Umstieg / zweite Ausbildung im Pflegeberuf

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsvoraussetzungen" wurde erstellt von annibaer, 21.04.2014.

  1. annibaer

    annibaer Gast

    Hallo zusammen,
    ich bin mittlerweile 46 Jahre alt und denke schon seit Jahren über eine Ausbildung als Rettungsassistent nach, von was man mir aber aufgrund meines Alters abgeraten hat. Ich habe BWL studiert sowie vorher eine kaufmännische Ausbildung gemacht und arbeite seit Jahren im Customer Service und Fertigungsorganisation in einem Produktionssegment, sehe aber zunehmend keinen Sinn mehr in einer solchen Aufgabe und möchte schon seit Jahren einen sozialen Beruf erlernen. Wer hat Erfahrungen, die er mir weitergeben kann? Die Mutter einer Klassenkameradin meiner Tochter ist Pflegedirektorin und sagte mir, dass sie im Krankenhaus auch Auszubildende über 40 Jahre haben. Problematisch ist bei mir das Praktikum; das könnte ich halt nur in den Ferien oder am Wochenende machen. Ich weiß, dass ich einen erheblichen finanziellen Verlust haben würde, wenn ich den Beruf wechsle, aber das würde ich in Kauf nehmen.
    Freue mich über jede ehrliche Antwort, vielen Dank!
    Viele Grüße,
    Annibaer
     
  2. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Moin Annibaer !

    1.) Pflege ist ein körperlich belastender Beruf, Rettungsassistenz nicht minder.
    Du solltest Dich zunächst einmal arbeitsmedizinisch "abklopfen" lassen.

    2.) Heutzutage sind Pflege- und Rettungseinrichtungen für jeden geeigneten
    Bewerber dankbar und bezüglich der Praktika recht flexibel.

    Also: Nur Mut!
    Andererseits ist das Gesundheitswesen auch nicht ohne Frust.
    Stelle Dir es bloß nicht wie in der Fernsehserie vor - Dieses Elend ist echt.

    Bitte, bitte : Mache zuerst Praktika ohne Dich festzulegen.

    LG, Frieda
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Darf ich fragen, was du dir unter dem Beruf Rettungsassistent so vorstellst? Was fasziniert dich am Beruf des Krankenpflegers?

    Elisabeth
     
  4. renje

    renje Poweruser

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    Hast du denn ein Praktikum gemacht, oder noch nicht, nachdem schon seit Jahren darüber nachdenkst?
    Warum kannst du nur in den Ferien ein Praktikum machen?

    Vergiss den RA, der Beruf ist total überlaufen und kommst kaum rein nach der Ausbildung, wenn überhaupt dann nur mit Zeitverträgen und die Bezahlung ist miserabel.

    Na ja, die körperliche Belastung eines RA hält sich in Grenzen.
     
  5. annibaer

    annibaer Gast

    Hallo alle zusammen,
    vielen Dank für die schnellen Rückantworten!
    Familientechnisch (alleinerziehend) war es mir in den letzten Jahren leider zeitlich und auch aus finanziellen Gründen nicht möglich, vorher ein Praktikum durchzuführen und eine weitere Ausbildung zu absolvieren. Ich wollte mit 16 Jahren bereits eine Ausbildung zur MTA machen; meine Eltern hatten jedoch einen Automobilhandel, meine Mutter wurde krank und ich habe dann dort nach dem Abi die Ausbildung gemacht sowie ein Studium angeschlossen. Danach wurde der Betrieb meiner Eltern vom Herstellerwerk aufgelöst (man wollte keine Dorfhändler mehr) und dann stand ich da. Ich habe dann einige Jahre im Automobilhandel weitergearbeitet und bin jetzt seit 15 Jahren in der Wälz- und Kugellagerindustrie tätig. Hier habe ich mich von Beginn an zum betrieblichen Ersthelfer ausbilden lassen; unser Ausbildungsleiter war selbst Rettungsassistent, konnte das später aufgrund seines Alters nicht mehr ausüben und hat dann in den Unterrichtsdienst gewechselt. Seine Geschichten und Erlebnisse haben mich geprägt, ich habe auch das Buch von Georg Lehmacher gelesen, der aus seinem Leben als Rettungssanitäter berichtet hat. Eine Freundin von mir ist Gesundheits- und Krankenpfleger mit Intensivmedizinausbildung. Es ist bestimmt so, wie Ihr alle sagt: es gibt sehr viel Elend und ich kann mir das wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Deshalb muss ich unbedingt ein mehrwöchiges Praktikum machen, um mich überhaupt entscheiden zu können. Da ich voll berufstätig bin geht das bei mir halt nur im Urlaub oder an den Wochenenden. Die Pflege ist mit Sicherheit ein körperlich anstrengender Beruf, der einem auch seelisch sehr, sehr viel abverlangt (meine große Schwester ist seit ihrer Geburt schwerstbehindert und die Heilerziehungspfleger leisten großartiges) aber ich denke, ein sozialer Beruf hat mehr Lebenssinn. Allein wenn ich meine kleine Tochter im Kindergarten abhole; die Kinder dort sind für alles so dankbar und begeisterungsfähig, diese Freude fällt doch selbst wieder auf einen zurück J LG, Annibaer



     
  6. renje

    renje Poweruser

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    das hört sich alles so toll und soooo nach rosaroter Brille an was du da schreibst.

    Viele Erklärungen warum alles so ist wie es ist und man konnte ja alles nicht und das ging ja alles nicht.

