Umgang mit jungen, uneinsichtigen Patienten

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Bucks, 28.03.2010.

  1. Bucks

    Bucks Junior-Mitglied

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    Vielleicht trifft der Titel mein Problem nicht so ganz.
    Wie finde ich einen geeigneten Weg mit Patienten umzugehen, die jung und leider sehr uneinsichtig sind.
    Zum Beispiel ein Patient der immer wieder kommen muss weil er schweren Diabetes hat, stark übergewichtig ist und deswegen schon Herzinfarkte und Schlaganfälle hatte. Patient ist leider sehr uneinsichtig lässt sich Pommes und Cola mitbringen. An Mobi ist nicht zu denken weil er auch chirurgische Probleme hat die schon mehrfach operiert wurden
    Ich komme da an meine Grenzen.
    Habt ihr einen Tipp??
    LG Bucks
     
  2. Anne77

    Anne77 Stammgast

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    Hallo Bucks,
    Grins, den ultimativen Tipp??? Gibt es sowas überhaupt für bestimmte Pflegprobleme??? Ich versuche den Patient bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, welche Folgen sein Tun und Handeln hat. Manchmal auch sehr ironsich bzw sehr sarkastisch.
    Allerdings gibt es auch Patienten, die haben kein EInsehen. Klingt jetzt blöd, aber da höre ich auf, den Patient auf sein Fehlverhalten hinzuweisen. Einsicht ist der erste Schritt beim Umdenken und wenn der Patient keine EInsicht zeigt, was soll´s, es ist seine Entscheidung. Du kannst niemanden zu etwas zwingen, was er nicht will.
    Ich arbeite zum beispiel auf der Pulmologie, wir betreuen, pflegen, behandeln ausschließlich Patienten mit Bronchal-CA. Die meisten die zur Chemo kommen, drehen die Tropfgeschwindigkeit heimlich hoch, damit die Chemo schneller durch ist und die Patienten schnell runter können zum rauchen. Am Anfang habe ich mich darüber aufgeregt, habe diese Patienten zurede gestellt, habe erklärt, was ihr Verhalten für ihre Gesundheit bedeutet. Mal mit Erfolg, aber meistens rede ich da gegen eine Wand. Es ist ihre Entscheidung, nicht meine, nicht deine.
    Vielleicht kannst du etwas mit sogenannten Schockbilder erreichen. Wobei ich nicht weiß, auf es für deinen speziellen Patienten besagte Bilder gibt. Aber vielleicht kannst du ein paar Fotos auftreiben über Herzverfettung oder ähnliches. Vielleicht hast du auch ehemalige Patienten, die so ähnlich drauf waren, wie dein junger Patient jetzt und ihr Leben umgekrempelt haben. Mache doch beide bekannt miteinander, so eine Art Selbsthilfegruppe oder sowas in der Art.
    Ansonsten wünsche ich dir viel Erfolg beim positiven EInwirken auf den Patienten!!!

    lg anne
     
  3. midsommer

    midsommer Senior-Mitglied

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    Vielleicht liegt es daran, das dem Patienten egal ist was mit ihm passiert, weil er das Gefühl hat, das es sonst niemanden interessiert, ob er lebt oder nicht. Wie sieht es bei ihm im familiären Umfeld aus? Hat er Freunde und Familie die sich ehrlich um sein Befinden sorgen? Für mich hört sich das eher nach seelischen Problemen an.
    Und wenn es das nicht ist, hat jeder Mensch auch das Recht uneinsichtig zu sein. Mehr wie ihn betreuen und aufklären kannst du nicht. Annehmen muss er es schon selber wollen.
     
  4. Nomis

    Nomis Stammgast

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    Der Wille des Pat. ist sein Himmelreich.
    Klär ihn über die Folgen auf, versuche ihm Alternativen aufzuzeigen. Wenn er trotzdem nicht einsichtig ist, dann ist das eben so. Reib Dich bloß nicht an so einem Pat. auf, Du musst lernen zu akzeptieren, dass sich einfach nicht jeder Pat. helfen lassen will.
     
