Was ist wirklich ein Notfall?

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Schwester Sonja, 08.09.2008.

  1. Schwester Sonja

    Schwester Sonja Senior-Mitglied

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    Ein Notfall ist gegeben, wenn zur Abwehr eines lebensbedrohlichen oder schweren Schadens für das Leben, die Gesundheit und des Körpers des Patienten medizinische Maßnahmen erforderlich sind!

    In der Realität sieht es allerdings ganz anders aus. Bin jetzt bereits seit 20 Jahren in der NA und habe bereits die tollsten "Notfälle" erlebt.

    Einige Pat. "mißbrauchen" die NA, um längere Wartezeiten in der Praxis zu vermeiden (Leistenhernie seit einigen Wochen, Schulterschmerzen seit 4 Wochen und zu normalen Sprechzeiten keine Zeit, weil berufstätig, .....), andere kommen wegen Kopfschmerzen (keine Migräne), .....

    Da fällt es schon schwer, in der Nacht und am Wochenende souverän die Pat. zu behandeln und oft eine rege Diskusion über die Praxisgebühr bei Notfällen zu führen ("Kann ich denn keine Überweisung nachreichen?" oder "Ich habe dieses Quartal schon beim Hausarzt bezahlt!")

    Zu normalen Zeiten schicken wir die Pat. an die angegliederte Praxis, in der sie einen Termin bekommen, wie alle anderen auch, aber am WE und in der Nacht dürfen wir die Pat. ja nicht wegschicken.
    Wenn wir sie aber nicht stationär aufnehmen, gleich OP-Vorbereitung machen und den OP-Termin für morgen festlegen, stoßen wir bei vielen Pat. auf Unverständnis. Noch schlimmer ist es, wenn aus einem Altenheim nach Sturz vor 4 Tagen an einem WE nur gerötgt wird und der Pat. zurückverlegt wird, weil keine Fraktur oder Distorsion, ... vorliegt (ein Hämatom verheilt in einem AH doch genauso).

    Wir haben an einem WE manchmal 30-40 Pat., die auch am Montag zum Hausarzt oder Orthopäden hätten gehen können und wir hätten ausreichend Zeit, uns um die wirklichen Notfälle zu kümmern.
    Wenn ein Notfall kommt, bei dem schwerwiegende Verletzungen vorliegen, haben viele kein Verstädnis, daß diese Pat. zuerst behandlt werden.
    Manchmal kann mann nur den Kopf schütteln.

    Wie wird es bei Euch gehandhabt, wenn offensichtlich ist, daß kein Notfall vorliegt? Sind nur wir so "treudoof"?


    Schwester Sonja
     
  2. der Matze

    der Matze Stammgast

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    In der Zeit in der ich in der ZNA gearbeitet habe, haben unsere DÄ solche Patienten gnadenlos nach Hause geschickt, und auch knallhart gesagt, dass Kopfschmerzen oder länger bestehende Schmerzen keine Notfälle sind.

    Heftet euch doch mal dein Zitat oben über die ZNA?


    Wie ist eure ZNA organisiert? Habt ihr eine Präselektion, sprich, einen "Schalter", an dem der Patient schildert warum er da ist, oder kommt jeder und "zieht eine Nummer"? Ersteres hat den Vorteil, dass viel effektiver in "kann warten", "kann Werktags zum HA" und "sollte doch schnell drankommen" eingeteilt wird?
     
  3. nekskorpio

    nekskorpio Senior-Mitglied

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    Hallo,

    an einem Sonntag vor ein paar Wochen ist mein Freund morgens aufgewacht mit ziemlichen Schmerzen im Nierenbereich+ Kaltschweiß+ Fieber .

    Habe ihn dann sofort zum KH gebracht weil er es überhaupt nicht aushalten konnte und ich den Weg über den Hausarzt sparen wollte. Nun gut wir zur ZPA gegangen, meinem Freund ging es wirklich sehr schlecht und ich habe das der Schwester dort auch mitgeteilt und darum gebeten sofort einen Arzt zu holen.

    Sie hat sich Begleiter aus der Ferne angesehen und meinte wir sollten noch eben im Wartezimmer warten. Als nach 15 Minuten nix passierte und mein Freund drohte zu kollabieren, habe ich der Schwesster eindringlich gesagt sie solle jetzt soofrt einen Arzt rufen, erst weigerte sie sich wieder mit der Begründung mein Freund müsse noch warten weil es nunmal ihrer Meinung nach kein Notfall war.

