Umgang mit Onko-Patienten

Dieses Thema im Forum "Pflege bei onkologischen und hämatologischen Erkrankungen" wurde erstellt von carmen, 29.07.2002.

  1. carmen

    carmen Poweruser

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    Guten Morgen Forum,

    hab da mal ne Frage an Alle.
    Wie geht Ihr mit Patienten/-Innen um, die vor ein paar Minuten ein Aufklärungsgespräch durch den Arzt hatten und die Diagnose Krebs eröffnet bekommen haben ?

    Freue mich auf Eure Erlebnisberichte

    Carmen
     
  2. Tigermaus

    Tigermaus Stammgast

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    Hi Carmen!
    Ich kenne es aus unserem Haus so, daß man Pat. diese Diagnose erst mitteilt wenn nahestehende Angehörige bei dem Pat. sind. Manchmal wenn Pat. keine Angehörigen haben würde ich mir schon wünschen das man selber die Zeit hätte, ein paar tröstende Worte zu finden und ein offenes Ohr zu bieten. Doch in den meisten Fällen ist das nicht möglich, aufgrund von Personalmangel und Zeitdruck. :cry: Dann werden die Seelsorger zum Pat. geschickt, die teilweise selber unter Streß stehen. Wieviele Pat. haben sich schon beklagt das niemand mal Zeit für ein kleines Gespräch hat. Ich finde das wirklich traurig, denn es gibt soviele Pat. die unsere Aufmerksamkeit wirklich nötig hätten. In der Ausbildung hat wohl jeder gelernt wie wichtig Gespräche, tröstende Worte oder einfach nur zuhören für die Genesung von Pat. von bedeutung sein können. Doch die Realität und der Alltag sehen leider so anders aus. :(
    Gruß Tigermaus
     
  3. carmen

    carmen Poweruser

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    Hi Tigermaus,

    habe Deine Antwort gelesen, möchte aber noch auf andere Meinungen oder Erlebnisse warten, bevor ich wieder in Aktion trete. Einverstanden :?: :D

    Tschöö

    Carmen
     
  4. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Hallo,

    bei uns gibt es für solche Fälle eine Psychologin im Haus. Jeder Pat. der möchte kann mit ihr reden. Sie ist auch oftmals schon in Bereitschaft, wenn unsere Ärzte denken, der Pat. könnte hinter dem Arzt - Gespräch Hilfe gebrauchen, wird sie sofort gerufen. Arzt und Psycholge wechseln so zu sagen nur die Plätze. Und unsere Erfahrung zeigt, das das den Pat sehr gut tut und schon viele Vorher fragen, ob die möglichkeit zu so einem Gespräch besteht.

    Karina
     
  5. carmen

    carmen Poweruser

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    Hallo und Guten Morgen :lol:

    ein Aufklärungsgespräch läuft bei uns auf Stat. auch wünschenswerterweise mit den Angehörigen durch den Arzt.
    Leider ist das manchmal nicht möglich, weil keine Angehörigen vorhanden sind oder sie zu weit weg wohnen.
    Der aufklärende Arzt informiert uns stets, wenn er die Aufzuklärenden in das Arztzimmer holt oder wenn das Gespräch nicht im Arztzimmer laufen kann, geht er in das Pat.-Zi.
    Nach Ende des Gespräches bietet er dem Pat. und Angehörigen ein Gespräch mit der Bereichs-Sr an, was fast immer wahr genommen wird.
    Die Bereichs-Sr. geht dann in das Pat.-Zi und bittet Pat. und Angehörige entweder in den Aufenthaltsraum oder falls der besetzt sein sollte in ein Untersuchungszimmer, wo meist bei dem Pat. und den Angehörigen erstmal reichlich Tränen fließen.
    Wir nehmen den Pat. und die Angehörigen deshalb aus dem Pat.-Zi heraus, damit sie die Möglichkeit haben, das Zi, wo sie die schlimme Nachricht erhalten haben, verlassen können.
    Meist kommen dann von Pat. und Angehörigen sehr viele Fragen und Äußerungen von Ängsten, die dann eingehend besprochen werden.
    Nur in den seltensten Fällen holen wir oder müssen wir einen Psychiater oder Psychologen von der entsprechenden Stat. anfordern und ebenfalls in den aller seltensten Fällen wollen das der Pat. und/oder Angehörigen überhaupt.
    Manchmal ist es auf ärzt. Anordnung auch erforderlich, dass alle Beteiligten an einem solchen Gespräch, Beruhigungsmittel brauchen, außer der Sr und dem Arzt natürlich.
    Die Dauer eines solchen, begleitenden Gespräches ist sehr unterschiedlich, von 5 min bis 2 Stunden.
    Während dieser Zeit übernimmt eine Kollegin/Kolege die Arbeiten, welche die im Gespräch befindliche Sr eigentlich auf Stat. zu machen hat.
    Meistens genügt Ein sehr ausführliches Gepräch, mit fast gar keinen Fachausdrücken, um den Pat. und die Angehörigen den Rest von Aufklärung zu geben bzw. die Worte des Arztes zu verdeutlichen, damit die/der Betroffenen ihr Dasein neu ordnen und sich auf die neue Situation einstellen können.


