Verbale Gewalt am Bewohner?

Dieses Thema im Forum "Gesetze und Rechtsfragen in der Altenpflege" wurde erstellt von maru1956, 07.05.2008.

  1. maru1956

    maru1956 Newbie

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    Hallo,

    ich muß mir heute mal Luft machen, das war zuviel, was eine Kollegin sich geleistet hat (ich hoffe, ich hab die richtige Ecke gefunden, sonst bitte verschieben).

    Wir arbeiten jeweils alleine auf einer Wohngruppe mit je 12 BW. Für 4 WG ist ein ex.Altenpfleger zuständig.

    Heute Abend hörte ich auf meiner Wohngruppe die Kollegin auf der anderen Wohngruppe fürchterlich schreien (bedingt durch die langen Flure sind es ca. 50m bis dahin).
    Ich hab mich auf den schnellstem Wege dorthin bewegt, da ich dachte, es ist was passiert.
    Gottseidank nicht.
    Meine Kollegin schrie eine Bewohnerin an, die um 19Uhr noch nicht ins Bett wollte. Diese Dame ist zwar etwas dement, aber noch relativ selbständig.
    Die Bewohnerin bekam zu hören, sie "wäre bekloppt", und sie hätte zu tun, was sie (meine Kollegin) will und was sie glaubt, warum sie in einem solchem Haus wäre.
    Ich dachte, ich höre nicht richtig ! Die Raumpflegerin hat auch alles mitbekommen und versucht, so schnell wie möglich da weg zu kommen. Später sagte sie mir, das sie solche Ausbrüche der besagten Kollegin schon häufiger mitbekommen hätte.

    Mit dieser Kollegin hatte ich am Anfang schon wegen solcher Sachen Probleme. Sie versucht im Frühdienst, den BW den eigenen Tagesrhythmus aufzudrängen und verlangt, das diese früh aufstehen. Als ich damals sagte, das gehe nicht, da der BW seinen eigenen Rhythmus und das Recht hat, länger zu schlafen als bis 7Uhr wurde mir gesagt, sowas gibt es nicht, die BW hätten pünktlich am Frühstückstisch zu sitzen. Selbst von der WBL hatte ich damals keine Unterstützung bekommen.

    Ich sagte dieser Kollegin heute abend, sie möchte doch mit dem Schreien aufhören und die Bewohnerin in Ruhe lassen, wenn sie nicht ins Bett will.
    Bekam dann zu hören, geht mich nichts an, soll mich um meine eigene WG kümmern. Bis Sonntag habe ich selbst auf der Wohngruppe gearbeitet und kenne die Bewohner alle sehr gut.

    In der Zwischenzeit kam auch der ex.Altenpfleger (der das ebenfalls gehört hat) und hat mit der Kollegin gesprochen. Klar, sie bleibt dabei, das sie richtig gehandelt hat.

    Dieser Kollege hat dann telefonisch noch unsere neue PDL informiert. ich denke/hoffe, das morgen endlich mal was unternommen wird.


    Ich mußte das einfach loswerden heute, das war definitiv zu viel.
    Für mich ist das ganz einfache verbale Gewalt am Bewohner.

    Bewohnerin kam später noch total aufgelöst zu mir und sagte, sie hätte kein zu Hause mehr, kein Zimmer und sie hat keine Lust mehr.
    Ich hab versucht sie zu beruhigen und fast ne Std. noch mit ihr gesprochen, weiß aber nicht, ob es ihr letztendlich geholfen hat.


    Ich krieg es einfch nicht aus dem Kopf. ich finde es grausam.

    Und das Problem ist, das viele meiner Kollegen so denken. Nicht nur, was das Aufstehen und Zu-Bett-Gehen anbetrifft. Nein, auch wenn es um BW geht, die noch klar denken aber bei uns sind, weil sie wg. körperlicher Gebrechen nicht mehr allein wirtschaften können und dann sediert werden , damit sie ruhiger werden.

    Ich hatte mir mal erlaubt, zu sagen , das eine Sedierung ein Freiheitsentzug ist und der Zustimmung des Bewohners bzw. der Betreuung bedarf sowie einer richterlichen Genehmigung. als Antwort bekam ich zu hören, das es geht, wenn der Arzt es im Rahmen der "Heilbehandlung" für notwendig erachtet.

    Manchmal fasse ich es nicht.
    Ich würd so gerne was ändern an solchen Zuständen - aber ich denke, ich verliere eher meinen Job als das sich was ändert.

    maru
     
  2. Schw.Katrin

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    Hallo Maru,

    ich kann deine Situation so gut verstehen und ich hatte ähnliche Situationen schon einfach zu oft. Das war der Hauptgrund, warum ich nicht mehr auf einer Palliativstation bei uns arbeiten wollte. Ich habe so viele Dinge gesehen und gehört und jederlei Kampf dagegen war aussichtlos, da zu viele sich auf die Gegenseite geschlagen haben.

    Es ist wirklich oftmals so, dass alle Patienten gleich behandelt werden, ob sie vollkommen klar sind, demenz sind, oder nur körperlich eingeschränkt. Sie werden behandelt wie Kinder, fühlen sich dann sehr unwohl und schlecht. Eine Unwürdige Behandlung für jeden Menschen. Das schlimme ist, es geht auch ganz anders (dauert nicht mal viel länger) und da muss ich deine Arbeitsweise und deine vorbildlichen Gedanken loben, bei dir wäre ich gern Bewohner!

