Warum scheitert die Umsetzung von QM-Systemen nachhaltig?

Dieses Thema im Forum "Pflegestandards und Qualitätsmanagement" wurde erstellt von sonnigeswesen, 10.01.2010.

  1. sonnigeswesen

    sonnigeswesen Newbie

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    Hallo zusammen,

    ich studiere gerade den MBA Generell Management und arbeite in einem ambulanten Pflegedienst und leite dort das Qualitätsmanagement.

    Derzeit beschäftige ich mich mit der Abschlussarbeit.

    Ich habe das Ziel Kriterien zu ermitteln, warum die nachhaltige Umsetzung von Qualitätsmanagement-Systemen in ambulanten Pflegediensten sehr schwer ist und oft zu scheitern droht.

    Auf viele Erfahrungswerte und Diskussionen würde ich mich sehr freuen.

    Vielen Dank im vorraus
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Diskrepanz
    1. Qualitäts"ideale" - Zeitressourcen
    2. "eindimensionaler (Drehbuch-)Standard - facettenreicher Mensch
    3. Wissen Standardersteller - Wissen Standardnutzer
    Standardisierung von einfachsten Routinetätigkeiten erzeugen einen Wald an Arbeitsanweisungen, den keiner mehr liest- geschweige denn ernst nimmt
    Unzureichende Einführung topdown
    ...

    Trifft übrigens in der gesamten Pflegelandschaft zu.

    Elisabeth
     
  3. sonnigeswesen

    sonnigeswesen Newbie

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    Hallo Elisabeth,

    vielen Dank erstmal!

    Könntest du bitte insbes. Punkt 2) und 3) näher ausführen damit ich weiss was du damit meinst.

    Danke
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    zu 2. Ein Standard ist in seiner Vorgabe bindend. Sinnvoll sind Standards wie die Regelung der Notfallkette (wer wird wann wie info). Für alle pflegerischen (grund- und Behandlungspfelge) braucht es Leitlinien. Das setzt aber voraus, dass die MA entsprechend geschult sind.
    Drehbuchstandards suggerieren eine Qualitätserhöhung und Sicherheit für den Pat, den man niocht garantieren kann... weil der Mensch nun mal nicht quadratisch ist sondern ebend facettenreich.
    Beispiel für einen falschen Standard: 2 stdl. Lagerungswechsel. Die Indivdualität des Pat. wird völlig ausgeblendet. 2 Stunden können reichen, aber auch zu kurz oder zu lang sein. Es gibt für diese Aussage keine beweisende Studie.
    Beispiel für den unsinnigen Einsatz einer Sturzrisikoskala: es gibt keine einzige validierte Skala. Die MA führen also eine Beschäftigungstherapie durch. Es wird Papier geschaffen, das, außer den MDK, niemanden interessiert. Und selbst der MDK kann einen ausgefüllten Bogen nicht kritisieren, weil es um subjektive Parameter geht und nicht um meßbare. Pikant in diesem Zusammenhang: die Sturzrisikoskala nach Huhn wirde vom Aitor selbst zurück gezogen.

    zu 3. Wer einen hauseigenen Standard erstellt, beschäftigt (sollte sich beschäftigen) intensiv mit der Materie. Er erwirbt ein größeres Hintergrundswissen welches er mit seinem Erfahrungsschatz verknüpft. Auf dieser Basis entstehen hauseigene Standards mit unterschiedlichem Niveau. Bei der Vermittlung der Inhalte ist es oft schwer, den Standort bezüglich des Fachwissens bei den Kollegen ausreichend zu beachten. Praktische Anleitungen müssten einer theoretischen Anleitung folgen. Dies ist aus Zeitgründen nicht möglich.