    Carmen
     
  6. dagmar

    dagmar Senior-Mitglied

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    Grüß dich Carmen,

    ich habe mal einige Jahre auf der Röntgen Therapie/Röntgen Diagnose gearbeitet. Wir hatten zum größten Teil aber Pat. mit Diagnose: Krebs.

    Die Pat. wußten natürlich über ihre Erkrankung voll Bescheid, klar sie kamen ja auf eine Station wo sie Zytostase und Bestrahlung bekommen sollten.
    Also insofern kann man gleich "normal" mit dem Pat. umgehen. Die Pat. sind meist sehr ruhig und mit ihrer Erkrankung tief in der Seele beschäftigt . Sie wollten in dieser Phase nicht über Krebs und dergleichen reden. Das war bei fast allen so. Deshalb kam man nicht so nah an den Pat.! Aber das müssen wir auch akzeptieren obwohl wir so einem "traurigen Menschen" so gerne helfen wollen!

    Selbst auf der Bauch- u. Thoraxchirurgie haben die meisten Pat. von ihrer Diagnose gewußt.
    Meist mußten chirur. Eingriffe bezüglich des Tumors gemacht werden. Meist erweitete Eingriffe, leider.
    Auch hier viel das Aufklärungsgespräch weg.

    Schlimm war es natürlich für die Pat. die mit Gallensteine und unklaren Abdomen eingeliefert wurden und bei denen man während der OP Krebs feststellte. Teilweise junge Pat. mit Schilddrüsenca.
    In einigen Fällen wurden die Pat. nicht aufgeklärt.
    Wenn es ihnen schlechter ging kamen sie auf die Intensiv oder Innere ohne Aufklärung wohlgemerkt und sind da verstorben oder vielleicht hat man es ihnen dort gesagt.
    Bei den anderen wurde ein Gespräch Arzt/Pat. evtl Angehörige geführt.
    Wir waren als Schwestern/Pfleger nie bei so einem Gespräch dabei.

    Meine Erfahrung war, dass die Pat. nach so einem Gespräch relativ gefaßt und sehr ungläubig gewesen sind. Viele auch in Ruhe gelassen werden wollten.
    Erst 2-3 Tage später haben sie das Gespräch mit uns gesucht. Da waren sie dann fassungslos und erzählten ihre Ängste, viel Zeit war dafür leider nicht.
    Man überläßt den Pat. seinem Schicksal!
    Deshalb bin ich froh, wenn solche" Aufklärungsgespräche" auf meiner jetzigen Station der Unfallchirurgie wegfallen.

    Wie du die Aufklärung geschildert hast klingt ja schon mal besser als das von mir erlebte.
    Aber wieviel Pat. habt ihr, die ihr so aufklären müßt und vor allem: Was passiert in den nächsten Tagen? Habt ihr dann immer noch die Zeit?
    Werden die Pat. angehört ?
    Würde mich über Antwort freuen, denn hoffentlich hat sich was geändert!

    VG
    Dagmar
     
  7. carmen

    carmen Poweruser

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    Hallo Dagmar,

    die von uns zu betreuenden Pat. bleiben solange nicht ohne Gesprächsangebot unsererseits, bis sie entweder entlassen, verlegt worden sind oder das Gespräch mit uns nicht mehr brauchen.
    Sollten sie es brauchen, sind wir stets für sie da. Dadurch, dass wir sehr viele Dienste haben, die sich überschneiden, sind wir auch viel Personal am Tage auf Stat. Nachts sieht das anders aus, doch es findet sich immer eine Lösung, um mit dem Pat. reden zu können, der es gerade braucht oder möchte.
    Carmen
     
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