Welchen Einfluss haben Standards auf die Pflegequalität? Meinungen?

Dieses Thema im Forum "Pflegestandards und Qualitätsmanagement" wurde erstellt von Susjed, 21.08.2013.

  1. Susjed

    Susjed Senior-Mitglied

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    Hallo. Also, was meint ihr, helfen Standards wirklich oder ist es nur so was auf dem Papier um die MDK/Prüfkriterien zufriedenzustellen? Was meint ihr, wenn ein Betrieb ganz ohne Standards wäre, würde sich so was überhaupt an d. Handlungen der Mitarbeiter gegenüber d. Patienten bemerkbar machen? Meinungen?
     
  2. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Es würde sich an der Qualität etwas bemerkbar machen, wie z.B. bei der Ernährung und auch bei der Reanimation. u.v.m. Reanimation zählt zwar nicht zu den Expertenstandards, aber ein Standard ist dort schon sehr hilfreich, den ich auch als koordinierten Ablaufplan bzw. Handlungsorientierung definiere.
    Allerdings hängen Standards immer von dem Verständnis und Wissen des Anwenders ab, so z.B. in Bezug auf Abweichungen vom Standard, die durchaus auch notwendig werden können und diese auch adäquat begründet werden müssen. Denn der PatientIn leidet eher darunter, wenn man strikt und ohne Individualität an Standards festhält, die aber dann eher schaden, als nutzen.
     
  3. squaw

    squaw Poweruser

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    Ich denke, daß es auf die Qualität der Standards ankommt. Sind sie gut, sind sie hilfreich und erhöhen die Qualität der Pflege. Sind sie schlecht und wirklichkeitsfremd, behindern sie eher.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Müssten wir da net erst mal klären, welche Standards wir meinen?

    Expertenstandards? Ausgearbeitet auf wissenschaftlichem und evidencebasierten Hintergrund. So allgemein gehalten, dass er auf jede Situation anwendbar ist... vorausgesetzt, die Fachkompetenz ist vorhanden.

    Oder schreiben wir hier zu den detailierten Handlungsvorgaben die man in jedem Haus findet. Drehbücher, die wie abgeschreiben aus den Lehrbüchern wirken und oft auch aufzeigen, dass selbst die Qualitätsgruppe nicht auf dem allerneuesten Stand ist. Für die Umsetzung dieser Anweisungen brauchst die MA nur dressieren.

    Letztere Standards halte ich für kreuzgefährlich und für einen Beruf der die Akademisierung anstrbet ungeeignet. Es sei denn, diese Drehbücher sollen dafür genutzt werden, Hilfspersonal schnell und zügig einzuweisen. Dafür wurden die im angloameikanischen Raum eigentlich erfunden. Die deutsche Standardisierungswut negiert dies geflissentlich.

    Und der verzweifelte Versuch, den Azubis per Standard Pflege"qualität" beizubringen tut ihr übriges. Anders ist es aber bei den völlig überladenen Ausbildungsinhalten wohl net möglich. Wohl dem, der seine Ausbildung nich zu Zeiten gemacht hat, wo man sich auf das beschränkt hat, worum es geht: Pflege und Übernahme ärztl Tätigkeiten und die Vermittlung dieser Inhalte per Frontalunterricht ßá al Vorlesung und Berufspraktischem Unterricht. Ich behaupte mal, da ist mehr Qualität bei rum gekommen als heute mit den ganzen Standards und Checklisten.