  5. Bucks

    Bucks Junior-Mitglied

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    Ihr habt ja alle recht. Der Patient hat ein sehr liebevolles familiäres Umfeld. Ich glaube er verdrängt sehr viel. Zur Zeit hat er zwei Katecholamine laufen und der Blutdruck ist systolisch so um 90 mmHg. Ihm wurde wohl schon in der Vergangenheit sehr deutlich mitgeteilt, dass er sein Leben umstellen muss.
    Aber eigentlich wird es immer schlimmer.
    Dazu wird seine Anspruchshaltung immer mehr. Ich bin schon lange im Beruf, aber ich komme mir immer noch herzlos vor, so als ob ich ihn abgeschrieben hätte. Aber natürlich habt ihr Recht.
    Also weiter gehts. Ist nur sehr traurig.
    Wir wechseln uns ab in der Betreuung des Patienten, weil es körperlich und emotional sehr anstrengend ist.
    Danke LG Bucks
     
  6. Anne77

    Anne77 Stammgast

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    Hallo Burcks,
    hm ganz aufgeben, musst du sicherlich nicht. Ein bißchen kannst du schon noch hoffen, das der Gute seine EInstellung vielleicht doch überdenkt. Manchmal geschehen immer noch WUnder!!
    Herzlos musst du dir beim besten Willen NICHT vorkommen!!!! Du hast alles mögliche getan, was dir möglich war. Sag dir dies bitte immer schön, bevor du zu deinem speziellen Patienten gehst.

    lg anne
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Warum erwarten wir eigentlich vom Pat. stets ein gesundheitsbewusstes Verhalten während wir uns selbst gegenüber eher großzügig sind? Oder gibt es hier nur normalgewichtige Asketen ohen irgendein "Sucht"problem mit einer sportlich aktiven Freizeit?

    Zum Pat.- das Essen könnte eine Kompensationshandlung sein: man gönnt sich sonst ja nichts. Essen kann ein "dickes Fell" schaffen: nichts kann mit etwas anhaben. Mit Essen signalisieren Angehörige Zuwendung. Essen kann Zeit vertreiben. ...

    Essen ist eben nicht nur Kalorienzufuhr, sondern kann ganz viele Bedeutungen haben. Und wenn du dann ständig an dem Essverhalten rumnörgelst, kannst du nicht selten mehr Schaden anrichten als Nutzen.

    Schaut doch erst mal, was das Essen für ihn bedeutet. Was es ihm gibt? Warum er soviel isst?

    Elisabeth
     
  8. schokofee

    schokofee Stammgast

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    Elisabeth hat Recht. Natürlich ist es ärgerlich, wenn Patienten "beratungsresistent" sind - aber es ist eben bedeutend einfacher, gute Ratschläge zu geben als sie umszusetzen...
    Wie viele Pflegekräfte und Mediziner rauchen, ernähren sich ungesund oder sind übergewichtig ?! Gegen besseres Wissen ?
    Jede Menge ...
     
  9. Neuron

    Neuron Stammgast

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    Mit gutem Zureden wird in so einem Fall meiner Meinung nach kaum etwas zu bewirken sein.

    Wie sieht es mit psychotherapeutischen Maßnahmen aus?

    Die Ursache des Verhaltens muss gefunden und an der Wurzel therapiert werden. So wie geschildert, sollte der Patient auch einmal Vertrauen zu einer professionellen psychatrische Untersuchung finden. Daran muss ich auch denken.

    Das wird freilich je nach Krankenkasse (und Geldbeutel) ohne Hausarzt
    nicht so einfach gehen.
     
  10. sigjun

    sigjun Gast

    Mal auf Dich bezogen solltest Du Deine Grenzen nicht nur erkennen, sondern auch akzeptieren.
    Jeder ist ein eigenständiger Mensch, somit kann auch jeder Patient für sich selbst entscheiden wie er lebt.
    Wenn er alle Informationen zum Leben mit seinem Krankheit hat, beraten wurde über Risiken und Folgeschäden, sowie Alternativen und Möglichkeiten zu gesunderem Leben bleibt es immer noch seine Entscheidung wie er leben möchte. Und genau das ist dann die Grenze wo ich mir klar mache, dass der Patient zwar ein Problem hat, aber dieser eben auch selbst den Willen haben muss es zu lösen. Mein Lebensentwurf muss nicht seiner sein, ich kann seine Probleme auch nicht lösen.
    Und das sage ich solchen Patienten auch in der Form, dass ich ihm gerne helfe, wenn er das aber nicht möchte eben auch akzeptiere, da er erwachsen und selbstbestimmt so leben kann wie er möchte.
    Ich denke ein Problem der Pflege ist vielmehr das auszuhalten, aber das kann man lernen.
     
  11. Bucks

    Bucks Junior-Mitglied

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    IMC/ICU
    Vielen, vielen Dank an Alle. Ihr seid sehr nett und auf jeden Fall habt ihr Recht. Habe mit eure Ratschläge auch zu Herzen genommen. Ist auch schon besser geworden und da wir uns bei der Versorgung wirklich gut unterstützen schaffen wir das auch. Der Patient hoffentlich auch.
    LG Bucks:lol:
     
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