Vergleichbarkeit von Schmerzskalen

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von hartwig, 20.09.2010.

  1. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Moin, moin!

    Habt ihr Erfahrung im Vergleich unterschiedlicher Schmerzskalen? Meine Frage: Ist es denkbar, dass unterschiedliche Schmerzskalen unterschiedliche Ergebnisse liefern? Führt beispielsweise der Einsatz einer VAS zu einem tendenziel höheren/bzw niedrigeren Wert als eine numerische Skala?
    Gibt es da Erfahrungen?

    Gruss Hartwig
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *grübel* Sind nicht immer beide Skalen miteinander verbunden zwecks der besseren Doku- meint Vorder-/ Rückseite= visuell / nummerisch? Du meinst sicher die verbale Erfassung.

    Zu 100% richtig wirst bei der Schmerzerfassung nie liegen, weil egal, welche Skala du benutzt, der Schmerz immer noch individuell den Bildern oder zahlen zugeordnet wird.

    Du kannst sicher auch nonverbale Symptome mit einfließen lassen. entsprechende Skalen gibts in der Demenzbetreuung. Das bringt dich aber auch net weiter, weil der Schmerz subjektiv wahrgenommen und beurteilt wird.

    **Hier stand ein Link... diese Verlinkung war defekt und wurde vorübergehend entfernt**

    Elisabeth

    PS hat deine Frage einen konkreten Hintergrund?
     
  3. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Hmm, ich kenne die Skalen in Deutschland nicht. Bei uns sieht die Praxis oft so aus, dass die Pflegekraft den Patienten einfach nur fragt, wie gross seine Schmerzen auf einer Skala von ein bis zehn sind. Es wird meiner Erfahrung nach keine Skala in die Hand gegeben. Meine Überlegung/Bedenken ist/sind, ob die Werte diese Skalen vergleichbar sind. Würde beispielsweise ein Patient, der auf die Frage nach dem Schmerz mit "6" antwortet auf einer VAS den gleichen Wert einstellen? Würde also im schlimmsten Fall, ein Patient eine höhere, bzw niedrigere Medikamentendosis bekommen, wenn eine andere Skala verwendet wird? Ist also eventuell die Therapie Skalen abhängig?

    Gruss Hartwig
     
  4. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ich verstehe die Frage nicht richtig. Errechnet ihr die Dosierung anhand des Wertes auf der Schmerzskala? Ich meine, nicht als Vergleichs-, sondern als Einstiegswert? Sagt ihr (oder Eure Ärzte) "Der hat einen Ruheschmerz von 5, der kriegt Novamin, und sein Nachbar hat einen von 8, da steigen wir gleich mit Morphin ein"?
     
  5. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Na ja, erstmal ist ja ja von theoretischem Interesse, ob solche Skalen vergleichbar sind...
    Bei uns existiert mitunter ein Schema, beispielsweise 0 -3 keine Medikamention, ab 4 Einstieg mit einem Schmerzmittel. Hier wäre es dann von praktischen Interesse zu wissen, ob Skalen vergleichbar sind oder ob möglicherweise Patienten mit einer bestimmten Skala benachteiligt werden.

    Gruss Hartwig
     
  6. hypurg

    hypurg Poweruser

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    Zur Vergleichbarkeit.

    In einer Klinik sollte man sich auf bestimmte Skalen-Typen einigen, um die Verwirrung gering zu halten. So macht es Sinn, daß alle eingeführten Skalen z.B. von 0 bis 10 gehen, und 0 = kein Schmerz den Anfang bildet.
    Dann ergibt sich auch eine Vergleichbarkeit in der Hinsicht, daß Verfahrensanweisungen oder euere Stufenschemata sich an den Zahlenwerten orientieren, z.B. bei NRS/VAS/VRS/BESD/SAS/KUSS etc. 5 gibt´s diese oder jene Bedarfsmedikation (vgl. Expertenstandard).

    Soll heißen, Pat. A gibt mit NRS 5 an und Pat. B mit VAS 5 an - beide erhalten nach einem Stufenschema für Bedarfsmedikationen die gleiche Stufe.

