Umgang mit aggressiven dementen Menschen

MrsDoyle

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Hi ihr!

Was habt ihr in dieser Hinsicht für Erfahrungen gemacht, wie geht ihr mit diesen Menschen um? Was kann man tun, wenn Pflegemaßnahmen und vor allem Medikamtengabe (z.B. Augentropfen) durch Aggression und Verweigerung unmöglich werden? Ich finde das Thema sehr schwierig, weil man gerade im Bezug auf Medikamentengabe niemanden etwas aufzwingen kann, wenn es absolut verweigert wird, andererseits kann man den betreffenden Menschen deswegen nicht einfach nicht behandeln und pflegen und zusehen, wie sich der Zustand verschlechtert.

Grüßle MrsDoyle
 

sommerwolke

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super sensibles thema!
ich persönlich arbeite sehr gerne mit dementen. jeder mensch hat seine eigene sozialisation und biografie und jeder ist etwas anders, selbst mit der demenz (manchmal hilft es sich in der geschichte des patienten etwas auszukennen, gründe für verhalten zu wissen und sensibler damit umgehen zu können, aber leider nicht immer gegeben).
im KH wird es halt manchmal so gemacht, dass diese menschen medikamentös eingestellt werden (u.a. sedativa) wenn eine behandlung wirklich nötig ist und ich persönlich finde es dann auch legitim.
das muss man dann denke ich doch mit den ärzten bereden.

ein bsp: wir hatten mal eine patienten die dement war, aggressiv mit lauftendenz! diese patienten musste aber prä-op abführmittel trinken und komplett "leer sein". wir versuchten es mit worten, liebevoll, ruhig, alles half nichts, sodass sie wirklich erst was an medis bekommen musste, denn sonst wär sie ncihtmal auf dem toilettenstuhl sitzen geblieben. zumal sie ständig in alle zimmer reinlief und jetzt stell dir vor sie hätte das gemacht nach den 2 1/2 litern abführmittel (glaub ich warens) und halb nackt quer über den flur, durchs haus UND noch in andere zimmer und betten!:knockin::knockin::knockin:
haben sie dann auf den t-stuhl gesetzt,decke drüber, mit ins schwesternzimmer und ich hab ihr was vorgelesen :-) hat gut geklappt.
 

dr.house

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Hallo,
je nach Stadium der Demenz, hat man auch ohne Medis noch diverse Möglichkeiten-wie meine Vorrednerin baue ich auf Biographiearbeit und intensives einbeziehen seiner direkten und vertrauten Angehörigen...denn erst wenn man den Menschen und seinen Werdegang, sowie seine evtl. schlechten Erfahrungen...evtl. beim Augenarzt oder wo auch immer, versteht, hat man überhaupt eine Chance auf pflegerischen Erfolg!Je nach Stadium also Biographiearbeit und Validation...das Thema Validation würde jetzt aber den Rahmen sprengen.

nette Grüsse euer Dr. House
 

auswanderin

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hallo
auch ich finde Biografiearbeit und Validation wichtig und was mir immer wieder aufgefallen ist, das Demente oft "kommandiert" werden. Da sie aber unterschiedliche Phasen bei einer Demenz durchlaufen, sind sie nie und nimmer als Kind ( bevormundung) zu behandeln, sondern man sollte sie wie gleichwertige bei der Kommunkikation behandeln und in das Geschehen einbeziehen.
Vor allem sollte man immer versuchen, herauszubekommen, warum agressiv? was versteht man unter agressiv? alles Handeln hat einen Grund und den muss man finden.
manchmal können diese Menschen sich einfach nicht mehr äussern und reagieren wie sie noch können, was dann schnell mit den Worten der Agressivität abgetan wird.
 

sommerwolke

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ich hoffe ich bin richtig verstanden worden. sehe es nämlich auchso.
bei dem bsp. das ich angebracht habe war es leider so (denke so ist es öfter :/ ), dass die patientin keine angehörigen mehr hatte, wie hatten keine pflegeüberleitung zum lesen und hatten so keinerlei infos über ihre biografie! über sie war nichts rauszubekommen.
zudem kam sie lediglich ins KH zur OP, sprich sie war nur wenige tage bei uns und nur wenige stunden auf station bis zur OP (mussten sie ja abführen, sie war sehr agressiv(= laut, wütend, abweisend, schlug teils um sich, rannte weg was noch dazu kam) und ohne infos über diese frau gestaltet sich es natürlich schwieriger!

aggressiv finde ist wird sowieso manchmal zu schnell gesagt. wie schon erwähnt wurde befinden sich die menschen je nach stadium manchmal in einer anderen zeit/ anderen situation und oft ist es angst und unsicherheit was dann als aggression empfunden/ deklariert wird.