    Ich wars außer mir, denn meiner Meinung nach war das eben doch ein Notfall und nach langem hin und her gerede hat sie endlich einen Arzt gerufen.

    Es stellte sich herraus dass er eine Nierenkolik entwickelt hatte, er wurde behandelt und er erholte sich schnell wieder.

    Warum schreibe ich euch das? Nunja ich denke wenn der Patient am Wochenende ins Krankenhaus geht, dann sicher in erster Linie weil es ihm schlecht geht und nicht um irgendwelchen Wartezeiten zu umgehen.

    Ebenso finde ich es sehr anmaßend wenn eine Schwester meint einfach so eine Diagnose stellen zu können...bzw. entscheiden zu können was Notfall ist und was nicht. In meinen Augen ist ein Notfall dann wenn ein Patient das als solchen empfindet. Warum sollte er sonst am Wochenende ins KH gehen, sicher nicht weil es dort so schön ist.

    Natürlich sind einige Dinge nicht so dringend wie andere, trotzdem sind auch die weniger dringende Fälle ernst zu nehmen. Was die Praxisgebühr angeht, warum diskutiert man mit Patienten darüber. Manche wissen einfach nicht dass im Notfall extra gezahlt werden muss, mitteilen..fertig...wenn sie nicht zahlen wollen...bekommen sie halt Post von der kassenärztlichen Vereinigung. Diskutieren dürfte da wenig nutzen, denn Patienten müssen die sowieso zahlen.

    liebe Grüße, Nina
     
  4. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Vielleicht arbeiten aber in der Ambulanz bzw. ZNA aber nicht nur "Schwestern", sondern auch examinierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, die darin ausgebildet wurden Notfälle als Solche zu erkennen...?!
     
  5. nekskorpio

    nekskorpio Senior-Mitglied

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    Wenn ich mir jetzt nochmal die oben geschilderte Situation mit meinem Freund vor Augen führe, frage ich mich natürlich eines.

    Wo hat diese "nette" Gesundheits-und Krankenpflegerin diese Fachkompetenmz erworben um entscheiden zu können dass es meinem Freund eben nicht schlecht genug geht um behandelt zu werden?

    Sicher nicht in der Krankenpflegeschule, denn dort habe ich etwas anderes gelernt. Der Arzt stellt die Diagnosen und wenn da einer vor mir leidet, rufe ich doch eher einen Arzt als ihn nach Hause zu schicken.

    Woher weiß ich dass der Mensch vor mir keine schwerwiegende Erkrankung hat?
    Nur weil er nicht stark blutet und seine Vitalzeichen akzeptabel sind??
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Vielleicht sollte man auf den Einsatz von Ärzten in der ZNA ganz verzichten, da die Diagnostik ja eh schon von Fachpflegekräften erfolgt.

    Hochmut kommt vor den Fall.

    Elisabeth
     
  7. der Matze

    der Matze Stammgast

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    Lass dir aus Erfahrung sagen, dass es manchen genau darum geht. Ich weiß nicht, wie viele Patienten ich an Wochenenden in der ZNA gesehen habe, die kamen, weil sie dachten, dass sie dann schneller dran kommen.
    Da sind die Schmerzen dann nicht schlimmer geworden, die hat man auch schon gut und gerne mal vier Wochen, aber jetzt am Wochenende ist ja sowieso weniger los, da kann man ja mal kommen.
    Das ist nicht anmaßend, sondern schlichtweg nicht erlaubt, da Diagnose und Therapie ärztliche Aufgaben sind.
    Ich denke, erfahrene Pflegekräfte können anhand der Aussage des Patienten einschätzen, ob es dringend ist oder nicht. Herzinfarkt, akutes Abdomen und Co sollte man mal irgendwann gelernt haben, und wenn Patienten quietschfidel vor einem sitzen und erzählen, dass der Fuß heute etwas mehr weh tut wie gestern, aber nicht so sehr wie vor zwei Monaten, wird es sich kaum um eine akute arterielle Embolie handeln ;)
    Diese Aussage öffnet all den Patienten Tür und Tor, die hobbymäßig Selbstdiagnostik praktizieren und genau wissen, womit sie kommen und wie eilig ihr Problem ist.
    Ein Notfall ist präzise definiert und wird nicht vom Patienten zu einem solchen deklariert. Sonst kann man jede alte Dame mit Stuhlneurose und Obstipation als Notfall in der ZNA aufnehmen, genauso wie den eingewachsenen Zehennagel von letzter Woche, die Kopfschmerzen nach durchzechter Nacht und und das verstauchte Handgelenk vom Basketballspielen.
    Darüber dass hinter all dem auch etwas schlimmeres stecken kann brauchen wir aber nicht zu diskutieren ;)
    Aus o.g. Gründen. Es gibt solche und solche. Aber oft mehr solche als solche.
    Aber wer schätzt das ein? In Zeiten, wo immer mehr Stellen abgebaut werden, und manchmal nur ein Arzt für ein ganzes Haus da ist, der auch die INT und ZNA mit bedient, bin ich froh, wenn es qualifizierte Kollegen gibt, die mitdenken und mitarbeiten. Natürlich gibt es fähigere und weniger fähige Kollegen (du bist mit deinem Freund wohl an letztere geraten), aber i.d.R. sind die, die lange in ZNA und Co arbeiten, geschult genug, um gewisse Dinge einschätzen zu können.
    Ich denke nicht, dass der Diskussionsbedarf der Kollegen in den ZNA so groß ist, eher der der Patienten in spe. Genauso wie die Leute, die im ÖPNV beim Schwarzfahren erwischt werden und stundenlang rumdiskutieren anstatt zu bezahlen, gibts halt auch Patienten, die das Übel der Praxisgebühr dem Pflegepersonal höchstpersönlich zuschreiben und in absolut inadäquater Weise reagieren.


