Warum wurde die Bülau-Drainage bei einem Hämatothorax abgeklemmt?

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Pf.Kay, 16.01.2013.

  1. Pf.Kay

    Pf.Kay Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    29.09.2010
    Beiträge:
    62
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenpfleger
    Ort:
    Dinslaken
    Akt. Einsatzbereich:
    außerklinische Intensivpflege
    Funktion:
    Wundexperte, stellvertretende PDL
    Hallo Leute. Habe gestern einen Pat. betreut bei dem re. anfänglich eine Pleurapunktion durchgeführt wurde. Es wurden ca 500ml abpunktiert. Ca 30min später verschlechterte sich respiratorisch der Pat. Die BGA zeigte einen rapiden O2 und HB Abfall. Arzt wurde info. Pat wurde darauf hin notfallmässig geröngt. Nachdem der Arzt das Bild gesehen hat, wurde eine Bülau Drainage gelegt. es liefen spontan 1600ml pures Blut ab. Darauf hin wurde eine Massentransfusion von sämtlichen Blutprodukten durchgeführt. Die Bülau Drainage wurde auf Arztanordnung abgeklemmt. Und das verstehe ich halt nicht so wirklich. Anscheinend wurde doch während der Pleurapunktion irgendetwas verletzt was stark blutet. Das muss doch abgeleitet werden da es sonst doch wieder zu einer respiratorischen Insuff. kommt. Oder? Der Pat wurde im übrigen auch Schutzintubiert. Danke für eure Antworten.
     
  2. matras

    matras Bereichsmoderator
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    12.04.2005
    Beiträge:
    2.329
    Zustimmungen:
    38
    Beruf:
    Hygienefachkraft, OP-Fachpfleger, Praxisanleiter (DBfK), BR
    Ort:
    Suedwest
    Akt. Einsatzbereich:
    Hygiene
    Funktion:
    HFK
    Das kann sehr viele unterschiedliche Ursachen oder Gründe haben. Da wir weder behandelnder Arzt sind, noch die weiteren Befunde kennen, würde jede Mutmaßung quasi kaffesatzlesen bedeuten.

    Daher und wie immer: keine Ferndiagnose!!!
     
  3. flexi

    flexi Administrator
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    11.02.2002
    Beiträge:
    7.782
    Zustimmungen:
    46
    Beruf:
    Krankenpfleger
    Ort:
    Großraum Hannover
    Hallo Matras,
    ich glaube, das kay hier keine Diagnosen haben möchte, sondern hier eine Funktionalität nicht verstehen kann. Vielleicht gibts ja hier Intensivler mit ähnlichen Erfahrungen.
     
  4. matras

    matras Bereichsmoderator
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    12.04.2005
    Beiträge:
    2.329
    Zustimmungen:
    38
    Beruf:
    Hygienefachkraft, OP-Fachpfleger, Praxisanleiter (DBfK), BR
    Ort:
    Suedwest
    Akt. Einsatzbereich:
    Hygiene
    Funktion:
    HFK
    Schon klar, aber den beschriebenen Massnahme können verschiedene Ursachen (Diagnosen) zugrunde liegen. Wie soll man das ohne weitergehende klinische Angaben einordnen. So kann der hohe Blutverlust zu der Massnahme "Thoraxdrainage" geführt habe und das Abklemmen "nur" zu langsameren entleeren des Haematothorax benutzt worden sein, dann wäre der Blutverlust nicht durch die Bülau usw ...
    und hier befinden wir uns schon mitten in Spekulationen.
     
  5. Toolkit

    Toolkit Poweruser

    Registriert seit:
    11.07.2008
    Beiträge:
    792
    Zustimmungen:
    35
    Beruf:
    Atmungstherapeut (DGP), GuKp, Wundexperte (ICW)
    Ort:
    Essen
    Akt. Einsatzbereich:
    Herz-Thorax-Chirurgie
    Hiho,

    mir würden da zwei Spekulationen einfallen:

    1. Flüssigkeitsräume, die entlastet werden, neigen dazu, erneut Flüssigkeit anzuziehen. Wobei das eine eher schwache Begründung wäre einen Hämatothorax abzuklemmen, da offensichtlich ein komplettes Gefäß angerissen wurde.

