Umgang mit Sterbenden

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von Sufenta, 07.03.2007.

  1. Sufenta

    Sufenta Junior-Mitglied

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    Aus gegebenen Anlass hab ich mal eine Frage an Euch.
    Wie pflegt ihr sterbende Patienten? Was tut ihr (noch) mit Ihnen?
    Warten, dass dass der Rote Alarm beginnt? Mundpflege?
    Waschung? Lagerung?
    Gibt es hierzu bei Euch Standards oder geht es eher nach den persönlichen
    Vorlieben der Mitarbeiter?

    Ich hatte noch nie so eine Situation, denn die Patienten, die mir
    bisher auf Normalstation gestorben sind, hatten eben keine
    Beatmung und sind dann folglich rasch gestorben, waren dann außerdem
    mehr oder weniger bei Bewusstsein und hatten starke Schmerzen und
    eine (komplette) Körperwaschung war dann eher Quälerei als sinnvoll.

    Es geht hier um einen Pat. mit Hirntodsyndrom aber noch niedrigem,
    aber stabilen Kreislauf (Sys zw. 40 und 50) unter Beatmung mit 0,21 FiO2
     
  2. soniflower

    soniflower Gast

    Hallo Sufenta,

    ich arbeite in der TC, da ist es meistens so das die PAtienten plötzlich sterebn. Doch aus der Kardiologie kenne ich es so, dass die Patienten natürlich jeden Tag gewaschen werden, die ganze normale Hygiene halt und das alles genausoi gemacht wird wie bei den anderen Patienten, auch Mundpflege, lagerung, Dekubitusvorsorge und -behandlung. Aber was meiner Meinung nach das wichtigste ist, dass die Menschen Schmerzfrei sind und nicht unendlich stark leiden müssen. Dies steht bei uns an höhster Stelle. Was bei uns auch noch der Fall ist, dass wir den Patinten so viel Aufmerksamkeit und Fürsorge, wie Gespräche usw. zukommen lassen, dies ist besonders wichtig wenn keine Angehörigen da sind, kommen oder diese nur sehr wenig zeit haben! Ich finde es wichtig das der Patient die Möglichkeit hat friedlich einzuschlafen, am besten dabei nicht allein ist und nicht mehr allzuviel leiden muss.

    ich hoffe ich konnte dir etwas helfen dabei!?

    Liebe grüße Soniflower
     
    #2 soniflower, 07.03.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 07.03.2007
  3. Tempo

    Tempo Newbie

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    So ähnlich läuft es auch bei uns. Die Patienten bekommen ausreichend Analgetika und haben von daher auf keinen fall einen leidensdruck.
    Von pflegerischer Seite machen wir das was nötig ist ( allgemeine Hygiene, Mundpflege ), besonders hervorzuheben sind Einreibungen mit bestimmten Ölen. Das sorgt für eien angenehme Atmosphäre, tut dem Patienten gut und soll angeblich den "Übergang " erleichtern. Schaden tut's auf keinen Fall.
     
  4. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Hallo ! :wavey:

    Nur noch palliative Medizin/Pflege

    Bei uns wir jetzt immer Sommer sogar eine Palliativstation eröffnet.

    Liebe Grüße Sonnenblume :flowerpower:
     
  5. Stern32

    Stern32 Poweruser

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    Hallo,

    bei uns wird es eigentlich ähnlich wie bei den Vorrednern gehandhabt.
    Tgl. waschen und sehr oft Mundpflege, weil Pat. in dieser Phase wohl ein höhres Durstgefühl haben. Da ich auf Intensiv arbeite kann das Sterben ganz schnell gehen oder man kann sich richtig Zeit für den Pat. nehmen.
    Schmerzfreiheit ist auch bei uns oberste priorität.
    Was ich aber auch ganz wichtig finde den Pat. in der "Finalphase" seine ruhr zu gönnen, sprich wirklich nur das nötigste machen und keine großen Maßnahmen durchführen.
    Ich persönlich finde es wichtig bei dem Pat. zu sein, ihm das Gefgühl vermitteln das er nicht alleine ist.

    Gruß TinaG.
     
  6. Rovena

    Rovena Newbie

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    Auch bei uns ist es ähnlich wie bei den Vorrednern. Am Monitor und bei Patienten mit arteriellen Zugängen sieht man ja oft sehr schnell, wenn es in die "Finalphase" geht... falls man kein geschultes Auge besitzt und eher Monitorfixiert ist statt auf seinen Patienten zu gucken...

    In der finalen Sterbephase bekommt der Sterbende nur noch "Notversorgung", sprich sanftestes Anlagern und Mundpflege, kein Waschen mehr, etc.

    Wenn die Zeit bleibt, dann bleibe ich stellvertretend für Angehörige bei dem Sterbenden (falls sie nicht rechtzeitig kommen oder es keine gibt). Die Alarme am Monitor schalte ich samt und sämtlich auf stumm wenn ich in Blickweite bin... die akustische Belästigung braucht niemand im Zimmer, wenn der Patient definitiv "sterben darf".

    Danach hole ich den Arzt, damit er quasi "den Tod feststellt" und das Beatmungsgerät abgeschaltet werden kann. Dann wird das System vom Tubus diskonnektiert und der Monitor (Nach Ausdruck der Asystolie) abgeschaltet. Der Patient bekommt dann erst mal Ruhe, denn Sterben ist anstrengend, und in meinen Augen (obwohl ich nicht religiös bin) gehört es sich, dass der Sterbende sich erst mal in Ruhe aus seinem Körper lösen darf, ehe an ihm "herumgewerkelt" wird. (Alle Zugänge die nicht in Gefäßen liegen, sprich Blasenkatheter, Tubus, Magensonde entfernen, frisch machen, etc.)

