Warum haben Pflegekräfte Angst zu streiken?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von MTMIKEMT, 06.06.2013.

  1. MTMIKEMT

    MTMIKEMT Newbie

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    Hallo erstmal,

    also ich bin Auszubildener zum Gesundheits und Krankenpfleger im 2ten Ausbildungsjahr. Mir macht der Beruf sehr viel Spaß, dennoch frage ich mich warum Pflegekräfte sich nicht trauen auf die Straße zu gehen um ihre Rechte einzufordern.

    Ich persönlich bin der meinung das wir Pflegekräfte eine Schwere last auf uns genommen haben, ja sicher haben wir das Freiwillig gemacht was mich nur stört immer meckern die Schwestern auf der station wie schlecht es ihnen im Beruf geht z.B
    - Keine Anerkennung
    - Schlechtes Bild in der Gesellschaft über Pflegekräfte (Arschwischer, Urinkellner usw.)
    - Schlechte zusammenarbeit mit den Ärzten
    - usw.

    Ja sie haben alle Recht es ist ja wirklich so aber keiner Traut sich den Mund auf zu machen, dann kommen so ausreden wie Pflegekräfte dürfen nicht Streiken.
    Aber das ist schwachsinn wir haben auch das Recht unsere Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, Ärzte Streiken schließlich auch was ihr gutes Recht ist aber was mich dann am meisten stört die Aussage von den Medien "Für die Medizinische Versorgung der Pat. ist gesorgt" ja und von wem ist die versorgung gesichert von den Schwestern, Pflegern, Schülern.

    Ich bin der meinung wir müssen mehr für unsere Rechte Kämpfen sonst seh ich und bestimmt auch viele andere Pflegekräfte schwarz für unseren Beruf. Dann werden wir durch billigere Kräfte aus dem Ausland ersetzt oder durch Hilfskräfte und das ist dann KEINE Professinelle Pflege mehr.

    Würde mich über Konstruktive äußerunen Freuen

    MTMIKEMT
     
  2. -Ben-

    -Ben- Stammgast

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    Warum sollten Pflegekräfte nicht streiken dürfen? Tun sie gelegentlich doch auch - es ist eher ein Problem der Vernetzung und bei so mancher Pflegekraft der Hintergedanke, immer da sein zu müssen. Wenn Pflegekraft es schaffen würden, sich in einem Verband gescheit zu organisieren, wären häufigere Streiks garantiert.

    Viele Grüße
    Ben
     
  3. MTMIKEMT

    MTMIKEMT Newbie

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    Ja der hintergedanke ist sehr edel muss man sagen aber die Pflegekräfte müssen auch mal an sich denken weil so wird sich die Rate der Berufsunfähigen in der Pflege nie sinken. Oder Pflegekräfte werden nicht das erreichen was sie sich wünschen, wenn ich ehrlich bin klar bin ich auch der meinung das die versorgung der Patienten sichergestellt sein sollte aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten zu Streiken. Meine Schule ist ein verbund von 5 Krankenhäusern und ich sehe leider keinerlei anzeichen für Veränderung.
     
  4. tutut

    tutut Junior-Mitglied

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    In unserem Haus wurde schon ein paar mal gestreikt, und da ein wilder Streik ja nicht erlaubt ist, gab es immer eine Notvereinbarung mit der Gewerkschaft. Was dazu führt, alles läuft ein bißchen langsamer, aber es läuft. "Nur" Not-Ops im Op und am nächsten Tag ist wieder alles beim Alten.
    Irgendwie habe ich bei der Art von Streik, obwohl ich mitstreike, nicht das Gefühl, daß es soviel bringt...
    Zu Denken gibt mir auch, was wir heute als Normalbesetzung auf Station haben, war früher die "Notbesetzung" bei Streik.
    Schön ist immer das Unverständnis unserer Leitung: Sie haben es doch so gut, wie können sie nur streiken... Überlastungsanzeigen und ähnliches werden bei solchen Aussagen wohlweislich ignoriert.
     
  5. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Wenn mehrere OP-Sääle streiken oder die chirurgische Intensivstationen bei einer dreistelligen Anzahl von Patienten keine geplanten Interventionen machen und diese dafür teils einen Tag länger bleiben, dann kostet das schon ordentlich Geld. Da kann ein einzelner Streiktag mMn leicht in den sechsstelligen Bereich kommen. Streik bei Normalstationen wird wohl nicht soviel bringen.
     
