Umgang mit Hypochondrie/Angsstörung

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von littlesun, 03.04.2012.

  1. littlesun

    littlesun Bereichsmoderatorin
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    Ich habe in der engsten Familie einen Fall von Hypochondrie, der betroffene ist felsenfest davon erzeugt, an ALS, MS oder einer sonstigen neurologischen Krankheit erkrankt zu sein.
    Eine körperliche Erkrankung, auch speziell MS und ALS, ist in monatelanger Diagnostik, bis hin zum MRT, EMG und zur Lumbalpunktion, ausgeschlossen worden, natürlich lässt sich mein Angehöriger davon nicht beruhigen, sondern rennt weiter von Arzt zu Arzt (und zum Heilpraktiker, zum Osteopathen..und....und...) und befragt stundenlang Dr. Google zu irgendwelchen Symptomen.
    Das einzige, was leicht erhöht war, war der CKMB, die Mitteilung dieser LEICHTEN Verschiebung führte abermals zu Panik und stundenlangem, ja wochenlangem Befragen des Internets,...dass selbst der Arzt Entwarnung gegeben hatte, war natürlich nur ein "Verschleiern von Tatsachen" :wut:

    Da ich Krankenschester in der Neurochirurgie bin, bin ich natürlich auch bevorzugter Ansprechpartner von ihm :-/
    Es ging nun schon soweit, dass er abends völlig aufgelöst und panisch mit einer vermeintlichen Fazialisparese vor meiner Tür stand, dass alles in Ordnung war, muss ich kaum erwähnen.
    Ich bin davon überzeugt, dass er die Symptome die er angibt auch wirklich hat, bin aber auch davon überzeugt, dass der Ursprung psychischer Natur ist und er wirklich krank ist - aber krank vor Angst.
    Zu einem Besuch bei den Psychosomaten oder Psychologen ist er bisher nicht zu bewegen, auch wenn ihm selbst die Neurologen dringend dazu geraten haben.

    Wie gehe ich als Angehörige am besten mit so jemandem um? Die täglichen Anrufe, SMS und Mails zermürben mich zunehmend, und ich habe wirklich Schwierigkeiten, mich professionell davon zu distanzieren. Versuche, ihm zu erklären, dass somatische Ursachen ausgeschlossen wurden und dass ich ihm nicht helfen kann, scheitern. Versuche, ihm zu erklären, dass ich mich nicht mehr mit ihm über Symptome unterhalten will, enden in Weinkrämpfen seinerseits.
    Was raten mir die Fachleute für psychische Erkrankungen? Wie soll ich weiter damit umgehen?
     
  2. littlesun

    littlesun Bereichsmoderatorin
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    Ich bin dankbar für jeden Rat, Denkanstöße, Meinungen und alles, was Euch einfällt!!!
     
  3. Fearn

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    Es vielleicht von Vorteil, wenn Dein Patient die Hypochondrie an sich als Krankheit akzeptieren könnte, die man ernst nimmt
    und noch besser, wenn er diese "Erkrankung" für sich akzeptieren könnte.

    Meine Mom ist leider auch ein schlimmer Hypochonder.
    Sorry, aber da kann ich manchmal nicht mal mehr hinhören, wenn sie damit anfängt, weil das unerträglich ist, seit mindestens 40 Jahren.

    Meine Mom hat eines Tages wirklich etwas ernsthaftes und keiner wird mehr reagieren.

    Liebe Grüße Fearn
     
  4. littlesun

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    Genau das ist das Problem: Ich reagiere mittlerweile nur noch genervt, wenn ich in epischer Breite zum millionsten Mal wiederhole, dass sämtliche Untersuchungen unauffällig waren und er BITTE BITTE BITTE in professionelle, erfahrene Psychologenhände gehört. Es ist ermüdend, zermürbend, und soooo anstrengend.
    Aber wie gesagt -es geht um meinen Bruder- ist er nicht davon zu überzeugen, dass er nicht unter einer körperlichen Krankheit leidet, sondern seine Seele krank ist.
    Ich weiss einfach nicht mehr weiter :angry:
     
  5. eiermatz

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    war dein Bruder schon immer so, oder erst in letzter Zeit? Gibt es vielleicht Probleme in der Beziehung, im Beruf, vielleicht eine Erkrankung im Freundeskreis, plötzlicher Todesfall im näheren Umfeld, die er vielleicht gar nicht bewußt wahr nimmt, sich aber auf diese Weise äußern könnte. Wenns zu schlimm wird für dich, sage ihm das auch, dass du, wenn er sich nicht helfen lassen will, er alleine damit klar kommen muß, weil es dir über den Kopf wächst.
     
  6. littlesun

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    Er hatte früher bereits schon mal eine Angsstörung, die sich anders äußerte und damals mit einem Antidepressivum behandelt wurde. Jetzt aktuell gab es keinen konkreten Auslöser, ich denke, es schlummert einfach sehr viel in ihm und es wäre an der Zeit, zusammen mit einem Fachmann/Fachfrau den Deckel zu lüften und zu schauen, was da los ist.
    Ich hoffe einfach, dass er bald verstehen kann, dass er Hilfe braucht, denn sich 99% seiner Tageszeit mit Symptomen und Angst auseinandersetzen - das ist doch wahrhaftig keine Lebensqualität?
     
  7. narde2003

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    Hallo Littlesun,

    es ist hart und für uns kaum verständlich, aber du kannst derzeit nichts dagegen machen.

    Er ist weder Selbst- noch Fremdgefährdend, nehme ich mal an.
    Er ist nicht betreut?

    Somit kannst du ihn nicht zu einer Behandlung "zwingen".

    Rein von der Logik ist es dir klar, dass er eine Behandlung bräuchte, aber wenn er nicht will, dann will er nicht.
    Ohne eine entsprechende Compliance, geht halt nix.

    Viel Glück für dich, achte auf dich, versuche dich abzugrenzen (leichter gesagt als getan).
     
  8. littlesun

    littlesun Bereichsmoderatorin
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    Nein er ist nicht betreut, er ist ein junger, objektiv gesunder, erfolgreicher Mannn, noch keine 30, der krank ist vor Angst, dies im Alltag und im Umgang mit Kunden etc. sehr gut verbirgt, nur ich bekomme immer die volle Packung ab :-/ Ich denke auch, dass man nur warten kann, bis sein Leidensdruck so groß wird, bis er selbst einsieht, dass er Hilfe braucht.
    Es ist schwierig, sich bei der eigenen Familie abzugrenzen, bei meinen Patienten fällt mir das leicher :-/
     
  9. stormrider

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    Bei solchen Verweigerungskandidaten sollte man auf Abstand gehen, sich energisch abgrenzen. Vor allem nicht auf seine Krankheitsprobleme eingehen, die er schildert. Kurz und knapp sagen, dass er sich in ärztliche Behandlung geben soll, also Psychiater und dann das Thema beenden. Eisern bleiben, keine Diskussionen über Krankheiten und Beschwerden. Evtl. den Hinweis geben, dass Hypochondrie eine Krankheit ist und eine ärztliche Behandlung erforderlich ist.

    Wenn du immer wieder auf ihn eingehst, erreicht er was er will, Zuspruch finden, Beachtung bekommen. Solange er Ansprechpartner hat, die nach seinem Sinn reagieren, wird er nie zum Arzt gehen.
     
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