Veränderte Klientel im Laufe der Zeit?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von diamondice, 23.11.2006.

  1. diamondice

    diamondice Junior-Mitglied

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    Hallo miteinander,

    ich arbeite auf einer sozialpsychiatrischen Station, die meist geschlossengeführt wird. Angefangen habe ich dort vor ca. 4 Jahren, nachdem ich bereits 1 Jahr zuvor dort das Praktikum im Rahmen der Ausbildung gemacht hatte.

    Mir drängt sich im Laufe der Zeit der Eindruck auf, dass sich unser Klientel lansam aber stetig ändert. Als ich anfing standen Psychosen eindeutig im Vordergrund, der klassische Maniker war noch häufig.

    Jetzt meine ich, dass immer mehr, immer schwerere Fälle von Persönlichkeitsstörungen kommen. Dabei werden die Patienten immer jünger und unangepaßter, um nicht zu sagen dissozialer. Dazu muß ich sagen, dass in unserem Einzugssektor ein Wohnheim für psychisch Kranke zw. 18-30 liegt.

    Diese Änderung des Klientel kann ich nicht wissenschaftlich oder mit Zahlen untermauern, ist halt so eine gefühlte Sache.

    Konntet Ihr ähnliches auch bei Euch feststellen?
    Was glaubt Ihr woran das liegt?

    Ich hab mir natüröich auch so meine Gedanken dazu gemacht, etwa über eine bessere ambulante Versorgung von Psychotikern oder über die gesellschaflichen Themen, die gerade die Schlagzeilen beherrschen, siehe Emsdetten.

    Eure Gedanken dazu interessieren mich sehr.
     
  2. Flitze

    Flitze Newbie

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    gefühlte veränderungen, welche sich ja belegen lassen --> aufnahmen in den letzten jahren (aufnahmearzt) :D ambulanzzugänge :D

    ...nein aber mal im ernst, seh das ebenso, bei uns ist es ähnlich...arbeite seit jahren auf einer geschlossenen station (eigengefährdung) mit dem schwerpunkt Borderline und habe auch das gefühl das immer neue und schwerere fälle zu uns kommen bzw. neue: pat. mit einer dis-diagnose.

    gruß
     
  3. Brady

    Brady Gast

    Hallo Diamondice,

    da gebe ich Dir Recht. Habe auch das Gefühl, dass viel mehr jüngere Patienten mit frühen Persönlichkeitsstörungen kommen als vor ein paar Jahren.

    Habe aber auch das Gefühl, dass die Patienten "kranker" sind. Einerseits erkäre ich mir das dadurch, dass jeder der einigermassen hinkommt, der macht eine ambulante Therapie. Weil kaum einer in dieser wirtschaftlichen Situation eine Therapie von 6 bis 8 Wochen (z.B.bei mir oft so) machen kann ohne Angst um seinen Arbeitsplatz oder Ausbildungsplatz zu haben.

    Dann die vielen jungen Menschen, die in ihrer Kindheit eine emotionale Unterversorgung hatten, die so nicht mehr gut zu machen ist. Ich halte es für Quatsch, dass aus einem Menschen der Ego-Shooter spielt, automatisch ein Amokläufer wird. Da macht man es sich mal wieder zu einfach.

    Die Familie bedarf einen besseren Schutz, bzw. die Kinder....Irgendwas läuft da verdammt schief...schon am Anfang. Denke da gerade an das Jugendamt, was auch schlichtweg überfordert ist....
    Die Strukturen von früher gibts so nicht mehr oft...wie Mutter, Vater, Oma, Opa..usw...
    Meiner Meinung nach, muss viel eher was passieren. Auch an den Schulen, an den Kindergärten.....
    Diesen veränderten Strukturen müsste auch was passendes angepasst werden. Das ist meine Meinung.

    Liebe Grüße Brady
     
  4. Tamara_München

    Tamara_München Stammgast

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    ich arbeite seit 3 jahren auf einer geschlossenen akutaufnahmestation für suchterkrankungen (schwerpunkt alkohol)

    vor 3 jahren konnte man sagen, dass unter den patienten noch viel mehr "reine" alkoholiker waren. jetzt haben wir zu 96% patienten mit doppeldiagnosen!!!
     
  5. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo,
    die gesellschaftlichen Strukturen werden sich sicher nicht so schnell ändern.
    Familienfreundlichkeit z.B. ist nach wie vor nur Wahlwerbepalaver. Die Zeiten werden sicher noch stressiger, die Anforderungen an alle Arbeitnehmer noch höher und auf Familien (leider) noch weniger Rücksicht genommen. Das alles mit dem Totschlagargument des globalen Wettbewerbs.
    Ergo werden Persönlichkeitsstörungen in der Psychiatrie weiter zunehmen.
    Ein weiterer Grund ist die in den letzten Jahren zugenommene Sensibilisierung und Anerkennung solcher Störungen als echte Krankheiten.
    Als letztes fällt mir noch ein, dass durch das zunehmend enger werdende Netz der psychiatrischen Versorgung mehr Patieneten erreicht werden.
    MfG
    rudi09
     
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