    Was dir wiederfahren ist, ist natürlich mehr als blöd gelaufen. Dass eine Kollegin die Situation eines scheinbar schockigen Patienten so aufnimmt und nicht reagiert, ist jedoch unschön. Grenzt eigentlich schon an unterlassene Hilfeleistung...?

    Hast du in deiner Ausbildung einen Einsatz in der ZNA? Wenn ja, vielleicht denkst du anschließend etwas anders?
    Es spricht keiner von Diagnostik, sondern von der Einschätzung der Situation. Rufst du auf Intensiv jedes Mal einen Arzt, der dir dann sagt, dass der Patient gerade blutet, krampft, oder reanimationspflichtig ist? Oder hast du die Fachkompetenz, so etwas selbst zu sehen, zu handeln und den Arzt hinzuzuziehen?
    Haben KollegInnen in der ZNA vielleicht ähnliche Fachkompetenz? Die aus o.g. Fall einmal abgesehen... ;)
    Wahrscheinlich nirgends. Bist du sicher, dass es eine examinierte Kraft war, und nicht die Reinigungsfrau? (sorry, offtopic)
    Stimmt, der Arzt diagnostiziert, und nur der Arzt hat das Recht, einen Patienten nach Hause zu schicken!
    Du kannst niemandem durchschauen (zumindest nicht mit bloßen Augen), aber es gibt Fälle, auch wenn ich mich wiederhole, die man ohne Arzt zu sein als "nicht lebensbedrohlich" und als "nicht-Notfall" einstufen kann, und sie in der Dringlichkeit nach hinten stellen kann. Was der Arzt dann damit macht, was er diagnostiziert und wie er weiterverfährt, ist seine Sache.
    Dass das ganze auch furchtbar schief gehen kann (Bspw. Aortendissektion, "nur" mit HWS Symptomatik) bestreitet keiner.





    Nachtrag: Meine Güte, ist der Beitrag lang geworden ^,^
     
  8. nekskorpio

    nekskorpio Senior-Mitglied

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    Hey,

    dein Beitrag ist definitiv sehr lang geworden und ich möchte nicht zu jedem einzelnen Punkt antworten denn ich denke, dass wir uns da schon in den meisten Punkten einig sind.

    Doch diese Situation hat mich wirklich schockiert, denn diese laut Namensschild examinierte Schwester ist mit Sicherheit kein Einzelfall und ich frage mich natürlich wie das sein kann, dass soetwas passiert. Personalmangel ist sicher keine Begründung dafür.

    Dann heute las ich diesen Thread und dachte ich schreibe mal los.

    Im Rahmen meiner Ausbildung hatte ich einen Praxiseinsatz auf einer Notfallambulanz, jedoch nur 4 Wochen darum habe ich da keine Erfahrungswerte und während meines Einsatzes waren die, die am Wochenende kamen, soweit ich das beurteilen kann, begründet.

    lieben Gruß
     
  9. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Es ging hier nicht um Diagnostik (geschweige denn um "nach hause schicken"), sondern um eine Entscheidung wo der Doc zuerst hin muss.
    Ist halt evt nur einer da und wenn da jemand schon einen Schritt weiter ist und kollabiert auf dem Boden liegt, geht das vor.