  6. alesig

    alesig Poweruser

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    Hallo
    Angst zu streiken ? Hat in vielen Krankenhäusern auf Normalstationen kaum einen Sinn. Denn dort wird es wie bei uns sein. Die "Normalbesetzung" ist zur Zeit nicht recht viel mehr als wenn wir eine Streikbesetzung hätten. Die Patienten sind satt und meist auch sauber. Der Rest ist Schadensbegrenzung. Bei Nachfragen wird uns erklärt es seien alle Planstellen besetzt. Wenn ich alle Überstunden/Mehrarbeitsstunden zusammenrechne die mir die letzten 5 Jahre ausbezahlt worden sind, dann könnte ichhätte ich sie abfeiern können ein Jahr zu Hause bleiben dürfen. Meine Konsequenz, meine Bereitschaft zum Einspringen bei Krankheitsausfällen begrenzt sich auf ein Minimum. (Könnte ich eigentlich jede Woche) Mehr als 1 Tag im Monat ist nicht mehrt drin. Viele meiner Kolleginnen haben sich meiner Verweigerung angeschlossen. Das Ergebnis, es wird immer wieder mal eine Station dichtgemacht , Betten gesperrt, oder die PDL arbeitet mit.
    Alesig
     
  7. BettyBoo

    BettyBoo Poweruser

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    "Keine Anerkennung
    - Schlechtes Bild in der Gesellschaft über Pflegekräfte (Arschwischer, Urinkellner usw.)
    - Schlechte zusammenarbeit mit den Ärzten
    - usw."

    Ich weiß nicht genau, wo du das her hast, aber ich kann diese Vorurteile nicht bestätigen.
    Und ich habe viele viele Jahre Berufserfahrung.



     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Billigere Arbeitskräfte, steigene Fälle der EU-Rentner... na und? Da ist jeder selber gefragt, wieviel er mitmacht? Wer sich unter Wert verkauft und jederzeit dienstbereit ist braucht nicht streiken. Den AG kratzt es nicht, wenn man da mal einen Tag mit weniger Personal auskommen muss. Es hat keinerlei Auswirkungen auf die Einnahmen.

    Und da es genug gibt, die für wenig Geld arbeiten bis zum Umfallen bleibt es wie es ist. Btw.- nur die ganz dummen Ausländer werden im Moment nach D kommen. Wer sich was wert ist, wird in andere Länder gehen. Daran ändert auch der Versuch nix, die Einwanderung zu erleichtern.

    Btw.- wir können eigentlich nur hoffen, dass es doch noch welche gibt, die kommen. Denn es ist zu bezweifeln, dass ein Beruf der vom Altruismus lebt für die aktuelle und zukünftige Generationen als erstrebenswert gilt. Körperlich schwere Arbeit gilt generell nicht mehr als erstrebenswert.

    Elisabeth
     
  9. marthe

    marthe Newbie

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    Sie haben ganz klar Angst um ihren Job und damit um ihren sicheren Alltag! Lieber wenig Geld als gar keins so die Logik. Dies spielt jedocch nur den in die Hände die uns ausbeuten wollen...
     
  10. white horseman

    white horseman Poweruser

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    Die Pflegedienstleitungen können nicht viel machen. Leitung sein bedeutet nicht, sich in erster Linie für die Mitarbeiter oder den Pflegeberuf einzusetzen, sondern für die Erreichung der Ziele des Trägers zu sorgen. Da steht die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle. Eine PDL, die das nicht hinkriegt, ist entweder schnell ihren Job los, oder wird zumindest betriebsintern entmachtet, z. B. in dem sie keinen Stellenplan bekommt, sondern jede Einstellung oder Arbeitzeitänderung einzeln beantragen und begründen muss.

    Vielleicht gibt es Unterschiede, dass nicht jede PDL diplomatisch geschickt ist oder mit ihren Mitarbeitern gut kommuniziert, aber der Fehler liegt im System. Eine PDL, die anfängt, auf Üerlastungsanzeigen zu reagieren, wird damit erreichen, dass noch mehr Überlastungsanzegen kommen und damit ihrem Träger zeigen, dass sie die Probleme noch forciert. Die PDL, die Stationen schließen lässt, sägt am Ast der Personalbesetzung, womit sie eine Spirale nach unten auslöst. Auch dass wird vom Träger letztendlich als betriebsschädigend gewertet.

