Was ist eigentlich eine Pflegewissenschaft?

Dieses Thema im Forum "Rund um die Abschlussprüfung (Examen)" wurde erstellt von TineaPedis, 25.10.2008.

  1. TineaPedis

    TineaPedis Junior-Mitglied

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    HI, also ich war gerade an einem Fall wo die D lautete Begründen Sie ihr vorgehn in c6 mit pflegewissenschaftlichen erkenntnissen einer theorie bzw eines konzeptes.

    die C6 sind die Maßnahmen die ich ergriffen hab z.B. ASE od. 30° Hochlagern . . .

    Ich weis, dass pflegewissenschaften die ATLs sind und Braden skalen usw., aber wie kann ich damit die Maßnahmen begründen????

    Wenn ich das mache lande ich meistens bei den Bezugswissenschaften!

    Bitte bitte helft mir . . . .
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hilfe.

    Die ASE gehört zum Konzept der Basalen Stimulation. Dieses Konzept fusst auf Grundlagen aus
    der Individualpsychologie (jeder Mensch ist an seiner Entwicklung interessiert, strebt als Mitglied in eine Gruppe, Erkenntnis des eigenen ICHs über die Wahrnehmung des Körpers),
    der Entwicklungspsychologie (lt. Piaget machen wir eine immer gleiche Entwicklung durch- sie beginnt mit der sensomotorischen Phase),
    neurowissenschaftlichen Erkenntnissen (das neuronale Netz kann nur wachsen, wenn es durch Reize stimuliert wird, Wahrnehmung erfolgt über Stimulierung des Sinneszellen),
    Physiotherapeutischen Erkenntnissen (z.B. Bobath- Konzept: Wiederholung der Bahnung bringt den Erfolg).
    Die ASE ist als kommunikatives Angebot in diesem Rahmen anzusehen. Du trittst im nonverbalen Bereich mit einem Pat. in Kontakt. Es sind keinerlei Vorleistungen des Pat. nötig und ihr "unterhaltet" euch sozusagen auf der Atemrhythmusebene. Dabei fließen verschiedene entspannende Aspekte mit ein: rhythmische Einreibung nach Hauschka, Basale Kommunikation nach Mall, Atemtherapie nach Middendorf, Schwedische Massage.

    pflegewissenschaft ASE - Google-Suche

    Aus allem ergibt sich: die ASE ist KEINE Pneumonieprophylaxe.

    Elisabeth
     
  3. TineaPedis

    TineaPedis Junior-Mitglied

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    OK sehr aufschlußreich, danke, aber die eigentliche Frage bezieht sich auf die Pflegewissenschaft.

    Was gehört dazu?
    Bei der Erklärung mach ich immer den Fehler das ich es mit Bezugswissenschaften erkläre, also meist erkläre ich eine Maßnahme mit Anatomie oder Psychologie.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Und hier findest du keine Antwort auf deine Frage?

    Irgendwie verstehe ich die Frage nicht. Was meinst du?
    Pflegewissenschaftliche Begründung der ASE?
    Oder was ist Pflegewissenschaft allgemein?

    Wie ist der genaue Wortlaut der Aufgabenstellung.


    Elisabeth
     
  5. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Ich habe Schwierigkeiten, Deine Frage, bzw, die Aufgabenstellung zu verstehen...
    Die Pflegewissenschaft interessiert sich für Phänomene, die im pflegerischen Alltag auftreten: Angst, Übelkeit, Rollenkonflikte usw
    Die Phänomene werde mittels verschiedener Methoden, Fragebogen, Beobachtung, Experiment, Quasiexperiment usw untersucht. Die gewonnenen Daten werden mit mathematischen Methoden analysiert. Der Pflegewissenschaftler interpretiert seine Daten und untersucht die Ergebnisse in Hinblick auf seine Forschungsfrage.

    Pflegewissenschaft interessiert sich dafür, was Pflegekräfte tagtäglich tun und stellt sich die Frage: Wie effektiv oder wie wirklungsvoll sind pflegerische Interventionen?

    Pflegewissenschaft interessiert sich dafür, wie Menschen mit Krankheiten umgehen. Wie wirkt sich Krankheit auf die Lebensqualität aus, welche Verarbeitungsmechanismen besitzen die betroffenen Personen?

    Pflegewissenschaft interessiert sich daür, wie die Gesellschaft mit Krankheit umgeht. Zum Beispiel: Welche Strategien entwickelt eine Stadt zur Versorgung Obdachloser.

    Pflegewissenschaft lässt sich nicht einer klassischen Disziplin zuordnen, das heisst, sie ist weder eine Naturwissenschaft, noch eine Geisteswissenschaft oder Sozialwissenschaft. Vielmehr vereint sie Methoden aller drei klassischen Disziplinen.