    Ob das im konkreten beispiel nun richtig war oder nicht kann ich hier selbstverständlich nicht beurteilen...
     
  10. Maurits

    Maurits Junior-Mitglied

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    Hallo SR Sonja,
    dein Problem kenne ich gut.
    Auch bei uns laufen solche Notfälle auf und sind sauer, wenn sie warten müssen, weil gerade ein wirklicher Notfall behandelt wird.(erst kürzlich, Motoradfahrer schwer verünglückt, dazu ein frischer HI und draussen warten ein Pat. mit gequetschter Finger, ohne Fraktur, ein Pat. mit Hautausschlag seit 5 Tagen und ein Mädel mit leichter Cystitis seit 2 Tagen und machen die Welle, das alles um 2 Uhr Nachts)
    Wegschicken ist aber nicht unsere Lösung, da jeder Fall zählt. Auch wenn diese Patienten ein Minus verursachen zählt doch die Menge.
    So kann sich das Haus mit X ambulanten Fällen brüsten, statt Y.
    Das Personal hat den Vorteil, das es keinen Bereitschaftsdienst mehr leisten muß sondern regulär im 3 Schichten System arbeiten kann. Zudem mussten dadurch Planstellen geschaffen werden. (Aus Kostengründen wurden diese mit Arzthelferinnen bestückt)
    Es geht auch um die BG Zulassung für die Chirg. Dienste. Diese ist bei der Menge auch leichter zu bekommen. Zudem haben wir durch die Menge der amb. Fälle jetzt die Traumazulassung erhalten ( gut, es mußte ein extra OP in der ZNA geschaffen werden)
    Ich denke mir, das in der heutigen Zeit die Menge zählt und nicht die Erkrankung. Sozusagen ein Kundenbindungsprogramm
     
  11. hoppla

    hoppla Newbie

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    puh, wenn ich das so lese, habe ich ja fast Angst, bei einem leichteren Asthmaanfall in die Notaufnahme zu gehen (bzw. davor den Rettungswagen zu rufen)... Weil mit genug warten wird es dann schon irgendwann morgen und etwas besser, wo man dann zum Hausarzt kann....
     
  12. Lin

    Lin Poweruser

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    @maurits:
    Das verstehe ich nicht ganz :gruebel:? Ein Besuch in der Notaufnahme kommt also für alle Beteiligten günstiger, obwohl die Behandlung durch einen Hausarzt oder einen niedergelassener Facharzt aureichen würde?
    Da frage ich mich, wozu gibts die dann noch? Komisches Sozialsystem.

    Gruß,
    Lin
     
  13. Schwester Sonja

    Schwester Sonja Senior-Mitglied

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    Hallo, Hoppla!

    Genau das möchten wir aber vermeiden.
    Oft scheuen die echten Notfälle den Gang zur NA eben aus Angst, kein Notfall zu sein oder als solcher "anerkannt zu werden", obwohl es ihnen schlecht geht und es graut ihnen vor langen Wartezeiten auf unbequemen Stühlen.
    Manchmal sind es so viele Patienten, die auch noch einen Termin für die Sprechstunde oder Hausarzt hätten ausmachen können ( Leistenhernie nicht eingeklemmt seit Wochen, Ganglion seit Wochen, ...).

    Ich habe manchmal Angst, dass ich einmal einen Patienten nicht gleich ernst genug nehme, wenn es hart auf hart kommt (Milzruptur, Lungenembolie statt Thoraxprellung, Thrombose, Aortastenose statt HWS-Syndrom....).

    Je nach diensthabenden Assistenzarzt muss man einfach mit entscheiden, was zu tun ist (auch mal diensthabenden OA :streit:hinzuziehen).
    Bei den "alten Hasen" geht das doch ganz geschmeidig und zügig.
     