emphatie & validation sehr wichtig!
und meiner meinung nachist es eine milchmädchenrechnung zu sagen "dauert zu lange/ zu viel arbeit", denn lernt man den menschen ein bisschen kennen und kann reaktionen zuordnen und gründe herausfinden, kann man dementsprechend darauf reagieren und hat viel weniger arbeit (als zB jemanden dauernd nur zu bevormunden).
 

auswanderin

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hallo Sommerwolke
nein, du hast schon richtig gehandelt und dich der Pat. angenommen, das war gut so, manchmal hat man eben halt nicht imer die möglichkeit grossartig etwas zu erfahren, dann gehe halt einfach über de Gefühle eines Menschen und die hat jeder bis zum Tod und das, was man selber fühlt, fühlen auchdemente noch, sie können sich halt meist nicht mehr richtig äussern

gruss Heidi
 

KleinesWombat

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Also am besten ist es wenn du

RUHE BEWAHRST und ganz RUHIG und ENTSPANNT mit der Zielperson kommunzierst...
Ich finde auch Non-Verbale Kommunikation Gestik Mimik sind mit Aggressiven Personen SEHR wichtig.

Erstmal muss man sich in die Lage der Person versetzen... Teile des Gehirns sind von Demenz betroffen und der gute kann das was er tut nichtmehr kontrollieren. (Viele Schwestern schimpfen mit den aggressiven Leuten oder sind persönlich betroffen)
Der Mensch kann nix dafür also immer verstehen.

Hatte z.B. mal einen "extremfall", der gute hat immer total rumgebrüllt und um sich geschlagen, auch nach mir und den Schwestern geschlagen und getreten gespuckt etc...

Bin nach ca. 1 Woche aber immer besser mit ihm zurecht gekommen... Habe immer ruhig mit ihm geredet, meinen Kopf mit dem einen Arm vor schlägen geschützt und immer freundlich gewesen egal wie wütend er auch war... Den Bew. mit Vornamen ansprechen hat mir auch sehr geholfen. Nach einigen Wochen sind wir so gut miteinander zurecht gekommen das er kaum noch geschlagen hat und auch mal gelächelt hat. Also ich sage es nur immer gerne wieder RUHIG und GELASSEN unD FREUNDLICH bleiben!!! Das ist meiner Meinung nach die Beste Medizin. Falls GARNICHTS hilft natürlich NEUROLOGEN zu rate ziehen. LG
 

Elisabeth Dinse

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haben sie dann auf den t-stuhl gesetzt,decke drüber, mit ins schwesternzimmer und ich hab ihr was vorgelesen :-) hat gut geklappt.
Das Beispiel gefällt mir sehr gut. Gibt es noch mehr solche ungewöhnlichen Ideen für den klinischen Bereich?

Elisabeth
 

Dannichen

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WOB mit vielen an Demenz erkrankten Menschen
Auch wenn der letzte Beitrag hier von Ewigkeiten geschrieben wurde, möchte ich hier etwas beitragen:

Bei mir bei der Arbeit gibt es einige aggressive demente Bewohner.
Der eine mit Weglauftendenz. Der einzige Weg um ihn in seinen schlechten Phasen wieder zurück auf den Wohnbereich zu holen: Ihn bitten dass man mit ihm zusammen gehen darf. Ich sage z.B. "Nehmen Sie mich mit?" Oder "Gehen wir ein bisschen zusammen, ich komme mit". Sobald man ihm den "Befehl" gibt zurück zugehen oder man ihn versucht in die gewünschte Richtung zu führen, können in unschöne Situationen ausarten. Grund: Er hatte mal einen ganz hohen Posten und hatte einen recht gefährlichen Beruf (will jetzt nichts genaues nennen) und musste oft um seine Sicherheit fürchten, da KANN er sich gar nicht durch die Gegend ziehen lassen. Verstehe ich. Und seitdem ich ihm zeige dass er die Kontrolle behält und er mich an die Hand nimmt, läuft er nach einem kurzen Umweg selbst wieder zurück schickt mich quasi wieder zur Arbeit. :aetsch: Mittlerweile freut er sich mich zu sehen weil er weiß, er hat nichts zu befürchten und er schlägt wie von selbst die richtige Richtung ein.
Denn wenn er mal nicht mitwollte hat er allen einen riesigen Schrecken eingejagt wenn er sich einfach mal auf den Boden fallen lassen hat und "in Deckung" über den Flur gekrochen ist. Selbstverständlich in die andere Richtung als die wo er lang sollte :lol1: :eek1: 8-)
 
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