    Wichtige Hilfswissenschaften für die Pflegewissenschaft sind:
    Psychologie, Medizin, Pädagogik, Mathematik.


    Soweit eine kleine (subjektive) Übersicht. Was ist genau Deine Frage?


    Gruss Hartwig
     
  6. Hopps

    Hopps Newbie

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    Also ich verstehe was du fragen willst.Ich weiß auch nicht genau eine Bezugswissenschaft ist und was eine Pflegewissenschaft.Und man muss ja mit jeweils einer Bezugswissenschaft und einer Pflegewissenschaft begründen.Voll doof find ich das.Wollen vor dem Examen im nächsten Schulblock nochmal fragen, nicht dass es schief geht...
    :knockin::gruebel:
     
  7. hartwig

    hartwig Stammgast

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    ??????????

    Es gibt mehrer Bezugswissenschaften, es gibt aber nicht mehrere Pflegewissenschaften...

    Eine Bezugswissenschaft ist die Wissenschaft, die als Ergänzung zu den eigenen Methoden gebraucht wird. Für die Medizin ist beispielsweise die Chemie oder Physik eine Bezugswissenschaft. Für die Geschicht könnte z.B. die Archäologie, Kunstgeschichte, Politik oder Musikwissenschaft eine Bezugswissenschaft sein. Für die Pflegewissenschaft siehe mein letzter Beitrag.

    Drückt sich eure Lehrer so undeutlich aus?

    Gruss Hartwig
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Für die ASE wären das meines Erachtens z.B.:
    Ein- und Durchschlafverhalten (Schürenberg 1993, Peinsold 1999, Lehmann 1994, Nasterlack 2001, Schiff 2006)
    Reduktion von Beruhigungs- und Schlafmitteln (Peinsold 1999)
    Konzentrationsvermögen (Lehmann 1994)
    Entspannung (↓ HF, RR und Atemfrequenz) (Schürenberg 1993, Peinsold 1999, Bischof 1996)

    Aber das sind nur pflegewissenschaftl. Erkenntnisse.

    Was mag gemeint sein mit "pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen einer Theorie bzw eines Konzeptes"?

    Elisabeth
     
  9. Hopps

    Hopps Newbie

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    Nee du wir lernen ja in der Ausbildung zur KIKRA-Schwester sehr viele Theorien wie z.B. Orem, Friedemann, Bobath, Kinästhetik und was ich denke was sie wissen will ist woher man weiß was eine Pflegetheorie und was eine Bezugswissenschaft ist, damit man nicht zweimal mit ner Bezugswissenschaft begründet.Ist schwer auszudrücken.Ich hoffe sie meint das so
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Pflegetheorien beschäftigen sich mit ff.:
    dabei zu den fogenden Fragen Gedanken:
    Was ist Pflege?
    Wer pflegt?
    Was tut Pflege? Entwicklungs- oder Bedürfnistheorien
    Was wird von ihr erwartet?
    Wie tut sie es? Interaktionstheorien
    Was kann mit Pflege bewirkt werden?
    Hier geht es also um das allgemeine Verständnis der Pflege: wr macht was und warum. Demzufolge sind in deiner Aufzählung Orem und Friedemann eine Theorie.

    Konzepte beschreiben handlungsleitende Gedanken und Ideen. Hier wären Bobath und Kinästhetik anzurechnen.

    Dummerweise kann man sich in D nicht festlegen, was man meint und bezeichnet mit Pflegekonzept sowohl Pflegetheorien als auch handlungsorientierte Gedanken.

    Bezugswissenschaften der Pflege wären m.E. Medizin, Psychologie und Pädagogik.

    Und so sind wir wieder bei der Frage: was will der Threaderöffner?
     
  11. Hopps

    Hopps Newbie

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    Tja das weiß ich dann jetzt auch nicht so wirklich was sie jetzt meint...
    Musst dich vielleicht nochmal anders ausdrücken, sonst drehen wir uns noch ewig im Kreis:streit:
     
  12. ENGELCHEN_23

    ENGELCHEN_23 Newbie

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    Hallo du!

    Es gibt viele Pflegewissenschaften für den D-Teil in den ABCD-Klausuren. Zum Beispiel folgende:
    • Salutognese Konzept
    • Expertenstandards wie Dekubitus, Schmerz, Harninkontinenz etc.
    • Basale Stimulation
    • Pflegesysteme (Bereichs- und Funktionspflege und Primary Nursing)
    • Konzept der Kinästhetik
    • Pflegetheorien/ Pflegemodelle
    • Case Management
    • Pflegeprozess
    Alle Wissenschaften müssen immer Fallbezogen sein also der rote Faden durch die ganze Klausur. Wenn du im C-Teil die ASE beschrieben hast würde sich die Basale Stimulation anbieten. Also du beschreibst was das für ein Konzept ist und für was es da ist. Steht alles im Pflege Heute bzw. ihr müsstet das in der Schule durchgenommen haben. Als Bezugswissenschaft würde sich die Anatomie der Lunge anbieten falls dein Fallbeispiel Atemprobleme hat?
     