  14. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Es kann anscheinend keiner nachvollziehen, wie das ist, wenn man seit ca. 15 Stunden auf den Beinen ist und dann kommt nachts jemand mit Kopfschmerzen, weil er sich vor 2 Tagen den Kopf gestoßen hat, oder eine Gruppe besoffener Jugendlicher, die sich geprügelt haben, einer hat Glasscherben-Verletzungen, der Rest feiert fröhlich auf dem KH-Flur weiter.
    2 Uhr nachts - Zeckenbiß.
    Vormittags Fahrradsturz, aber nachts tut es dann auf einmal so weh, dass man doch ins KH geht.
    Und dann wundern sich die Leute, dass sie so lange warten müssen. Dass wir vielleicht wirklich gerade einen hochakuten Bauch haben, der das volle diagnostische Programm braucht (und nur 1 Arzt da ist), verstehen sie nicht.
    Solche Dinge kommen ständig vor.
    Hausärzte weisen sofort ein, weil es ja immer eine Fraktur oder ein akuter Bauch sein könnte; sie haben eben kein Labor vor Ort und können nicht röntgen. Ich frage mich dann auch, wie sie das früher gemacht haben.

    Ich bin immer freundlich zu den Leuten, außer sie pöbeln mich besoffen an, ich erkläre ihnen, warum sie warten müssen, doch die Nehmer-Mentalität ist schon sehr groß.
    Beim Hausarzt muss ich auch manchmal 3 Stunden warten, auch wenn mich meine Grippe heftig quält, aber in der Ambulanz werden die Leute schnell ungeduldig. In der Regel ziehen wir Kinder vor und Leute, die vom DRK gebracht werden (oftmals auch ein "Ileus" aus dem Altenheim, der sich dann als starke Verstopfung entpuppt).
    Gestern kam einer, der sich oberflächlich an Stacheldraht geschrammt hatte. Es blutete nicht einmal. Wir fragen uns dann, was treibt diese Leute an?
    Oftmals sind auch die Ärzte genervt, wenn wir sie wegen solchen Sachen wecken und maulen einen an. Schwestern, die sich da nicht wehren können, geben das an die Pat. weiter.
    Nervig ist auch, dass immer erst die Logistik laufen muss, bevor wir irgendetwas machen können. Ich kann kein Labor und kein Rö anfordern, bevor der Pat. nicht im PC aufgenommen ist. Und wenn er noch so dolle Schmerzen hat. Läuft mit der EDV irgendetwas schief, motzt das Labor rum.
    Während ich dann eine Castschiene bastele, kommt der nächste und will sofort versorgt werden, ich habe aber gerade keine Hand frei. Der Arzt muss noch seinen Brief fertigschreiben und findet die DRG-Nummern im Katalog nicht. Da kommt ein Anruf: Notfall auf St.3, er muss sofort weg. Gleichzeitig fährt das DRK vor und vorne schellt's an der Aufnahme, weil einer ganz schlimme Bauchkrämpfe hat. Was soll ich jetzt machen? - Der Doc ist ja weg, sagt am Telefon, er kommt so bald er kann. Wird jemand kollaptisch, kann ich im Notfall noch die Anästhesie anrufen, aber die können auch keine Diagnosen stellen. Erstmal will aber der Fahrer vom DRK seinen Fahrschein unterschrieben haben...
    Wenn wir einen Unfall haben, der sofort operiert werden muss, sage ich dann "tschüß" zum Doc, gehe in den Op und richte. Hat er noch Pat., bleibt er unten, und ich assistiere für ihn, macht ja nüscht. Manchmal rufen sie oben an, weil dringende Sectio. Dann bin ich weg. Dann warten die Leute noch länger, weil der diensthabende Arzt keine Hilfe mehr hat. Wenn er auch mal in den Op muss, können sie sich überlegen, ob sie woanders hingehen oder lieber morgen wiederkommen. So sieht es nachts aus.
    Tagsüber sitzen da ohnehin um die 30 bis 300 Leute für Nachschauen, Sprechstunden usw.
    JA, STIMMT, NOTFALL IST EIN DEHNBARER BEGRIFF! Notfall ist vor allem dann einer, wenn der Chefarzt das sagt. Punkt.
     
  15. michi38

    michi38 Newbie

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    Interdisziplinäre Notfallaufnahme
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    :mrgreen:Super:mrgreen:
    Könnte von mir sein.

    So ist das nun mal der Mensch glaubt eben er wäre der wichtigste auf der Erde.

    Bin nur beruhigt das es nicht nur bei uns so ist.
     