    Die Frage die ich mir selbst stellen würde:
    Warum habe ich bis heute keine Praktikum, wenn das mein "Traumjob ist"?
    Eine Woche im AH oder/und eine Woche im KH oder/und eine Woche in der amb. Pflege mal im Urlaub mal am Wochenende, mal bei Fenstertagen, das hat für mich nicht mit Geld oder Zeit sondern Motivation zu tun.
    Bist du ehrenamtlich irgendwie tätig z.B. beim RK oder ASB, hast du schon mal in den Rettdienst reingeschnuppert z.B. bei solchen Organisationen?

    Frage dich mal sehr genau - bin ich wirklich dazu bereit und bringe ich die Motivation auf eine völlig neue Ausb. zu beginnen und was hat mich 46jahre davon abgehalten mir mal diesen Beruf näher anzusehen?
     
  7. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Ich denke, renje hat da den richtigen Gedanken :

    Mache Sanitätsdienst o.ä. ehrenamtlich und behalte Deinen "Brotberuf".

    Wenn es mit dem "Umstieg" nicht klappen sollte, kannst Du Dir leicht finanziell den Hals brechen.
     
  8. annibaer

    annibaer Gast

    Vielen Dank für Eure ehrlichen Antworten und kritischen Anmerkungen sowie Eure Zeit! LG, Annibaer
     
  9. Lana Schneider

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    Hallo annibaer,

    ein Praktikum ist wirklich sinnvoll, vor allem wenn man kein 100% Bild vor Augen hat. Nach ein Paar anstrengenden Tage Rennerei auf Station überlegt sich anders und der Körper... der meldet sich schon, wenn mann davor nichts anstrengendes gemacht hat. Aber danach kommt es... entweder sind das wirklich nur rosa-rote Brille oder wirklich eine Etscheidung, die Zeit gebraucht hat.
    Ich bin schlisslich auch Überflieger, bin im Februar 47 geworden. Im Oktober fange ich die Ausbildung an. Letzten Herbst hat es nicht geklappt da ich meine Unterlagen zu spät eingereicht habe. Um Die Zeit nicht zu verschwenden und mich mit Materie ein wenig vertrauter zu machen, habe meinen Job als Floristin geschmissen und nach dem Ich ein Schwesterhelfer Kurs bei Rotem Kreuz(kostete mir 280 Euro) und 2 wöchiges Praktikum im Krankenhaus gemacht habe, arbeite jetzt in einem Seniorenheim... Es ist wirklich anstrengend und die Beine , vor allem nach dem kurzen Schichtwechsel zittern schon. Aber ich habe RIESEN SPASS....... weil es mich zufrieden stellt und ich nach so einem anstrengendem Tag nicht lange brauche um wieder auch privat aktiv zu sein.

    Wünsche dir viel Mut und Freude an Deinen Entscheidungen.

    LG
    Lana
     
  10. NurseSha1990

    NurseSha1990 Newbie

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    Kardiologie/Chest Pain Unit
    Hi annibaer!

    Ich will dir das nun auch nicht ausreden, aber ich erzähle dir vllt. kurz was ich mit meinen Bedenken meine. Viele meiner Examenskollegen sind hier in der Stadt in die Rettungsassistentenschule gegangen, weil sie schon kurze Zeit nach dem Ende der Ausbildung die Nase voll hatten. Wenn du in einem Krankenhaus eine Ausbildung in der Pflege anstrebst solltest du vllt. hier etwas schauen wie viele die diesen Beruf geliebt haben am Ende ihrer Kräfte sind oder aus purer Frustration aussteigen wollen. Du bist als Pflegekraft der Ping-Pong-Ball zwischen Verwaltung, Pflegedirektion/PDL und Angehörigen/Patienten. Freie Tage wie du sie wahrscheinlich kennst sind nie gesichert. Dauernd wirst du daheim angerufen, arbeitest 12 Tage am Stück und hast nur 2 Tage frei. Zeit hast du für deine Patienten kaum, genauso wenig wie für Familie und Freunde. Oftmals bleibt auch vieles im Haushalt liegen. Ich kenne keine Kollegin, die nicht mit Freuden reduzieren würde, aber finanziell ist das bei den meisten nicht drin. Viele meiner "älteren" Kollegen sehen abgeschafft aus und warten nur darauf, dass sie in Rente gehen oder endlich das Haus gezahlt ist/die Kinder aus dem Haus sind und und und... Dies erschreckt mich zunehmend!

    Rettungsassistenten sind die 1. am Unfallort. Das heißt, dass du wirklich schlimme Sachen sehen musst. Und hierbei geht es nicht nur um Erwachsene und alte Menschen, sondern auch um Kleinkinder. Du hast schreckliche Arbeitszeiten und ein sehr schlechtes Gehalt. Ein Bekannter von mir bekommt 8 Euro/Std. für diese psychisch/physisch schwere Arbeit. Mittlerweile hat er sich ausgeklingt und studiert Medizin und dies ist sein Nebenberuf. Eine meiner Examenskollegin hat die Schule beendet. Danach hat sie ein Jahr gearbeitet und nun hat sie dies auch aufgegeben.

    Das Gesundheitssystem ist nicht sozial oder schön. Es ist sehr hart und hat mich Menschlichkeit nur wenig zu tun. Wenn du das nicht wegstecken kannst wirst du krank. Und kein Beruf der Welt ist es Wert das du krank wirst.

    Vllt. hilft dir diese kleine Erfahrung etwas. Ich wünsche dir alles Gute
     
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