    Die Ärzte hingegen haben einen ganz anderen Status, weil sie in der Gesellschaft auf allen Ebenen gut vertreten sind (Gemeinsamer Bundesausschuss, FDP, Marburger Bund, Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigung, Wissenschaftliche Fachgesellschaften, Gutachter vor Gericht, ...). Wenn die einfach weniger Betten belegen, fürchten die Pflegekräfte bald, dass ihre Station womöglich geschlossen wird und sie dann keine Arbeit mehr haben. Die Ärzte freuen sich dann, wenn die Pflegenden vom AG verlangen, doch etwas zu unternehmen. Die Ärzte brauchen auf die wirtschaftlichen Folgen keine Rücksicht nehmen und das tun sie auch nicht. Sie nutzen sie für sich aus und kassieren satte Zuwächse in den Tarifen.

    Warum die Pflegenden nicht streiken? Weil sich der AG merkt, wer unbequem war. Unbequeme werden wohl kaum befördert und bekommen auch keine Sonder-Zulagen oder eine Leistungsprämie. Wenn sie sich versetzen lassen wollen oder die Arbeitszeit reduzieren wollen oder eine Fortbildungsreise beantragen, wird man ihnen das weniger leicht machen, als denen, die nicht negativ aufgefallen sind. Die Pflege ist ganz leicht unter Druck zu setzen.

    Und warum ist das in der Pflege so? Weil die Pflege sich gesellschaftlich noch nicht ihren politischen Status erarbeitet hat. Streiken alleine ist ein zahnloser Tiger. Wenn wir das nicht kombinieren mit politischem Einfluss, wird man uns weiterhin herumschupsen können, wie es gerade für die Politik und die AG bequem ist.

    Und wenn dann eine Gewerkschaft wie verdi nicht's mehr fürchtet, als dass die Pflege neben der Gewerkschaft noch andere Organisationen nutzen will, um ihre Lobby gründlich zu stärken - z. B. durch eine Pflegekammer - und außerdem noch schlechte Tarife unteschreibt, die für die Pflege gerade mal einen Inflationsausgleich bringen (0-Wachstum), während die mächtigen Ärzte satte Zuwächse einstreichen (die in der Pflege eingespart wurden!!), was soll die Pflegenden dann noch bewegen, zu streiken? Wenn man immer wieder feststellt, dass nur die anderen profitieren, fragt man sich doch irgendwann, für wen man eigentlich auf die Straße geht.

    Wenn wir etwas bewirken wollen, müssen wir alle Register ziehen: Berufsverbände stärken, Pflegekammern erkämpfen, sich an den Aktionen des Deutschen Pfegerates beteiligen und der verdi-Spitze den Kopf waschen, dass sie 1. keine schlechten Tarife unterschreiben soll und 2. dass sie das Bestreben des pflegerischen Berufsverbandes nach Pflegekammern unterstützen soll, statt mit aller Macht zu versuchen, diese zusätzliche Lobby für die Pflege zu verhindern.

    Wir werden den Streikwillen der Pflegenden nicht mobilisieren können, wenn wir die nächsten Jahrzente weiterhin darüber klagen, das Pflege machtlos ist. Deshalb sollte jeder soviel mitwirken, wie er kann. Das Leichteste ist z. B. eine Unterschrift unter die Wahlprüfsteine des DPR zu setzen. Das kann jeder von uns tun, ohne dass der Arbeitgeber uns auf den Kieker bekommt.
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Warum fällt mir nur gerade Albert Einstein ein? *grübel*

    Elisabeth
     
  12. Joerg

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    Muss sie auch so. Ich glaube kaum, dass es irgendwo PDLs gibt die Pro Cura haben.
    Komisch, die PDL sollte mit der Gefährdungs-/Überlastungsanzeigen doch gar keine Probleme haben. Diese Anzeigen gehen an den Arbeitgeber, also den Chef und nicht die PDL. Der Chef steht dafür gerade.
    Aha, Ich finde es viel betriebsschädigender wenn das Personal ausgebeutet wird. Denn auch miese Arbeitsbedingungen sprechen sich in der Bevölkerung rum. Wenn ich Wahl hätte, würde ich eher in ein Krankenhaus gehen, was soviel Personal vorhält, dass eben keine Stationen geschlossen werden müssen.
    Im Umkehrschluss, wenn Stationen geschlossen werden, sehe ich das einen richtigen Schritt des Hauses an. Denn es denkt an sie Sicherheit der Patienten und nicht nur an den eigenen Provit.