    Mein Fazit: das die Expertenstandards nur umgesetzt werden können, wenn hauseigene Übersetzungen erfolgen, zeigt dich schon, dass ein Qualitätsmanagement auf mehr asl tönernen Füßen steht. Bereits in der Grundausbildung wird das eigenständige Denken, Erfassen von kausalen Zusammenhängen zurückgestellt gegenüber dem Arbeiten nach stringenten Vorgaben (Drehbuchstandard und Kreuzchenskala). Auf dieser Basis können keine hehren Ziele des Qualitätsmanagements durchgesetzt werden. Die Nachschulung verbräuchte vielzuviel Zeit und ist damit unökonomisch.

    Derzeit scheint das Erfahrtungswissen und die Intuition die Maßgabe für das pflegerische Handeln zu sein. Und ich würde mal frech behaupten: in der einfachen Grundpflege reicht das auch völlig aus. Man braucht nicht für jeden Handschlag ein Rezept.

    Elisabeth
     
  5. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Was ich bei meinem noch Arbeitgeber öfter erlebe, ist, dass viele zwar immer schön brav einschreiben Pneumonieproph lt. Standard oder Körperpflege lt. Standard und auch Pflegeplanungen so geschrieben werden weils natürlich Zeit und Platz sparend ist (was ja theorethisch auch gut ist), aber keiner kennt die Standards wirklich, obwohl jeder einen Ordner mit allen hat. Ich kenne viele aber auch nicht alle, obwohl ich viel selbst mit er- bzw. überarbeitet habe - wir haben 30 verschiedene, wer soll die alle kennen? Aber das ist nicht mal das eigentliche Problem, oft scheitert es schon an den einfachsten Dingen. Pneumonieprophylaxe: wenn ich dann frage, was hast du bei Pat. A denn für eine Pneuproph gemacht? Antwort: Einreibung mit Franzbranntwein! Oder noch schlimmer. Dekbitusprophylaxe: Was hast du da bitte als Dek.proph gemacht? Antwort: Gesäß mit Penatencreme behandelt! :motzen:
    Wie soll man vernünftig Pflegestandards umsetzen, wenn es am nötigen Know how fehlt. Bei ungelernten Pflegekräften kann man das nicht verübeln woher sollen sie es wissen (das ist auch so ein Problem), aber wenn mir eine GuK oder eine AP sowas sagt, dann weiß ich nicht so recht was ich sagen soll.
     
  6. mutters-kind

    mutters-kind Poweruser

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    Meiner Meinung nach ist es so,dass viele Standards den Pflegenden das einenständige,kreative Denken absprechen.Ich kann und WILL meine Pflege nicht standarisiert abhandeln,sondern individuell und patientenorientiert gestalten...wobei das Wohl(ergehen)des Patienten an erster Stelle steht.Es muss genug Raum bleiben für eigene Ideen,die vielleicht auch mal etwas unüblichen sind,aber,wenn sie dem Wohl des Patienten dienen,legitim sind und Akzeptanz finden sollten.
    Es soll nicht heissen,dass Standards nicht auch sinnvoll sind (OP-Vorbereitung,Vorbereitung zu Untersuchengen,Gestaltung des Notfallkoffers u.ä.)Bei anderen Dingen halte ich Leitfäden für sinnvoller,in denen die Individualität des Patienten noch genügend Platz hat.
    In dem Haus,in dem ich letztlich gearbeitet habe,gab es einen Standard der hiess "Patient hat keine saubere Wäsche"...Ziel des Ganzen:Patient hat saubere Wäsche:eek1:...zum einen frage ich mich,in Zeiten des knappen Personals und der hohen Personalkosten,wie es sein kann,dass Leute dafür bezahlt werden,sich solch einen Unsinn auszudenken...und zum anderen frage ich mich,wann denn dann wieder die Topfzeiten eingeführt werden:cry:
    Was mir weiter aufgefallen ist:Teilweise werden Standards dermassen kompliziert formuliert,dass ich erst beim 2.,3. Lesen verstehen konnte,was gemeint sein könnte...:motzen:
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich denke, es scheitert wahrscheinlich schon vor der Entwicklung der Standards. Die sind letztendlich nur ein verzweifelter Versuch sich und den Wert der eigenen Arbeit zu demonstrieren.

