Wegezeiten in der ambulanten Pflege

Dieses Thema im Forum "Ambulante Pflege / Private Kranken-Altenpflege zu Hause" wurde erstellt von chrissi1601, 02.03.2006.

  1. chrissi1601

    chrissi1601 Newbie

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    Hallo!
    Ich habe da mal eine Frage, ich diskutiere schon seit Jahren mit meinem Chef über die Bezahlung der Wegezeiten. Das macht mich so wütend. Mein Chef behauptet er müsste von den Pflegezeiten der Patienten was kürzen um uns die Wegezeiten zu bezahlen. Was können die einzelnen Patienten dafür das wir noch zu anderen Patienten fahren müssen? Was habt ihr für Erfahrungen? Ich wäre über eine Antwort sehr dankbar oder eine Adresse wo ich es nachlesen könnte.
    Vielen dank im vorraus
    Christina
     
  2. griesuh

    griesuh Gesperrt

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    Wegezeiten....

    Hallo Christina

    lass dir nichts einreden. Wegezeiten sind als gesonderte Arbeitszeit zu vergüten.
    Diese werden NICHT von der Pflegezeit des Kunden abgezogen.
    Hast du z. B. 10 Kunden zu besuchen und benötigst von Kunde zu Kunde 10 min Fahrzeit, so ergibt dies 100 min Fahrtzeit ( Weg vom Büro zum 1. Kunden und der Rückweg vom letzten Kunden zum Büro zählt) die zu den Pflegezeiten dazu gerechnet werden.
    Frage mal bei der Gewerkschaft nach, die können dir auch bestimmt genaue Literaturhinweise geben, wo solche Nachweise zur Fahrzeit beschrieben sind und wie diese vergütet werden müssen.
    Grüße
     
  3. Toleranter Azubi

    Toleranter Azubi Junior-Mitglied

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    Hallo!!
    Ich arbeite auch bei einem Pflegedienst. Bei uns wird erst gar nicht über die Wegezeiten diskutiert. Es braucht ja auch jeder unterschiedliche Zeiten. Würde mir das nicht gefallen lassen.
     
  4. chrissi1601

    chrissi1601 Newbie

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    wegezeiten..

    Danke erstmal für die Antworten, würde mich über mehr freuen.
    Gruß:-)
     
  5. eiseule

    eiseule Stammgast

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    Hallo Chrissi, sehe und handhabe es genauso wie Griesuh, Wegezeiten zu den Patienten und vom letzten Patienten ins Büro sind Arbeitszeit. Wieviel Zeit habt ihr denn z.B. für eine Grundpflege bei einem Patienten und wie soll ich mir das vorstellen dass da was von der Pflegezeit abgezogen wird? So nach dem Motto: eigentlich dauert es bei Frau X 30 min, da aber die Fahrzeit 10 min. dauert müsst ihr es in 20 min. schaffen?
     
  6. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Die Wegezeiten dürfen auf keinen Fall zu Lasten des Patienten gehen.
    Außerdem sind Wegezeiten grundsätzlich Arbeitszeiten, haben ja schon einige hier angemerkt.
     
  7. chrissi1601

    chrissi1601 Newbie

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    ja so sagt das unser chef ist doch krass oder?
     
  8. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Naja ihr dürft euch halt nicht alles gefallen lassen.
    Wenn sich die Mitarbeiter einig sind, schaut der Chef dumm aus der Wäsche.
     
  9. mamasimon

    mamasimon Newbie

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    ...bei uns läuft das ähnlich "toll": wir haben feste Zeiten pro Patient, die bezahlt werden und die grundsätzlich viel zu niedrig angesetzt sind. So ist es bei einer Patientin z. B. völlig normal, 45 min für die Grundpflege zu benötigen, bezahlt werden aber nur 30 (!!) Minuten und das selbstverständlich INCL. Fahrzeit. Ein weiteres Beispiel: eine Patienten in einem weiter entfernten Nachbarort: 20 min werden bezahlt - so lange fährt man aber schon...ich arbeite also UMSONST! Achja, unser bombastischer Stundenlohn beträgt EUR 8,70, also kein Betrag, bei dem man über solche "Kleinigkeiten" locker hinwegsehen könnte! Wenn es nicht so absolut mies wäre, einen neuen Job zu finden, bei dem auf meine schwierigen Arbeitszeiten (2 kleine Kinder, Mann im Schichtdienst) so eingegangen wird, hätte ich schon längst hingeschmissen! Wenn ich mir nämlich meinen tatsächlichen Stundenlohn ausrechne, kann ich über die Mindestlohnforderung der Gewerkschaft nur hohnlächeln...

    Vielleicht sollte ich mir doch einen Putzjob suchen - da werde ich besser bezahlt und habe nicht so viel Verantwortung wie als examinierte Krankenschwester:angry: (allerdings wohl auch nicht so viel Freude...)
     