  13. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Nein.

    Es gibt nicht eine Pflegewissenschaft!!! Es gibt die Pflegewissenschaft, die Chemie, die Mathematik, die Medizin usw. Es gibt nicht viele Chemien oder Mathematiken. Genausowenig gibt es viele Pflegewissenschaften.
    Auch hier wirfst Du Begriffe durcheinander. Du zählst hier keine Wissenschaften auf, sondern Methoden, Konzepte, Interventionen usw. ASE, Basale Stimulation, Kinästhetik usw sind keine Wissenschaften, sondern Konzepte, bzw, pflegerische Interventionen, die man zwar wissenschaftlich untersuchen kann, die aber keine Wissenschaft sind!

    Ein Expertenstandard ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Unersuchung, also die Folge aus z.B. pflegewissenschaftlicher Forschung, aber der Standard selbst ist keine Wissenschaft!


    Gruss Hartwig
     
  14. ENGELCHEN_23

    ENGELCHEN_23 Newbie

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    Die Frage bezog sich aber auf die Pflegewissenschaften, die wir in der Schule für die ABCD Klausuren benötigen und da ist alles richtig was ich geschrieben hab...Ich werfe gar nichts durcheinander weil wir das in der Ausbildung so machen müssen!!!Unsere Lehrer ordnen diese ganzen Sachen wie Expertenstandard etc. alles unter dem Begriff Pflegewissenschaften ein.

    lg
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die Schule/ der Azubi offensichtlich einen AKüFi hat und aus pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen Pflegewissenschaften macht.

    Aber selbst dann stimmt es nicht. Bobath ist kein pflegewissenschaftlich belegtes Konzept.

    Elisabeth
     
  16. Foramen Transversarium I

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    Hello....
    Schon mal was von OREM gehört?????????????????????????
    Behandelt ihr keine Theorien?Wie werdet ihr denn auf das Examen vorbereitet?´
    Grüße FT
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    OREM ist keine Pflegewissenschaft sondern eine Pflegetheorie bzw. Pflegemodell.

    Elisabeth
     
  18. haensiseed

    haensiseed Newbie

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    Hi ...

    Bin nun im 3ten Ausbildungsjahr und habe im September Examen.

    Ich kann dir zu 110% sagen, dass ASE keine Wissenschaft ist. Auch Basale Stiummulation ist keine Wissenhaft.

    Das sind Erkenntnisse aus Wissenschaften wie z.B. Medizin, Mathemathik, Physik, Psychologie, Physiologie

    ;)

    gruss chris
     
  19. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Hallo ihr lieben,
    also wir schreiben im D-Teil (wissenschaftl. Erkenntnisse...)z.B das ATL Konzept oder die Pflegetheorie nach Juchli usw. Wie schon gesagt wurde muss sich diese Pflegethorie dann aber durchs ganze Fallbesispiel ziehen....Es sollte also von Anfang an erkennbar sein, für welche Wissenschaft/Theorie du dich entschieden hast.
    Begründen kannst du das im D-Teil (der verflixte D-Teil;)) dann z.B so:

    ATL: Atmen (siehe A3 Problem Nr.2)
    ATL: Ruhen und Schlafen (siehe A3 Problem Nr.7)

    usw.....
    so mach ich das zumindest und hoff das ist nicht völlig daneben, sonst hab ich beim Examen ein Problem;)

    lg verena
    Ich drück allen die sich ebenso wie ich im Examensstress befinden auf jedenfall schonmal die Daumen:nurse:
     
  20. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    Hallo,

    so dann möchte ich auch mal was dazu schreiben und vorab einige grundlegende Begriffe klären.
    Bevor wir uns der Pflegewissenschaft zuwenden, sollte erstmal geklärt sein, was über "Wissenschaft" bedeutet...​

    Dazu habe ich mal eine Definition rausgesucht:
    "Wissenschaft bezeichnet einerseites den Bestand des Wissens zu einer Zeit, andererseits den Weg zum systematischen Erwerb neuen Wissens.
    Wissenschaftler erwerben neues Wissen durch Forschung, dokumentieren es in Veröfentlichungen und vermitteln es in der Lehre weiter".

    Wissenschaft ist alles das, was Wissen schafft ....also zum einen ein Prozeß und zum anderern der aktuelle Stand der Dinge zu einem Thema.

    Pflegewissenschaft -als recht junge Disziplin- bildet den Fachwissenschaftlichen Bezugsrahmen für unsere Disziplin. Diese hat sich aus der Schnittmenge anderer Bezugswissenschaften wie Medizin, Psychologie und Pädagogik heraus gebildet und entwickelt sich nun weiter.