    Elisabeth
     
  5. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Standards und Checklisten sind vorallem für Newcomer in diesem Bereich nicht unwichtig. Sie sind ein guter Leitfaden bis sie die Situation adäquat einschätzen können und aus der Erfahrung heraus und mit einem mehr an Hintergrundwissen auch mal mit einer adäquaten Begründung vom Standard abweichen können.
    Ich z.B. hätte mir als Newcomer in der Intensivpflege in vielen Situationen adäquate Checklisten und Standards gewünscht. Die gab es aber zu dem Zeitpunkt nicht in der Form, wie es sie heute gibt. Ich bin nicht damit einverstanden, dass man sich stur nach Standards und Checklisten richtet und dabei das Hirn vorher an der Pforte abgibt. Das ist in meinen Augen der falsche Umgang mit Standards und Checklisten ohne darüber nachzudenken. Also folglich ist ein stures Verhalten eher nicht zielführend und ein Mitdenken immer gefragt. Auch in Bezug auf die Evaluation von vorliegenden Standards und Checklisten. Dahingehend bedarf es einfach Schulung und Beratung in der Praxis, um eine adäquate Anwendung umsetzen zu können. Allerdings gerade bei der Ernährung auf Intensivstationen und auch bei der Reanimation läuft dies nicht immer und überall (vorallem nicht in gewissen Regionen ) optimal ab und das ist nicht notwendig und absolut wichtig für die Praxis, dass es diesbezüglich eine Koordination gibt. Das traditionelle Pflegewissen ist schön und gut, aber dann fangen wir wieder beim Eisen und Föhnen an und das finde ich nicht zielführend. Es ist wichtig Standards und Checklisten regelmäßig neu zu evaluieren und zu bearbeiten und dies wird in den Häusern, wo ich bisher tätig war....selten bis garnicht von Akademikern heruntergebrochen und implementiert, sondern eben von der Basis vor Ort. Ich bin nach dem Krankenpflegegesetz von 1985 ausgebildet und bin allerdings der Meinung, dass wir heute nicht mehr ohne Arbeitsablaufbeschreibungen auskommen, um die Qualität einigermaßen zu sichern. Es funktioniert nicht, weil die Anforderungen stetig steigen und 0/8/15 Pflege a la Tradition, weil man es schon immer so gemacht hat und ohne an einem Strang zu ziehen - ist wesentlich gefährlicher, als sich mit den Standards und Checklisten auseinanderzusetzen und diese auch mal zu verlassen, wenn es notwendig ist. Aber ein Grundkonzept benötigt es schon....dies ist allerdings auch Aufgabe von Allen und man kann die Verantwortung diesbezüglich nicht auf die Pflegeakademiker alleine schieben...so funktioniert das nicht.
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Würdest du dich von einem Medizinstudenten anhand von Checklisten und Standards diagnostizieren und therapieren lassen? Ich nicht. Ich erwarte eine entsprechende Fachkompetenz. Nur die ermöglicht dem Anwender, zu erkennnen, wann was passt und wann nicht.

    Und genau hier liegt das Probleme der Pflege. Sie suggeriert dem Youngster, dass er per Checkliste und Standard das mantgelnde Wissen kompensieren kann. Der Irrtum wird leider oft zu spät erkannt.

    Ablaufstandarsd im Funtionsbreich. Checkliste bei der Gerätewartung... da sind sie sinnvoll. Im Bereich der Pflege absolut kontraindiziert.

    Die Zeit und das Geld, was da in "Papiergestaltung" fließt´sollte sinnbringend in die Gestaltung von FoBis eingebracht werden.

    Elisabeth
     
  7. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Unsere Mediziner haben ebenso Standards. Und nicht wenige. Auch wenn man sie Behandlungspfade oder sonstwie schimpft...
     
  8. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Ich suggeriere dem Newcomer nicht, dass er per Checkliste und Standard das mangelnde Wissen kompensieren kann. Standards und Checklisten sind nicht kontraindiziert, sondern hilfreich und unterstützend. Du scheinst Standards und Checklisten vom Prinzip nicht verstanden zu haben. Sorry, wenn ich Dir das so sage, aber Du scheinst mein posting von Vorne bis Hinten nicht durchgelesen oder nicht verstanden zu haben. Die Expertenstandards sind allesamt nicht unerheblich, denn leider benötigt man sie Alle miteinander. Wenn es in der Praxis mit traditonellem Pflegewissen so toll funktioniert wie Du das suggerierst, dann frage ich mich, wieso wir heute lagern und Hilfsmittel benutzen und nicht noch weiterhin eisen und föhnen und wild herumcremen mit Anti- Dekubitus- Salben (die nichts weiter beruhigen, als das Gewissen)
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Zwischem dem Expertenstandard und den üblichen Hausstandards dürften mehr als Welten liegen. Und ansonsten empefehle ich mal zu schauen, wozu die Checklisten und Standards á la Drehbuch im Mutterland der Pflegewissenschaften eigentlich entwickelt wurden. Wenn ich Studien mache, dann muss ich notgedrungen das Vorgehen standardisieren um etwas messen zu können.

    Nochmal- mir ist kein Medizinstudent bekannt, der anhand von Checklisten und Standards diagnostiziert und therapiert. Das geht nur in der Pflege.

    Nebenbei- ob die heutigen Erkenntnisse auch in 10 Jahren noch so gesehen werden, dafür würde ich net meine Hand ins Feuer elgen wollen. Alles entwickelt sich weiter- auch die Pflege. Und damit bleibt der Fachkraft lebenslanges lernen net erspart. Dies einsparen zu können indem man regelmäßig neue Blätter rausbringt, wird net funzen. Wir arbeiten net nur mit Herz sondern auch mit Verstand- meint: ich erwarte Argumente, warum sich etwas ändert.