    Es gibt die Möglichkeit die Qualität aus der Sicht des Kunden zu bewerten, wie es z.B. Grönroos tut. Er vergleicht die ursprüngliche Erwartung des Kunden mit der tatsächlich erhaltenen Leistung. Dabei unterteilt er die Qualitätsergebnisse nochmal in technische und funktionelle Aspekte. Ein technischer Aspekt wäre beispielsweise die Ausrüstung des Bereiches . Die funktionelle Komponente beinhaltet die Art und Weise, wie ich mit dem Pat. umgehe.
    Wir wissen nicht, was der Kunde will. In unserer Monopolstellung legen wir fest, was der Kunde zu wollen hat. Wir passen sozusagen die Wünsche des Kunden an unsere Bedingungen an. Hab ich zuwenig Personal und eine unzureichende Ausrüstung, dann hat der Kunde auch gefälligst wenig zu fordern. Diese Einstellung steht aber konträr zu den Berufsidealen.

    Du kannst den Dienstleistungsprozess als Qualitätskriterium bewerten. Meyer/Mattmüller verfolgen die Entwicklung der Qualität im Verlauf des
    gesamten Dienstleistungsprozesses. Sowohl die Pat.seite als auch die Seite der Pflegekraft wird beleuchtet nach ff. Kriterien: Ergebnis-, der Prozess- und den und den Potenzialqualitäten. Es wird nach "Was" und "Wie" gefragt.
    Und schon wieder stößt Pflege an ihre Grenzen. Was Pflege ist, ist nach wie vor nicht eindeutig definiert. Was Pflege machen soll/ will ebenfalls nicht. Der Kunde hat also keine konkrete Vorstellung von dem Dienstleistungspaket.

    Zu den Fähigkeiten unseres Managements verkneife ich mir jetzt mal eine tiefergehende Aussage. Stichwort: Changemanagement, Projektmanagement, topdown vs. button up

    Elisabeth
     
  8. jok5030

    jok5030 Gesperrt

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    Na großartig...wobei wir auch hier wieder beim Thema Pflegestudium und dessen praktischen Nutzen wären *gg* :zunge:
     
  9. enna

    enna Newbie

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    Hallo,
    in etwa 8 Jahren habe ich ein QM-System für einen ambulanten PD aufgebaut und im letzten Jahr eine von den 4 Abteilungen selbst kommissarisch geleitet. Ich wollte wissen, wie praktikabel ist das entwickelte System und wie ernst ist die Aussage wirklich zu nehmen, wenn leitende PFK "geht nicht" sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir die MDK-Anleitung große Dienste als Richtschnur und Arbeitshilfe erwies. Hätte es sie und die Überprüfungen nicht gegeben, wäre das gesamte Thema QM für den Geschäftsführer gar keines gewesen, denn für ihn zählte ausschließllich Wirtschaftlichkeit. Es lag also in meiner Hand, den Beweis zu erbringen, dass Qualitätsarbeit wirtschaftlich zu leisten ist. Das Ergebnis nach einem Jahr:
    -Krankheitstage erheblich reduziert
    -Überstunden konstant gehalten (auch schon ein Erfolg!)
    -zwei neue PFK nach Konzept eingearbeitet
    -Durchführung von 99 Pflegevisiten
    -regelmäßige Dienstbesprechungen und Fallbesprechungen durchgeführt
    -kontinuierliche Anwendung des QM-HB
    -Pflegehelfer keine SGB V-Leistungen erbringen lassen
    -Ergebnis nach Wirtschaftlichkeitsanalyse +65000,- €
    Die Zahlen wurden wiederholt überprüft, mit dem gleichen Ergebnis.