    Wichtig bei der ganzen Sache ist nun, welche Skala man denn für welchen Patienten auswählt. Das ist aus der Fülle gar nicht so einfach. Viele kommen mit der NRS nicht klar... mal abgesehen von dementen, komatösen oder geistig behinderten; von Säuglingen ganz zu sprechen.

    Hat man eine Skala ausgewählt, sollte bei diesem Patienten dann auch immer die gleiche Skala angewendet werden und nicht zwischen verschiedenen INstrumenten hin und her gesprungen...

    Die NRS ist auch die einfachste, da man keine Hilfsmittel braucht.

    Schmerz ist wie schon erwähnt sehr individuell. Bei einer Zielvereinbarung mit dem Patienten würde ich immer erfragen (und als Ziel dokumentieren) - mit welcher Schmerzhöhe der Patient akut - und langfristig - zufrieden wäre. Nicht jeder Patient wünscht eine Schmerzhöhe unter 3. Andere mit 2 möchten trotzdem ein Schmerzmittel.

    So sehe ich in dem Einschätzungsverfahren den Vorteil, daß sich das Augenmerk der Pflegenden auf die Schmerzsituation richtet und daß ein Verlauf sichtbar wird.

    Gute Nacht
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Visuell vs. verbal. Es hängt meiner Ansicht nach an der Wahrnehmungsverarbeitung.
    Beispiel: Hast du jemand, der eine gute visuelle Vorstellunggabe hat, dann wird der vor seinem inneren Auge eine Skala erscheinen lassen von 1-10. Ist diese Fähigkeit nur unzureichend vorhanden, wird die Aussage wahrscheinlich unscharfer ausfallen. An welche Zahl erinnere ich mich zuletzt?

    Wie du das Problem beseitigen kannst? Meines Erachtens nur im konsequenten Einsatz nur einer Skala, z.B. der VAC.

    Wird die Schmerzdosis außer der Skaladosis noch individuell angepasst: z.B. Gewicht d. Pat.?
    Und ist die VAC nicht auch nummerisch unterlegt? Ich verstehe irgendnwie das Problem doch net ganz.


    Elisabeth
     
  8. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Also, ich bin ja eher ein Theoretiker... Mich interessiert hier vor allem der Prozess des Messens und die Frage, ob unterschiedliche Instrumente hierbei zu Störungen führen. Sicherlich sind unterschiedliche Skalen nicht vergleichbar - schon allein deswegen, weil nicht alle Instrumente den Schmerzreiz auf einer Skala von 0 - 10 abbilden. Was mich aber interessiert ist, ob diese Unterschiede ganz willkürlich sind, oder ob es eine generelle Tendenz gibt, führt beispielsweise der Einsatz eine VAS im Vergleich zu einem numerischen Verfahren immer zu höheren (oder auch niedrigeren) Werten?
    Gibt es vielleicht nur eine bestimmte Patientengruppe bei der dies zu beobachten ist?
    Sollte das Pflegepersonal grundsätzlich bei allen Patienten immer die gleiche Skala verwenden oder sollte die Skala individuelle auf den Patienten abgestimmt werden? Wenn ja, nach welchen Kriterien ist hier vorzugehen? usw.

    Ich bin nur sehr selten auf einer Station und kenne den exakten Ablauf nicht. Habe eben einfach bei meinem letzten Ausflug auf Station beobchtet, dass ein solches Schema besteht und mich gefragt, welche Konsequenzen hier unterschiedliche Skalen für den Patienten haben können.

