Warum kein Leitungswasser bei Mundpflege?

Dieses Thema im Forum "Hygiene im Krankenhaus / Infektionskrankheiten" wurde erstellt von linaninchen, 02.12.2010.

  1. linaninchen

    linaninchen Senior-Mitglied

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    Hallo, in unseren PS steht das man halt zur Mundpflege kein Leitungswasser benutzen darf.Warum??? ich hab auf Station gefragt aber das konnte mir keiner erklären und das Wasser ausm Hand ist doch normales Wasser oder nicht?
     
  2. Miss-Sunny

    Miss-Sunny Junior-Mitglied

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    Teilweise sind die Leitungen aber schon etwas älter und beinhalten Keime und Belastungen. Bei uns wird auch nur abgekochtes Wasser oder Trinkwasser benutzt.
     
  3. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Bei stark immungeschwächten Pat, OK.
    Aber bei "normal kranken" Pat?

    Leitungswasser, fertig!

    Machen wir zu Hause auch so.

    Und in Deutschland ist das Leitungswasser unter ständiger Kontrolle. In krankenhäusern gibt es ebenfalls Kontrollen. Das Wasser ist OK!
     
  4. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Leider ist dem nicht so. Durch die großen Leitungssysteme in Kliniken und oft zu geringe Entnahmen von Wasser aus dem System kann das Wasser verkeimen. In den Rohren entstehende Biofilme begünstigen die Vermehrung diverser Wasserkeime. Insbesondere Pseudomonaden, Acinetobacter und Legionellen sind hier zu nennen. Alle können Menschen mit akuten Krankheiten (und damit verbundener Immunschwächung) krank machen. Wird bei der Mundpflege "normales" Wasser eingesetzt, kann es zu Mikroaspiration kommen und damit z. B. eine schöne Legionellenpneumonie oder Pontiac-Fieber entstehen!
    Übrigens haben über die Hälfte der Kliniken eine mehr oder weniger starkes Problem mit Legionellen, wie auch andere Einrichtungen (Heime, Hotels, Turnhallen...) die ähnlich geartete Wassersysteme (die nur sporadisch genutzt werden) vorhalten müssen!
    Es soll zwar Wasseruntersuchungen durch die Betreiber geben, doch es wird nur gefunden nach was gesucht wird.

    Matras
     
  5. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    Was für ein Wasser wird den stattdessen genutzt? Und wer kommt für die Kosten auf?

    lg
     
  6. PePaMel

    PePaMel Gast

    Bei uns im Haus wird zur Mundpflege Mineralwasser oder Tee verwendet.

    Mel
     
  7. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    Und welches Wasser nehmt ihr für den Tee? Und ob Mineralwasser keimfreier ist als Leitungswasser wage ich auch mal zu bezweifeln.

    lg
     
  8. PePaMel

    PePaMel Gast

    Für den Tee gekochtes Leitungswasser. Und ich glaube schon das Mineralwasser im gegensatz zu ungekochtem Leitungswasser keimfrei ist, denn die von Matras beschriebenen Probleme mit Legionellen in den Leitungen halte ich für existent. Wir haben auch die Anweisung von der Haustechnik, Wasserhähne die selten genutzt werden, täglich 10 Minunten laufen zu lassen. Von dem her glaube ich das bei Endkontrollen an den Hähnen schon mal was gefunden wurde.

    Mel
     
  9. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    Und beim Abkochen wird auch drauf geachtet, dass das Wasser (nicht der Wasserkocher) auf mindestens 80° erhitzt wird?? Vorher überleben nämlich die Legionellen den Kochvorgang ohne Probleme.

    lg
     
  10. PePaMel

    PePaMel Gast

    Warum so spitz? Wenn ich Tee koche wird das Wasser natürlich bis es kocht erhitzt und dann der Tee ganz normal aufgegossen!

    Wie kochst Du Tee?

    Mel
     
  11. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Leider habe ich unsere Daten nicht im Kopf, aber ich hab vor nem halben jahr noch mit unserer Hygienefachkraft kurz darüber gesprochen. Aktueller Stand war: Stagnation vermeiden. WENN es eine Stagnation gab, also dieser Auslass länger nicht benutzt wurde, dann halt eben entsprechend "spülen".

    Dies ist bei uns nur in Einzelfällen der Fall (!) - und hier wird dafür auch kein Wasser genutzt.

    Und natürlich wird das Wasser getestet. In welchen Abständen und worauf vermag ich nicht zu sagen, bringe ich aber mal in Erfahrung.
     
  12. matras

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    Wasser kocht bei 100 °C bei N. N. nur in sehr großen Höhen kann Wasser auch mal bei z. B. 95 °C kochen (abhängig vom Luftdruck)!
    Legionellen überleben aber nur bis ca. 56 bei 30 min. oder 60 bis etwa 5 min..
    Mineralwasser ist meist frei von Mikroorganismen, wird aber nur stichprobenartig nach derAbfüllung geprüft. Was sich also danach entwickelt ist nicht mehr in der Verantworung des Herstellbetriebes. Werden die Flaschen z. B. im Sommer nicht sachgerechte gelagert oder transportiert können geringe Kontaminationen ausblühen. Das musste auch schon verschiedentlich so festgestellt werden.
    Daher nur frisches abgekühltes abgekochtes Wasser oder Tee verwenden das nicht älter als 24 h ist. Oder industriell konfektionierte Mundspüllösungen verwenden, die patientenbezogen eingesetzt werden.

    Matras
     
  13. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    So wie alle anderen auch. Aber ich behaupte halt nicht, dass das Wasser dadurch von allen möglichen Keimen gereinigt ist. Dann müsste man destiliertes Wasser nehmen (guten Apetit).

    Ich finde halt nur, das es größere Missstände gibt, als Leitungswasser zum Zähneputzen zu verwenden, und das es ein Irrglaube ist, man geht mit abkochen oder ausweichen auf Mineralwasser allen Keimen aus dem Weg.

    lg
     
  14. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Weder will noch kann Mensch allen Keimen aus dem Weg gehen: ".....betrachten wir den Menschen und seine natürliche Mikroflora rechnerisch, dann stellt sich heraus, dass der mikrobielle Anteil größer ist als der menschliche: So macht die Mikroflora des Menschen mit ca. 1 - 2,5 kg lebender Bakterien zwar nur einen Prozentsatz von etwa 1 - 3,5 % am Gesamtgewicht des Menschen aus, beim Vergleich der Zellzahlen menschlicher und bakterieller Zellen dominieren die Bakterien bereits mit 90%, aber bei der Anzahl der Gene schlagen die Bakterien den Menschen beispiellos mit einem Anteil von 99%, d. h. "genetisch" sind wir nur zu 1% menschlich.(Auzug aus: Hygiene Up2date; Editorial 4/2009)"!!!

    Es geht dach nicht darum normalen Patienten das Leitungswasser zum Zähneputzen zu verbieten.
    Es geht um den Schutz von Intensiv- oder anderen immuninkompetenten Patienten. Somit istdie zweite Variante meines letzten Beitrages die bessere Lösung -ok?!?

    Matras
     
  15. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    ok. Bei intensiv sehe ich das gerne ein. Aber bitte nicht verallgemeinern.

    lg
     
  16. PePaMel

    PePaMel Gast

    Hätte vielleicht dazu schreiben sollen, dass ich auch auf Intensiv arbeite und es natürlich auch von der Sicht betrachte.

    Ich rede nicht von Sozialstation Patienten und von normalem Zähneputzen.

    Mel
     
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