Von Zwangsversetzungen und anderen Kuriositäten in Krankenhäusern

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von kleeblatt78, 24.04.2012.

  1. kleeblatt78

    kleeblatt78 Junior-Mitglied

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    Hallo liebe Pflegegemeinde,
    ich muss Euch mal eine Geschichte erzählen:-)

    Wir schreiben das Jahr 2011, ein großes Universitätsklinikum, mitten in Deutschland, treibt sein Unwesen.

    Eine große Station, zwei Fachbereiche, Kardiologie und Nephrologie, mit geplanten Flurbetten...um die 40 Betten...mal mehr mal weniger.

    Ja das war auch mein Gedanke: geplante Flurbetten, wo gibts denn sowas....aber ja sowas gibt es tatsächlich...

    Das Pflegeperonal auf ein Minimum reduziert, im Frühdienst war man zu 3, manchmal auch zu 4. Der Spätdienst war mit 2 Pflegenden, wenn es gut lief auch mit 3 besetzt.

    Das Patientenklientel: von dem pflegeaufwendigen PKMS Patienten bis hin zu intensivpflichtigen Patienten war alles dabei.
    10 Monitorplätze machten das Chaos perfekt.

    Teile des Teams unfreundlich, ausgelaugt, überfodert...die Hälfte seit Monaten Versetzungsanträge laufen. Denen wurde nicht statt gegeben, wie sollte die Station auch sonst laufen.

    Eine Leitung gab es schon lange nicht mehr, immer nur kurzzeitig bis aufgegeben wurde.

    Stationsärzte und Pflegeperonal versuchten Tag in Tag aus die Welle an Patienten zu bewältigen, für mehr war keine Zeit...

    Inderdisziplinäres oder gar multiprofessionelles Arbeiten, waren allenfalls Wörter, die man nicht umsetzen konnte.

    Die Station musste zu 130 % voll belegt sein, koste es was es wolle...das war der Wunsch der Ober und Chefärzte, dann wird halt der " Infarkt" mit Monitor und Sauerstoff auf den Flur gelegt! Vor der terminalen Patientin auf dem Flur macht man eben spanische Wände damit nicht jeder drauf schauen kann, so ist das eben.

    Geld regiert die Welt, aber wie weit darf das gehen?...

    So geht es nun tag ein tag aus, man schafft halt.

    Beschwerden und Wünsche nach mehr Personal, werden oben in den Teppichetagen nicht gehört. Es läuft ja, warum was ändern und Geld ausgebeben.

    Nur wie lange läuft es denn gut? Nicht lange, die Beschwerden häufen sich, die Fehler ebenfalls....

    Nun denkt sich die Teppichetage, was tun?
    Hier kommt die großartigste Idee des Jahres 2011...
    Wir splitten das unfähige Pflegeteam...alle werden innerhalb von drei Wochen auf verschiedenen anderen Stationen Zwangsversetzt!!
    Ja genau so machen wir das...und damit es auf der Station besser läuft und der schlechte Ruf ein andere wird..: machen wir doch eine Ausbildungsstation daraus! Ein Konzept brauchen wir nicht, wird schon laufen.

    Gesagt getan, das Team wurde bis auf 4 Pflegekräfte, auf andere Stationen versetzt, es wurde verkündet das man nun eine Ausbildungsstation machen wolle, mit einem Großteil an Mentoren. Keine Diskussion, beschlossen is beschlossen.

    Wow, da hat sich die Teppichetage ja mal was einfallen lassen um die gestresste Situation zu entkräften.
    Wenn es nicht läuft und Patienten sich beschweren, ist die Pflege dran schuld, wer auch sonst, ist doch klar.

    Naja wenigstens kommen die Mentoren dann mit guter Laune und voller Power auf die Station und machen etwas Neues draus.

    Doch was ist das? Die Mentoren der anderen Stationen, HNO, Chirurgie, Onkologie....sie sind wütend, beschweren sich, beukottieren.
    Was ist passiert? Ja genau, diese Mentoren, wurden auch nicht gefragt, aus ihren Teams gerissen, zwangsversetzt, sollten sie eine Ausbildungsstation mit teilweise über 40 Betten und Flurbetten errichten, ohne Konzept, ohne das sie jemals miteinander gearbetet hätten, geschweigedenn ein Team sind.
    Hatten die Lust auf Kardiologie und Nephrologie? Ne sonst wären sie ja nicht auf der Chirurgie^^

    Irgendwer musste sich doch über diese sagenhafte Idee der Teppichetage freuen, die Schüler, bestimmt die Schüler, für die wird das ja alles gemacht.

    Tag X steht vor der Tür: wo tags zuvor noch zwei Pflegekräfte am Rande ihrer Kräfte gearbeitet haben, standen nun frisch zum Frühdienst 8 Examensschüler, 3 übergeordnete Praxisanleiter der Schule, 2 Fachkräfte die die Station kannten und 2 Neue Mentoren auf dieser Station...und natürlich eine neue Leitung, die das mal so eben mal mehr mal weniger freiwillig aufbauen sollte.
    Hurraaaaaa soviel Personal, hab ich ja noch nie gesehen, die Patienten werden sich freuen.

