Verweigerte Insulingabe - richtig oder falsch?

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Sternenwart, 01.12.2002.

  1. Sternenwart

    Sternenwart Newbie

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    Hallo

    so um meine frage beantworten zu können kurze einführung in die situation.

    Wir haben eine patientin auf station die mit einem blutzucker von 400- 600 lebt sie bekommt daher eine ziemlich hohe dosis insulin morgens 60 i.E. und abends 44 i.E.

    Vor ein paar wochen ist sie gestürzt und schon im krankenhaus sind ihre blutzucker-werte ziemlich gefallen jetzt ist sie wieder bei uns auf station als ich eines abends dienst hatte habe ich ihren blutzucker gemessen der wert war 220 mg/dl darauf hin habe ich ihr kein insulin gespritzt da mir das risiko zu groß war sie in den unterzucker zu spritzen.

    ich habe dem nachtdienst übergeben sie sollen den wert kontrollieren um 22 Uhr war ihr blutzucker bei 398 mg/dl die nachtschwester hat die ärztin angerufen und hat daraufhin die 44 i.E. nachgespritzt am morgen war ihr bz unter 70 und wir mußten ihr joghurt geben sowie ich es schon am abend befürchtet habe ABER jetzt wird mir das angekreidet das es durch mich erst dazu kam ich denke aber ich habe richtig gehandelt was meint ihr dazu????

    hoffe es sind alle bei diesem text mitgekommen *g*

    mfg Sternenwart
     
  2. Gaby

    Gaby Gesperrt

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    Hallo Sternwart,

    du hast den Blutzucker kontrolliert und 220 mg/dl festgestellt ... – um welche Uhrzeit? Für wann war die Blutzuckerkontrolle vorgesehen?

    Hast du alles dokumentiert?

    Hast du den diensthabenden Arzt verständigt und im von den 220mg/dl berichtet? Ebenso von der bevorstehenden Kontrolle? (Dokumentation)

    Kann man davon ausgehen, das die Patienten sich ihrer Erkrankung bewusst ist und das Insulin in der richtigen Dosierung zur vorgegebenen Zeit selbständig spritzen kann?

    Liebe Grüße aus Wien, wünsche dir eine schöne Woche

    Gaby
     
  3. Sternenwart

    Sternenwart Newbie

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    hi gaby

    habe um 20 Uhr gemessen eine halbe stunde nach dem essen kontrolle war nicht vorgesehen dokumentiert habe ich alles aber keinen arzt konsoltiert die pat leidet an demenz und muß gespritzt werden .

    ****** situation oder
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hallo @all

    Welches Insulin wurde verwendet: Kurzzeit-, Langzeit-, Mischinsulin? Ergo, welche Wirkdauer war von der vorherigen Gabe zu erwarten? Wieviel KHE hat der Patient zu sich genommen? Nimmt sie noch zusätzlich orale Antidiabetika?
    Bei einem Wert von ca. 12,1 mmol/l sehe ich eigentlich noch keinen Grund vollkommen auf die Insulingabe (wahrscheinlich Mischinsulin bei den angegebenen Einheiten) zu verzichten. Der Normwert bewegt sich bei nüchtern bei 3,3 bis 5,5 und sollte 1 h nach dem essen 8,0 nicht überschreiten. Eine Reduzierung der Insulinmenge wäre ja auch denkbar gewesen. Aber die Entscheidung liegt stets beim Arzt.

    Eine Kontrolle 30 Minuten nach der Mahlzeit erscheint mir persönlich sehr früh um definitive Aussagen über den BZ- Verlauf sagen zu können. Erst nach 60 Minuten ist mit einem Anstieg des BZ zu rechnen.

    Außerdem ist mir unklar, warum erst nach dem Essen gespritzt wird. Ich kenne das anders: ca. 20 Minuten vor der Mahlzeit, damit das Insulin anfluten kann.

    @Sternenwart: Wieviel Erfahrungen hast du im Umgang mit Diabetikern?

    Elisabeth

    PS Umrechnungsfaktor mmol/ l auf mg/ dl = 18,18.
     