    2. "Massentransfusion von sämtlichen Blutprodukten" -> Dann habt ihr sicherlich auch fleißig PPSB/Fibrinogen/etc gegeben, oder? Fließendes Blut koaguliert nicht so schnell wie stehendes. Eventuell wurde durch die Optimierung der Gerinnung das offenbar durch die Punktion gestochene Gefäß zuthrombosiert.

    Ich frage gleich mal den Arzt bei der Arbeit, was der dazu sagen würde.

    Zwei Fragen noch: Nachdem die Drainage abgeklemmt ist, was ist passiert? Immerhin hat der Patient zwei Pleurahöhlen und zwei Lungenhälften :-) War die Situation danach ""stabil"", also ohne Hb-Verlust und auch mit Sauerstoffgabe stabil? Wie geht es dem Patienten jetzt?

    Und wieso musste der Patient schutzintubiert werden? Konnte er nicht mehr husten oder schlucken?

    MfG
    Tom

    P.S.: Matras hat natürlich recht, alles nur Spekulationen, aber dadurch nimmt niemand Schaden und ein wenig "Fachsimpeln" ist doch toll.
     
  6. Marty

    Marty Poweruser

    Registriert seit:
    10.01.2010
    Beiträge:
    1.009
    Zustimmungen:
    12
    Beruf:
    krankenschwester und diplompsychologin
    Akt. Einsatzbereich:
    unavailable...
    Ja, ein wenig fachsimpeln ist cool.
    Vor ewiger Zeit habe ich damals als thoraxchirurgische Schwester gearbeitet. Wir haben einen Patienten nach Oberlappenresektion abgeholt und ihn auf Station gefahren und er war bereits wieder wach und guter Dinge. Nach Ankunft auf Station haben wir die Thoraxdrainage angeschlossen und als wenn man einen Wasserhahn öffnet, füllte sich das gesamte 2 Liter fassende Behältnis mit Blut. Selbst die sofortige Verbringung in den OP mit "Aufmachen noch auf dem Flur" konnte den Patienten retten, dessen Ligatur der Oberlappengefäße aufgegangen war, bzw. der Gefäßstumpf so brüchig war, das der Faden "durchgeschnitten" hat. Der Patient ist verblutet. Einer der Fälle, die ich nie vergessen werde.

    Wenn ich spekulieren sollte, würde ich toolkits Szenario Nummer 1 nehmen. Gefäß angestochen und durch die abgeklemmte Drainage hätte ich einen gewissen Kompressionseffekt. Aber das wäre in meinen Augen ein Notfallszenario, das eine OP oder chirurgische Gefäßversorgung nach sich ziehen müßte. Und im Rahmen dieses größeren Notfalles auch die Intubation.

    Wie ging es denn weiter?
     
  7. matras

    matras Bereichsmoderator
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    12.04.2005
    Beiträge:
    2.329
    Zustimmungen:
    38
    Beruf:
    Hygienefachkraft, OP-Fachpfleger, Praxisanleiter (DBfK), BR
    Ort:
    Suedwest
    Akt. Einsatzbereich:
    Hygiene
    Funktion:
    HFK
    Es kann eben auch sein, dass dem Arzt die Ableitung von 1600ml etwas zu rasch ging und er Probleme bei der Entfaltung des Parencyms sah und mit dem Abklemmen den Vorgang etwas verzögern wollte (dass das auch über die Sogregelung geht, ist manchem nicht so wirklich präsent)!
    Immerhin bestand der Häematothorax schon vor der Anlage der Thoraxdrainage, also möchte man die Punktion der Pleurahöhle als Ursache für die Blutung zunächst ausschließen!
     
  8. Toolkit

    Toolkit Poweruser

    Registriert seit:
    11.07.2008
    Beiträge:
    792
    Zustimmungen:
    35
    Beruf:
    Atmungstherapeut (DGP), GuKp, Wundexperte (ICW)
    Ort:
    Essen
    Akt. Einsatzbereich:
    Herz-Thorax-Chirurgie
    Servus,

    habe einen Thoraxchirurgen gefragt, was er von so einem Vorgehen halten würde.