  10. Georgia

    Georgia Newbie

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    Hallo,
    bei uns beginnt und endet der Dienst in der Pflegestation, d.h. alle Wegezeiten, Grundpflegen und die Dokumentation in der Pflegestation werden voll vergütet (Pflegekraft € 10,50, Pflegefachkraft € 12,50 - € 15,00 pro Stunde + Zulagen).

    Georgia
     
  11. Zara

    Zara Senior-Mitglied

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    Also,

    ich kenne das auch nicht so, bei uns beginnt die Arbeitszeit beim ersten Kunden und endet wenn wir das Büro verlassen!!
     
  12. Georgia

    Georgia Newbie

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    Da freut sich aber der Arbeitgeber, denn der erste Weg zum Patienten kostet ihn wenigstens nichts..
    Wie macht ihr das dann mit der Informationsweitergabe und den Patientenschlüsseln???
    Georgia
     
  13. stormrider

    stormrider Poweruser

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    In meinem Pflegedienst gibt es zum Glück nicht die modernen Zeiterfassungsmethoden und Computerausdrucke mit Zeitvorgaben zu den einzelnen Touren.

    Wir bekommen pauschal 15 Minuten Zeit für Schlüssel zusammenkramen und wieder in den Schlüsselschrank hängen, Patientenliste aufschreiben. Arbeiten wie Medikamente vorbereiten sollten eigentlich nach der jeweiligen Tour erledigt werden. Braucht man zur Vor- oder Nachbereitung aus irgendeinem Grund länger, z.B. Medikamente stellen, schreiben wir den realen Zeitbedarf auf und kurz Stichwort dahinter warum.

    Startzeit ist dann das Verlassen des Büros. Wir haben keine Zeitvorschriften bei den einzelnen Patienten. Wir arbeiten zügig, aber jeder Patient bekommt die Zeit die er braucht. Im Schnitt brauchen wir für eine komplette Grundpflege 30 Minuten. Da passt dann auch noch eine RR-Messung oder BZ-Insulin mit hinein. Man reißt uns aber nicht den Kopf ab, wenn wir länger brauchen.

    Die PDL ist der Meinung, dass man das individuelle Arbeitstempo des Personals mit berücksichtigen muß. Jeder ist für eine Tour zuständig, das Stammpersonal fährt in der Regel morgens und ist für die Tour verantwortlich. Der Spätdienst wird von Stammpersonal (Teilzeit) und auch Aushilfen abgedeckt. Selten kommt es vor, dass auch das Stammpersonal aus der Morgenschicht einen Spätdienst fährt. Das geschieht dann, wenn wirklich aufgrund von Mehrfacherkrankungen erheblicher Personalmangel besteht. Es hält sich wirklich in Grenzen, bringt aber den Vorteil, dass man dann auch Patienten sieht, die man in der morgentlichen Tour nicht anfährt.

    Pflegeplanung und andere anfallende Büroarbeiten schreiben wir entsprechend dem tatsächlich entstandenen Zeitbedarf auf. Ich muß allerdings auch sagen, dass wir uns als ein großes Team fühlen, die uns gegebenen Freiheiten in der Zeiteinteilung nicht ausnutzen, zügig arbeiten und vor allem ehrlich sind. Wenn ich bei einer Patientin anstatt 30 Minuten plötzlich 60 Minuten brauche, dann ist das in Ordnung. Man glaubt mir dann unbesehen ohne weitere Dokumentation, dass ich hier mit einer aussergewöhnlcihen Situation zu tun hatte.

    Es ist ein angenehmes Arbeiten und die Patienten fühlen sich wohl. In der zeitlichen Gesamtrechnung brauchen wir auch nicht mehr Zeit wie die Kollegen in Pflegediensten wo man mit der Peitsche hinterherrennt und akribisch genau darauf achtet, dass auch nuja jede Minute ausführlich dokumentiert wird.
     
  14. Zara

    Zara Senior-Mitglied

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    Ins Büro, Schlüssel holen und Übergabebuch lesen, dann los - dauert etwa 5 Min.
     
  15. blauwolf

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    Also hier in Berlin gibt es im amb. Bereich noch ein sehr starkes Gefälle von West nach Ost, Tariflohn ist tabu, wenn man 10 euro Std. erhalten will, muß man mehr als Kämpfen. Oft werden die Fahrzeiten nicht bezahlt, oder gekürzt. Werden die Fahrzeiten bezahlt, sind die Pat. so eng gesteckt, dass man ohne Verkehrsregeln durch die Stadt kommen muß - rote ampeln gibt es nicht, Tempo 80 ist normal ...Dauerlauf auch.
    Motto: In immer kürzerer Pflegezeit immer bessere Qualität mit Lohndumping und ständig zunehmender Bürokratie, die auch noch in die paar Minuten Pflegezeit zu integrieren ist.
    Es ist einen Schande für diesen Berufszweig. es gibt keine Kurragierten Mitarbeiter mehr, Zusammenhalt bzw. Teamgeist ist ein Witz ...
    Ich spüre nur ohnmächtige Wut - was kann man tun? Ich weiß es nicht, denn die KollegInnen sind nur an dem Erhalt ihres eigenen Arbeitsplatzes interessiert ...
    Gibt es hier Gewerkschaftsmitglieder die hier schreiben und über entsprechende Erfahrungen verfügen? Ich habe bisher keine im amb. Bereich kennengelernt.
    Gruß blauwolf
     
