Vorlesen für bettlägrige Bewohnerin

Dieses Thema im Forum "Millieugestaltung in der Altenpflege" wurde erstellt von die_sina, 18.12.2009.

  1. die_sina

    die_sina Newbie

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    Hallo,

    Ich mache immer noch mein Praktikum in einem Altenheim, und es gefällt mir weiterhin sehr gut. ^^

    Wir haben eine Bewohnerin dort, die komplett bettlägrig ist (wohl aufgrund eines Hirninfarktes in der Vergangenheit), also nichts mehr selber machen kann (sie wird gewaschen, umgelagert, sie kann keinen Schleim mehr abhusten, hat Schluckstörungen und deswegen eine PEG Sonde etc.). Dieser Zustand dauert schon längere Zeit an.
    Sie reagiert manchmal auf Ansprache, ganz selten versucht sie noch zu sprechen. Sie bekommt auch noch manchmal gut mit, was um sie herum vorgeht, ist also auch nicht hochgradig dement, hat immer recht gut gehört.

    Nachdem ich heute ihren Biographiebogen gelesen habe, möchte ich ihr gerne ein wenig mehr Ansprache bieten, da ich öfters mal eine halbe Stunde lang "frei" habe, und mich in der Zeit mit den Bewohnern beschäftigen darf.

    In ihrem Biographiebogen gab sie an, täglich die Tageszeitung zu lesen. Eine Idee war also von meiner Seite aus spontan, ihr ab und an ein paar Zeitungsausschnitte vorzulesen, oder wäre das nicht gut (weil sie evtl. viele Neuigkeiten gar nicht mehr mitbekommen hat, verwirrt wird davon oder so?).

    Außerdem hat sie in einigen Punkten angegeben, gläubig zu sein, bei Problemen zu beten und auch fest daran zu glauben, dass ihre Gebete erhört werden.
    Nächste Idee war also ein paar Gebete oder "christliche Geschichten" vorzulesen, evtl. auch Geschichten die sie aus ihrer Vergangenheit kennen könnte (sie ist um die 90)?
    Was gab es damals für Gebete, oder Geschichten, in denen der Glaube an Gott irgendwie involviert ist? Habt ihr da einen Tipp für mich als Atheistin? ;)

    Und weiter habe ich mir noch überlegt, wie es mit Märchen/Kindergeschichten etc. eigentlich ist. Gute oder schlechte Idee? Ich möchte sie ja nicht irgendwie zu einem "Kind" machen oder so, in dem ich ihr Märchen vorlese...?

    Ich wäre dankbar, wenn ihr mir ein paar Tipps geben könntet.

    Lg
    die_sina
     
  2. Rosenanna

    Rosenanna Junior-Mitglied

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    Hallo die_sina,

    ich finde es sehr schön, dass Du Dir ganz spezielle Gedanken um die einzelnen Bewohner "Deiner" Einrichtung machst. Wenn Du Die Zeit hast zum Vorlesen - lies. Dabei kommt es nicht wirklich auf die Inhalte an. Eine Kurz-Geschichte, die Du schön findest ist genauso geeignet, wie z. B. die Texte aus einer Kinderbibel. Dabei sind Märchen übrigens ursprünglich für Erwachsene geschrieben worden. Mach Dir also da keine Gedanken über Sinn und Unsinn. Du kannst Dich auch schlicht zu ihr setzen und über das sprechen, was Du auf Deinem Weg zur Arbeit so gesehen hast oder was Du gestern gekocht hast.... Wichtig ist die Zuwendung, die Du ihr in diesem Moment entgegenbringst. Als Atheistin musst Du mit niemandem beten oder über Gott sprechen, wenn es Dir nicht liegt. Aber nimm doch, wenn Du magst und sie es zulässt, ihre Hände und zeige ihr so, dass Du bei ihr bist.
     
  3. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    Hallo die_sina, es ist schön, zu erfahren, dass nicht alle Praktikanten lediglich als Dispositionsmasse mißbraucht werden.
    Stimulation in Form von vorlesen, singen, beten,erzählen bewirkt manchmal mehr, als Du Dir vorstellen kannst. Mich selbst hat das abseits vom regulären Arbeitspensum jedesmal beruhigt, runtergefahren, und die Bewohner, bzw. Patienten haben auf mich dabei auch einen zufriedeneren und ruhigeren Eindruck gemacht. Vor allem, wenn ich die alten, klassischen Gedichte rezitierte, war ihre Aufmerksamkeit spürbar.
    Ich wünsche Dir viele gute Erfahrungen.
     
  4. jok5030

    jok5030 Gesperrt

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    Hallo und erstmal ganz großen Respekt vor Deiner Einstellung :beten::up::up: !! Ich finde es super,wenn Praktikanten sich wirklich mit dem Bewohner beschäftigen und sich Gedanken machen !! Wer liest schon den Anamnesebogen ?? Nee,also wirklich,tolle Sache,wie Du da ran gehst und egal,was Du vorliest,die Hauptsache ist, daß die Bewohnerin merkt,daß jemand an ihrer Seite ist. Super,mach weiter so und Du wirst Deinen Weg gehen :daumen::daumen:.
     
  5. Neuron

    Neuron Stammgast

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    ,

    Versuche mal rauszukriegen, ob sie früher häufig Gottesdienste besucht hat oder
    im Radio solche hehört hat. Wenn ja, es mal mit Orgelmusik und Liturgie akustisch versuchen, dabei ihre Augen und Mimik beobachten, ob ihr das vertraut oder angenehm ist.

    Du kannst mal versuchen, ihr beim Zeitunglesen zu helfen, vielleicht kann sie noch irgendetwas selbst tun, z.B. mit einer Hand die Seite etwas auseinanderhalten, dann Bilder und Überschriften, Schlagzeilen vielleicht mal laut vorlesen.

    Na dann mal los!
     
  6. die_sina

    die_sina Newbie

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    Danke für eure Antworten.
    Ich muss sagen dass ich mit dem Heim, in dem ich bin, echt total zufrieden bin- wir bekommen als Praktikanten wirklich viele Möglichkeiten, uns mit den Bewohnern genauer zu beschäftigen, neben den "normalen Pflegetätigkeiten". Wir dürfen nach Absprache spazieren gehen, uns mit dem Leuten unterhalten, spielen, malen- wenn gerade ein bißchen Luft in der Arbeit ist, steht uns das frei. Und auch, dass wir die Anamesebögen lesen durften (wir wollten gerne manche Dinge besser verstehen, wie z.B. einige schizophrene BW, oder mal erkunden, wer denn was gerne gemacht hat früher, und wenn man wie ein wenig "aktivieren" könnte), fand ich wirklich klasse.

    Danke für eure Ideen. Ich werde morgen mal einen Gedichtband von mir mitnehmen als Einstieg, und mir dann ein paar weitere Ideen von euch rauspicken. Vielen lieben Dank!!!

    Lg
    die_sina
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es ist Weihnachten- warum sucht ihr so fern:

    Die Weihnachstgeschichte kennt fast jeder.

    Psalm 23 ist vielen ein Trost:
    Es gibt viel bekannte Weihnachtslieder mit religiösem Hintergrund.

    Es kommt nicht drauf an, dass du die richtigen Tetxe findest. Das ist fast unmöglich. Dafür ist die Auswahl einfach zu groß. Lies ihr das vor, was du gut findest, was du meinst ihr gefallen würde. Deine Stimme wird dein Ansinnen transportieren- und das ist das wichtigste: es ist ein Mensch da, der sich die Zeit nimmt für einen anderen bedürftigen Menschen.

    Elisabeth
     
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