    Das Ziel ist es, sich nicht weiter an fremden Disziplinen zu orientieren, sondern den eigenen Berufsstand auf eigene Beine zu stellen und einen eigenen "Body of knowledge" zur Verfügung zu haben.

    In den USA ist der Stand der Entwicklung deutlich weiter, da der Akademisierungsprozeß dort bereits vor rund 70 Jahren begonnen hatte.

    Aufgabe von Pflegewissenschaftlern ist es nun, der Praxis eine gute Grundlage "zu liefern", die Sinnhaftigkeit und Wirkung bestimmter Interventionen zu erforschen und diese Erkenntnisse so aufzubereiten, dass auch die Basis diese versteht.

    Dieses trägt zum einen zu einer Qualitätsentwicklung bei, zum anderen geht es darum, den "Entscheidungsträgern aus den Kreisen der Ökonomen" die Notwendigkeit einer pflegerischen Versorgung klar zu machen.
    Transparenz dessen was wir tun trägt auch zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Berufsgruppe bei und hilft, dass wir auf politischer Ebene ernst genommen werden.

    Unter dem Begriff der Pflegewissenschaft kann man nun verschiedene Dinge subsummieren.

    Zum einen fallen hierunter die Pflegetheorien und - modelle, welche grundsätzliche Fragen beantworten im Bezug auf "das WAS und das WIE" der Pflege.
    Beschrieben werden hier - basierend auf jahrelanger Praxiserfahrung und gezilter Forschung- zum Beispiel, wie die Interaktion in Pflegesituationen gestaltet ist, wwas das originäre Wesen der Pflege ausmacht oder welches Ergebnismaß Pflege bringt.
    Die bekanntesten dürften wohl Henderson, Orem, Roper - Logan- Thierney, Krohwinkel, Peplau, King, Neumann und Roy sein.
    Das ausrichten der Praxis an einer Pflegtheorie beeinflusst meinen Blickpunkt auf die Situation und somit auch die Auswahl von Assesments. meistens ist die Orientierung an einer Theorie im Leitbild verankert...
    Dieses trägt zur Qualitätsentwicklung der Pflegepraxis bei.

    Unter die Pflegewisenschaft fallen aber auch grundsätzliche Aspekte der Pflegeforschung.
    Spannend sind hierbei 2 Fragen:

    a) Wie gelangt man an neues Wissen?
    b) Wie kann man Forschungsergebnisse anwenden?

    Bezogen auf meine erste Fragen spielen hier nun die "Spielregeln der Wissenschaft" zum Erwerb von neuen Erkenntnissen eine Rolle.
    Wer Wissen generiert, muss sich dabei an nachvollziehbare und einheitliche Spielregeln halten. Um also einer Fragestellung nachzugehen muss ein Wissenschftler sich erstmal überlegen, was er untersucht und wie er am besten dabei vorgeht.
    Ausgehend von der Art der Fragestellung kann man erstmal qualitative und qauntitative Forschung unterscheiden. Jede dieser Ausrichtungen hat nun nochmal recht spezielle Studiendesigns, welche man vielleicht am ehesten als "Fahrplan zum weiteren Vorgehen" umschreiben kann...
    Dieser Prozess muss - einem bestimmten Aufbau folgend- dokumentiert werden. Das Ergebniss sind dann die Studien, welche unter verschiednen Quellen zu finden sind.

    Damit nun diese Studien auch der Praxis zu gute kommen (denn für nichts anderes sind sie ja schließlich erstellt worden), benötigt man ein systematisches Vorgehen. Dieses bildet sich im Evidence based Nursing ab, bei welcher Praktiker ihre Entscheidungen nicht nur an den eigenen Erfahrungen oder Wünschen der Patienten, sondern auch anhand des aktuellen Stands der Forschung treffen sollen.

    Aktuelle Studiergebnisse finden aber auch im Bezug auf Expertenstandards als "verbindlcihe nationale Richtlinie" eine Anwedung.

    Neben diesem breiten Rahmen haben in den letzen 30 Jahren nun auch verschiedene Konzepte Einzug in die Pflege gehalten.
    Basierend auf wissenschftlichen Erkenntnissen wie z.B. der Neurologie, Pädagogik, Psychologie, verschiedenen Bewegungsschulen etc. sind die Konzepte Basale Stimulation, Kinaesthetics, Bobath etc. entwickelt worden. Es gibt (noch) nicht viele Studien, welche deren Wirksamkeit belegen...

    Dazu muss man allerdings fairerweise sagen, dass momentan vielleicht 5 % des Wissens in der Pflege als "erforscht und beweisen" gilt!
    Wir stecken noch in den Kinderschuhen ....

    Dieses soll jetzt erstmal einen kurzen und knappen Überblick darstellen.
     
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