    Was also war hier anders gelaufen, als sonst?
    1. eine Leitung, die sich ihrer Verantwortung bewusst war
    2. qualitätsorientierte Arbeit nach dem Prinizip: weniger ist mehr - überschaubar muss es sein
    3. ein aktueller Wissensstand, alle lernen ständig dazu
    4. den Mut haben, nein zu sagen, wenn es nicht zu verantworten ist

    Ein Perspektivwechsel zur Sicht der Mitarbeiter kann sicher nicht schaden. Ein Fremdbild über ihre Leitung erstellt, zeigt ihnen, sie werden ernst genommen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Das erfordert viel Mut der Leitung, denn hier wird sie beurteilt und es wird sich zeigen, wie kollegial und fair sie bis dahin mit den Mitarbeitern umging.

    Dieses Jahr als leitende PFK hat mich sehr viel Kraft gekostet, aber die Freude über das Gelingen und die Erfahrungen waren es wert. Ich fühlte mich so manches Mal allein, unverstanden, wütend, traurig,... . Das lag vermutlich daran, dass sich die Geschäftsführung herzlich wenig für die Belange der Mitarbeiter interessierte. Alles sollte möglichst rentabel sein und unproblematisch funktionieren.

    Meine leitenden Kolleginnen habe ich in vielen Jahren leidenschaftslos, unorganisiert, kritikunfähig, berechnend, intrigant, aggressiv und auch verantwortungslos erlebt. Vielleicht wird man ja so, wenn man das einige Jahre macht.
     
  10. Robby

    Robby Senior-Mitglied

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    Mich haben sieben Jahre als leitende Pflegefachkraft (ambulant) ausgesaugt, die Ergebnisse waren deckungsgleich mit deinen, hinzu kam vielleicht noch das wir so gut wie keine Fluktuation hatten. Vor kurzem traf ich mal eine Pflegefachkraft beim einkaufen, sie meinte seit ich weg bin haben 4 Vollzeitkreafte innerhalb eines halben Jahres gekuendigt,Chaos bei der Tourenplanung, keiner fuehlt sich fuer irgendwas zustaendig,fuers Qualiteatsmanagment wird sich nur halbherzig gekuemmert,die neue PDL waere so jung und total ueberfordert und und und. Irgendwie hat es mich etwas enttauescht, das man jahrelang mit vollem Einsatz mit etwas aufgebaut hat und innerhalb weniger Monate ( die reichen) dann solche chaotischen Zusteande herrschen. Anstatt man alles nahtlos so weitergefuehrt haette, als ich die Firma verliess,hat man gerade das Gegenteil gemacht. Fuer das habe ich mir jahrelang den A.... aufgerissen. Ich denke am teilweise fehlendem Einsatz, an der Beharrlichkeit etwas positives fortzufuehren darum scheitert die kontinuierliche Umsetzung des Qualitaetsmanagment . Ein anderer Grund faellt mir im Moment nicht ein. Oder wisst Ihr noch einen ?
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Stellt sich für mich die Frage: was definieren wir als Qualität und wie ist diese meßbar? Gehte s bei dem Blickwinkel um den Pat. oder um die Pflegekraft.

    Die beschriebenen Beispiele siedle ich nicht im Bereich Qualitätsmanagement an sondenr gehören meiner Meinung nach zum Managmenet. Man könnte auch sagen: es wird die Qualität des Führungsmanagements sichtbar. *grübel* Scheint dann mit Qualität etwas zu tun zu haben. *g*

    Elisabeth

    PS @ Robby- ich wünsche dir eine schnelle und vollkommene Genesung.
     
  12. enna

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    Ich denke, es handelt sich viel zu oft um ein Lippenbekenntnis, wenn die oberste Leitung
    "sich der Verantwortung für das Qualitätsmanagement bewusst ist".