    Elisabeth
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @Maniac- wie? In eurem Haus bekommt der Medizinstudent die Blätter in die Hand und diagnostiziert und therapiert dann eigenverantwortlich alles nach Vorgabe und ersetzt somit die Facharzt? Das würde ich mal net so laut publik machen. Könnte echten Ärger geben.

    Elisabeth
     
  11. Nordlicht

    Nordlicht Poweruser

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    Äh, wenn ich das hier so lese, habe ich den Eindruck, dass ich also entweder nach einem Drehbuch handle oder den Kopf einschalte.... Leute, ist das nicht ein bischen zu schwarz/weiß gedacht?

    Ich komme von Checkliste/Standard/Verfahrensanweisung/Arbeitsanweisung für alles zu einem Unternehmen, wo es das vielleicht viel gibt, aber im PC nicht gefunden wird.
    Listen und Vorgaben erleichtern nicht nur Studien, sondern auch mir das Leben, als Sicherheit, dass ich etwas nicht vergessen habe. Dadurch habe ich aber trotzdem noch die Möglichkeit, aktiv mitzudenken (und dann entsprechend zu handeln).

    Und zum Thema Standards und Qualität: da ist die Frage doch durch Elisabeth beantwortet: ich will Qalität messbar machen und das kann ich nur, wenn ich einheitlich arbeite (das Posting mit dem Mutterland).
    Wichtig ist nur, dass dann nach Standard gearbeitet wird, Abweichungen beschrieben werden und die Standards so geschrieben sind, dass man sie a) wiederfindet und b) auch gerne liest (keine Romane, logischer Aufbau, praktische Tipps).
     
  12. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Danke Nordlicht :-)

    @Elisabeth: MedizinstudentenInnen dürfen nicht alleine diagnostizieren und therapieren und zudem die Medizin über Checklisten und Standards nur so überquillt und dennoch erfordert dies gerade dann auch mitdenken. Das Gleiche gilt für die Pflege und auch andere Branchen. Nehmen wir z.B. das Wundmanagement. Wenn jeden Tag ein anderer Verband gewählt wird, dann wird eine Wunde nicht unbedingt besser. Zudem das Pflegewissen nur messbar gemacht werden kann, in dem man dieses auch aufschreibt. Hören- Sagen und Fortbildungen machen dies nicht messbar. kopf-schüttel *
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kann es sein, dass hier die Pflegeplanung mit einem Standard verwechselt wird?

    Es gibt zig Skalen am Markt. Alle nur auf eine ganz bestimmte Pat.-gruppe validert- wenn man denn überhaupt davon sprechen kann. Trotdem werden fröhlich aller Orten Skalen für alle Pat. angewandt.

    Warum darf der Medizinstudent net nach Skala und Drehbuch diagnostizieren? weil ihm das Wissen fehlt, zu erkennen, wann was nötig ist. Warum braucht es in D keine FoBi sondern Sklane und Drehbücher in Pflege? Ganz einfach: man glaubt, dass Wissensdefizit schnell und preiswert per Methoden, die in Studien genutzt wurden, auszugleichen.

    Nicht, dass ich auf diesen Zug vor Jahren nicht auch aufgesprungen bin. Eine Kollegin war so freundlich mir die Grenzen dieser Methode aufzuzeigen indem sie sich ganz genau an Skala und Drehbuch gehalten hat. Derjenige, der den Standard schreibt, geht von seinem Wissen aus. Auch das Hinzufügen von Quellen ändert da nix. Derjenige, dem diese Mittel ohne FoBo zum arbeiten gegeben werden, wird es immer so machen wie meine Kollegin. Warum?
    Jahre später habe ich angefangen Seminare zum Thema zu geben. Zu Beginn jedes Themas hab ich sowas wie ein Checkup gemacht. da wurde mir noch mal deutlich, dass es gar net funzen konnte mit den Standards. Das Hintergrundswissen war gar net in dem Ausmaß vorhanden.

    Witzigerweise brauchten die meisten Kollegen hinterher keine Handlungsvorgaben in Form von Skala und Drehbuch um eine gute Pflegequalität zu erbringen. Sie haben ihr Wissen in der Pflegeplanung untertgebracht- individuell ausgerichtet und passend zu jedem Pat. Und die, die dies net konnten/wollten kamen auch mit den Standatds net klar. Die waren in Regel sowieso i-wo fein säuberlich abgeheftet in Aktenordnern.