  16. space-nurse

    space-nurse Newbie

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    Accident and Emergency
    Natürlich wird die Notaufnahme häufig von Patienten mißbraucht. Auf der anderen Seite werden aber auch Erkrankungen von Patienten anders wahrgenommen. Ich habe schon vor Jahren aufgeben den "gesunden Menschenverstand" als Maßlatte anzulegen.
    :knockin:
    Mit einem Triage-System (Ersteinschätzung) durch die Pflegekraft lässt sich aber zumindestens klarstellen dass Patienten in der richtigen Reihenfolge gesehen werden.:mrgreen:
     
  17. Spargelhuhn82

    Spargelhuhn82 Stammgast

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    Gesundheits- und Krankenpflegerin
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    interdisziplinäre Intensiv
    Ich möchte auch mal meinen Senf zu dem Thema abgeben. :mrgreen:

    Zwar arbeite ich nicht in einer ZNA, sowas hat unser Mini-Krankenhaus gar nicht (leider). Wir haben eine Innere und eine Chirurgische Ambulanz / Aufnahme. Die Innere wird nachts von den Kollegen/Innen aus der Röntgenabteilung mit abgedeckt.. und seit vor 2 Jahren der chirurgische Bereitschaftsdienst abgesägt wurde (bis dahin hat immer ein Pfleger / eine Schwester aus der Ambulanz im Haus übernachtet), betreuen wir von der ITS nachts die chirurgische Ambulanz mit. :gruebel:

    Wenn ein wirklicher Notfall reinkommt, wie schon mehrfach erwähnt (also ich kann jetzt nur aus chirurgischer Sicht sprechen), weiß der Geier, ein Verkehrsunfall, ein akutes Abdomen, eine alte Dame fällt aus dem Bett und zieht sich ne Schenkelhalsfraktur zu... absolut nachvollziehbar und da würde weder ich noch jemand meiner Kollegen sich jemals drüber aufregen, dann nachts in die Ambulanz zu müssen.

    Andererseits passieren aber wirklich die seltsamsten Dinge. Grad vor 14 Tagen noch hatte ich die "Tierwoche". Ein 5jähriger Stöpsel ist (laut der Mutter) am Vormittag von einer Zecke gebissen worden. Stand an Mamas Hand nacht um halb 1 in der Ambulanz. Die Bissstelle war absolut unauffällig, der Junge hatte keine Beschwerden, nichts. (Zecke war allerdings noch drin :gruebel:). Einen Tag später ein ähnlicher Fall mit einem Mückenstich (!!). Begründung, warum man nachts um kurz vor halb 3 mit einem Mückenstich in die Ambulanz kommt: "Ja juckt wie blöde". :knockin: Ganz zu schweigen von den bereits mehrfach erwähnten, seit einer Woche bestehenden Rücken- oder Knieschmerzen. "Nachmittags kann ich nicht kommen, da muss ich arbeiten". Die Ambulanz ist bis 22 Uhr besetzt.

    Und in solchen Situationen könnte ich mich manchmal wirklich herrlich aufregen. Oder ein Arbeitsunfall von vor einer Woche, bei uns erstversorgt (auch schon nachts, aber das war noch in Ordnung, der Patient hatte ebenfalls Nachtschicht). Der Finger wurde mit einer Schiene versorgt. Zwei Nächte hintereinander, jedesmal zwischen 4 und 5 Uhr morgens, steht der Patient wieder da. Ohne Schiene. "Der Finger blutet so". Die Wunde absolut reizlos. Pat. drückt und pult am Finger rum. "Na sehen sie wie es blutet?".

    Da könnt ich mir nur vor die Stirn klatschen, ehrlich. Und dann ist man auch genervt, das bleibt ja gar nicht aus. Wie gesagt, für richtige Notfälle ist das absolut gerechtfertigt.. aber sorry, ein Mückenstich ist für mich kein Notfall... auch nicht wenn er juckt. :schraube:
     
  18. dieEv

    dieEv Poweruser

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    OP
    So isses.

    Ich habe schon die Theorie aufgestellt, dass es ein psychisches Problem unserer Gesellschaft ist. Den Leuten mangelt es an Zuwendung, aber sie haben gelernt, dass sie Zuwendung bekommen, wenn sie eine Krankheit haben.
     
  19. michi38

    michi38 Newbie

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    Interdisziplinäre Notfallaufnahme
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    Praxisanleiter

    Komme jetzt nicht drauf aber da war doch eine psychische Erkrankung :
    (
    Hypochondrie oder Morbus Münchhausen):-)
     
  20. der Matze

    der Matze Stammgast

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    Ist zwar total offtopic, aber was du meinst ist der sekundäre Krankheitsgewinn.
    Hat aber m.E. mit den beschriebenen Problemen hier weniger zu tun.
     
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