    Doch was ist das? Die Schüler haben alles andere als Lust das Neue mitzutragen, meckern rum, haben Angst um ihre Examensvorbereitung.

    Nun gut, in drei Gruppen eingeteilt, sollte das Tagesgeschäft dann mal abgearbeitet werden und nebenbei die Station aufgeräumt werden, das hat ja schliesslich das unfähige alte Team nicht geschafft.
    ...wieso auch nicht, sie haben ja nur jeweils 25 Patienten betreut, da hätte man ja wohl noch aufräumen können.

    Die Wochen vergehen, es wird diskutiert, gestritten, beschwert...keiner will so recht auf dieser Station sein, sie wurden ja schliesslich gezwungen. Einige hat es so umgehauen, die sind garnicht erst zu ihren Diensten angetreten, Bourn Out zu hause liegend, schaffen sie es nicht.
    Die Teppichetage hatte sich doch soviel vorgenommen, alles sollte besser werden....letztendlich war aber garnicht mehr Personal da...
    Einige Schüler haben es durchgedrückt auf andere Stationen fürs Examen zu kommen, ein Kurs hat gänzlich gesagt er kommt nicht wieder. Und das Examinierte Personal, auch da kamen nicht alles wie gehofft.

    Die Arbeit hing also weiter an einigen wenigen die teilweise 60 Stunden Wochen hatten, damit das Chaos nicht größer wurde...man musste ja irgendwie die Dienstpläne abdecken.

    Man arbeitete halt von tag zu tag...nebenher haben Personalrat und Betriebsrat durchgesetzt das jeder nach einem halben Jahr wieder auf seine Stationen kann...wenigstens begrenzt das alles.

    Der nächste Stress, die Examenschüler haben Examen...nur wer bereitet sie aufs Examen vor...die meisten Mentoren wollen nicht, sie fühlen sich nicht in der Lage, selber uneingearbeitet in einem fremden Fachbereich, streiken sie. Aleso blieb auch das an einige wenige hängen.

    Aber die Station ist aufgeräumt...wow.

    Diese Monate hat man also überstanden...die Schüler auch gut durchs Examen gebracht...doch noch immer hat sich kaum was an der personellen Situation geändert, geschweige denn das man ein Konzept für eine Ausbildungsstation hat...man ist ja schon von dem Gedanken ab, das die Station aus mehr Schülern wie Examinierten besteht, funktioniert mit so einer rießenstation und zwei fachbereichen nämlich nicht.

    Nun ist es bald soweit, die zwangsversetzten Mentoren dürfen alle wieder auf ihre Stationen...aus dem alten Team darf aber niemand mehr zurück...wer arbeitet dann auf dieser Station? Wer vesorgt denn nun die leittragenden kranken Menschen...

    Man hat es geschafft 3 ehemalige Schüler nach ihrem Examen zu rekrutieren, 4 von den alten sind j aauch noch da und 3 neueinstellungen und sogar eine neue Leitung wird eingearbeitet...ende gut alles gut??? mal sehen, wir schreiben das Jahr 2012

    Was haltet Ihr davon? Von Zwangsversetzungen und denken von zwölf bis Mittag? Sollte es soetwas heute noch geben? Wie hätte man es anders machen können? Ich hab ja meien eigene Meinung dazu und bin gespannt was ihr denkt:-)

    Bis dahin
     
  2. und wenn sie nicht gestorben sind, dann pflegen sie noch heute...

    Ein schönes Essay

    Druckerpresse
     
  3. amezaliwa

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    Mein allergrößter Respekt, für jeden einzelnen der
    mit 30 allgemeinen und 10 Monitorplätzen zu dritt/ viert im FD arbeitet zu zweit/dritt im SD
    und NICHT zusammenklappt, was sind das nur für Übermenschen, die sowas aushalten können.

    wenn ich mir unser IMC-Klientel anschau, mehr als 4 Patienten zu versorgen - geht nicht,
    benötigst für 10 -> eigentlich 2, 3 im FD/ im SD
    Wenn ich mir meine frühere Station anschau, über 35 Patienten - brauchst auf alle Fälle 3 im FD, 1 Leitungsdienst, jemanden der hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernimmt, Fahrpersonal.

    Im ND ist man aber schon zu zweit, oder?

    Somit wär ein halbwegs vernünftiger FD 2-3 für die 10 ÜW-Betten, 3 für die allgemeinen, einen fürs drumherum, sowie Schüler und noch weiteres Personal.

    Ist ja richtiger Irrsinn, sowas.

    Leider hat jeder einen Vertrag mit dem Träger, nicht mit der Station

    wenn die CA die Belegung haben möchten, aber das Personal nicht zur Verfügung steht - ?
    Eigentlich sollten sich die CÄ bemühen, für Personal, dass sowas geht, hab ich bereits mitbekommen.