    Ich bin davon überzeugt, dass der Geschäftsführer, der mal mein Vorgesetzter war, das gesamte QM auf den Mond schießen würde, wenn er könnte. Denn mit all den zwischenmenschlichen und fachlichen Dingen will er nicht wirklich etwas zu tun haben. Was ihn interessiert, sind Zahlen, Gewinn und Sparmaßnahmen. Diese Ignoranz bezüglich Menschen und Fachlichkeit wirkt sich jedoch aus. Auch die geringe Wertschätzung kommt bei den Mitarbeitern an. Sie nehmen diese Geringschätzung wahr und fragen sich, wieso soll ich mich groß bemühen, wenn's der Dienst nach Vorschrift auch tut und Anerkennung in dieser Einrichtung sowieso ein Fremdwort ist.
    Wenn dann die ltd. PFK grundsätzlich keine adäquate Unterstützung erhält, dem ständigen Druck von oben (Gewinn erwirtschaften) und den Forderungen von allen anderen Seiten nicht auf lange Dauer stand halten kann, dann ist auch für sie irgendwann der Weg des geringsten Wiederstandes die Lösung. Genau das ist der Punkt, wo Qualität zum Scheitern verurteilt ist, weil die Grundhaltung und der Pflegeanspruch aller in der Pflege beteiligten ständig mit Wirtschaftlichkeit boykottiert, bzw. in Frage gestellt wird, und Sparmaßnahmen nicht greifen, weil sie wesentliche Ursachen außer Acht lassen.
    Die Menschlichkeit in einem Dienstleistungsbereich wie der Pflege fängt bei den Mitarbeitern an. Den Umgang, den sie erfahren, geben sie weiter.
     
  13. Robby

    Robby Senior-Mitglied

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    Das ist ja das paradoxe, ohne ein gut funktionierendes Qualitetsmanagmentsystem wird auf Dauer kein Gewinn erwirtschaftet werden koennen. Wenn Ihn wirklich Zahlen, Gewinn und Sparmaßnahmen interessieren wuerden ,dann muesste er als Geschaeftsfuehrer doch wissen, das es ohne ein gutes QS System nicht funktioniert.( Zumindest nicht langfristig). Das sind keine Geschaeftsfuehrer fuer mich, das sind Hassadeure. Nach dem Motto ich lebe heute und nicht morgen. Kenn ich alles.
     
  14. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Zeiten von Mutter Oberin sind vorbei. Einen guten manger zeichnet auch aus, dass er auf die Zahlen schaut...um seinen MA die Arbeitspaltzsicherheit un den Lohn zu garantieren.
    Warum ein guter manger auch gleichzeitig eine Top-Pfelgekraft sein muss, wird sich mir nie erschließen. Für mcih ist das ein Widerspruch in sich: entweder-oder.

    Da sehe ich eher die Führungsinkompetenz. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: die mangelnde Führungsqualität.

    Ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Ich ergänze: Gib einem Menschen macht und du erkennst den wahren Charakter. Leider ist es dann schon zu spät. Denn wie sagte einer unserer Docs immer: höher loben kann amn sie leider nicht um auf diese Weise die Schädigung des Personalengagegemnts zu unterbinden.

    Stellt sich die Frage: wie kann es sein, dass in der Pflege soviele als Manager aufsteigen, denen jegliche Führungskompetenz fehlt.
    These: Der Ausweg Management-Studium wird gesucht, wenn man am Bett ausgebrannt ist. Beim Ausbrennen geht die Fähigkeit zur Empathie verloren. Und diese Fähigkeit wird im Studium weiter reduziert, so dass am Ende Leuts rauskommen, die glauben, dass man sich selber nur schützen kann, wenn man möglichst hart ist.
    Ein besonderes Studiumsergebnis- oder ist es schon vorher da?- scheint zu sein, dass Führungsmensch davon ausgeht, dass es ja klappen würde, wenn die MA mitmachen würden. Und MA scheinen in den Augen unserer Manager per se erst mal faul zu sein. Und gegen diese Faulheit muss man vorgehen...per Dienstanordnung. Denn etwas vorleben kann der burnout-geschädigte untherapierte Mensch nicht.

