Wenn der Patient nicht mehr zurück kommt

Rabenzahn

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Hallo,

wie geht ihr mit dem Problem um, wenn ihr einen Patienten zum Op gefahren habt und dann ein Anruf auf Station kommt, dass er verstorben ist .

Denkt ihr viel darüber nach ?
Macht ihr euch selber vielleicht Vorwürfe ?
Gibt es Hilfe für das Pflegepersonal in Form von Kriseninterventionsdienst ?

Schreibt es doch mal auf und eure eigenen Gedanken auch.
 

Gaby

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Hallo Rabenzahn,

wir erleben es sehr selten, daß einer unserer Patienten im O.P stirbt.

Die Frage nach dem warum kommt immer wieder.

Das Serben eines Kindes betrückt einem immer wieder. Man merkt es unserem Team genau an wenn ein Kind bei uns an der Station gestorben ist. Zumindest den Leuten die in der betroffenen Einheit (wir haben zwei Patientenzimmer) gearbeitet haben.

Wie nahe einem der Tod von einem unserer Patienten geht, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Besonders schwer fällt es mir wenn es sich um Kinder handelt, die lange an der Station waren. Ich denke da an Kinder nach einer Lungentransplantation. Viele sind munter, wach, orientiert. Wir haben die Kinder lange betreut. Haben uns über ihre Fortschritte gefreut und wenn es ihnen schlechter ging mit den Eltern mitgefühlt.

Kriseninterventionsdienst gibt es für die betroffenen Eltern. Während des Tages besteht die Möglichkeit eine Psychologin zu organisieren. Auch der religiöse Beistand wird von den Eltern oft angenommen.

Für das Pflegepersonal gibt es keinen Beistand. Die Raucher gehen dann meist eine Rauchen, die Nichtraucher bleiben im Zimmer. Ich muß immer aufpassen um auch zu meinen verdienten Pausen - Abstand zu kommen. Für die Raucher ist es einfacher, kaum gibt es eine freie Minute gehen alle Raucher hinaus.

Geht es einem nicht besonders, dann findet sich meist jemand mit dem man sich aussprechen kann. Es bleibt im Team, professionelle Hilfe gibt es nicht.

Wie schon gesagt, wir erleben es selten, dass unsere Patienten nicht mehr an die Station zurückkommen. Viel öfter erleben wir die Situation, dass unsere Patienten gerade noch auf die Station zurückkommen. Das finde ich persönlich viel belastender. Da stellt sich für mich viel öfter die Frage des warum. Ich fage mich dann schon öfter, warum noch dieser Transport? Warum die Katecholamine so hoch? Warum die Therapie? Warum die lange von vornherein aussichtslose Reanimation?

Vorwürfe habe ich mir nach dem Tod eines unserer Kinder noch nie gemacht. Der Tod war ja nicht meine Schuld. Manchesmal denke ich mir - es hat halt nicht sein soll'n.

Wenn wir Patienten verlegen, oder in den O.P führen und die versterben dann dort kommt es immer zur Frage des warum. Fast immer kommt auch die Frage ob man den Tod verhindern hätte können. Es gibt dann immer zwischen den Ärzten der betroffenen Station und unseren Stationsärzten Gespräche. Wir vom Pflegepersonal erfahren es dann meist aus zweiter Hand.

Wenn ein Kind bei uns an der Station verstorben ist, hilft es mir immer, mich von den Eltern zu verabschieden. Vor allem von den Eltern, wo die Kinder lange an unserer Station waren, werden wir öfter zum Begräbnis eingeladen. Auch das ist oft eine gute Möglichkeit sich zu verabschieden. Wir freuen uns immer ganz besonders wenn uns Eltern nach einiger Zeit besuchen kommen, oder uns ein Foto von ihrem Kind schicken.

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit organisieren zwei Schwestern unserer Station eine Gedendenkmesse. Die Eltern unserer im letzten Jahr verstorbenen Kinder werden zu einer Gedenkmesse eingeladen. Für viele ist es ein Wiedersehen, ein Abschiednehmen .....

Liebe Grüße aus Wien

Gaby
 

Babsi

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Vor ein paar Wochen ist es mir passiert. Ich fuhr einen Pat. zum OP und beruhigte ihn noch. Ich sagte das ist halb so wild und in ein paar Stunden würde ich ihn dann schon wieder aus dem Aufwachraum abholen. Leider geschah dies nicht. Er verstarb im OP. Ich sehe ihn manchmal nachts in meinen Träumen, wie ich ihm über die Hand strich und sagte ich würde ihn abholen kommen und er es mir geglaubt hat und mich anlächelte.
 

carmen

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:idea: Hallo Rabenzahn,
für derartige oder ähnliche Situationen kann man Supervisionen zur Krisenintervention nutzen.
Und wieder ist es gleich 4.15 Uhr. Leute das Forum ist viel zu gut, ich komme ja seit vorletzter Nacht kaum noch zum pennen!
Machts gut
Carmen
 

Dorothee

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Hallo Rabenzahn,

auch bei uns kommt es leider (aber nicht oft) vor, dass Patienten im OP versterben.
Diese Patienten bzw. die Leichen kommen aber immer zurück auf unsere Station. Das gibt uns die Möglichkeit, Abschied von diesem Patienten zu nehmen, was ich sehr wichtig finde.
 

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