Verzicht auf Pause?!

Dieses Thema im Forum "Adressen, Vergütung, Sonstiges" wurde erstellt von M!aren, 28.01.2011.

  1. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Hallo,
    ich bin Schülerin im Unterkurs.
    Zur Zeit bin ich auf einer Station, da denke ich manchmal ich bin im falschen Film...:verwirrt: Da geht es etwa so zu wie man es immer über die Pflege hört. Total unterbesetzt, viele Schwerstkranke an denen man kaum das Notwendigste machen kann, überlastete Schwestern die vor lauter Überforderung unfreundlich werden (zu Patienten und Schülerin, aber auch zu anderen Mitarbeitern) und heftige Pflegefehler passieren.
    Überstunden sind nicht Ausnahme sondern Regel.
    Gestern meinte die Examinierte mit der ich zusammenarbeitete (übrigens eine extra ausgebildete Anleiterin für Schüler...) "Heute gibt´s keine Pause!"
    Ich schluckte schwer und wagte dann zu sagen, dass ich verstehe, dass so viel los ist und keine volle halbe Stunde drin ist (obwohl ich das eigentlich nicht verstehe !) aber ich müsse wenigstens 10 Minuten hinsitzen und einen Happen essen und was trinken sonst halte ich das vom Kreislauf her nicht durch.
    Ihr Gesicht .... :dudu:.... und dann habe ich gehört wie sie mit einer anderen Schwester über mich getuschelt hat.
    Die abgetrotzten 10 Minuten hatte ich dann schon das Gefühl ein Kollegenschwein zu sein ... ausserdem schreibt sie mir nachher die Beurteilung.
    Aber die ist mir irgendwie schon egal.
    Ich gebe da echt mein Bestes und werde eingesetzt wie eine Examinierte -
    aber ich kann den Laden doch auch nicht retten wenn ich meine Pause durcharbeite.
    Ich komme auch so in einem Zustand nach Hause, dass ich nicht mehr geradeaus laufen kann und aus lauter Stress anfange zu heulen.
    Es gab die letzten Tage immer wieder Situationen, wo ich "durch Zufall" ins Zimmer kam in Situationen wo sonst ein Patient uU gestorben wäre.
    zB ein dementer Patient der Blut spuckte, einer Frau der furchtbar schlecht wurde mit extremen Schmerzen im Bein, die dann als Notfall abtransportiert wurde (Beinvenenthrombose ?) - aber es war nicht mal der Raum darüber zu sprechen, was da eigentlich los war,
    ein anderer hustete Blut, konnte aber noch klingeln, Krampfanfall in der Besucherecke, jemand der auf dem Flur tot zusammen brach -
    wenn ich mir überlege, das und noch viel mehr ist alles allein in der letzten Woche passiert....
    Wenn nicht so viele Angehörige kämen und Essen eingeben und teilweise sogar waschen würden wäre es noch "völliger untragbarer".

    Meine Frage ist -
    wie soll man in solch einer Situation reagieren ?
    Auf die Pause verzichten ?
    Mit schlechtem Gewissen ein paar Minuten hinsitzen ?
    Mit trotzigem Gewissen eine halbe Stunde genießen während um einen herum "die Welt untergeht " ?

    Ich habe in der Schule angerufen und beim Vertrauenslehrer um ein Gespräch gebeten. Allerdings bis jetzt noch nichts gehört (der AB war dran)...

    Vor allem sind halt meiner Meinung nach die Arbeitsbedingungen untragbar, was kann ich als kleiner Schüler machen ?

    Danke für alle hilfreichen Tipps ...
     
  2. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Du wirst nicht viel machen können. Wieso sollst Du den Kampf der Kollegen kämpfen? Das ist ihre eigene Aufgabe.

    Dich an die Schule zu wenden halte ich für die richtige Lösung.

    Die von Dir beschriebenen Notfälle haben aber nichts mit Pflegefehlern zu tun. Krampfanfälle oder Varizenblutungen lassen sich nun mal nicht ganz verhindern. Es ist nur bedauerlich, dass Du keinen Raum bekommst, um das zu verarbeiten. Vielleicht kann Dir der Vertrauenslehrer auch dabei helfen.
     