    Elisabeth
     
  15. enna

    enna Newbie

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    Ein Geschäftsführer braucht tatsächlich keine Pflegefachkompetenz, um seinen spezifischen Aufgaben nachzugehen, aber er braucht ein Mindestmaß an Achtung für alle Beteiligten.
    Für mich stellt sich die Frage, wo und wie ich Einfluss nehmen kann, dass ich meine Arbeit mit einem gewissen Maß an Sinnhaftigkeit verrichten und meinem Qualitätsanspruch nachkommen kann.
    Natürlich sind Richtlinien und Standards hilfreich, um ein Qualitätsniveau fest zu legen. Doch warum wehrt man sich so gegen eine einheitlichere Form und die konsequente Umsetzung?
    Pflegefachkräfte haben im Lauf der Jahre viele Erfahrungen gesammelt und sind von ihrer Arbeit überzeugt, jeder für sich. Im Grunde wünschen wir uns doch alle, unseren großen Erfahrungsschatz einbringen zu können.
    Viele reagieren mit Boykott, wenn ihnen nach jahrelangem Wildwuchs verbindliche Verfahrensanweisungen übergestülpt werden.
    Der gesteuerte Fachaustausch (z.B. QZ, AG ), bei denen sich die Beteiligten einbringen und argumentieren können, findet oft nur halbherzig, wenn überhaupt, statt. Vielleicht darin begründet, dass Besprechungen entweder sehr formal abgehalten werden oder sich im Detail verlieren - beides ist nicht zielführend.
    Mitarbeiter bei Veränderungen einbeziehen ist so leicht dahingesagt. Ich kann mich an keine Weiterbildung erinnern, die das Handwerkszeug vermittelt hat und ich bezweifle, dass das bei Studiengängen ein tiefgreifendes Thema ist. Hat es doch neben der Methodenkompetenz und dem Hintergrundwissen auch viel mit der Persönlichkeit einer Leitung zu tun.
     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Irrtum. Du kannst nicht per Richtlinien und Standards das Niveau heben. Wenn du dir die Expertenstandards ansiehst, dann erkennst du das Problem der Drehbuchstandards. Beispiel: S1 -verfügt über aktuelles Wissen zur Dekubitusentstehung sowie Einschätzungskompetenz des Dekubitusrisikos.
    Es wird hier weder eine konkrete Vorgabe gemacht, noch eine Checkliste benannt. Es wird verlangt, dass Fachkraft über aktuelles Wissen verfügt. Ist dies nicht vorhanden kannst du auch nicht sichern, dass deine Richtlinie individuell angepasst wird. Ein Standard muss eh 1:1 umgesetzt werden und lässt keinerlei Adaptierung an inviduelle Gegebneheiten zu.


    Erfahrungen sidn erst mal nicht schlecht... aber nur wenn sie mit aktuellen Wissen abgeglichen werden. Da harperts leider dran. Der liebst satz vieler Pflegekräfte- kann man auch schön hier im Forum nachvollziehen- ist: das war so, das sit so und das wird immer so sein. In der Kurzform: das haben wir aber so gelernt.

    Gehöre ich auf jeden fall dazu, weil Drehbuchstandards mich massiv einschränken. Mich interssiert das Wissen, welches hinter der Anordnung steckt. Und da stehen dann viele da mit: das ist eine Diesntanordnung.

    QZ und AGs sind nicht selten durch dei Elite besetzte und die dort erarbeiteten Ergebnisse können an der Basis nicht greifen weil letzterer das Fachwissen fehlt. Wem nutzt da eine AG- doch eigentliczh nur der Elite, die endlich im kleinen Kreis mal eine Aufwertung ihres Fachwissens erfährt.

    Rezepte gibt es nicht in der Pflege. Man muss sich in die Lage versetzen, selbst kausale Zusammenhänge zu erkennen. Siehe hierzu auch P.Benner "Stufen zur Pflegekompetenz" und Changemanegement .

