Unterstützen der interdisziplinären Kommunikation

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Susanne Huber, 28.12.2007.

  1. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    An Jonataube:

    Zu dem Vorschlag, hier im Forum "Tips und Tricks" auszutauschen, wie man bei Hausärzten argumentiert:
    kann ich nur sagen, dass ich seit über 8 Jahren ambulant Patienten mit chronischen Wunden versorge, und wirklich ausreichend Erfahrung im Argumentieren habe.
    Mein "Geheimrezept"?
    Fundiertes Fachwissen, offene Gespräche suchen, gute Argumentation mit objektiv zu beurteilenden Argumenten (nicht "ich fühle, ich meine, der Patient fühlt, ich glaube..."), zuhören können, bereit sein, sich mit der Sichtweise des Arztes auseinanderzusetzen, nicht jede Woche dem Arzt ein neues Produkt vorschlagen, weil das angeblich so toll sei...

    Kurzum habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Ärzte im Laufe ihrer Berufserfahrung das Vertrauen in das Krankenpflegepersonal verloren haben, weil sie sich schon mal über den Tisch gezogen fühlen. Oder wie würdet Ihr Euch vorkommen, wenn Ihr einen Hausbesuch macht, und Ihr findet beim Patienten einen Schrank voll (teilweise verfallener) Verbandmaterialien, die schon lange nicht mehr verwendet werden?? (nur ein Beispiel, das ich selber erlebt habe)

    Vermutlich ist die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften sowieso einen eigenen Tread wert, aber mir war an dieser Stelle einfach wichtig zu sagen, dass wir die "Schuld" gerne bei anderen (z.b. den Ärzten) suchen.

    Viele Grüße, Susanne
     
  2. Jonataube

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    Hallo Susanne....

    damit gebe ich dir vollkommen recht....aber kennen wir das nciht beide, zumindest habe ich das so oft erlebt das es gerade an dem fundierten Fachwissen mangelt und wenn die Ärzte richtig disskutieren wollen brauchen sie ein gestandenes Gegenüber und keine eingeschüchterte Krankenschwester die bei den ersten Zügen einer Diskussion oder auch nur eines fachlichen Gespräches umfällt, weil Physiologie oder Pathologie oder Pharmakologie oder egal was nicht mal in den Grundlagen richtig vorhanden sind.....das finde ich extrem Schade und auch schlimm....denn wenn man sich die Auswirkungen dessen was manchal draußen rum läuft (platt gesagt) ansieht....ojeoje.... (damit meine ich nicht alle, nur die die es ebene betrifft, hoffe du verstehst mich)
     
  3. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    Hallo Jonataube,
    ich verstehe Dich ganz gut!
    Tatsächlich ist nicht jeder geeignet, mit einem Arzt eine Therapie oder Behandlung zu diskutieren. Leider fallen viele da um, wie Du sagst. Oder noch schlimmer, sie kommen mit Argumenten, die sind so peinlich, da schert der Arzt unsere ganze Berufsgruppe gleich über einen Kamm und verschließt sich dann den vernünftigsten Argumenten (so fern sie von einer Pflegekraft kommen)

    Das habe ich alles schon erlebt.
    Ich bin der Meinung, man sollte die Diskussion mit einem Arzt trainieren. Am bessten im Team. Einer spielt den Arzt (eine erfahrene Kraft, die sich vorstellen kann, wie ein Arzt argumentieren oder auch nur fragen würde) und der andere eben "uns", die Pflegekraft.

    Vor allem sollten Pflegekräfte erst mal ihr Selbstbewusstsein stärken. Ich weiß nicht, was Du alles schon erlebt hast, aber ich halte z.B. viele Fortbildungen für Pflegekräfte zu den unterschieldlichsten Themen. Und an den Fragen der Teilnehmer (zum Teil schon jahrelang in der Pflege) stelle ich oft einen großen Mangel an Selbstbewusstein fest. Oder wie würdest Du eine Frage deuten, nach dem Du die Einteilung von Dekubitalulcera nach NPUAP vorgestellt hast: "ja, dürfen wir das (die Einteilung) denn überhaupt?"
    Wie soll eine solche Schwester / Pfleger mit einem Arzt über Therapievorschäge diskutieren???????

    Wie Du merkst, ist das ein Thema, bei dem ich so richtig warmlaufen kann, denn wir Pflegekräfte sind wirklich eine Berufsgruppe, die sich so richtig von anderen sagen lässt, was sie zu tun und zu lassen hat. Wir warten regelrecht darauf, dass wir diesbezügliche Anordungen bekommen!!!
    Ein klassisches Beispiel ist z.B. Herr Fussek. Der "Pflegeexperte". Beruf: Ich glaube Sozialpädagoge!
    Der hat sich noch nie gefragt, ob er "das denn darf!"

    Vielleicht sollten wir Pflegekräfte uns auch mal solche Titel zulegen. "Sozialexperte, Hygieneexperte, Kommunikationsexperte, Wirtschaftsexperte, Mediziniexperte" um nur einige Beispiele zu nennen.

