Umgang mit Suchtkranken?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von k-tosoul, 23.10.2007.

  1. k-tosoul

    k-tosoul Junior-Mitglied

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    Hallo.....

    ich hatte vor kurzem ein Stationseinsatz auf einer Station für Suchtkranke (vorwiegend Alkoholsucht)...da ich eine sehr aufgeschlossene und nette Person bin, habe ich die Patienten genauso behandelt wie auf einer "normalen" Station. Mir wurde im Endgespräch gesagt, dass ich den Unterschied zwischen Nähe und Distanz und Empathie nicht richtig kenne, obwohl ich überhaupt keine Probleme mit den Patienten hatte. Im Gegenteil!!! Die anderen Schüler und ich waren mit die einzigen, die sich auch über andere Sachen außer ihrer Krankheit, unterhalten haben! Meine Frage: "Ist dies gerechtfertigt und wie geht man nun richtig mit den Patienten um???" Dazu muss ich noch sagen, dass mir gesagt wurde, dass ich nicht so viel mit den Patienten reden soll, sonst sprechen sie mich noch auf der Strasse an....Meine Antwort war dann nur, dass es mir egal ist und ich die Patienten genauso behandle wie alle anderen auch!

    Liebe Grüße
     
    #1 k-tosoul, 23.10.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 23.10.2007
  2. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo k-tosoul,

    gerade im Suchtbereich ist es oft schwierig, ein angemessenes Nähe/Distanz- Verhalten hinzubekommen. Der Kontakt zu den Patienten wird, wenn man eher unbedarft auf diese zugeht schnell "kumpelhaft - vertraut".
    Nähe - Distanz kann man auch nicht daran messen, ob man nun gut oder schlecht mit den Patienten klar kommt. Ich kann gut mit einem Patienten zurecht kommen und ihm trotzdem zu nah sein.
    Wie das in Deinem Fall ist, kann ich von hier aus nicht beantworten.

    Es ist grundsätzlich immer gut, sich mehrere Rückmeldungen von erfahrenen Teammitgliedern zu erbitten und nachzufragen, was im Kontakt gut oder schlecht war - und dies nicht als Angriff, sondern als gut gemeinte Kritik anzusehen. Schließlich geht es ja darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Kontakt wann angemessen ist.

    LG
     
  3. k-tosoul

    k-tosoul Junior-Mitglied

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    hallo MiChung

    zu der aussage "kumpelhaft" :ich habe den patienten schon gesagt,dass ich bitte mit sie angesprochen werden möchte und habe ihnen zu verstehen gegeben,dass ich kein " kumpel" bin.
    was ich nur nicht versteh ist,warum man diese art von patienten immer noch so wie aussetzige behandeln soll...als wenn sie schlechte menschen sind?

    LG
     
  4. MiChung

    MiChung Gast

    Hi,

    das soll man sicher nicht. Natürlich soll jeder Patient mit Respekt behandelt werden. Ich habe einige Jahre (gerne) im Suchtbereich mit drogenabhängigen Patienten gearbeitet und habe nicht die Erfahrung gemacht, dass die Patienten "wie Aussätzige" behandelt wurden.

    LG
     
  5. k-tosoul

    k-tosoul Junior-Mitglied

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    ausnahmen bestätigen die regel!!!
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo k-tosoul,

    es ist schon schwierig aus der Entfernung dazu was sagen zu können.
    Nur ist es eben sehr wichtig gerade bei Suchtpatienten die nötige Distanz einzuhalten. Weil auch immer wieder eine Nähe gefordert wird, um Regeln umgehen zu können. Dies ist nicht wertend, sonder gehört zum Krankheitsbild.

    Schreibe Dir mal empfohlende Faustregeln nach Loth C. 2002:

    In der Pflege ist ein vollständiger Überblick wichtig. Fragen sie bei unklaren Antworten nach, und nehmen sie den Süchtigen ernst.

    Lassen Sie sich nicht auf lange Diskussionen ein. Reden Sie kurz und klar.

    Prüfen Sie, ob der Süchtige das Gespräch verstanden hat.

    Wenn der Süchtige unter Drogeneinfluss steht, ist es besser, die Anamnese später aufzunehmen und in Abschnitte aufzuteilen.

    Sprechen Sie möglichst wenig über ihre persönlichen Angelegenheiten, damit Sie nicht emotional erpressbar werden.

    Machen Sie keine Ausnahmen von einer Regel, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, muss jeder die Gründe für die Ausnahme verstehen und darüber Bescheid wissen, ob es sich um eine einmalige oder dauerhafte Ausnahme handelt. Legen Sie die Absprachen schriftlich fest.

    Lassen Sie sich nie auf einen Streit ein, und sprechen Sie keine Warnung aus, die Sie später nicht wahr machen.