  5. dagmar

    dagmar Senior-Mitglied

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    Hallo,

    meine Meinung dazu: Ein Patient der so eine hohe Dosis Insulin bekommt (früh 60 i.E. und abends 44 i. E ) kann nicht einfach, wie es einem gerade gefällt, umgestellt werden bzw. einfach die Abendosis weggelassen werden.
    Du schreibst leider nicht was für eine Art Insulin er abends bekommt. Ein Langzeitinsulin muss gespritzt werden.
    Es ist bei einem BZ von 220 mg%, meiner Meinung nach, auch nicht kontraindiziert. Gerade Demenzkranke naschen vielleicht nachts sogar noch.
    Ich finde dein Verhalten nicht richtig. Du hättest Spritzen sollen oder wenigstens bei Unsicherheit den Arzt verständigen müssen.

    VG
    Dagmar
     
  6. Catsister

    Catsister Junior-Mitglied

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    hab lange auf der Geriatrie gearbeitet und deshalb (denke ich) auch relativ viel Erfahrung mit solchen Sachen...
    1. wie schon meine Vorredner geschrieben haben, ein BZ kurz nach dem Essen ist nicht aussagekräftig....
    2. ein Diabetiker mit solchen Mengen Insulin muß immer eine Grundmenge Insulin gespritzt bekommen und es ist immer wichtig, zu wissen was für ein Insulin gespritzt wird...
    3. Ich finde leider nicht, daß du richtig gehandelt hast, denn erst mißt du zur völlig falschen Zeit den BZ und dann spritzt du nichts.
    Wieviel hat die Pat. gegessen? Hat sie etwas gegessen - nachdem die Schwester ihr dann doch das Insulin gespritzt hatte (Spätmahlzeit?)
    Wir hatten von unserem Oberarzt die Anweisung IMMER die Hälfte der Insulinmenge zu spritzen, wenn der BZ tief war (wobei ein BZ von 220 für mich nicht tief ist)

    Hab selbst einen Pat. vor einigen Wochen gehabt, der hatte ein Schema mit Langzeit-Insulin und Kurzzeit-Insulin
    d.h. bei Werten von ca. 220 mg/dl haben wir zum Abendessen ca. 25IE Langzeit und gute 16 IE Kurzzeit gespritzt und dann nochmals um 22 Uhr ohne Kontrolle (ärztl. angeordnet) nochmals 22 IE Langzeit
    und das war normal....

    Mein Rat: meß den BZ nie mehr nach dem Essen und wenn, dann nur mind. 1 Stunde hinterher und merk dir vorher, was die Pat gegessen hat
    und sprech dich mit ner anderen Schwester ab, was sie tun würde...

    Allerdings versteh ich den Aufstand nicht, die Pat hatte früh ´nen Zucker von 70 und war scheinbar auch noch ansprechbar und nicht somnolent oder so was (weil das Joghurt konnte man ja noch füttern), also warum wird da so ein Aufstand bei euch gemacht.... Bei uns würde es da heißen: dumm gelaufen, merk es dir für´s nächste Mal und Sache gegessen....

    Gruß Catsister
     
  7. archermh999

    archermh999 Newbie

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    Hallo Sternenwart,
    in Deinem beschriebenen Beispiel ( Pat. mit Bz zwischen 400 und 600 mg/dl...)
    wäre es gut gewesen wenigstens die Hälfte der angeordneten Einheiten zu applizieren. Noch wichtiger und richtiger wäre gewesen den diensthabenden Arzt zu konsultieren. Er ist für solche Entscheidungen da.
    Mit freundl. Gruß
    archermh999
     
  8. mobbel1010

    mobbel1010 Newbie

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    hallo @sternenwart!