    Die Hauptsache ist, dass du deiner Einstellung treu bleibst und weiter so gut zu den Menschen bist. Ich finde es so toll das du schon mehrfach versucht hast dagegen anzukommen und etwas zu unternehmen! Klar ist es sehr sehr schwer sowas zu verarbeiten und im Feierabend "abzuschalten", aber ich hoffe ganz doll und dabei drück ich dir die Daumen, dass mal etwas gegen deine Arbeitskollegin unternommen wird!

    Liebe Grüße

    Katrin
     
  3. Mietze-Katze

    Mietze-Katze Senior-Mitglied

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    ... und wie heisst es so schön?

    DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR !!!
     
  4. Jeder Altenheimbewohner sollte das Recht haben, nach seinem persönlichen Rhythmus zu leben. Aber ist das durchführbar? Kannst Du jeden waschen, wenn er will? Jeden essen lassen, wenn er will? Ich denke, daß das unmöglich ist.
    Und daß Bewohner angeschrieen werden, ist natürlich nicht statthaft. Wenn es allerdings einmal passiert, würde ich das als Augenblicksversagen abtun. Wenn bei mir ein Patient von 00 Uhr 30 bis 00 Uhr 35 viermal schellt, um jedesmal zu fragen, ob es jetzt endlich Frühstück gibt, bin ich beim vierten Klingeln auch nicht mehr ganz so freundlich, wie beim ersten Klingeln. Das mag falsch sein, aber ich halte es für entschuldbar. Wenn es eine Ausnahme ist!
     
  5. Lin

    Lin Poweruser

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    Dem muss ich widersprechen. Gerade wenn es sich dabei um demente Personen handelt, kann ich ihnen nicht vorwerfen, dass sie mal was vergessen. Wenn dir so etwas passiert, gehst du dann jedes mal zu deinen Bew. und entschuldigst dich?
    Anschreien oder lauter werden ist für mich inakzeptabel und wenn ein persönliches Gespräch mit der Person nichts bring, würde ich auch zur PDL gehen. Und zwar so oft bis es was bringt!

    Zum persönlichen Rhythmus: Wieso soll es gänzlich nicht machbar sein? Bei 12 Bewohner (ich gehe mal davon aus, das sind keine Schwerstpflegebedürftigen) wäre es durchaus machbar. Wenn nicht in einem Altersheim, wo dann? Das ist ihr zuhause und wieso hätten sie dort auf einmal kein Recht mehr auf selbstbestimmtes Leben?
    Ich glaube, da geht es um die Zeiteinteilung. Wenn ich z.B. einen fast selbstständigen Bew. komplett wasche oder dabei stehe, brauche ich natürlich länger, als wenn ich sage, er soll läuten, wenn er bei den Beinen ist (oder wo auch immer er nicht hinkann).

    Gruß,
    Lin
     
  6. maru1956

    maru1956 Newbie

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    hallo,

    Es gibt nie einen Grund, einen Bewohner anzuschreien. Kein Mensch hat das Recht , einen anderen Menschen anzuschreien.

    Nur ist besagte Kollegin die einzige, die sich regelmäßig und das oft im Ton gegenüber den Bewohnern vergreift. Ist einschl. der WBL allen bekannt.
    Aber sie hatte heute ein Gespräch mit dem PDL Viell. bringt das ja mal was.

    Nach der Übergabe wurde allerdings festgestellt, das die Bewohnerin, um die es geht, am Oberarm Innenseite ein riesiges Hämatom hat (als wenn sie am Oberarm mit Kraft festgehalten wurde).
    Die WBL hat es fotografiert, einen Eintag im Pflegebericht gemacht, weitere Maßnahmen hat sie erstmal nicht ergriffen.



    gruß maru
     
  7. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Joa, es geht um zeit, natürlich. Aber ich kann mir die zeit einteilen wie ich will, es gibt genug demente Patienten die auch 5 Min NACH der Grundpflege endlich gewaschen werden sollen.

    Dafür muss man dann eine pflegekraft abstellen, die den ganzen Tag macht, was der Bewohner/Patient gerade will.
    Geht halt nicht.

    ---
    Das hat jetzt aber nichts mit dem Ausgangspost zu tun, so kanns natürlich auch nicht laufen.
     
  8. Lin

    Lin Poweruser

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    Ich meine damit ja nicht die Extrembeispiele, sondern wollte nur daran erinnern, wie wir (und da nehme ich mich selbst nicht aus) oft eingefahren - und meist nicht mal zeitsparend - arbeiten. Z.B. Grundpflege MUSS morgens stattfinden, Bew./Pat. MUSS sich jeden Tag von oben bis unten waschen, Bew. MUSS um 7 Uhr schon fertig "gestylt" sein (zugegeben, wer von uns ist schon um 7 Uhr morgens ausgehbereit, wenn wir nichts besonderes vorhaben?), Essen MUSS im Gemeinschaftsraum eingenommen werden, usw.

    Aber das ist wirklich ein anderes Thema.

    Gruß,
    Lin
     
  9. Schwester Schnecke

    Schwester Schnecke Senior-Mitglied

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    Aber Fakt ist, dass diese Kollegin, wenn die wirklich öfter so drauf ist und den BW ihren Rhytmus aufdrängen, ihre Eigenständigkeit nehmen will, aggressiv wird (oder sogar handgreiflich!?) in dem Job einfach fehl am Platze ist.

    Im Sinne Eurer BW hoffe ich, dass diese Kollegin sich
    a)um 180° ändert (was ich nicht glaube)
    oder
    b)sich am besten gleich ´nen anderen Job sucht (was ich auch nicht glaube)
    Vielleicht wird sie die Stelle wechseln/gewechselt werden, aber dann macht sie da so weiter...

    Solche Leute haben doch echt nichts in der Pflege verloren...
    Wenn ich das höre schwellen auch mir die Karotiden an!:angry:


    Sr. Schnecke
     
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