    Elisabeth
     
  17. DerStudent

    DerStudent Stammgast

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    Es gibt für Krankenhäuser aktuell einige QM - Systeme.
    Allen gemein ist, dass dabei die Miteinbeziehung aller Mitarbeiter und die Transparenz des Systems grundlegend sind.
    Ebenfalls allen gemein ist, dass es zur Umsetzung erstmal Ressourcen und Zeit braucht...mithin zuerst Geld kostet. Das lässt sich weder "nebenzu" von einer PDL erledigen, noch ohne zumindest organisatorischen (und egtl. auch personellen) Mehraufwand.
    Das Bewusstsein für ein nachhaltiges QM muss bei der Geschäftsführung da sein - sonst kann man es egtl. gleich vergessen.

    Vom Ansatz her sind die Systeme verschieden. Entweder mehr auf Ergebnisse orientiert (z.B. das sog. EFQM European Foundation for Quality Management ? Wikipedia) oder eher auf Prozesse ( DIn EN ISO 9000 Qualitätsmanagementnorm ? Wikipedia). Daneben noch das KTQ ( KTQ ? PflegeWiki ), welches v.a. eine kritische Selbstbewertung beinhaltet.
    Soweit ich weiß, kann man sich nach allen Modellen zertifizieren lassen (so man denn die Anforderungen erfüllt) und damit dann auch werben.

    Über kurz oder lang wird kein KH mehr ohne ein derartiges Zertifikat auskommen können. Wie viel das dann letztendlich bringt, wird sich zeigen müssen...aber zumindest muss sich jedes KH mal "in die Karten" schauen lassen.

    DS
     
  18. adalbert

    adalbert Stammgast

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    LUSTIG :mryellow:
    Du spielst aber jetzt nicht mi dem Gedanken zu studieren, oder? :wink1:

    Das Problem ist das es den Trägern, Geschäftsführern nur um dieses Zertifikat geht. Dieses ist aber eigentlich nix wert...

    Einen Wert hätte es erst wenn es MA und Patienten erkennen warum man in dem Haus von Qualität spricht. Für die MA ist wichtig das sie erkennen das die Optimierung von Prozessen ihre Arbeit erleichtert bzw. verbessert und für den Patienten ist es wichtig zu erkennen, das die Behandlung gut und sicher ist.
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Management liegt mir nicht. Ich bin kein Zahlenmensch. *g* Und ich glaube auch nicht, dass man eine Position braucht um was zu verändern. Ich stehe nicht so auf "Top down" sondern eher auf "Button up". Aber das hatten wir beide ja schon mal geklärt, gelle?

    Elisabeth
     
  20. enna

    enna Newbie

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    Irrtum. Du kannst nicht per Richtlinien und Standards das Niveau heben. -festlegen-, sicher nicht heben

    Wenn du dir die Expertenstandards ansiehst, dann erkennst du das Problem der Drehbuchstandards.
    Was ist ein Drehbuchstandard? Habe bei Pflegewiki keine Definition gefunden.

    Ein Standard muss eh 1:1 umgesetzt werden und lässt keinerlei Adaptierung an inviduelle Gegebneheiten zu.
    Falsch - Beispiel: Sturzprophylaxe E4, Umgebung ist dem i. Sturzrisiko angepasst - willst du in Eigenregie seine Wohnung umgestalten?


    QZ und AGs sind nicht selten durch dei Elite besetzte und die dort erarbeiteten Ergebnisse können an der Basis nicht greifen weil letzterer das Fachwissen fehlt. Wem nutzt da eine AG- doch eigentliczh nur der Elite, die endlich im kleinen Kreis mal eine Aufwertung ihres Fachwissens erfährt.
    Kann ich nicht bestätigen. Unsere AG/QZ waren besucht von Personal aus allen Bereichen, die das Thema in der Praxis betraf.
     
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