  16. chrissi1601

    chrissi1601 Newbie

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    Wieder eine Diskussion gehabt....

    wieder hatte ich eine Diskussion !!! Langsam habe ich es leid und das schlimme ist ja auch noch das ich alleine damit dastehe. Die Kollegen die nicht soviel fahren müßen stört es auch nicht!!! Mein Chef meint nämlich wir haben es viel zu gut mit den "Zeiten". Wenn ich zum Beispiel einen med. Abenddienst fahre bin ich zwei Stunden unterwegs und bezahlt bekomme ich aber nur eine Stunde,ist das korrekt???? Er sagt er könne gerne die Zeiten kürzen das heißt Tabletten geben statt 5min. nur 3min. ! Kann er ja gerne machen dann bekomme ich wenigstens die Stunde Fahrt bezahlt die zur Arbeitszeit gehört. Aber da muß er ja mehr bezahlen!?! Oder!?! Ich versteh das alles nicht!
    :angry: Ich bin richtig sauer!!!
    (Mein Std Lohn ist übrigens 11,21 als exam. Altenpflegerin)
     
  17. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Ob das korrekt ist oder nicht kann ich nicht beurteilen ohne nähere Fakten.
    Was mußt du in dieser Zeit machen? Wieviele Patienten? Welche Leistungen? Wieviele km fährst du?

    Bist du die einzige die diese Tour fährt? Wenn nein, schaffen die anderen das in wesentlich kürzerer Zeit?

    Es ist schwierig, Tipps zu geben. Aber ich würde es evtl. versuchen indem ich ihm sage: Zeigen sie es mir, wenn Sie das schaffen, haben Sie recht.
     
  18. chrissi1601

    chrissi1601 Newbie

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    Hallo,
    ich bin nicht die einzige die diese Tour fährt. Wir sind alle zwei Stunden unterwegs. Das sind 8 Patienten. Tabletten reichen unter anderem über PEG , Insulin sprizen , Kompressionsstrümpfe ausziehen. Es sind bestimmt so ca. 20km!?
     
  19. stormrider

    stormrider Poweruser

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    20 km, 8 Patienten, egal wie gering die Arbeit beim Patienten ist, das ist definitiv nicht zu schaffen. Der PEG Patient alleine macht dir schon den Schnitt kaputt. Da würde ich gerne mal sehen, wie dein Arbeitgeber das schafft ;)

    Abgesehen davon: Du hast nur Kurzzeiteinsätze und eine recht kurze Tour. Da gibt es keine Chance, Diskrepanzen zwischen real benötigter Zeit und Planzeit auszugleichen.

    8x Parkplatz suchen innerhalb kürzester Zeit muß auch völlig anders bewertet werden.

    Ich würde mich massiv dagegen wehren und bis vor das Arbeitsgericht gehen.
     
  20. blauwolf

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    Hallo, bei einigen Firmen habe ich auch schon oft gedacht vor Gericht zu gehen, aber dazu muß man erstmal einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben. Ich bin selbst oft früher raus, weil ich diese Zustände einfach nicht mitmachen wollte. In der Probezeit in dieser Hinsicht was zu sagen ist tödlich. Mobbing und raus, das sind die Konsequenzen.
    Ich habe z.B. im SD zw. 25 - 30 Pat in einem Zeitraum von 6-7 Stunden ohne Pause, km weiß ich nicht genau, könnten so ca. 50 sein.
    In einer anderen Firma war es ähnlich, bei 120 km, 2-3 min pro Pat. für Insulin incl. doku, aber mit Palm. das sind die kleinen elektronischen Dinger, wo man sekundengenau überwacht wird und die Tätigkeiten extra "anklicken" muß.
    Da gab es dann eine Kollegin die in 1 min bei den Pat durch ist und die wurde mir als vorbild hingestellt, ich habe mit dem Verweis auf gefährliche Pflege dann gekündigt ... Klar, hätte zum Gericht gehen können, aber was wäre die Konsequenz gewesen, einen Rechtsstreit über viele Jahre am Hals, evt. sogar noch die Kosten, denn die Rechtsverdreher haben ja alle Möglichkeiten ...Bin erst danach in die Gewerkschaft eingetreten.
    Das schlimme an den gazen Dingen ist, dass man keinem Kollegen mehr vertrauen kann und es kein Zusammengehörigkeitsgefühl mehr gibt. Der Arbeitgeber sagt einfach, wenn es ihnen nicht paßt, da ist die Tür, draußen warten "tausende" auf Arbeit - so ein Schwachsinn, aber viele fallen darauf rein.
    Gruß blauwolf
     
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