Was ist das Aufgabenprofil (Krankenpfleger/In) auf Eurer Suchtstation?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von matteo, 07.06.2010.

  1. matteo

    matteo Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.11.2009
    Beiträge:
    88
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpfleger
    Ort:
    Berlin
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Hallo,

    mich würde interessieren was Euer Aufgabenprofil auf der Suchtstation ist? Gerne auch Erfahrungen aus ambulanten und stationären (offen oder geschlossen) Bereichen !
     
  2. schwester anna

    Registriert seit:
    10.06.2010
    Beiträge:
    8
    Zustimmungen:
    0
    Hallo,

    habe in der Ausbildung auf verschiedenen Suchtbereich gearbeitet ( sehr schöne Arbeit :-))

    Also zum einen war ich sehr lange unter anderem auch im Führungspraktikum auf der Station für qualifizierten Entzug von illegalen Drogen eingesetzt.

    Dort waren größtenteils Heroin abhängige Menschen, fast immer gekoppelt mit Benzo abhängigkeit.
    Wir hatten sowohl Patienten die das Heroin geraucht haben , als auch Patienten die spritzten.
    Einige waren auch dabei , die "nur" Kokain, THC etc abhängig waren.

    Der Frühdienst begann natürlich mit der Übergabe, dann wurden die Patienten geweckt und eine Pflegeperson oder Schüler oder Praktikant haben das Frühstück auf Station vorbereitet.
    Eine andere Pflegeperson hat die gestellten Medis der Nachtwache kontrolliert und das BTM gestellt.

    Die Patienten mussten bis spätestens 7.30 uhr alle am Tisch sitzen ( dort galt das Punktesystem um die Pat. an Pflichten und geregelte Tagesabläufe zu gewöhnen, ist sehr umstritten, aber dort war es eben so , dass wenn ein Pat. zu spät kam , sich nicht an Regeln hielt etc. gab es einen Punkt, bei 5 Punkten kam es zur disziplinarischen Entlassung).

    Beim Frühstück hat eine Pflegeperson teilgenommen.

    Danach gab es Med. und BTM Ausgabe.
    Und dann kamen versch. Therapien, Visite, Pflegevisite, Gesprächsführung, Motivation der Patienten.
    Weiterhin gehört die Begleitung der Patienten zu Therapien ausserhalb der Station dazu.
    Gemeinsame Spaziergänge in der Gruppe waren Pflicht. Meist geht das komplette Personal und alle Pat. mit ( 2 mal tgl. mindestens) es sei denn es geht jemandem so schlecht ( Entzugssymp. zb) dass er laut Arzt auf Station bleiben darf.
    Dann bleibt auch eine Pflegeperson natürlich dort.

    Klar gehört die Dokumentation zu den Aufgaben, die Dosisfindung beim Methadon und Polamidon, Aufnahme inkl. Körperlicher Aufnahme ( Pat. geht mit dir auf sein Zimmer, entkleidet sich und du schaust dann ob er Drogen , spitze Gegenstände etc dabei hat, Drogen werden natürlich entsorgt ( je nach Menge) und spitze und gefährliche Gegenstände werden weggeschlossen.
    Handy waren bei uns auch verboten, die Patienten durften eine Kontaktperson angeben , die bei Aufnahme auf die Telefonliste gesetzt wurde.
    Das Stationstele ist abgeschlossen , möchte ein Pat telefonieren, kommt er zu PP und dieses geht mit zum Telefon und schaut , dass auch die angegebene Nummer gewählt wird.

    Besuch dürfen die PAt. auf Station nicht empfangen, sollten Angehörige persönliche Dinge abgeben , dann kann der Pat kurz an die Tür kommen.

    Auch abgebene Dinge werden durchgeschaut, bevor der Pat. sie mit aufs zimmer nehmen kann.

    Zur aufgabe gehörte es auch die Warteliste zu führen, Pat. melden sich telefonisch an, werden auf die Warteliste gesetzt und müssen tgl. zwischen 8 und 20 uhr anrufen und sich melden, sonst werden sie von der Liste runter genommen.

    Das "einbestellen" der Pat. gehört auch zu PP Aufgaben. Also quasi Terminvergabe zur Aufnahme.

    Ich habe bestimmt noch ganz viel vergessen ;)
    Zimmer werden nachgeschaut, die Pat. müssen Ordnung halten, es wird darauf geachtet , dass Pat. ihren Aufgaben nachkommen zb Stations und Küchendienst.

    Natürlich gibt man auch Bedarfmed. aus usw usw... Gibt meist viel zu tun ;)


    Dann war ich noch auf der Akutaufnahme Station für Suchtpat.
    Dort wurde meist von Alkohol und seltener von Drogen entgiftet.