    Kannst Du diesen Abschnitt bitte selbst noch einmal reflektieren? Ich schätze Dich für so schlau ein, dass Du merkst was Du für einen Mist hier zusammengetippt hast.

    Aber nur weil Pflege sich nicht wehrt. Ich streike immer, war bei den letzten Tarifrunden sogar in der betrieblichen Streikleitung. Trotzdem habe ich immer alles bekommen, was ich wollte. Komisch oder?
    "oder die Arbeitszeit reduzieren wollen" - Dann bekommen sie das auch, der AG verstößt sonst ganz klar gegen das Teilzeit- und Befristungsgesetz!

    Och nöö, wenn Pflege aufwacht, wird das nicht mehr passieren. Und Achtung, dazu braucht es keine Pflegekammer, sondern nur die Erkenntniss jeder einzelnen Pflegekraft, dass sie wichtig ist und das die Pflege als Masse DIE Macht im Krankenhaus ist.

    BLÖDSINN! Orgagrad Ärzte im MB gut 70% (war auch mal mehr) - Orgagrad Pflege bei ver.di / Komba = ca. 15%. Merkst Du was?
    Und da hat absolut nichts mit der Pflegekammer zu tun, es war mir aber klar, dass wenn es hier um ver.di geht, Du Dich nicht zusammenreißen kannst und gegen ver.di schießen musst. Wie immer natürlich wieder total unreflektiert. Dein ver.di-Hass grenzt schon an Paranoia! Echt arm sowas!

    Und was hat der Streikwillen der Pflegenden mit einer Aktion des DPR zu tun? Der DPR kann nicht zu Streiks aufrufen! Mit dieser Aussage machst Du Dich erneut lächerlich!
     
  13. white horseman

    white horseman Poweruser

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    Ich meinte auch Neubesetzung frei gewordener Stellen. Das ist üblicherweise nur Formsache. Antrag an Personalabteilung, damit sie die Formalitäten regelt. Entmachten heißt, jede Stelle diskutieren müssen, keine Termine bekommen usw. Ich denke, jetzt verstehst Du, was ich meine.

    Tja, die Welt ist komplexer. Der Druck wird über die PDL wieder zurück gegeben. Die GF sind da durchaus dickfällig. Sie wissen, dass ihnen eine Überlastungsanzeige ansich noch nichts anhaben kann. Selbst in Bremen in der Frühchenabteilung spielten Überlastungsanzeigen keine Rolle.

    Ich bin ja Deiner Meinung, dass das Personal ausgebeutet wird, aber wie bei Lidl gilt das Prinzip Gear (Gebtriebe). Wenn die kleinsten Räder am schnellsten drehen, wird Geld gemacht.

    Leider ist übrigens der Effekt eher umgekehrt. Wenn in einem Haus Stationen geschlossen werden, macht das sofort die Runde in der Region und vielleicht auch in den Medien. Schlechte Arbeitsbedingungen für Pflegende sind mittlerweile allseits bekannt und kein Entscheidungskriterium mehr für Patienten. Da können die GF ohne Risiko dickfällig bleiben.


    @Joerg: Für Dich: Beispiel real erlebt. Die Ärzte beklagen, dass sie nicht genug Ärzte haben. Oft liegt es daran, dass ausländigsche Ärzte nicht voll oder nicht allein einsetzbar sind. Die GF sagt "Ihr seid genug". Der CA bestellt darauf hin wenger Patienten ein und lässt Betten intern sperren, außer für Privatpaitenten versteht sich. Die Pflegekräfte sind auf einer halbvollen Station auf einmal nicht mehr ausgelastet, müssen Überstunden abbauen und kommen vielleicht sogar ins Minus oder müssen auf anderen Stationen Überstunden abbauen helfen. Sie bekommen Angst, dass ihre Stellen gefährdet sind. Gerade befristet eingestellte Pflegekräfte müssen jetzt damit rechnen, das der GF in der Jahresbilanz sieht, dass weniger Arbeitsstunden angefallen sind und will sich dieses Einsparpotential nicht entgehen lassen. Die meisten befristet beschäftigten Pflegekräfte verstehen diesen Mechanismus, wenn ihr Vertrag nur noch ein paar Monate geht.
    Das miese an der Vorgehenweise der Ärzte ist, dass die Bettensperrung nicht auf alle Stationen verteilt wird, sondern nur eine Station betrifft, die dadurch nur noch halb leer ist. Begründet wird das damit, das auf der Station nur noch ein Oberarzt ist. Das die Pflegenden auf einer halbleeren Stationen ganz schlechte Karten haben, ist - das unterstelle ich - Strategie. Denn beklagen sich die Pflegenden beim GF aus Angst um ihre befristeten Stellen. Die Ärzte benutzen die Pflegekräfte für ihre Machtspielchen. Da es nicht erfunden ist, ist es leider kein Mist.