    mach dir da nicht so´ne gedanken...du hast es dokumentiert und bist somit aus´m schneider. wenn ich das richtig verstanden habe, hat die nachtschwester der patienten das insulin gespritzt?! :gruebel: also...liegt die schuld ja wohl eher bei ihr...ich glaube du hast da nichts zu befürchten.
    und ich hätte wahrscheinlich genauso gehandelt wie du. denn wer ständig einen BZ vonn 300-400 mg/dl und dann "abrauscht" auf 220mg/dl ist bei einem normalen BZ von 120 mg/dl wahrscheinlich schon im anfang einer hypo. und mit 70 mg/dl wirds der frau schon nicht mehr so gut gegangen sein...aber das ist meiner meinung nach kein grund sich aufzuregen oder dir den schwarzen peter zu zuschieben.
    sag bescheid, wie sich das alles entwickelt hat.
    lieben gruß
    mobbel
     
  9. kleo83

    kleo83 Junior-Mitglied

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    Hallo.

    Ich muss dir sagen, dass du in meinen Augen richtig gehandelt hast. Wir auf Station spritzen auch öfters kein Insulin bei 220. Gerade vor der Nacht , in der die Pat. in der Regel ja nichts isst. Du hast es ordnungsgerecht übergeben. Die Nachtwache hatte jetzt die Verantwortung. Sie hat zuviel gespritzt.

    Ich hätte auch so gehandelt. Hoffe es geht alles für dich gut aus...
    Lg kleo:troesten:
     
  10. Mobitz

    Mobitz Poweruser

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    Hallo Sternenwart

    Also ich würde sagen, kein Insulin zu spritzen ist nicht die richtige Entscheidung gewesen. Ein Blutzucker von 22mg/dl ist immerhin kein physiologischer Wert. Und diese werden ja eigentlich bei der Insulintherapie angestrebt.
    Wenn sie immer so sensibel auf Insulin reagiert, ist der richtige Weg, dass man sich mit dem diensthabenden Arzt abspricht und dann eine adaptierte Menge an Insulin spritzt. Eine weitere Kontrolle um 22Uhr und eine weitere vor dem Morgen ist bei Werten, die man im Auge behalten will obligat. So was kann man dann ja dokumentieren und weitergeben.
    Die Verantwortung in die nächste Schicht zu schieben finde ich nicht in Ordnung.
    Sollte bei einer der Kontrollen in der Nacht der Zucker stark abgefallen sein, gibt es ja noch die Spätmahlzeit, die viele ältere Typ 2 Diabetiker eh einnehmen sollten.
    Über die Risiken bei chronisch erhöhten Blutzuckerwerten brauche ich hier ja nicht zu referieren.
    Aber um die Situation GENAU beurteilen zu können, dazu kenn ich natürlich auch die Situation zu wenig.
    Aber aus dem oben geschilderten Beispiel würde ich halt so reagieren (adaptiere Insulindosis nach Arztabsprache, Dokumentation in Pflegebericht und dort auch vermerken, dass bitte engmaschig kontrolliert wird (z.B. 22 Uhr, 01 Uhr, 04 Uhr und morgens ja eh) und Übergabe an nächsten Kollegen.)

    ach ja, ... und nochmals zu erwähnen, dass der Blutzucker VOR dem Essen kontrolliert werden sollte und DA auch die Insulininjektion stattfinden sollte und nicht direkt nach dem Essen ist ja glaub ich überflüssig, oder?!? :wink1:
     
    #10 Mobitz, 07.04.2005
    Zuletzt bearbeitet: 07.04.2005
  11. NibblerHH

    NibblerHH Newbie

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    Nunja ...

    nachdem sie ja kurz nach dem Abendbrot gemessen hat, ist davon auszugehen dass der BZ sowieso noch weiter ansteigt im Laufe des Abends. Ich hätte genauso gehandelt erstmal, also dem Nachtdienst übergeben um 22 Uhr nochmal zu messen.

    Wie schon oft erwähnt wäre es natürlich gut gewesen zu wissen, welches Insulin sie bekommt. Ich hätte zur Nacht sicher keine 40 Einheiten Rapid gespritzt. Schätze dass sie wohl Mischinsulin bekommen sollte... hm

    Blöde Situation irgendwie.
     
  12. Maniac

    Maniac Poweruser

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    ich glaube nicht das sich Sternenwart noch soviele Gedanken darüber macht ;) Das ganze ist 32 Monate her...
     
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