    Tod ist ja nicht gleich Tod, sondern ein intermediärer Zustand... es gibt Studien nach denen noch Stunden nach dem klinischen Tod vereinzelte EEG-Ausschläge registriert wurden...
    Auch jede Zelle ist ja nicht gleich "Hopps und weg".


    Traurig finde ich es, wenn Patienten mit in fauster Prognose wach sind, und ihnen von ärztlicher Seite ihr Zustand verschwiegen wird. Wir hatten heute im Nachtdienst so einen Fall... eine ältere Patientin (mit Patientenverfügung), die ein Aortenaneurysma hat, zu dem sich ein Ösophagusulkus "durchgefressen" hat. Sprich... sie kam wach an, hatte Schmerzen und wahnsinnige Angst... erbrach ihr eigenes Blut... bekam einen Morphinperfusor... und dämmerte dann immer mehr weg. Leider ist es ein langsames Verbluten gewesen- gegen das aber nach ihrem eigenen Testament nichts unternommen werden sollte, wegen ihres insgesamten Krankheitszustandes.
    Aber unter Morphin schmerzfrei ging es der Frau klinisch soweit erst mal relativ akzeptabel. Sie hätte also in aller Ruhe von ihrer Familie Abschied nehmen können... das Morphin hat ihr ja auch die Angst genommen. Statt dessen wurde auf meine Bitte hin gesagt: "Nein, das kann man ihr doch nicht sagen..." Sorry, Frau Doktor, aber so lange die Patientin lebt, gehört ihr Körper doch ihr selbst und sie hat das Recht zu erfahren wie es um sie steht??? Wirklich so etwas ist und wird mir immer unbegreiflich sein...
    :schraube:
     
    #6 Rovena, 02.04.2007
    Zuletzt bearbeitet: 02.04.2007
  7. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Hallo Zusammen ! :wavey:

    Wie oben von mir geschrieben, wird bei uns eine Palliativ Station eröffnet ... mittlerweile ist das passiert und ich habe als erste Schülerin die Ehre momentan einen Einsatz dort zu verbringen. :klatschspring:

    Ich muss euch wirklich sagen, dass es mir dort total gut gefällt!

    Wir haben höchsten 8 Patienten und somit ist es ein ganz anderes Arbeiten!

    Auf anderen Stationen hasse ich diese knappe Zeit und das man sich nun mal nicht immer intensiv um jeden Patienten kümmern kann (das kennt sicher jeder selberl) genau das ist jetzt aber auf der Palliativ Station möglich.

    Bei uns liegen jedoch nicht nur Pat. in der Final Phase, natürlich sterben auch Pat, jedoch kommen die meißten wie es auch gedacht ist -zur Schmerzeinstellung-.
    Ich kann mich intensiv um die Pat. kümmern, Gespräche führen!
    Wünsche erfüllen ...
    Es ist einfach schön mit welchen Kleinigkeiten man den Pat eine Freude machen kann und wenn es Abends Pudding kochen ist ... wo gibts so was auf einer "normalen" Station im Kh ?

    Ich würde gerne nach meinem Examen dort arbeiten ... ansichtsache, der eine sagt, mach das, wenn es dein Ding ist, der andere sagt überleg dir das gut direkt nach dem Examen auf diese Station ...

    Bei uns werden die Patienten so versogt, wie es dem Pat. möglich ist.
    Versorgung im Bett, Wb oder einfach mal garnicht waschen, wenn ein Pat. nicht möchte, oder es ihm nicht gut geht.
    Einfach "nur" Mundpflege oder einfach "nur" da sein ...

    Hautpunkt ist jedoch die Schmerzeinstellung!

    Die Patienten fühlen sich bei uns sehr wohl und auch gut aufgehoben!

    Es ist wirklich ein tolles arbeiten, auch wenn es einer Betreuung auf Intensiv nahe kommt, mit den ganzen Infusomaten und Perfusoren und den ganzen Medikamenten.

    Wünsche euch einen schönen Tag!

    Eure Sonnenblume :flowerpower:
     
  8. intensivotter

    intensivotter Senior-Mitglied

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    Hallo!
    Liegt ein Pat. im Sterben ist uns wichtig ihn Schmerzfrei zu halten.Pflegerisch wird er mit viel Mundpflege,leichtes Lagern und einer tgl. Waschung versorgt.
    Leider haben wir nicht immer die Zeit, die man für sterbende Pat. haben sollte!
     
  9. pflegeschüler1988

    pflegeschüler1988 Poweruser

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    Hallo,

    also ich bin zur Zeit auf einer Inneren interdisziplinären Intensivstation eingesetzt, der Einsatz vorher war ich im Hospiz. Also ich finde es doch anders als auf der Intensivstation, welcher palliativ Patient hat 10 Perfusoren, eine Monitorüberwachung, ist beatmet usw, auf der Intensiv werden die patienten von den Doc's nicht sterben gelassen, wenn man reanimiert denkt man sich "muss das jetzt sein".......

    SG Martin
     
  10. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Hallo Martin!

    So war das jetzt auch nicht gemeint, klar ist es nicht direkt wie auf einer Intensiv-Station, wollte nur zeigen, dass die Pat. bei uns auch teilweise 3 Perfusoren/Infusomaten haben.
    Du hast natürlich recht, die Pat. werden nicht dauer-monitor überwacht!

    LG
     
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