    Nehmen Sie die guten Absichten eines Süchtigen ernst, wenn er eine Entziehungskur macht, aber verlassen Sie sich nie auf Beteuerungen, wenn es um Drogenkonsum geht. Stellen Sie Fragen, verlangen Sie bei Bedarf Urinkontrollen.

    Liebe Grüße Brady
     
  7. Schwester Andy

    Schwester Andy Senior-Mitglied

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    lieber soul:
    Ich war auch sechs wochen auf der selben station eingesetzt und auch ich habe mir viel mühe gegeben die distanz zu wahren und ich habs auch geschafft. Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass du dir nicht zu viel gedanken machen solltest wenn du einer andren meinung wie dein praxisanleiter bist. Ich habe festgestellt, dass die leute die in der psychiatrie tätig sind, einfach dinge anders aufnehmen und ihre ganz eigene art haben, dinge zu beurteilen.
    Das soll jetzt bitte von niemandem negativ verstanden werden, ist einfach eine beobachtung die ich gemacht hab.
    Vielleicht konnte ich dir ein wenig helfen. Du kannst denke ich ganz gut beurteilen wie du das nähe/disstanzverhalten deinerseitz empfunden hast.
    Kopf hoch
    Liebe grüße Schwester Andy:lol:
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Muss ich immer perfekt sein und ohne Fehl und Tadel? Oder ist es nicht möglich eventuell auch mal Kritik anzunehmen... sofern diese Kritik nicht vernichtend ist.

    Würde hier bedeuten, dass die Aussage den Schluß zuläßt das man nicht für den Beruf geeignet ist. Ich kann diese Aussage nicht erkennen. Es wurde lediglich erklärt, dass man im Suchtbereich noch an sich arbeiten müsste. Ergo: eine konstruktive Kritik mit der k-tosoul versucht konstruktiv umzugehen: "... wie geht man nun richtig mit den Patienten um???"

    Elisabeth
     
  9. Schwester Andy

    Schwester Andy Senior-Mitglied

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    Chirurgie
    ja elisabeth, ich hab mich etwas um fünf ecken ausgedrückt, aber du triffst den nagel auf den kopf!:knockin:
    der psychiatrieeinsatz ist meist sowieso nur über vier wochen, was auch viel zu kurz ist damit man wirklich viel mitnehmen kann.

    Liebe Grüße, Schwester Andy
     
  10. pacman

    pacman Newbie

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    Hallo!

    Ich schreibe gerade an meiner FBA. Das Thema lautet: "Das Problem mit Nähe und Distanz bei ALkoholkranken - Das "Du-Wort in der Pflege?"

    Ich finde zu diesem Thema leider keine Literatur. Weiß jemand zufällig ein Buch über dieses Thema? Oder eine Seite im Netz?

    Lg Tanja
     
  11. Schwester Andy, ich finde schon, daß man die Meinung des Praxisanleiters ernst nehmen und sich auch Gedanken machen sollte. Sonst entsteht m.E. die Haltung: "Interessiert mich nicht, was der sagt."
    Und diese Einstellung ist nicht richtig, speziell in der Ausbildung nicht.
     
  12. Brady

    Brady Gast

    Hallo pacman,

    ich kenne dieses Buch leider nicht. Empfehle Dir zu googlen.

    Stichworte wären hierzu:

    Beziehungsgestaltung/Beziehungsmuster Suchtkranker
    Coabhängigkeit
    Helferrolle
    Nähe und Distanz
    Empowerment in der Pflege

    Das Du-Wort nehme ich mal an, bedeutet nicht, das man den Patienten duzt oder sich duzen lässt, sondern dass es sich um eine Beziehungsgestaltung handelt, wo der Patient versucht Verantwortung abzugeben und dem Helfer die Verantwortung für sein Trinken/Verhalten überlässt. Dies mal so grob benannt.

    Frage in der Schule aber noch mal nach, welche oder wo Du dazu Literatur finden kannst.

    Dieses Buch wird in der psychiatrischen Pflege empfohlen, habe es leider selber (noch) nicht. *g*
    Literaturhinweis: Professionelle Suchtkrankenpflege
    Autoren: Chris Loth, Ruut, Rutten, Diny Huson-Anbeek.

    Aber es kommen bestimmt noch Kollegen aus der Suchtbehandlung und können mehr dazu schreiben.


    Liebe Grüße Brady
     
  13. martina44

    martina44 Newbie

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    Psychiatrie/Sucht
    Hallo pacman,
    habe gerade meine Facharbeit über die Problematik der Beziehungsgestaltung bei Drogenabhängigen fertiggestellt. Hilfreich waren dabei die folgende Bücher:
    Professionelle Suchtkrankenpflege von Chris Loth/ Ruud Rutten/ Diny Huson-Anbeck/ Linda Linde (Hrsg)
    Der Pflegeprozeß in der Psychiatrie von Walter Kistner
    Sucht - Eine Herausforderung im therapeutischen Alltag
    LG martina44
    und viel Erfolg mit deiner Arbeit
     
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