Vergleich s.c. und i.m. Injektion

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Spritze, 15.04.2008.

  1. Spritze

    Spritze Senior-Mitglied

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    Hallo,
    welche Unterschiede bzw Gemeinsamkeiten gibt es bei den beiden Injektionsarten hinsichtlich:
    Wirkungseintritt, Wirkungsdauer.......
    beim injezieren des gleichen Medikaments?
    Danke im voraus für die Antworten,
    Spritze
     
  2. NiCkMuC_

    NiCkMuC_ Stammgast

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    Was kannst du dir den vorstellen?

    Ist das eine Schulaufgabe?
     
  3. Schwester Schnecke

    Schwester Schnecke Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Interessante Frage; hat mich zum Nachdenken und Nachschlagen angeregt.:gruebel:
    Das meiste war mir bekannt (aus der Praxis), wußte die Zeiten des Wirkungseintritts aber nicht genau:

    i.m.-Injektion: Wirkungseintritt nach 10-15 Minuten
    s.c.-Injektion: Wirkungseintritt nach 20-30 Minuten
    (Muskeln sind halt besser durchblutet als Unterhautfettgewebe)

    Wirkungsdauer bei gleichem Med.; Muskelgewebe baut aufgrund der besseren Durchblutung das Med. schneller wieder ab bzw. verstoffwechselt es schneller. Bei Med. im Unterhautfettgewebe tritt die Wirkung zwar langsamer ein, aber hält auch etwas länger an (kleiner Retardeffekt)

    Reicht Dir das!?
    Ansonsten fallen mir nur noch allgemeine Infos zu i.m.- und s.c.-Injektionen ein:

    Vorteile i.m. und s.c.-Injektion
    >Kein Wirkstoffverlust; wie etwa durch Resorptionsstörungen bei oraler Gabe
    >Lokale Dosierung; Med. können direkt an den Ort des Geschehens gebracht werden, z.B. Lokalanästhetika
    >Exakte Dosierbarkeit; können im Gegensatz zu Tbl. oder Drgs., die evtl. geteilt werden müssen und dann ungenau dosiert werden, bis auf´s mg/ml genau dosiert werden
    >Steuerung von Wirkungseintritt und Wirkungsdauer; durch die Auswahl der Injektionsart und -lösung (Depotpräparate) können Eintritt und Dauer der Wirkung beeinflußt werden
    >Vermeiden von Magen-Darm-Beschwerden; durch Umgehung des Magen-Darm-Traktes werden die bei oraler Gabe möglichen Schleimhautschädigungen vermieden (wenn die Beschwerden nicht die Folge einer systemischen Wirkung des Med. sind)
    >Unabhängig von den Ressourcen des Pat.; möglich bei Pat. mit Schluckstörungen oder bewußtlosen Pat.

    Nachteile/Komplikationen i.m. und s.c.-Injektion
    >Unverträglichkeitsreaktionen; können zwar bei jedem Med. auftreten, sind bei parenteraler Gabe aber oft ausgeprägter und setzen schneller ein
    >Schmerzen; durch zu zögerliches Einstechen der Kanüle oder zu schnelles Injezieren der Lösung
    >Hämatome
    >Nervenverletzungen (bei falscher i.m.-Injektion)
    >Gefäßschädigungen bis Gefäßverschluß (z.B. bei unterlassener Aspiration versehentlich i.a. anstatt i.m. gespritzt)
    >Gewebeschädigung bis zur Nekrose; bei Unverträglichkeit des Gewebes gegenüber dem Med. (zu kurze oder zu lange Kanüle und versehentlich s.c. anstatt i.m. gespritzt)
    >Lokale und/oder generalisierte Infektionen; durch unhyg. arbeiten, fehlerhafte Hautdesinf., unsaubere Materialien...

    Viele Med. dürfen s.c. und i.m. injeziert werden, einige machen bei falscher Applikation aber Gewebeschädigung (siehe oben) oder verlieren ihre Depotwirkung und dürfen dann nur strikt s.c. oder i.m. gespritzt werden.
    Mehr fällt mir auch nicht ein...

    Mit bester Empfehlung,
    Schwester Schnecke:mrgreen:
     
  4. Spritze

    Spritze Senior-Mitglied

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    Hallo,
    und vielen, vielen Dank für die super ausführliche Antwort von Schwester Schnecke. Es ging mir darum, viele Medikamente werden bei uns i.m. gespritzt, obwohl laut Beipackzettel und diversen Fachbüchern s.c. möglich wäre. Begründung: das machen wir schon immer so....???!!!! Deshalb meine Frage.
    Schöne Grüße
    Spritze
    P.S.: Danke auch für die Antwort bzw Frage von NiCkMuC_ - es ist keine Schulaufgabe.
     
  5. Kleine Anmerkung:
    Die Wirkgeschwindigkeit ist bei der intramuskulären Gabe schlechter vorhersagbar, weil sie von der Aktivität des entsprechenden Muskels abhängig ist.

    Ulrich Fürst
     
  6. Ms Swan

    Ms Swan Junior-Mitglied

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    Praxisanleiterin
    hey,
    das ist interessant. Wir bevorzugen die s.c.-Variante, natürlich nur wenn es das Medikament bzw. die Indikation erlaubt. Gründe: minimales Trauma (dadurch weniger Schmerzen), keine "umständliche" Lagerung des Patienten (im Sinne des Pat.!!), bei evtl. Infektionen--> Verlauf weniger risikoreich, (außerdem,(reisst mir nicht den Kopf ab!) empfinde ich, als Schwester, es angenehmer s.c. statt i.m. zu spritzen. Ich hoffe, dass das jetzt niemand falsch versteht. Meine Entscheidungen treffe ich immer im Sinne des Pat.


    Ich habe vor einigen Jahren einen Patienten betreut, mit nekrotisierender Fasziitis noch einer ambulanten i.m.-Injektion. Dieses Beispiel ist mir immer Kopf geblieben..
     
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