    Oben wurde übrigens angegeben, dass die Skalen und Drekbücher vor allem für Youngster optimal sind. Die kennen sich ja nich net so aus. Das ist ein Widersprich in sich, wenn man doch der Meinung ist, dass man erst mit der nötigen Fachkompetenz entscheiden zu können, was trifft und was nicht.

    ergO. Skalen udn Drehbücher sidn Methoden, die in der Forschung Anwendung finden und in der Praxis nic zu suchen haben. Wenn ich Qualität messbar machen will >>> NANDA-NIC-NOC = standadisierter Pfelgeprozess basierend auf einem umfangreichen Fachwissen.
    Ich verkneife mir jetzt mal, eine These aufzustellen, warum dies in D net funzen kann.

    Elisabeth
     
  14. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Genau das ist das Problem. Die meisten die Standards schreiben haben keine wissenschaftliche Ausbildung. Da stehen in vielen Stationsstandards keine evidenzbasierten Maßnahmen drin, sondern "haben wir immer so gemacht" in Text gegossen.

    Und dann kann das auch gefährlich werden. Auf Intensivstationen gibts ja immer mal Standard-Medikamente und Laufraten, die die Ärzte bevorzugen.
    Ich kenn den Fall, wo man zumindest erkannt hat, dass man bestimmte Immunglobuline/Gerinnungsfördernde Stoffe, etc. nicht zu schnell infundieren darf.

    Was hat man witzigerweise gemacht: Es wurde irgendwann vor Urzeiten mal für ein spezielles Medikament und das Gewicht einer Patientin Laufraten errechnet, und hat die dann als pflegerischen Standard festgeschrieben: erste 1/4h so schnell, nächste viertel Stunde mit xx ml/h, etc.. Dann wurde einfach der Name der Patientin und des Medikaments beim Kopieren weiß überdeckt, und diese Berechnung zum Standard für die Verabreichung aller Ig,Gerinnungsfaktoren,etc. gemacht.

    Was war der Effekt: für manche Medikamente und speziell für leichte Patienten wars eine viel zu schnelle Laufrate. Es kam bei einer Pat. mehrfach zu massiven Unverträglichkeitsreaktionen, incl. Reanimationspflichtigkeit, bis ich diese Patientin mal selbst hatte, und mal nen Blick in den Beipackzettel warf und dann die Laufraten erstmal auf ca. 25% der vorherigen Geschwindigkeit reduzierte. Dann war der Unsinn mit den Instabilitäten vorbei.

    Meiner Meinung ersetzen Standards ganz oft die Einarbeitung, sollen Neulingen das Denken abnehmen, damit sie genügend Zeit haben sich um 3 Patienten zu kümmern, und seit der Erfahrung halte ich diesen Hang Standards zu schreiben, auch für potentiell gefährlich. Keine Ahnung wer auf die Idee kommt Medikamentenlaufraten als Standard zu schreiben, aber ich denke mal nicht, dass ich da den einzigsten Fall in Deutschland erlebt habe.
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es gibt einen Unterschied zwischen Therapiestandards- vorgegeben vom Doc- und den Skalen und Drehbüchern für die Grundpflege. Aber selbst hier braucht es scheinbar Fachwissen. Wie soll Youngster erkennen, dass der Standard angepasst werden muss, wenn es nirgends steht.

    Ich bleibe (immer noch) dabei: die Standardidee wird in D mißbraucht.

    Elisabeth
     
  16. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Wie gesagt, dieser Standard wurde von der Pflege geschrieben. Wenn ein Arzt bei Dir anordnet "gib mal 2000IE Gerinnungsfaktor XY", dann ordnet der bei euch auch die Laufraten an? Hab ich noch niemals so erlebt. Der Arzt legt die Verantwortung für die Laufraten von Einzelgaben in die Hand der Pflege.

    Wollt euch nur mal ein Beispiel bringen, dass diese Standardg*ilheit richtig lebensgefährlich werden kann.

    Die Anpassung des Standards ist ja teils gar nicht vorgesehen, da musste erst umständlich mit Fachbuch oder dem Beipackzettel nachweisen, warum du abweichst. Ziel ist den Standard im Zweifel doch durchzudrücken und nicht als Leitfaden zu sehen.
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie kann die Pflege medizinische Therapiestandards erstellen ohne ärztl Absegnung? ... Ach lass uns einfach net darüber nachdenken und hoffen, dass wir als Pat. mehr Glück haben und nicht ein Opfer solcher Aktionen werden.