  3. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Die Notfälle waren nicht die Pflegefehler ... aber zb ein Patient mit tiefer Beinvenenthrombose der mir nachmittags sagte, er sei heute den ganzen Tag nicht gewickelt worden. Heute morgen hätten sie ihn abgewickelt und wollten gleich wieder kommen ... aber seither...
    Als ich dies der Examinierten meldete meinte sie "dann ist er halt heute mal nicht gewickelt!" später stieß ich das Thema nochmal schüchtern an, da meinte sie sie mache es noch gschwind "provisorisch"...

    oder eine Patientin die seit 2 Tagen von mir nur schluckweise Getränke eingeflöst bekommt und sich immer öfter verschluckt aber sonst ausser Jonosteril keine Nahrung oder so bekommt.
    Als ich nachfragte, achja, da muß man sich mal drum kümmern ...

    oder ein dementer Patient mit einer Eiterstelle im Augenwinkel der sich immer daran reibt und auch nach Tagen da noch keinerlei Behandlung bekommen hat...

    oder ...

    sehe ich das übertrieben ?

    Ich finde es noch nicht einmal so schlimm, dass sowas passiert - aber die Reaktionen bzw "Nichtreaktionen" darauf !
     
  4. josie16

    josie16 Junior-Mitglied

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    Hallo M!aren
    Ich sehe es genauso, wenn Du dich das zu sehr reinhängst, dann bist Du die Leittragende und das sollte nicht so sein.
    Ich würde es mit dem Lehrer besprechen, alles, damit von der Schule aus reagiert werden kann.
    Ich bin ehrlich gesagt sehr betrübt, daß die Kollegen es immer noch nicht gelernt haben, daß sie sich wehren müßen, damit etwas verändert wird.

    Natürlich kann es auf jeder Station zu Arbeitspitzen und Notfällen kommen, aber das darf kein Dauerzustand sein.
    Du darfst nicht denken, daß das an den ex. Pflegekräften spurlos vorüber geht, ich weiß das von mir selber.
    An solchen Tagen geht man mit schlechtem Gewissen und mit einem mehr als unguten Gefühl aus dem Haus, oder man macht Überstunden bis zum Abwinken.
    Das Problem ist, daß meist keiner der betroffenen Leute noch die Energie hat, mit den Kollegen und/oder Personalrat und/oder PDL über die Arbeitssituation zu sprechen, es fehlt einfach die Kraft und Resignation macht sich breit.

    Um nochmals auf die Pause zurückzukommen, bei uns auf Station wurde immer darauf geschaut, daß zumindest die Schüler zu ihren Pausen kommen.
    Dir kann ich nur den Rat geben, vor Dienstantritt etwas zu essen, damit Du nicht umfällst. Ich wollte auch nochmals sagen, daß dir die Pause natürlich zusteht und ich würde normalerweise auch sagen, kämpfe darum, aber ich befürchte, es wird sich in deiner Beurteilung niederschlagen, das mußt Du wissen.
    Durch dieses Verhalten wird sich aber leider nichts an der Situation ändern und man muß sich immer wieder verinnerlichen, daß Patienten nichts an dieser Situation ändern können und deshalb darauf angewiesen sind, daß das Pflegepersonal um bessere Arbeitsbedingungen kämpft!
     
    #4 josie16, 28.01.2011
    Zuletzt bearbeitet: 28.01.2011
  5. Kücken2009

    Kücken2009 Newbie

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    hey,
    rein rechtlich gesehen, sind wir alle verpflichtet nach einer gewissen stundenzahl (glaube 4) eine pause einzulegen. wenn das die richtigen leute mitbekommen, gibts ärger mit den verantwortlichen personen (pdl ect...).

    ich habs schön öfters erlebt, dass ich mit meinen kollegin nicht rechtzeitig fertig wurde. als wir der pdl bescheid sagten, dass wir uns eine halbe plus aufschreiben, weil wir ja schliesslich keine pause hatten, kam ein lautes NEIN.
    seitdem machen wir unsere pause (auch wenn es keine halbe ist). wenn wir dann eine halbe stunde länger bleiben, können wir die uns mit ruhigen gewissen auf unser pluskonto schreiben und ausgeglichen nach hause fahren.

