UKM testet neue Aufgabengebiete für die Pflege

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Online-Team, 10.06.2007.

  1. Online-Team

    Online-Team Poweruser
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    UKM testet neue Aufgabengebiete für die Pflege

    [05.06.2007] Münster (ukm/sh). Es hört sich unspektakulär an: In einer Pilotphase testen zwei Kliniken des Universitätsklinikums Münster (UKM), welche Zeit- und Personaleinsparungen es bringt, wenn sowohl Blutentnahme als auch intravenöse Medikamentengaben vom Pflegepersonal übernommen werden. Und nicht, wie bisher, von Ärzten. „Wir haben einen Testlauf gemacht“, berichtete UKM-Pflegedirektor Michael Rentmeister, „und festgestellt, dass wir mit so einer Maßnahme bei den Ärzten 7,7 Stunden pro Tag einsparen können.“

    Das heißt: Durchschnittlich knapp acht Stunden verwenden Ärzte auf einer Station darauf, Patientinnen und Patienten Blut abzunehmen und ihnen intravenös Medikamente zu verabreichen.
    Die Stundenzahl errechnet sich aus der Summe der Einzelleistungen. Wäre also nur ein Arzt auf der Station vertreten, wäre er den ganzen Arbeitstag über damit beschäftigt, Blut abzunehmen und Medikamente intravenös zu verabreichen. Zeit, die er besser für Dinge aufbringen könnte, die seiner Qualifikation entsprechen und mehr Zeit, die der Arzt für den Patienten hat.

    Denn die Qualifikation für Blutentnahmen haben längst nicht mehr nur Ärzte: Bei niedergelassenen Ärzten ist es seit Jahren Gang und Gäbe, dass Arzthelferinnen die Nadel setzen. „Durch die zunehmende Arbeitsbelastung der Ärzte auf den Stationen, die jetzt neben ihren eigentlich ärztlichen Aufgaben vermehrt auch Anforderungen wie Dokumentation und Qualitätssicherung für die Patienten leisten und durch die Einführung des neuen Arbeitszeitgesetzes, ist es sinnvoll, Aufgabengebiete verschiedener Berufsgruppen genau unter die Lupe zu nehmen“, erklärte Rentmeister.

    Die Pflege ihrerseits soll Aufgaben an Arzthelferinnen abgeben. Der Transport und die Begleitung von Patienten zur Röntgenabteilung zum Beispiel, oder das Abholen und Verwalten von Röntgenbildern sind Aufgaben, die nicht zwingend von der Pflege übernommen werden müssen. Genauso wenig wie Kurzentlassungsbriefe oder die Zusammenstellung der Befunde zwingend von Arzthelferinnen, sondern genauso gut von Schreibkräften erledigt werden können.

    Was zunächst nicht nur am UKM, sondern auch in anderen Unikliniken wie zum Beispiel in Hamburg oder in Marburg, aus dem Diktat des Sparzwangs entstand, ist längst eine Veränderung, die unter positiven Vorzeichen steht: „Mit der Delegation ärztlicher Tätigkeiten auf die Pflege können Prozesse optimiert werden, auch mit dem Ziel, dass mehr Zeit für Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht,“ betonte Rentmeister. Durch den immer weiter zunehmenden Einsatz der Informationstechnologien müssen heute ein Pfleger und eine Ärztin zwischen 30 und 50 Prozent berufsfremde Tätigkeiten aus den Bereichen Service, Dokumentation oder Administration übernehmen – Zeit, die für Patientinnen und Patienten verloren geht. „Mit der Delegation von ärztlichen Tätigkeiten werden wir allmählich in allen Berufsgruppen, die eng mit dem Patienten zusammenarbeiten, eine deutliche Entlastung von fachfremden Aufgaben erreichen“, stellte Rentmeister in Aussicht.

    Der UKM-Vorstand hat von seiner Ärzteschaft volle Rückendeckung für die geplante Umstrukturierung: „Das Pflegepersonal wird optimal in die neuen Aufgabengebiete, Blutentnahme und intravenöse Medikamentengaben eingearbeitet, es wird auch hier eine enge Kooperation zwischen Pflegepersonal und Ärzten geben. Und die Anordnungsverantwortung wird bei dem zuständigen Arzt bleiben“, stellt Professor Dr. Herman-Joseph Pavenstädt, stellvertretender Ärztlicher Direktor am UKM, klar.

    Nach der zweimonatigen Theorie-Phase, in der die Pflegerinnen und Pfleger intensiv auf die neuen Aufgaben vorbereitet wurden, beginnt im Juni die Praxis. Sowohl in der UKM-Hautklinik als auch in der Medizinischen Klinik A (Hämatologie und Onkologie) läuft die Testphase. Und an dessen Ende steht die Evaluierung.