    Die Aufgaben ähneln, einige fallen jedoch weg , vor allem weil die aufnahme dort nicht immer freiwillig ist.
    Dort kommt es auch desöfteren zu Fixierungen bei fast immer intoxikierten Pat. die Erregungszustände bekommen, eine Gefahr für sich und/oder andere darstellen..........
    Vitalzeichenkontrolle auf beiden Stationen natürlich, wurde dort 2 mal in der Woche gemacht.
    Im akutbereich öfter, zb vor jeder Distragabe.

    Manchmal hast du auch körperliche Pflege dabei, je nachdem in welcher Verfassung der Pat ist.
    Delir haste ganz oft .... zb....

    So ich glaube das war erstmal genug ;))
     
  3. matteo

    matteo Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.11.2009
    Beiträge:
    88
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpfleger
    Ort:
    Berlin
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Hallo Schwester Anna, vielen Dank für die Mühe, die sehr ausführliche Antwort ! :-) Ich fragte weil ich mich neben Psychiatrien auch auf einer Suchtstation beworben habe. Nun jetzt scheint es so, dass ich bald - wie gewünscht - auf einer allgemein psychiatrischen Station gelandet bin. Es kann aber vorkommen, dass ich auf die benachbarte Suchstation für eine Schicht gehe um auszuhelfen.

    So wie du das schilderst hört sich es jedenfalls sehr interessant an, und erinnert mich fast schon an meinen Forensik-Einsatz während der Ausbildung, der mir u.a. sehr viel Spass gemacht hat.
     
  4. schwester anna

    Registriert seit:
    10.06.2010
    Beiträge:
    8
    Zustimmungen:
    0
    Das freut mich sehr :-)

    Es ist sehr interessant und auch sehr schöne Arbeit..


    Ein wenig "lockerer" als die Forensik wird es aber dennoch sein :-) und vor allem weniger "gefährlich.. Im qualifizierten sind sie ja eigentlich immer freiwillig da.. Es sei denn es wird vom Gericht auferlegt, wenn es zb ums Sorgerecht eines Kinder oder um die Inhaftierung geht, sollten sie keinen Entzug machen.. aber selbst dort habe ich bisher nur einmal erlebt , dass ein Pat. übergriffig wurde.
     
  5. matteo

    matteo Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.11.2009
    Beiträge:
    88
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpfleger
    Ort:
    Berlin
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Gut es ist eine geschlossene psychiatrische Station, aber selbst in den einen Einsatz in der Forensik gab es nur ein Zwischenfall, der dann aber schließlich ruhig, durch Deeskalation gelöst wurden konnte.

    Aber gut von deinen Erfahrungen zu hören. Nachdem mir die Stationen gezeigt wurden - Sie liegen praktisch alle aneinander aber durch geschlossene Türen getrennt - freue ich mich nun auf das "Kontrastreiche Programm" mit dem verschiedenen Patienten-Klientel :-)
     
  6. schwester anna

    Registriert seit:
    10.06.2010
    Beiträge:
    8
    Zustimmungen:
    0
    wünsche dir viel Spaß ;)

    Vom psychiatrischen, geschlossenen Akutbereich kann ich auch viel erzählen..

    lach :-)

    Hab auch dort einen Einsatz gehabt und mein Mann arbeitet seit 10 Jahren dort ..
    Also wenn irgendwann mal fragen aufkommen.. gerne
     
  7. matteo

    matteo Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.11.2009
    Beiträge:
    88
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpfleger
    Ort:
    Berlin
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Das ist gut zu wissen! Ich werde mich melden wenn Bedarf besteht :wavey:
     
  8. pflege-blog

    pflege-blog Newbie

    Registriert seit:
    05.07.2010
    Beiträge:
    6
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenpfleger
    Ort:
    Hückelhoven
    Akt. Einsatzbereich:
    ambulante Intensivpflege
    Funktion:
    Pflegeexperte für ausserklinische Beatmung
    Hallo mateo,
    das Aufgabenprofil auf der Suchtstation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der mehrere Jahre gearbeitet habe bestand darin:
    1. Tagesstrukturierung begleiten / durchsetzten (natürlich nur verbal)
    2. Deeskalierende Einzel- und Gruppengespräche führen
    3. Für ein sicheres soziales Umfeld sorgen und eine drogenfreien Raum gewährleisten
    4. Interdisziplinär mit dem zuständigen Therapeuten Familiengespräche führen
    5. Mileutherapeutische Arbeit vollziehen / für normale Unterhaltungsangebote sorgen
    6. Durchführung von Drogenscreening´s/ Begleitung von Aufnahmeuntersuchungen
    7. Krisenintervention (überwiegend verbal) bei Gewaltübergriffen oder ähnlichem
    und vieles vieles mehr...
    ach ja war ne schöne Zeit...kann man aber auch nur begrenzte zeitlang aus meiner Sicht machen so eine Stelle auf der Sucht...:wut:
    Gruß Dennis:lol:
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Aufgabenprofil (Krankenpfleger Eurer Forum Datum
Aufgabenprofil einer Praxisanleiterin Praxisanleiter und Mentoren 08.09.2006

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.