Umgang mit schwierigen Situationen

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von Astaroth22, 06.11.2004.

  1. Astaroth22

    Astaroth22 Newbie

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    Also,


    Ich bin noch in der Ausbildung und habe etwas erlebt womit ich nicht umzugehen weiß...
    Ein 40 jährigen Pat. Wurde auf der IST eingeliefert. Der hatte am Mittag auf dem Tennisplatz eine Synkope und sein bester Freund, ein ARZT, war nicht in der Lage festzustellen, das die Atmung ausgesetzt hatte. Hat ihn nur in stabile Seitenlage gebracht und auf den Rettungswagen gewartet. Der brauchte 7 Minuten, bis die mit der Rea angefangen hatten noch etwas länger. Gut, kam also zu uns, beatmet, etc. Im Schlepptau die 20 jährige Tochter mit der 7 jährigen Schwester an der Hand. Mama war vor zwei Jahren an Krebs gestorben.

    Gut, wir also alles gemacht, Pat. war auch wieder da, beatmet, Tachyarrhythmisch zwar aber da.

    Donnerstag hatte er zentrales Fieber, 40,4...verdacht auf Hirntot, aber EEG zur Zeit kaputt. Tochter hat das natürlich ignoriert, wer würde das nicht. Saß seit Mittwoch an seinem Bett. Arzte sich noch unschlüssig. Beatmung von BIPAP auf CPAP umgestellt. Da muss er selber Atmen, Maschine hilft nur aus. Hat er getan, Sättigung mit 6 Liter O2 in Ordnung. Hirnstamm also noch da, da Spontanatmung.

    Freitag, drei unabhängige Arzte kommen, da EEG immer noch kaputt. Zwei sagen Hirntot, einer sagt nein, da teilweise noch Reflexe vorhanden, Patella und so. Aber kein Hornhautreflex mehr. Die sich gestritten und unschlüssig gewesen.

    Tochter immer noch da. Tochter geht in den Garten...

    Ärzte sind sich wohl einig, hab nicht mehr zugehört, musste einen Katheter ziehen.

    Pat. wurde von der Beatmungsmaschine genommen, bekam O2 über die Flöte am Tubus. Alle Medikamente wurden abgesetzt...nur noch Morphium gab’s. Pat. atmet tapfer weiter...gute Sättigung. Ich dachte der macht sich...

    Stunde später wird er auf Arztanordnung Extubiert....bekommt keinen Sauerstoff mehr, wird nicht mehr endotracheal abgesaugt, bekommt Krämpfe die ich nicht sehen soll.

    Zwei Stunden Kampf später war er tot...

    Ich musste die Tochter im Garten suchen und holen, die ist natürlich völlig ausgerastet. Ich am heulen.

    Denn Extubiert hab ich ihn....
     
    #1 Astaroth22, 06.11.2004
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 07.11.2004
  2. Astaroth22

    Astaroth22 Newbie

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    ?

    Hallo,

    schade, dass sich hier bisher keiner geäußert hat...
    Wäre wirklich nett einen Rat zu bekommen oder eonfach andere Meinungen darüber zu hören...
    Gruß
     
  3. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Hallo ! :flowerpower:

    Tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musstest, aber das gehört zu dem Job dazu.

    Ich beginne erst nächstes Jahr meine Ausbildung und zu den medizinischen Dingen, die du aufgeführt hast, kann ich nix sagen...also was das alles bedeutet usw. aber von Prinzip her verstehe ich es schon.

    Es muss ehr schlimm für dich sein, aber zum leben gehört auch steben! So schlimm es nun mal ist, für dich, für die Familie und für alle anderen, ändern kann man es nicht mehr und du wusstest wohl vorher, dass so etwas passieren kann.

    Ich hoffe du hast dich mittlerweile etwas erholt und du wirst in nächster Zeit erstmal nur positive Erfahrungen sammeln können. :daumen:

    LG Sonnenblume
     
  4. Kartoffelbrei

    Kartoffelbrei Junior-Mitglied

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    Hallo!