    Quelle: Universitätsklinikum Münster
     
  2. Uta B.

    Uta B. Newbie

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    Hallo!
    Nicht nur Münster macht´s so, sondern die Charité in Berlin auch! Die Unfallchirurgie, Orthopädie und Hämatologie sind mitten in der Testphase. Zuerst wurde uns eine 3tägige Pflicht-Fortbildung verordnet über die Theorie und Praxis von i.v.-Spritzen,Blutentnahmen,Legen von Venenverweilkanülen, Legen und Entfernen von Portnadeln sowie die dazugehörigen Verbände und eine Positiv- + Negativliste von Medikamenten und ihren (Neben-)Wirkungen. Kurz darauf folgte eine schriftliche und praktische Prüfung. Wer dabei durchfiel(und es waren einige), wurde ein zweites Mal in Einzelgesprächen mündlich geprüft und zwar so, daß man nicht durchfallen konnte. Außerdem stand im Hintergrund eine Aussage der PDL : Wer die Prüfung nicht besteht, sollte überlegen, ob er sich nicht in einer anderen Umgebung wohler fühlen würde!!! :angryfire:
    Seitdem "dürfen" die Pflegekräfte ihre neu erworbenen Kenntnisse in die Praxis umsetzen. Allerdings kommen auf Anfrage bei schwierigen Fällen auch noch die Ärzte zum Einsatz.
    Als Hilfe für berufsfremde Tätigkeiten werden Servicekräfte eingesetzt, für deren Stellen natürlich Pflegepersonal gestrichen wird, obwohl dieses weiterhin die Servicetätigkeiten mit abdeckt (bei freien Tagen, Wochenenden, Krankheit,Urlaub...). Auch die Ärzte sollen 1,5 Stellen abgeben, dagegen wehrt sich aber der Chefarzt noch erfolgreich.
    Mal sehen, wie sich das entwickelt...
     
  3. Binarella

    Binarella Junior-Mitglied

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    Prima.
    Wieder etwas (7,7 Stunden) an die Pflege delegiert.
    Wenn bei den Ärzten diese Zeit eingespart werden kann,
    bekommt die Pflege dann diese Zeit dazu (z.B. eine Stelle mehr)
    oder wie funktioniert das?:schraube:
    Wir haben in unserem Haus eine "Laborantin" die auf Station kommt,
    um Blutabnahmen und EKG durchzuführen.
    Die I.V Antibiosen übernehmen die Ärzte,
    I.V. Medikamente wie KCL/Furo... übernimmt die Pflege.
     
  4. Susi_Sonnenschein

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    Hallo,
    also, bei uns ist es genau andersrum, die Ärzte übernehmen i.v. Medis, verabreichen diese an Patienten, wir hängen die Antibiosen an (bis auf Erstgaben - die werden von den Docs gemacht).
     
  5. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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  6. Uta B.

    Uta B. Newbie

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    Wenn bei den Ärzten diese Zeit eingespart werden kann,
    bekommt die Pflege dann diese Zeit dazu (z.B. eine Stelle mehr)
    oder wie funktioniert das?:schraube:
    Die bisherige Stellenanzahl bleibt erhalten, da wir ja einen Teil unserer Tätigkeiten an die Servicekräfte abgeben.


    I.v.-Medis und Erstgaben von Antibiotika dürfen wir auch übernehmen, da wir ja geschult worden sind. Nur einige wenige Medikamente aus einer Negativliste (Narkotika, Betablocker, Antiepileptika u.ä.) sowie weiterhin die Gabe von Blutkonserven bleibt den Ärzten überlassen.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was ich "amüsant" finde: in Münster macht man daraus ein Riesenprojekt... bei uns gabs ne Schulung, ne Dienstanweisung und fertig. Da wurde nicht nachgefragt wieviel man beim Doc einspart und wieviel man an Pflegearbeitszeit ev. auslösen müßte durch Servicekräfte. Pflege wirds schon schaffen... und sie schafft es tatsächlich.

    Elisabeth
     
  8. cercarien

    cercarien Gast

    Und da wir immer alles schaffen, wird sich nichts ändern.

    Wir haben jetzt einen High-Tec Kaffee-Automaten auf Station, richtig geil, aber wer darf ihn nachfüllen und sauber machen ??? Richtig ! Die Pflege !!!
    Kostet ne halbe Stunde jeden Abend, und das Abfüllen der Kannen, weil kann das Gerät nicht mitnehmen, dauert auch nochmal ca 20 Min drei mal Täglich.

    Somit ist das über den Tag gerechnet 1 1/2h !!!! Wahnsinn oder, dafür habe ich drei Jahre gelernt.

    Ach so unseren Aufenthaltsraum darf ich auch noch putzen ( Tische ect )

    Und dann soll ich auch noch mehr ärztliche Aufgaben machen ??? Nein, no Way. gerade Blutentnahmen ect sind eigentlich immer morgens, dann habe ich als Pflegekraft genug zu tun, denn wenigstens dann möchte ich etwas Zeit für den Patienten haben.
    Schon schlimm genug, dass ich im Spätdienst, fast 2/3 meiner Zeit nur vor den Kurven hänge, und ausarbeite was die Heerschaft in Weis sich hat einfallen lassen. *gggggrrrrr'

    Sonst sind wir bald, wenn wir es nicht jetzt schon sind ;), Ars** für alles
     
  9. Pinguin

    Pinguin Junior-Mitglied

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    Was mich hierbei schon im Ansatz stört ist die Aussage das Ärzte auch noch für das Qualitätsmanagement und die Dokumentation zuständig sind.
    Macht dies die Pflege etwa nicht, zB über Stanndards schon seit langem?
    Ach ja schöne Grüsse an den tollen Leiter des UKM. Ein wirklich guter Leiter hätte schon vor 10 Jahren die Ausbildung entsprechend geändert;)
    Was die Mehrarbeit angeht - tja es gibt Betriebsräte, Gewerkschaften etc.
    Dort kann jeder nachfragen wie diese Delegation vonstatten gehen soll.
     
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