    Ich nehme an, Du arbeitest im Öffentlichen Dienst. Da ist der Handlungsspielraum für GF deutlich enger.

    Außerdem sind Deine Aussichten auf eine neue Stelle schlechter, wenn Du gegen einen Arbeitgeber klagst. Das entgeht denen nicht. Die tauschen sich untereinander aus, auch wenn sie es nicht dürfen. Wir leben im Neoliberalismus. Moral war gestern.

    Und wie willst Du diese Erkenntnis verbreiten? Mit schlechten Tarifabschlüssen? Ohne mehr Bildung und Berufspolitik (nicht allein Tarifpolitik) wird sich in der breiten Masse der Pflegenden nicht viel verändern. Viele Pflegende sind ja sogar der Meinung, dass sie genug Geld verdienen, sie aber fremdbestimmt sind und herumgeschupst werden von den Mächtigeren in unserem Gesundheitssystem.

    Wenn man mit einer nicht hinreichenden Strategie jahrzehntelang nichts erreicht hat, wird es auch nicht besser, wenn man es weiterhin auf die gleiche Weise versucht.

    Die Pflege hat Masse, ja, aber sie hat wenig Macht. Nicht einmal in der Gewerkschaft verdi hat die Mehrzahl der Pflegenden Einfluss darauf, dass die verdi-Spitze aufhört, gegen die Pflegekammer Stimmung zu machen.

    Mit dem Orgagrad bestätigst Du mich. Die Pflegekammer war nur ein Aspekt unter vielen, den ich genannt habe, und so sehe ich es auch. Es ist ein Hebel mehr für die Pflege.

    Aber wie gesagt, ohne mehr Bildung in der Pflege wird es wohl kaum mehr als 15% werden. Die Kammer ist ein gutes Mittel, um mehr Bildung in der Pflege zu erreichen, und zwar die Bildung, die sachgerecht für die Pflege ist und nicht fremdbestimmt ist. bpa und verdi machen statt dessen Angst vor Fortbildungspflichten. Was haben die gegen Bildung?

    Ich hasse verdi nicht. Aber solange verdi nicht aufhört in den höchsten politischen Gremien, in denen sie beteiligt wird, gegen den Emanzipationswillen des Pflegeberufs zu agitieren, kann ich nicht sagen, dass die verdi-Spitze einen guten Job macht! Sie arbeitet gegen die Interessen des pflegerischen Berufstandes. Um um das sogleich klarzustellen. Von den anderen Pflegeorganisationen einschließlich der Pflegekammerbefürworter behauptet niemand, dass wir die Gewerkschaft nicht haben wollen oder nicht brauchen. Verdi ist der Angreifer. Die anderen verteidigen nur ihr legitimes Existenzrecht.



    Lächerlich ist es, wenn man in diesem schmalspurigen Denken verharrt - entschuldige, dass ich das so sage. Natürlich ruft der DPR nicht zum streiken auf. Es geht darum, immer mehr Pflegende dazu zu bewegen, sich zu bewegen. Große Teile der Pflege sind noch zu träge. Wenn wir es hinkriegen, diese Trägheit aufzulösen, dann sinkt auch die Trägheit beim Streikwillen. Die Aktion des DPR ist eine gut Möglichkeit, Pflegende mehr für Berufspolitik zu interessieren. Je größer die Motivation, sich für die Berufspolitik zu interessieren, desto leichter wird es auch sein, das Mittel des Streik für die eigenen Ziele zu nutzen.

    Lächerlich ist es, zu glauben, dass es nur eine Lösung für alle Probleme gibt. Das ist geradzu engstirnig.

    Was ist so schlecht daran, alle Möglichkeiten zu nutzen, unsere große Masse an Kollegen zu mobilisieren?

    Und bevor ich hier gleich wieder einen auf's Dach bekomme, hier gewisse Themen einzustreuen. Ich habe sachgerecht auf den Threat-Gründer geantwortet:
     
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