    Elisabeth
     
  18. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Du weißt doch wie es ist, die Ärzte unterschreiben vieles ohne direkt draufzuschauen oder drüber nachzudenken. Es ist vermutlich sogar die Unterschrift vom Oberarzt mit drauf, kann mich nicht so erinnern, und am Ende trägt er dann wohl die Verantwortung. Aber geschrieben wurde und initiert wurde der Standard von der Pflege. Kann aber auch sein dass die Unterschrift vom OA noch für den ursprünglichen Patienten galt, für den das mal berechnet wurde.

    Schau, für die Laufrate von Novamin gibts z.B. auch kein Standard. Das ist sogar eine Injektionslösung. Das heisst wenn du dich über ne Viertel Stunde hinstellst, könnteste das sogar pur spritzen^^. Kein Arzt ordnet an, wie man das Zeugs i.v. zu geben hat. Jetzt könnteste natürlich als Station nen Standard schreiben: Bei nem MAD <70 Novaminlaufrate mit 1g über 40 Minuten und bei MAD >110 übern 20min, um die "Nebenwirkung" etwas auszunutzen. Ich glaube nicht dass man in dem Augenblick in die ärztliche anordnung eingreift, wenn der Doc das einem freistellt.

    Aber meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen, aber dann wäre jeder ITS-Mitarbeiter illegal, wenn er Laufraten von Einmalgaben anhand von Erfahrung frei wählt, wenn der Beipackzettel nichts weiter hergibt.
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Man darf bekanntlich aif den deutschen Intensivstationen (fast) alles.... bis der Kadi kommt. Dann kanns zum Problem werden... für die Pflegekraft, net für den Doktor.
    Pfleger verabreichte Medikamente: Patient in Lebensgefahr

    Vielleicht kann die TE ja noch mal eingrenzen, welche Standards sie denn nun meinte. Pflege oder Therapiestandards? Obwohl, ist eigentlich egal wie man anhand von F_Ms Beispuel sehen kann.

    Elisabeth
     
  20. Teilzeitschwester

    Teilzeitschwester Poweruser

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    ich gehe davon aus, dass Pflegestandards gemeint sind.
    Vor 20 Jahren wurden ZVKs in unserem Haus wild durcheinander und wie es gerade passte verbunden. Pflasterreste wurden mit Verbandsbenzin weg geschubbt....etc
    Heute existiert ein Standard,die Verbände werden nach Schema angelegt. Bei Pflaster Reaktionen gibt es Alternativen.
    Dieser und alle anderen Pflegestandards gehören zur Ausbildung und Einarbeitung, sind im Haus PC Programm(so nenne ich es mal ;) ) nachlesbar und verpflichtend.
    Das gibt Personal und Patienten Sicherheit und sichert die Qualität.
    So,das war ein gutes Beispiel.

    Ein schlechtes?
    Heute ist Standard Patienten NICHT mehr atemstimulierend einzureiben und abzuklopfen, absolut no go (gerade auf der Onkologie nicht)
    Vor 20 Jahren sind wir 2x täglich mit Franzbranntwein d d Zimmer gezogen und haben die Leute hingesetzt,(oder sie a d Seite gedreht) ihnen Händteller voll gut riechendem,erfrischendem FBW auf den Rücken gerieben, sie zum tiefen einatmen angehalten. Meist wurden sie abgeklatscht, viele konnten besser abhusten,verschiedene Techniken konnte man sich damals von Kollegen abgucken. Die Mehrzahl der Patienten fanden das ziemlich gut. Man denke an die 36°C vor einigen Wochen !
    Heute beinhaltet unser Pneumonie Prophylaxe-Standard ein Gerät mit 3 Bällchen, die durch Inspiration und somit tiefes einatmen,nach oben gezogen werden, oder herumgedreht durch reinpusten bewegt werden.
    Das dumme ist, das sich kaum Jemand die Zeit nimmt dieses zu erklären oder/und keine PP fragt, ob es benutzt wurde und auch nicht die Dürchführung kontrolliert wird. Bestimmt ist es effektiver,aber hier lässt sich die Anwendung des Standards nicht protokollieren. Ob der Verband gewechselt wurde, sieht man. Das Flow Teil steht oft eingepackt auf dem Nachtschrank,aber als Maßnahme ist die Durchführung abgehakt.
    Ist hier die Qualität besser? Nein,meine Meinung nach nicht! Mit unserer Franzbranntwein Aktion vor 20J haben wir den Patienten viel mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit geschenkt,ganz nebenbei.
    Gab es damals mehr Pneumonien? Ich glaube nicht.
     
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