    Gruss Hartwig
     
  9. Julien

    Julien Poweruser
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    Hmmm... Interessantes Thema... Die VAS hatte ich auf der HNO beim Examenseinsatz. Dazu passend gab es einen Schmerzstandard (für den erwachsenen Teil der Patienten), der die verschiedenen Werte der analogen Skala mit Medikation gekoppelt hat. Dabei kamen bei der analogen Skala niedrigere Werte raus als bei der visuellen. Vielleicht weil es bei der visuellen nur fünf Bildchen gab, die man vom Gesichtsausdruck her unterschiedlich interpretieren könnte, während die Erwachsenen mit den Zahlen ganz genau ihr Schmerzempfinden ausdrücken konnten. Kleinere Kinder waren schon mit den Bildchen überfordert, vor allem wenn sie vor Schmerz kein wirkliches Interesse an der blöden Frau mit dem Smilieschieber hatten (oder sogar Angst vor mir, denn alle Schwestern sind böse und tun einem weh).

    Momentan benutzen wir die NIPS-Skala (auf der Neo, versteht sich). Dabei wird der Schmerzstatus natürlich von mir durch Beobachtung eingeschätzt. Leider wird das oft vergessen, vielleicht weil die Kleinen keine Analgesie direkt einfordern können? Gibt es etwas Ähnliches auch für Erwachsene? Schmerzeinschätzung nach Verhaltensbeobachtung (Mimik, Unruhe, etc.)? Das fänd ich interessant...
     
  10. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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  11. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Moin,

    ich habe gerade die ganze Zeit "Beamte" statt "Beatmete" gelesen und bin schon stark ins Zweifeln gekommen, wieso es denn für Beamte eine extra Skala gibt....:P:P

    Gruss Hartwig
     
  12. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Du erheiterst mir den Nachmittag...

    Ja, nun Beamte brauchen eine extra komplizierte und an ihr Fachgebiet angepasste:rocken::besserwisser::engel:
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Sofern du etwas qualitativ misst- und das sind subjektive Wahrnehmungen nun mal- wirst du immer eine Abweichung finden. Eine Übereinstimmung von Aussagen zu unterschiedlichen Zeiten findest du nur bei quantitativen Messungen.

    Die quantitative Meßmethode ist definiert, der Meßvorgang erfolgt unabhängig von der Subjektivität des Meßenden. Der Wert ist ojektiv.

    Selbst wenn du immer dieselbe Skala verwendest, musst du mit Abweichungen rechnen. Stichwort: Interaktion zwischen zwei Individuen- hier in Form von z.B. Angst.

    Elisabeth
     
  14. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Das ist natürlich klar und lieg nun mal in der Natur dieser Methode. Mein Punkt ist aber der: nehmen wir an, ich fordere einen Patienten auf, mir auf einer Skala von Null bis Zehn, einen Werte zu nennen, der am ehsten seinem Schmerzniveau entspricht. Der Patient nennt mir daraufhin "6". Nun geben ich dem Patienten eine Skala in die Hand, auf der er einen Schieberegler beliebig zwischen den beiden Positionen "kein Schmerz" und "maximaler Schmerz" bewegen kann. Der Patient sieht hier keine numerischen Werte, sondern nur die Position des Regler. Auf der dem Patienten abgewandten Seite sind allerdings die numerischen Entsprechnungen abzulesen. Wohin wird der Patient die Skala regeln?

    Ich wiederhole nun dieses Experiment bei einer grösseren Anzahl von Patienten. Zur Auswertung trage ich die relativen Abweichungen von exakten numerischen Wert in eine Grafik ein. Es gibt zwei mögliche Ergebnisse:

    Ergebniss 1: Die Streungen sind zu beiden Seiten des Wertes normalverteilt. Das bedeutet, es hängt einfach vom Zufall ab, ob der Patient den Schieberegler etwas über oder unter den zuvor genannten numerischen Werte einstellt.

    Ergebniss 2: Die Streuungen liegen tendenziell über oder unter dem zuvor genannten numerischen Wert. In diesem Fall könnte die Art der Skala einen Einfluss haben.

    Soweit mein Gedanke.

    Gruss Hartwig
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich würde sagen: These 1 wenn du als Erklärungsgrundlagedie Psychologie nimmst. Eien andere Bezigswissenschaft würde mir bei dem Thema auch net einfallen. Befrag doch mal diese Fachleute, was sie zu deiner Frage sagen.

    Elisabeth
     

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