Wechselrhythmus des Beinbeutels beim Dauerkatheter

Dieses Thema im Forum "Nephrologie / Urologie" wurde erstellt von birdy, 04.11.2011.

  1. birdy

    birdy Junior-Mitglied

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    Hallo,
    ich würde gerne wissen, in welchem Rhythmus ein steriler Beinbeutel beim DK gewechselt werden soll.
    Laut BV med ist der sterile Beutel ohne Tropfenkammer kein geschlossenes System, und soll nach 3 Tagen gewechselt werden. Auf diese Angaben bezieht sich auch die Fachkraft für Stomapflege.
    Laut Herstellerangaben soll er ebenfalls nach 3 Tagen gewechselt werden.
    Laut unserer WBL soll er nach 4 Wochen gewechselt werden, wenn der DK gewechselt wird. Den Unterschied zwischen geschlossenem System mit und ohne Tropfenkammer kennt sie nicht.

    Nach wem soll ich mich nun richten, wenn der Arzt dazu keine Angaben macht, nur genervt ist, von solchen Fragen?
    Muss ich die Anweisung der WBL ausführen, auch wenn ich weiß, dass diese Anweisung falsch ist, und sie auf meine Einwände nicht reagiert?
     
  2. Hersteller anrufen, Situation erklären und um was schriftliches bitten - dann der WBL vorlegen.

    Hat die WBL denn sachliche/fachliche Argumente für den langgezogenen Wechselintervall?

    Laut unseren Urologiepraxen werden die DK-Beutel alle 10 Tage gewechselt - die Beinbeutel wie von dir beschrieben.

    Vielleicht findet ihr irgendwie einen Weg, die Herstellerangaben umzusetzen - die machen die Bestimmungen ja nicht umsonst :deal:
     
  3. calypso

    calypso Stammgast

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    Wenn es keine allgemeingültige Richtlinie oder eine hausinterne Regelung gibt, sind tatsächlich die Herstellerangaben ausschlaggebend. Da kann man nur hoffen, dass ihr da nicht -zig unterschiedliche Produkte habt...

    Allerdings wären allgemeine Richtlinien (z.B. vom RKI) nicht nur wünschenswert, sondern dringend erforderlich, da Hersteller nun mal am liebsten viel verkaufen und daher vermutlich immer kurze Wechselintervalle angeben werden.
     
  4. stormrider

    stormrider Poweruser

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    In der ambulanten Pflege ist es göttlich, wenn man alle 14 Tage die Beutel wechseln darf. Die Krankenkassen finanzieren höchstens 2 Beutel pro Monat. Manche versuchen sich auch schon mit nur 1 Beutel pro Monat durchzusetzen.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Womit geklärt wäre, warum es zu dem Intervall kommt. Nun entsteht für mich die Frage: welche realen Möglichkeiten habe ich, der Kasse klar zu machen, dass es aus hygienischen Gründen nötig ist, öfter zu wechseln? Und vor allem: Wie geht man dabei vor?

    Elisabeth
     
  6. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Wie geht man vor? Z.B. die Krankenkasse anschreiben und darauf hinweisen, dass die Aussagen der Hersteller andere Intervalle erfordern. Schön wäre es, wenn es z.B. eine Richtlinie vom RKI gäbe. Ob es eine gibt, kann ich nicht sagen.

    Wenn meine frühere Chefin sich aufraffen konnte, stand dann oft in so einem Schreiben ein Satz wie: Als Krankenkasse haben Sie ihrem Patienten gegenüber eine Fürsorgepflicht. Bitte teilen Sie mir schriftlich mit, wie sie diese gewährleisten wollen, wenn DK-Beutel nicht entsprechend den von den Herstellern vorgegebenen Wechseldaten ausgetauscht werden können. Ich erinnere daran, dass bei Nichteinhaltung der Herstellervorgaben z.B. die Gefahr einer Blasenentzündung massiv zunimmt, sowie die Geruchsbelästigung für die Angehörigen unerträglich wird..

    Das Problem herbei ist, dass es viel zuviele Fälle gibt, in denen man die KK immer wieder schriftlich auffordern muß, gewisse Vorgaben ihrerseits aufzugeben. Da ist im Pflegedienstalltag einfach keine Zeit mehr für da. Man kann natürlich das Problem auf Angehörige verschieben. Da gbits aber nur wenige, die die Kraft haben, sich der Kasse gegenüber durchzusetzen.

    In der Regel fängt ein DK Beutel schon nach 1 Woche an übel zu riechen. Nach 4 Wochen natürlich entsprechend viel schlimmer. Schon alleine dass spricht ja schon für den schlechten Zustand des DK BEutels.

    Hinzu kommt dann das Problem, dass unsere lieben alten guten Hausfrauen hingehen, und den Beutel am Patienten reinigen. Mit Spülmittel, etc. teilweise richtig ausspülen. Ganz "pfiffige" diskonnektieren dazu sogar um wirklich gründliche Arbeit leisten zu können. Das sie damit die Gefahren für den Patienten massiv aufstocken, verstehen die meisten nicht. Ich kann die Reaktion in Anbetracht des Geruchsproblems aber gut nachvollziehen.
     
  7. matras

    matras Bereichsmoderator
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    1. Ein Urindrainagesystem ist immer als geschlossenes System zu betreiben!
    2. Ein Beutel ohne Tropfkammer ist laut der gültigen RKI-Richtlinie nicht zulässig!
    3. Ein routinemässiger Wechsel der Beutel ist nicht angezeigt, da lt. RKI jede unnötige Disskonnektion zu vermeiden ist!
    Den Anhang Empfehlung zur Prävention Katheterassoziierter HI.pdf betrachten siehe hier unter Punkt 5


    Matras
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das Wort Tropfkammer kann ich in dem Link net finden. Die Aspekte Rückflussperre, Luftausgleichventil... beziehen sich auf die Möglichkeit ohne Diskonnektion und unter möglichst sterilen Bedingungen Urin entnehemn zu können.

    Außerdem dürfte eine Tropfkammer bei einem Beinbeutel recht unangenehm sein.

    Hier ein Link, wo man den Artikel ansehen kann und gleichzeitig rechtliche Aspekte zu dem Thema findet: REHADAT-Hilfsmitteldatenbank .

    Elisabeth
     
  9. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Tropfkammer überlesen bzw. Rückflußventil gemeint .....(denken beim lesen:verwirrt:)


    Matras
     
  10. birdy

    birdy Junior-Mitglied

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    Laut BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V. - Medizintechnik , gibt es Unterschiede wie lange ein Beinbeutel benutzt werden darf, abhängig davon, ob mit oder ohne Tropfkammer.
    Siehe: www.bvmed.de/stepone/data/downloads/c5/a3/00/stellgname-pg15-07092005.pdf auf Seite 6
    Laut Hersteller der sterilen Beinbeutel sollten diese im 3-Tagesrhythmus gewechselt werden, da, wenn ich mich richtig erinnere, der antibakterielle Schutz nachläßt.?
    Unsere Beinbeutel haben keine Tropfkammer, nur ein Rücklaufventil.
     

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