Was blockiert ein Beta-Blocker?

Dieses Thema im Forum "Pharmakologie" wurde erstellt von flexi, 24.01.2005.

  1. flexi

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    Was blockiert ein Beta-Blocker?

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    Bluthochdruck - Hypertonie, wie der Mediziner sagt - ist der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfall, Herzschwäche und Herzinfarkt. Derzeit leiden in Deutschland mehr als 25 Millionen Menschen unter Bluthochdruck.

    Nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Blutdruck-Werte von 140/90 mmHg als normal. Höhere Werte müssen behandelt werden. Dabei hängt die Behandlung von der Schwere des Hochdrucks wie auch von Alter des Betroffenen ab.

    Ein leichter Bluthochdruck muss beispielsweise nicht gleich mit Medikamenten behandelt werden. Oft reicht es aus, die Lebensweise zu ändern:



    • Normalgewicht anzustreben,
    • den Alkoholkonsum einzuschränken,
    • Kochsalz durch Gewürze und Kräuter zu ersetzen,
    • Rauchen einzustellen und
    • für mehr körperliche Bewegung zu sorgen.
    Schlüssel-Schloss-Prinzip

    Zur Behandlung von Bluthochdruck werden unter anderem so genannte Beta-Blocker eingesetzt, die den Herzschlag verlangsamen und dem Herzen so die Möglichkeit geben, sich zu erholen. Auch eine Abnahme der Herzgröße wurde beobachtet. Dadurch wird das Herz wieder leistungsfähiger. Es kann pro Herzschlag mehr Blut auswerfen.

    Ihre Bezeichnung leiten die Beta-Blocker von den Beta-Rezeptoren ab, die in den Muskelzellen verschiedener Organe sitzen und auf die Hormone Adrenalin, Noradrenalin oder Isoprenalin reagieren. Man kann sich diese Rezeptoren gut als "Andockstellen" für Hormone und andere "Botenstoffe" an den Zellen vorstellen.

    Sie funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip:

    Jeder Rezeptor ist ein Schloss, dass nur mit einem bestimmten "Schlüssel", also einem bestimmten Hormon, aufgeschlossen werden kann. Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die zum Beispiel bei Stress vermehrt im Körper zu finden sind, erhöhen den Herzschlag und den Blutdruck. Am Herzen wirken Beta-1-Rezeptoren, an denen Adrenalin und Noradrenalin gebunden werden. Dann wird die Herzfrequenz beschleunigt und gleichzeitig wird Menge des Blutes, die mit jedem Herzschlag ausgeworfen wird, erhöht.

    Gegen den Hochdruck: Blockieren!

    Betablocker belegen die Beta-Rezeptorenstellen am Herzen und verhindern so, dass Adrenalin und Noradrenalin wirksam werden können. Sie blockieren gewissermaßen die Andockstellen. Dadurch wird der Herzschlag gesenkt. Früher ging man davon aus, dass es bei einem schwachen Herzen sinnvoll ist, diese Wirkung nicht zu unterdrücken. Trotzdem wurden schon in den 60er Jahren Betablocker bei Patienten mit Herzschwäche angewandt.

    Studien haben aber inzwischen bewiesen, dass die Betablocker auch bei Patienten mit Herzschwäche zu einer Verbesserung der Krankheitssymptome und einer verbesserten Herzleistung führen. Der Erholungsfaktor für das Herz ist so groß, dass auch Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz davon profitieren.

    Die Therapie mit Betablockern

    Eine Behandlung mit Betablockern muss "einschleichend", also mit geringen Dosierungen, die nur langsam steigen, beginnen. Das Beschwerdebild kann sich auch anfänglich verschlechtern. Der therapeutische Erfolg einer Betablocker-Therapie setzt meistens erst nach drei Monaten ein. Betablocker dürfen deshalb nur bei Patienten verabreicht werden, die sich seit einiger Zeit in einem stabilen Zustand befinden.

    Nebenwirkungen sind möglich

    Betablocker dürfen bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, bei sehr langsamem Herzschlag, bei extrem niedrigem Blutdruck, Asthma und einigen anderen Erkrankungen nicht verabreicht werden. Zu den Nebenwirkungen gehören unter anderem:


    • allergische Hautreaktionen,
    • Müdigkeit, Schlafstörungen, verminderter Tränenfluss,
    • Verdauungsstörungen,
    • schwankende Blutzuckerwerte,
    • vermehrte Atemnot,
    • Potenzstörungen.
    Die Nebenwirkungen verschwinden in der Regel nach Absetzen des Präparates - bei vielen Patienten hilft auch der Wechsel zum Präparat eines anderen Herstellers. Daher sollten Patienten während einer Behandlung mit Betablockern in engem Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt stehen und ihm eventuelle Komplikationen direkt mitteilen.

    Bei Patienten, deren Bluthochdruck in erster Linie auf Stress beruht, könnte die Behandlung mit Betablockern jedoch dann problematisch werden, wenn der Stress nicht beseitigt wird. Weil diese Medikamentenklasse verstärkt zu Müdigkeit und Leistungsabfall führen kann, kann ein Teufelskreis "Stress-Hochdruck-Medikament-Leistungsabfall-höherer Stress-..." entstehen.

    Vor allem junge, dynamische Menschen laufen Gefahr, in diesen Kreislauf zu geraten. Die Gründe für den Hochdruck müssen deshalb vor Beginn der Behandlung abgeklärt und während der Behandlung permanent überprüft werden. Betablocker, die vielfach als Kombinationspräpate auf dem Markt sind, werden auch bei Schilddrüsenüberfunktion, Durchblutungsstörungen am Herzen, bei Leberzirrhosen mit Pfortaderhochdruck und Herzrhythmusstörungen eingesetzt.

    Susanne Köhler


    Quelle: www.gesundheit.de
     
  2. Baumi

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    Betablocker

    Hallo!
    Ich hab mal eine Frage zu den Betablockern.
    Wie lange sollte man die einnehmen? Auch wenn die Beschwerden aufgehört haben?
    Ich hab auch gehört, dass man die dann nicht einfach absetzen soll sondern ausschleichen läßt. Aber wie macht man das?
    Ich arbeite auf einer Inneren aber damit hatten wir noch nichts zu tun.

    Baumi
     
  3. flexi

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    Hallo Baumi,
    gute Infos zu deinen Fragen findest du hier:
    Medikation besser verstehen:
    Beta-Blocker - segensreich aber nicht unproblematisch
     
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