    Aber um noch mal zum Anfang zurückzukommen. Neben ausgewogenem Selbstbewusstsein benötigen wir vor allem auch das entsprechende theoretische Hintergrundwissen und die Erfahrung, wenn wir in Diskussionen bestehen wollen. Also lebenslanges Lernen! Wir müssen lernen, uns in der gleichen Sprache auszudrücken, die derjenige spricht, mit dem wir uns unterhalten wollen. Folge: Erweitern der medizinischen Fachterminologie!

    So weit viele Grüße, Susanne
     
  4. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    An alle

    erst mal vielen Dank an Narde für das Eröffnen dieses Threads.
    Und bevor ich jetzt zu sehr in der Theorie abhebe, wollte ich ein paar praktische Beispiele für die interdisziplinäre Kommunikation nennen:

    Ihr habt eine Patientin/Kundin/Gast/Bewohner...
    der hat abgenommen. Isst nichts mehr. Kaut ewig lang am Essen.
    Vom Arzt wollt Ihr die Verordnung von Trinknahrung erwirken. Natürlich sagt keiner dem Arzt: "Bitte verschreiben Sie dem Bewohner Trinknahrung" (Warum eigentlich nicht?)
    Ihr wollt, dass der Arzt selber draufkommt.
    Also argumentiert Ihr: "Der hat so abgenommen, der ist so dünn, dem schmeckt es nicht mehr, der will nicht essen, der kann nicht essen, der isst so schlecht, ....." FALSCH!

    Erste Regel: Der Arzt hat keine Zeit!, Kommt nicht mit einem Problem, kommt mit dem Problem UND schlagt eine Lösung vor! Kommt nicht als Bittsteller rüber sondern seid GLEICHBERECHTIGTE Gesprächspartner:

    Also: Wo bespreche ich was wann mit wem? und Wie???

    Nehmt Euch Zeit! Schafft den passenden Rahmen! NICHT JAMMERN sondern objektiv das Problem definieren:

    Herr Dr., Frau XXX hat seit Ihrer letzten Visite 2 kg abgenommen. Nun hat sie einen BMI von 19. Was halten Sie davon, ihr zur Nahrungsergänzung Trinknahrung zu verschreiben.

    Wenn der Arzt Euch nun frägt, welches Produkt Ihr vorschlagt, solltet Ihr mindestens 1 Produkt nennen können. Ihr solltet sagen können, was genau auf dem Rezept stehen muss. (Produktename, Stückzahl, Menge, Packung u.s.w.) ggf. muss noch eine Diagnose mit drauf, die also auch gleich im Hinterkopf haben! (Diagnose ist z.B. bei Trinknahrung unbedingt erforderlich, da nicht mehr generell verschreibungsfähig)

    So wir spielen das weiter: Der Arzt sagt: NEIN, mein Budget gibt das nicht her und schaut mal, die isst doch gerade. Das wird schon wieder.

    OK! NICHT die Antwort des Arztes persönlich nehmen!!!!! Das war eine völlig normale Reaktion, die sich nicht gegen Euch persönlich gerichtet hat!

    Was tut Ihr nun: regelmäßig den Bewohner wiegen, und alles dokumentieren, was der Bewohner isst. Auch alles dokumentieren, was Ihr unternommen habt, um den Bewohner zum Essen zu bewegen.

    Dann, in 2-4 Wochen das Problem erneut bei einer Visite ansprechen. Wenn Ihr Euch nämlich nicht mehr meldet, geht der Arzt ggf. davon aus, dass die Bewohnerin wieder "normal" isst.

    ODER der Arzt verschreibt die Trinknahrung. Dann bitte auch hier dokumentieren, Gewicht und Entwicklung , Was gegessen und getrunken wurde. Auch hier benötigt der Arzt in der nächsten Visite unbedingt ein Feedback!

    Das könnte man ewig so weiter"spinnen".

    viele Grüße Susanne
     
  5. Jonataube

    Jonataube Junior-Mitglied

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    Klasse Idee mit dem Abkoppeln....hier gehört es doch besser hin ;)!!!

    Zu dem Thema....es ist auch eines meiner "Lieblingsthemen" über die ich mich stundenlang auslassen könnte, weil es einfach zu weitreichende Folgen mit sich führt. Was passiert denn wenn draußen, gerade in der ambulanten Pflege, Pflegepersonal rumrennt, das sich weder ausdrücken kann noch die notwendigen Grundlagen hat. Sie gehen mit Pauken und Trompeten unter und die Patienten gleich mit. Alles schon erlebt und genau das macht mich wütend.

    Stattdessen das sich die Schwestern hinsetzten und ihren eigenen Fachbereich erst mal auf die Platte bekommen, stellen sie sich hin und schimpfen und meckern über die, die es ja eigventlich geschafft haben.

    Leider ist die Krankenpflege in Deutschland noch lange lange lange in den Kinderschuhen und das Erwachsenwerden ist verdammt schwer....
     
  6. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    Hallo Jonataube:
    Du sprichts mir aus der Seele!!!!!

    susanne Huber
     
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