    Die Gerinnung zu optimieren wäre natürlich wichtig, aber er würde nie die Thoraxdrainage abklemmen, da die Gefahr des "Stillen" Verbluten einfach zu groß ist. Drainieren, was zu drainieren ist, und wenn die Blutung so massiv und hämodynamisch relevant ist, dann ist sofort eine chirurgische Intervention nötig.

    2 Ärzte, 3 Meinungen, so ist das ;)
     
  9. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

    Registriert seit:
    20.06.2004
    Beiträge:
    1.303
    Zustimmungen:
    3
    Beruf:
    ex. KS, FKS A+ I, RbP, Studentin
    Ort:
    Bayern
    Akt. Einsatzbereich:
    7. Semester Pflegepädagogik
    Einen Hämatothorax abhängen....bzw. die Drainage abklemmen unmittelbar nach Anlage : Soetwas erlebte ich in meiner umfangreichen Praxiserfahrung in der Kardiochirurgie noch nicht. Es erfordert immer einer chirurgischen Intervention. Vorab wird es meist auf Gerinnungsstörungen abgetan und es wird verzweifelt versucht dies in den Griff zu bekommen. Deswegen ist es so wichtig- eben nicht abzuklemmen. Nur mit einer offenen Drainage bekommt man überhaupt mit, was sich da tut. Ein abklemmen ist eher ein unlogisches Prozedere bei einem Hämothorax. Darüber hinaus ist eine Intubation durchaus indiziert. Allerdings darunter abzuklemmen finde ich ziemlich mutig.
     
  10. Manegger

    Manegger Stammgast

    Registriert seit:
    23.08.2002
    Beiträge:
    376
    Zustimmungen:
    1
    Beruf:
    Dipl. Pflegewirt
    Hallo,
    Egal ob bei einer Punktion oder beim Legen der Drainage ein Gefäß angestochen wurde: Abklemmen ist nicht logisch, wenn nicht kontraindiziert, da es zur Herzkompression und einer Verdrängung der anderen Lungenhälfte kommen kann.
    In so einem Fall wäre die einzig richtige Entscheidung eine sofortige Op mit Ziel die Blutung zu finden und zu stoppen.
    Gruß
     
  11. Pf.Kay

    Pf.Kay Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    29.09.2010
    Beiträge:
    62
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenpfleger
    Ort:
    Dinslaken
    Akt. Einsatzbereich:
    außerklinische Intensivpflege
    Funktion:
    Wundexperte, stellvertretende PDL
    Hallo Leute Für alle die es interessiert Pat wurde notfallmässig in die Thoraxchirugie verlegt und operiert. Bei der Pleurapkt wurde wohl ein riesiges Hämatom angestochen was sich dann entleerte. Danke für eure Antworten. Hat mir sehr weitergeholfen.
     
  12. Marty

    Marty Poweruser

    Registriert seit:
    10.01.2010
    Beiträge:
    1.009
    Zustimmungen:
    12
    Beruf:
    krankenschwester und diplompsychologin
    Akt. Einsatzbereich:
    unavailable...
    Moin,
    schön, das du es noch aufgelöst hast.
    Gruß, Marty
     
  13. Blinki

    Blinki Stammgast

    Registriert seit:
    26.06.2011
    Beiträge:
    254
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Rettungsassistent, ATAzubi
    Akt. Einsatzbereich:
    Anästhesie
    Das erklärt aber nicht warum die Drainage abgeklemmt wurde.
    Und eigentlich auch nicht warum der Patient nach der Punktion so dekompensierte.
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Warum wurde Bülau Forum Datum
Kein Metamizol bei Leukämie - Warum? Pflegebereich Innere Medizin 24.11.2016
Warum dieser Beruf, diese Ausbildung? Ausbildungsinhalte 09.03.2016
Warum ist Altersforschung wichtig? Gesellschaftliche Fragen zur Altenpflege 15.07.2015
Warum Psychiatrie? Welche Kompetenzen müssen vorhanden sein? Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik 13.03.2015
Warum muss BGA luftleer sein? Pflegebereich Innere Medizin 09.12.2014

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.