    überstunden zu sammeln macht mir keinen spass, aber da wir mit menschen arbeiten die keinen aus-knopf haben, haben wir doch die wenigen möglichkeiten. dann lieber länger bleiben, denn auf lange sicht ohne pause und ständig unter strom gibt die biste krankenschwester klein bei. dafür ist mir mein körper und wohlbefinden zu wichtig.

    stresssituationen gehen auch vorbei und irgendwann kehrt wieder der normale alltag ein. war bisher immer so.

    lg


    zum thema nichtreaktion,
    du und auch nicht deine kollegen können die station retten.
    gewisse sachen ist rein ärztlich!!! eiterstellen am auge: doc informieren, dokumentieren! fertig. ohne ärztliche anordnung läuft nix!
    schluckstörung: ich denke mittlerweile gibt es in jedem krankenhaus ein logopäden, linguisten... anrufen, bescheid sagen, dokumentieren! dem arzt noch die info geben.
    wenn sich bei uns ein patient vermehrt und heftig verschluckt, gilt die goldene regel: nix mehr oral bis einer von den sprachtherapeuten da war und die kostform umstellt bzw die konsestenz von flüssigkeiten anordnet. koster nur ein anruf und die krankenschwestern bekommen meist noch lob für die krankenbeoachtung und schnelle info weiter gabe.
     
    #5 Kücken2009, 28.01.2011
    Zuletzt bearbeitet: 28.01.2011
  6. tictac

    tictac Stammgast

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    Es ist wirklich bedauerlich, wie an mancher Orts mit Auszubildenen umgegangen wird. Es gibt aus diesem Grund auch immer wieder welche, die deshalb ihre Ausbildung abbrechen wollen.:( Das ist sehr schade! Man sollte als examinierte Kraft immer daran denken, dass man auch mal Schüler war. In meiner Ausbildung wurde stets darauf geachtet, dass wir Schüler unsere Pause bekamen, auch wenn der "Bär am steppen" war. Euch Azubis steht die Pause zu und Überstunden müsst und dürft ihr auch nicht machen!:dudu: Im Notfall das Problem mal in der Schule schildern. Und bitte in deinem Fall keine Angst vor einer eventuell negativen Beurteilung. Diese sind immer subjektiv (d.h. es würden dich nicht alle gleich bewerten, jeder sieht deine Arbeit anders) und müssen nicht späteren Bewerbungen beigelegt werden. Da zählt dann als erster Eindruck deine Bewerbungsmappe und dann dein Auftreten im Vorstellungsgespräch. Und dort, wo du schlechte Erfahrungen gemacht hast, wirst du dich ja dann bestimmt eh nicht bewerben.


    Liebe Grüße und nicht aufgeben! :boxen:
     
  7. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Vielen Dank euch allen !!!

    Ich hoffe sehr, dass es diese Woche zu einem Gespräch mit der Vertrauenslehrerin kommt.
    Allerdings war ich heute (Sonntagmorgen) total überrascht wie ruhig es auf dieser Station anscheinend auch mal zugehen kann.

    Gruß von M!aren
     
  8. aquarius2

    aquarius2 Poweruser

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    Siehst du, es ist nicht immer so, aber bestehe auf deine Pausen, hört sich doof an, wenn ich sage, ich mache auch nicht immer eine, denn wenn ich alle zwei Minuten doch aufstehen muss, weil jemand klingelt oder es alarmiert und niemand hingeht schmeckts mir nicht:evil:
    Ich schreibe mir eben dann einen Zettel für Überstunden, wenn die PDL motzt frage ich sie nach einem Pausenraum, außerhalb der Station....
    Oft bin ich die einzige in der Schicht die Fachkraft ist und alle Geräte bedienen kann und darf da wäre es gar nicht möglich wegzugehen, dann möchte ich eben eine Pause als Bereitschaft gezahlt kriegen, bin noch am verhandeln, obwohl Pausen wären mir lieber:daumen:
     
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