort wurden solche Schüler gelobt, die nachts um 2 Uhr begannen, die "Pflegefälle" zu waschen, um morgens alle "fertig" zu präsentieren, und die, die sich über Hygiene- und andere Regeln hinwegsetzten, um als "flott" zu gelten ("Wozu Medikamente einzeln mörsern und verabreichen, kommt doch eh alles in einen Magen ...", "Warum nicht fixieren, der kriegt' doch eh nichts mehr mit...", "Warum beim Füttern nicht die Nase zu halten, dann macht der wenigstens den Mund auf, ist nur zu seinem Besten, der würde doch sonst verhungern...").

    Es ist da eher nicht der Tod, der zum Alltag wird, sondern die Abspaltung von fremden Leid, die übergroße Distanz zum Nächsten aus Hilflosigkeit, weil soviel Leiden mit so wenig Personal nicht im Ansatz bewältigt werden kann. Das ist das Grundproblem, welches mit Fortbildungen und Supervisionen allein nicht aufzufangen ist.
     
  20. olynthchen

    olynthchen Stammgast

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    Hallo,
    stimmt....die Situation ist nicht erst seit jetzt so.
    Wollte auch nichts entschuldigen.....wenn jemand mal so abgebrüht ist und nur noch sein Zeug runterrattert, dann solter der sich Gedanken machen ob es sinnvoll ist, als Pflegekraft weiter zu arbeiten.

    Manchmal kommt man bei solchen Überlegungen nämlich zu sich und erkennt, daß was falsch läuft.
    Oder man kommt auch zu der Erkenntnis, daß es besser ist was anderes zu machen.

    Wie gehst Du damit um?
    Was hast Du für Dich gelernt bzw. würdest anderst machen / haben wollen?
    Jeder von uns hat bestimmt die gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht.
    Nur das, nütz Dir nix.
    Nachdem Du hier einiges dazu lesen konntest, hat sich vielleicht auch etwas an Deiner Sichtweise verändert?
     
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