    ALLE wurden wegversetzt, ALLE von woanders zuversetzt - kann man schon mal die Überwachung streichen - wer soll die denn machen wenn's keiner kann.

    überall ist es wünschenswert - wenn langfristig gedacht wird
    häufig leider erkennbares Muster - denken von zwölf bis mittag

    man lässt sich 'nen Blödsinn einfallen, nimmt an dass die braven, leidensfähigen auch das wieder hinnehmen
    wie bisher halt auch. Man hat den Druck schrittweise erhöht, immer ein bisschen mehr.
    Welche Kröten musst man nicht schon schlucken
    Wie der Frosch, im Topf mit kaltem Wasser, der drin bleibt, wenn man die Temp. hochdreht, der draufgeht, nicht raushüpft.

    Es gibt erfreulicherweise auch Kollegen, bei denen es gut läuft, nicht alles und nicht überall ist es zum verrückt werden.

    Die Kritik an denen die das mitgetragen haben, ist jetzt aber nicht Dein Ernst, oder?
    ".....Teile des Teams unfreundlich, ausgelaugt, überfordert..."
    Irgendwann KANN man nicht mehr. Ist unfreundlich, ausgelaugt, überfordert. Auch mit noch soviel Kompetenz.
     
  4. kleeblatt78

    kleeblatt78 Junior-Mitglied

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    Nein das sollte keine Kritik als solches sein...eines der Probleme war halt nur, das dieses Team so einfach zerissen werden konnte, lag daran das es kein team war. Es gab leider 40% die kein Bock auf die Station und die Fachbereiche hatten und das auch nach Aussen getragen haben...das waren die, die eben nich gearbeitet haben bis zum Unfallen..

    Ich selber bin erst kurz vor dem Knall auf diese Station gekommen und bin immer noch fassungslos wie man mit Mitarbeitern umgeht

    " den Druck schrittweise erhöhen" das trifft es gut....wird in diesem Klinikum gerade auf jeder Station gemacht....

    Und ja der Nachtdienst wird zu ZWEIT gemacht...obei du nicht fragen solltest wie das manchmal aussieht...die Zweite ist auch oftmals eine studentische Extrawache^^

    Und ja...auch ich komme ursprünglich aus Teams und Kliniken wo es rund läuft und nicht zum verrückt werden ist...deshalb hat mich das auch alles sehr geschockt glaub ich :-)
     
  5. Silvermoon

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    Und sowas nennt sich gute Führung eines Krankenhauses?
    Diejenigen, die das mitmachen, müssen wirklich ein sehr
    dickes Fell haben. Bin gerade leicht geschockt, wie mit
    Menschen umgegangen wird... Ein terminaler Patient
    auf dem Flur. Ganz klar! Braucht nicht gerade
    dieses Patientenklientel besondere Zuwendung
    und sollte sich nicht vor allem da bemüht werden,
    dass Pflegepersonal genügend Zeit hat, um demjenigen
    sowie seinen Angehörigen zur Seite zu stehen?
    Kann man echt nur noch den Kopf schütteln bei solchen
    Zuständen... :weissnix:
     
  6. kleeblatt78

    kleeblatt78 Junior-Mitglied

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    Ich bin beruhigt das Ihr das genau so seht...ich bin auch immer noch fassungslos über diese Zustände in dem Haus. Sowas hab ich auch noch nie erlebt...deshalb find ich es auch so wichtig das mal zu erzählen. Meine Kollegen haben mich nur kopfschüttelnd angesehen als ich erzählt habe das ich sowas noch nie gesehen habe....die sind das schon lange so gewohnt, das die denken es ist überall so^^ Meine Zeit dort endet in zwei Monaten...es war ein kurzer und verdammt intensiver Einblick...und ich muss das einfach berichten.

    Ja präfinale auf dem Flur, ich bin auch getobt..aber gegen die Oberaztpolitik und Aufnahmepolitik kam man kaum an...wenn man die Patienten dann umschieben konnte, wars dann auch höchste Zeit:-(
    Ich kämpfe jeden Tag aufs Neue und sage auch das es nicht überall so ist...ich werde dann verwundert angeschaut...so dass ich schon selber dachte ich leb in ner Seifenblase oder hatte bißher immer Glück in meinen Kliniken...ich weigere mich auch anzuerkennen das sowas schon normal sien soll.
    Deshalb wollte ich mal Eure Meinungen hören...
     
  7. Silvermoon

    Silvermoon Junior-Mitglied

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    Sowas ist doch alles andere als normal...
    Du lebst da sicher nicht in der Seifenblase, sondern die,
    die diese Gegebenheiten so hinnehmen und auch noch denken,
    es wäre in Ordnung. Wie will man da überhaupt noch angemessen
    versorgen? Naja, im Prinzip leiden die Patienten und die Pflegenden
    drunter. Der Rest sieht nur die Dollarzeichen in den Augen, egal
    unter welchen Bedingungen. Da hast du aber Recht, dass du von
    dort gehst, denn: Es geht auch anders. :boozed:
     
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