    Das ist ja wirklich furchtbar,was du da erzählst. Der Umgang mit sterbenden bzw. toten Patienten ist wirklich nicht einfach. Deshalb kann ich dir leider keinen Tip oder Rat geben wie es einfacher wird. Jeder muß da für sich selber den Weg finden,wie er am besten damit fertig wird.
    Dein letzter Satz macht mich nachdenklich. Gibst du dir die Schuld am Tod,da du ihn extubiert hast? In welchem Ausbildungsjahr bist du?

    Mfg,
    Kartoffelbrei
     
  5. Webkibu

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    Hallo Astaroth22,


    ja, das ist schlimm, besonders wenn man der Tochter die schlechte Nachricht überbringen musst! :cry: Oder hast Du sie nur geholt?
    Dürfen die Schwestern einem Angehörigen den Tod mitteilen?

    Ich bin noch nicht dabei, fange eventuell erst nächstes Jahr meine Ausbildung an, deswegen meine Ahnungslosigkeit.

    Was mich allerdings wundert: EEG war kaputt?:gruebel:

    Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass das EEG Gerät kaputt war?
    Kann man sich da keines von einer anderesn Station holen? Sind die denn so rar? Das ist doch ein wichtiges Gerät!

    Wie gesagt, kenne mich mit der Materie noch nicht aus, aber das wundert mich!:weissnix:

    Kopf hoch und liebe Grüße
    Kiki (die immer noch ungeduldig auf Post wartet!)
     
  6. Lars

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    Hallo!

    Hallo!

    Ich versteh die Problematik, hab auch schon oft in ähnlichen verzwickten Situationen gestanden. Hilfe oder Tips kann man schlecht dazu abgeben. nur einen hätte ich: du müsstes mit deinem Team oder guten Klassenkameraden darüber sprechen, sonst könnte es passieren das du soetwas in dich rein frißt und es irgendwann zuviel wird ( problem " Burn-Out").
    Darüber sprechen, ist die einzige Medizin!

    Mfg Lars
     
  7. Astaroth22

    Astaroth22 Newbie

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    Hi,

    erstmal danke für eure Antworten.
    Klar gehört das sterben zu meinem Beruf, aber ich denke es ist etwas anderes wenn jemand stirbt weil es "an der Zeit ist", als wenn es durch einen Unfall geschen ist und du irgendwie daran beteiligt bist. Logisch weiß man vor Beginn der Ausbildung, dass so etwas passieren kann und wird, aber es ist etwas anderes wenn man daneben steht als nur der Gedanke daran.
    Ja, irgendwie habe ich schon das Gefühl dass dieser Mensch wegen mir gestorben ist, also durch meine Handlung. Die Ärzte haben ihn "sterben lassen", sie wussten es...ich aber nicht. Ich habe schon irgendwie das Gefühl, dass das "Sterbehilfe" war, weswegen ich mich auch scheue das bei meinen Klassenkameraden oder meiner Schulschwester anzusprechen. Klar, ich hätte genauer nachfragen sollen, aber es war chaotisch an diesem Tag auf der ITS und ich hatte mich auch gefreut, dass mir das Extubieren zugetraut (war da im 4 Semester, jetzt im 5) wird und habe es getan. Aber er ist nun mal definitiv aufgrund dieser Maßnahme gstorben.
    Das ich dann auch noch die Tochter holen sollte war auch nicht so toll. Nein, ich habe ihr nicht gesagt, dass er verstorben ist, das musste ich nicht. Sie hatt mein Gesichtsausdruck gesehen und ist gleich losgerannt.
    Normalerweise wäre das aber Arztsache gewesen.
    Ja, das EEG (Elektroenzephalographie) war kaputt, davon gibt es auch nur eines im Haus. Vielleicht verwechselst du das mit dem EKG!?
    So, das war es erst mal, Gruß...
     
  8. Webkibu

    Webkibu Junior-Mitglied

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    Hallöchen nochmal,

    ich bin zwar noch nicht vom Fach, aber mit dem EKG habe ich das EEG nicht verwechselt.
    Das EEG ist doch das, um die Gehinrnströme zu messen oder nicht? Hatte letztens mit meinem Sohn einen Termin im Krankenhaus zum EEG.
    Da hatten die unten (allein in der Kinderklinik) drei Stück von den Geräten.
    Deswegen wunder ich mich! Kommt anscheinend auf's Krankenhaus an!

    Gruß
     
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